Praxisleitfaden: Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

Was die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige bringt, was sie kostet und für wen sie sich (noch) lohnt

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Stand: 14. März 2014 (aktualisiert)

Auch Selbstständige können sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern - vorausgesetzt, sie stellen innerhalb von drei Monaten nach der Gründung den erforderlichen Antrag. Die monatlichen Beiträge sind in den letzten Jahren allerdings dramatisch gestiegen: Zurzeit kostet die Arbeitslosenversicherung 82,95 Euro in den alten Bundesländern und 70,35 Euro in den neuen Ländern (Stand: 2014). Für manche Selbstständige kann die freiwillige Versicherung trotzdem ein sinnvolles Instrument der Risikovorsorge sein.

Dieser Ratgeber stellt die Möglichkeiten und Grenzen der freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige vor. Sie erfahren, wer beitreten kann, und welche Nachweise erforderlich sind. Außerdem sagen wir Ihnen, wie hoch die Beiträge ausfallen, wie und unter welchen Bedingungen Sie sich im Falle einer Geschäftsflaute arbeitslos melden können und mit wie viel Arbeitslosengeld Sie rechnen können.

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fAV - GmbH

Guten Tag,
ich bin geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH mit einem Anteil von 50%. Die finanzielle Lage ist seit Monaten schlecht, sodass mein Geschäftspartner und ich unsere Gehälter vor Monaten auf ein Minimum gekürzt haben. Für mich ist dieser Zustand nicht mehr tragbar und ich möchte "aussteigen".
Ich bin seit Jahren in der fAV.
Mein Geschäftspartner würde die Firma evtl. alleine weiterführen. Kann ich aus der GmbH ausscheiden und ALG beziehen oder müssen wir die GmbH vorher auflösen?
Mit freundlichen Grüßen,
PeterS

Antwort: fAV - GmbH

Guten Tag, Herr S.,
eine sozialversicherungsrechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur allgemein:

1.
Eine GmbH-Liquidation kann die Arbeitsagentur von Ihnen grundsätzlich nicht verlangen.

2.
Entscheidend ist die Frage, ob Sie arbeitslos im Sinne des § 138 SGB III sind.

3.
Das hängt unter anderem davon ab, ob Sie Mitarbeiter haben, welche Funktionen Sie und Ihr Mitgesellschafter bisher ausgeübt haben und welche Veränderungen sich in letzter Zeit ergeben haben.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Wann gilt ein Selbstständiger als arbeitslos?"
https://www.akademie.de/wissen/status-arbeitslos-selbststaendige

4.
Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, dass Sie als Gesellschafter aus einer GmbH ausscheiden. Wenn diese Tätigkeit bisher jedoch die Grundlage Ihres selbstständigen Einkommens bildet, kann das Ausscheiden aus Sicht der Arbeitsagentur als "versicherungswidriges Verhalten" interpretiert werden (analog zur Kündigung eines Arbeitsverhältnisses durch einen Arbeitnehmer). In solchen Fällen drohen Sperrzeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Chromow

von ALG1 in Selbstständigkeit MIT d. freiwilligen Arbeitslosenv.

Hallo,

vielleicht wurde das Thema schon so od. ähnlich behandelt aber in Bezug auf die nachstehende Situation ergibt sich mir eine Frage inwieweit sich ggf. Risiken ergeben.

Vorab: Zunehmend scheinen Unternehmer nur noch s.g. Freelancer od. Freiberufler beschäftigen zu wollen.

Das Szenario:
Der Kandidat bezieht heute ALG1 mit einem Restanspruch von 450 Tagen mit einem Tagessatz der >65€ liegt.
Nun bietet sich u.A. die Möglichkeit eine Tätigkeit aufzunehmen.....Allerdings NUR als Freiberufler (Freelancer). Nun weiß der Freiberufler nicht inwieweit er diese Arbeit ausführen kann. Er steht in Abhängigkeit zu seinem Auftraggeber ... d.h. jederzeit könnte sich das in Null auflösen und nach (sagen wir mal) 4 Monaten endet die Arbeit. Kandidat meldet sich Arbeitslos/-suchend usw.
Nun hatte der Kandidat vor Aufnahme der Arbeit Restansprüche an ALG1.
Frage:
verliert der Kandidat diesen Restanspruch falls er KEINE "freiwillige Arbeitslosenversicherung" abgeschlossen hatte? (in voller Höhe d.h. Tage UND Tagessatz)

verliert der Kandidat diesen Restanspruch falls er EINE "freiwillige Arbeitslosenversicherung" innerhalb der 3 Monatsfrist abgeschlossen hatte? (in voller Höhe d.h. Tage UND Tagessatz)

wird der Kandidat nur den nach dem freiwillige Arbeitslosenversicherung zu errechnen Qualifikation z.B. Q2 den Arbeitslosen - Tagessatz erhalten? ~1.251,90 € (W) also ca. 41€ Tagessatz?

