Gewerbliche Nebeneinkünfte als Risiko für den Freiberufler-Status

Freiberufler riskieren mit gewerblichen Nebeneinkünften ihren Sonderstatus. Der BFH konkretisiert die Bagatellgrenzen.

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Stand: 17. August 2015 (aktualisiert)

Gewerbliche Nebeneinkünfte können bereits in bescheidenem Umfang zum Verlust der Freiberufler-Privilegien führen. Das ist vielen freiberuflichen Solo-Selbstständigen nicht bewusst. Lange war umstritten, bis zu welcher Bagatellgrenze gewerbliche Einkünfte von Finanzämtern toleriert werden müssen. Drei aktuelle Urteile des Bundesfinanzhofs sorgen für mehr Klarheit.

Checkliste: Gewerbe-Risiken für Freiberufler


Für Mitglieder von akademie.de haben wir eine Checkliste im PDF-Format vorbereitet, die die allgemeinen Kriterien für den Freiberufler-Status abfragt. Die Analyse des Steuerberaters kann sie nicht ersetzen: Anhand dieser Arbeitshilfe können Sie aber feststellen, ob eine selbstständige Tätigkeit grundsätzlich als freiberuflich oder gewerblich eingestuft wird.
Download: Checkliste Freier Beruf (PDF)

Die Unbedenklichkeitsgrenze

Was viele freiberufliche Solo-Selbstständige nicht wissen: Bereits kleinere gewerbliche Nebeneinkünfte können zum Verlust der Freiberufler-Privilegien führen! Umstritten war lange, bis zu welcher Bagatellgrenze gewerbliche Einkünfte von Finanzämtern toleriert werden müssen. Der Bundesfinanzhof hat in diesem Jahr gleich drei Urteile veröffentlicht, in denen die Auswirkungen gewerblicher Nebeneinkünfte auf den Freiberufler-Status konkretisiert werden.

Ohne Folgen für Freiberufler bleibt demnach künftig nur ein gewerblicher Einnahmenanteil von „äußerst geringem Umfang“: Als äußerst geringfügig gelten Gewerbe-Einnahmen, solange sie

  • 3 % der Gesamt-Nettoumsätze nicht übersteigen und

  • unter 24.500 Euro liegen.

Beispiel:

Angenommen, Sie erzielen als Freiberufler mit selbstständigen Tätigkeiten im Sinne des § 18 EStG pro Jahr 80.000 Euro Umsatz. Dann sind gewerbliche Nebeneinkünfte von gerade einmal bis zu 2.400 Euro unbedenklich. Übernehmen Sie darüber hinaus weitere gewerbliche Aufträge, besteht die Gefahr, dass der Gesamtumsatz als gewerblich eingestuft wird!

Urteile zu Gesellschaften, anwendbar aber auch auf Einzelfälle

Die genannten BFH-Urteile zur "Abfärbetheorie" beziehen sich auf Freiberufler-Zusammenschlüsse (zum Beispiel in einer GbR). Tenor: Gewerbliche Aufträge eines einzelnen Gesellschafters gefährden den Freiberufler-Status der Gesamtgesellschaft.

Die neuen Bagatellgrenzen können von den Finanzämtern aber auch auf Solo-Selbstständige angewendet werden, sofern der gewerbliche Anteil nicht "untrennbar" mit der ansonsten eindeutig freiberuflichen Haupttätigkeit verbunden ist.

Ausführliche Informationen zum Unterschied zwischen trennbaren und untrennbaren gemischten Tätigkeiten finden Sie im Grundlagenbeitrag "Freiberufler und zugleich Gewerbetreibender? Vorsicht mit 'gemischten Einkünften'".

Die Folgen einer Gewerbe-„Infektion“

Durch die „Umqualifizierung“ entsteht unter anderem Gewerbesteuerpflicht. Die Gewerbesteuerpflicht wiederum führt in vielen Fällen zur Zwangsmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer oder sogar der Handwerkskammer. Zwar gelten für Gründer und Kleingewerbetreibende in vielen Kammern Sonderkonditionen; Zusatzbelastungen drohen jedoch auch hier.

Die Gewerbesteuerpflicht bringt zunächst einmal zusätzlichen bürokratischen Aufwand mit sich. So müssen Gewerbetreibende nicht nur zusätzlich den Gewerbeertrag ermitteln und eine jährliche Gewerbesteuererklärung abgeben. In vielen Fällen sind auch noch vierteljährliche Gewerbesteuer-Vorauszahlungen zu leisten.

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