wie lange (Zeit/Jahre) kann der Kandidat die freiwillige Arbeitslosenversicherung aufrecht erhalten? (schiebt sich ein ggf. früherer Rest-Anspruch fort?) ... wenn ja, wie lange?

Oben genanntes Szenario könnte sich mehrfach wiederholen. Kandidat arbeitet 3-4-5 Monate / 4-5 Monate Arbeitslos usw. ..... läuft Kandidat nicht in Gefahr dann keine AlG1 Leistungsanspruch mehr zu haben?

Wie oben genannt scheinen sich Unternehmen dem Freiberufler-Markt gerne zu bedienen und verlinken hier die Verhältnisse mit so genannten Payroll Unternehmen.... die, so den Anschein, das Lohn-, Steuer-, Beitragswesen usw. abwickeln.
Wobei dieses, im meinen Augen, eher nach Arbeitnehmer-überlassung aussicht und in Arbeitnehmer-überlassungsverhältnissen ist doch KEINE Freiberufliche Tätigkeit zu sehen oder irre ich hier?

Würde mich freuen wenn Sie etwas mehr Info anhand d.o.g. Beispiels nennen könnten.
Anmerkung: in Bezug auf Krankenkasse / -Leistungen verliert der Kandidat in jedem Fall den Schutz der s.g. Lohnfortzahlungen (6Wochen durch Arbeitgeber im Falle von Krankheit etc.)

mfg,

Antwort: von ALG1 in Selbstständigkeit MIT d. freiwilligen Arbei

Guten Tag,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Restansprüche verliert der Kandidat in keinem der von Ihnen genannten Fälle.

2.
Was die ALG-I-Berechnungsgrundlage betrifft: Bei schlecht(er) bezahlten "Zwischenbeschäftigungen" gilt grundsätzlich ein Bestandsschutz - vgl.:
http://www.zwd.de/wAssets/docs/azd/sgb3/A7Bestnd.pdf

3.
Die sogenannte freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige (= "Antragspflichtversicherung" gem. § 28a SGB III
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__28a.html)
ist zeitlich nicht befristet.

4.
"Leiharbeiter", die von Zeitarbeitsfirmen vermittelt werden, sind abhängig beschäftigt - mithin keine Freiberufler.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Höhe des ALG bei freiwilliger Versicherung

Guten Tag,

können Sie mir sagen, ob die Höhe der Leistung bei 5-jähriger freiwilliger Einzahlung auch von der Stundenzahl abhängt, zu der man sich arbeitsuchend meldet?

Vielen Dank und liebe Grüße
M. Wolf

Antwort: Höhe des ALG bei freiwilliger Versicherung

Guten Tag, Herr/Frau Wolf,
eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Ja, die Höhe des ALG I ist m. W. auch abhängig von der Stundenzahl, die Arbeitslose in der Zukunft tätig sein wollen / werden. Das gilt für alle Versicherte (nicht nur für die "freiwillig" Versicherten).

2.
Rechtgrundlage ist § 151 Abs. 5 SGB III
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__151.html
Dort heißt es:
------------ Zitat ----------------
(5) Ist die oder der Arbeitslose nicht mehr bereit oder in der Lage, die im Bemessungszeitraum durchschnittlich auf die Woche entfallende Zahl von Arbeitsstunden zu leisten, vermindert sich das Bemessungsentgelt für die Zeit der Einschränkung entsprechend dem Verhältnis der Zahl der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitsstunden, die die oder der Arbeitslose künftig leisten will oder kann, zu der Zahl der durchschnittlich auf die Woche entfallenden Arbeitsstunden im Bemessungszeitraum.
----------Zitat-Ende --------------

3.
Die Kürzung tritt _nicht_ ein, wenn die Einschränkung der Leistungsfähigkeit gem. § 145 SGB III
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__145.html
... gesundheitliche Gründe hat.

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Rückmeldung oder Neustart?

Sehr geehrter Herr Chromow,

Ausgangssituation:
Ich war von 2008 bis 2014 als Selbständiger in der freiwilligen ALV versichert. Wegen Auftragsmangel meldete ich mich arbeitslos und bezog ALG I von 12/2014 bis Frühjahr 2016. Anschließend meldete ich mich bei der Arbeitsagentur mit Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit ab. Diese meldete es wohl dem Finanzamt, denn ich bekam bald eine entsprechende Steuernummer. Es gab aber keinen neuen FA-Fragebogen, auch unterliege ich nicht der Gewerbesteuerpflicht.
Ich habe seit Aufnahme der Selbständigkeit in 2008 genau einmal ALG aus der ALV bezogen.
Die Agentur für Arbeit hat meinem erneuten Antrag auf freiwillige ALV entsprochen, ich hatte auf dem Formular keine Möglichkeit gesehen, Rückmeldung oder Neu"gründung" anzugeben.
(Zusatzinformation: Ich habe einen Antrag bei der KSK auf Aufnahme in die Künstlersozialversicherung gestellt, ein Bescheid liegt noch nicht vor.)

Fragen:
1. Wäre ich überhaupt nach Ablauf der Mindestdauer ggf. wieder ALG I bezugsberechtigt, also ein zweites Mal, d.h. sind meine zukünftigen Beiträge nicht von vornherein "verloren"?
2. Mein Ziel wäre, um Kosten zu senken, während der ersten 2 KJ den halben Beitrag zu zahlen. (Der Bescheid sieht den vollen Beitrag vor.)

Von 2008 bis 2014 war ich beim FA gemeldet als Softwareingenieur.
Jetzt übe ich eine Tätigkeit als freiberuflicher Webdesigner und Webentwickler aus.

Ich sehe das als Neugründung an. Jedenfalls sind z.B. das Geschäftsmodell, die Kundenakquise und die Arbeitsweise schon recht verschieden.

Gibt es eine realistische Möglichkeit, dass das bei der Agentur für Arbeit anerkannt wird und der halbe Beitrag für die Startphase (2KJ) gewährt wird?
Wenn ja, wie könnte man dann vorgehen?

Ich möchte eigentlich keinen Einspruch gegen den Bescheid einlegen, da ich Bedenken habe, dass er am Ende (aus mir unbekannten Gründen) ganz zurückgezogen werden könnte und ich ohne ALV dastehe.

Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Antwort: Rückmeldung oder Neustart?

Guten Tag,
eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Wenn die Arbeitsagentur die Voraussetzungen für die "Pflichtversicherung auf Antrag" als erfüllt sieht und Sie regelmäßig die Beiträge zahlen, haben Sie bei Eintritt der Arbeitslosigkeit auch Anspruch auf ALG I.

2.
Da der Bescheid den vollen Beitrag vorsieht, geht die Arbeitsagentur offenbar von einer Fortführung der Selbstständigkeit aus. Wenn Sie nur den halben Beitrag zahlen wollen, müssen Sie wohl oder übel gegen den Beitrag Widerspruch einlegen und dabei die Gründe für Ihre Einschätzung offenlegen, dass es sich um eine Neugründung handelt.

3.
Ihren Versicherungsschutz gefährden Sie dadurch m. E. nicht: Die Voraussetzungen für die "Pflichtversicherung auf Antrag" sind ja offensichtlich gegeben.

Alles Gute
Robert Chromow
PS: Bitte lassen Sie uns wissen, was aus der Sache geworden ist. Vielen Dank!

Antwort: Rückmeldung oder Neustart?

Hallo Herr Chromow,

das werde ich machen.
Herzlichen Dank!

Ummeldung in ein Kleiunternehmen

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin seit 5 Jahren freiwillig Arbeitslosenversichert. Da ich momentan einen kleinen Auftragsengpass habe, unter 15 Stunden tätig bin, wollte ich meine Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen.
Das wesentliche ist jedoch, dass ich mein Gewerbe nicht aufgeben möchte (Aufträge sind angekündigt), bzw. eine Mitarbeiterin habe.

Nun wurde mir vom Arbeitsamt mitgeteilt, dass ich mein Unternehmen beim Gewerbeamt als Kleingewerbe anmelden muss!

Ist dies korrekt?

Über eine kurzfristige Antwort wäre ich Ihnen dankbar und verbleibe

mit den besten Grüßen

Frank herrmann

Antwort: Ummeldung in ein Kleiunternehmen

Guten Tag, Herr Herrmann,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Für die Aufforderung der Arbeitsagentur gibt es aus meiner Sicht überhaupt keine Rechtsgrundlage.

2.
Die Gewerbe- und Ordnungsämter unterscheiden nicht nach kleinen und großen Gewerbebetrieben. Die Umwandlung eines existierenden Gewerbebetriebs in ein "Kleingewerbe" ergäbe rechtlich auch überhaupt keinen Sinn.

3.
Es gibt allenfalls umsatzsteuerliche "Kleinunternehmer": Diese Einstufung nimmt das Finanzamt und nicht das Gewerbeamt vor. Sinn ergäbe das im Zusammenhang mit Leistungen nach dem SGB III aber ebenfalls nicht.

Hoffentlich hilft Ihnen das schon ein wenig weiter.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Antwort: Ummeldung in ein Kleiunternehmen

Hallo Herr Chromow,

super, dass Sie so schnell geantwortet haben:-).
Ich werde die von Ihnen erhaltenen Argumentationen, als Grundlage meines nachfolgenden Gesprächs bei der Bundesagentur für Arbeit nutzen, ich denke es wird mir weiterhelfen.
Wenn ich davon ausgehe, dass man mir im Erstgespräch geraten hat, doch lieber Hartz IV zu beantragen, dann erhalte ich einen Aufstockung zur Grundsicherung und muss dem Arbeitsamt nicht zur Verfügung stehen, und dann im Nachgang eine Gewerbeänderung verlangt, so hat man schon den Eindruck, dass man mich loswerden möchte. Die Arbeitslosenversicherung bezahlen „ja“, Leistungen erhalten „nein". Die Statistik muss halt stimmen!!!

Ich werde Sie über den Ausgang informieren.

Mit meinem Dank für die schnelle Hilfe verbleibe ich mit den besten Grüßen

Frank Herrmann

Soll ich mich im Voraus arbeitsuchend melden?

Guten Tag, ich bin selbständig und gegen Arbeitlosigkeit freiwillig versichert. Aus gesundheitlichen Grunden werde ich mein Geschäft aufgeben, zurzeit bin ich krankgeschrieben. Muss ich mich jetzt arbeitsuchend melden, obwohl ich mein Geschäft erst in einem Monat aufgeben werde, oder reicht es, wenn ich mich ein Tag nach der Aufgabe persönlich arbeitlos melde? Selbstverständlich möchte ich das Arbeitlosengeld ohne Sperrzeit bekommen. Vielen Dank!

Antwort: Soll ich mich im Voraus arbeitsuchend melden?

Guten Tag,
ja, gemäß § 38 SGB III
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__38.html
... sind Sie verpflichtet, sich 3 Monate vor Ende der Beschäftigung (in Ihrem Fall: der Selbstständigkeit) arbeitslos / arbeitssuchend zu melden. Und:

------------ Zitat ----------------
Liegen zwischen der Kenntnis des Beendigungszeitpunktes und der Beendigung des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses weniger als drei Monate, haben sie sich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes zu melden.
----------Zitat-Ende --------------
In Ihrem Fall kann Ihnen aus der Vorschrift zwar m. E. kein Nachteil erwachsen, da Sie die Entscheidung über die Beendigung der Selbstständigkeit ja selbst treffen / getroffen haben. Da die Arbeitslosigkeit aber bereichts in einem Monat eintritt, sollten Sie sich möglichst bald arbeitslos melden.

Eine sofortige Arbeitsvermittlung müssen Sie nicht befürchten, da Sie ja krank geschrieben sind.
Gute Besserung, viel Glück für die Zukunft und freundliche Grüße
Robert Chromow

Freiwillige Arbeitslosenversicherung

Guten Tag,
ich zahle seit 2011 in die freiwillige Arbeitslosenversicherung ein. Die Beiträge sind mittlerweile recht hoch, deshalb überlege ich, zu kündigen.

Meine Frage: Verfallen die bereits gezahlten Beiträge? Oder könnte ich theoretisch in einigen Jahren trotzdem das Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen, weil ich einmal über mehrere Jahre eingezahlt habe?

Ich freue mich über ein Feedback. Beste Grüße,

A.

Antwort: Freiwillige Arbeitslosenversicherung

Guten Abend,
Beiträge im Rahmen der "Antragspflichtversicherung" (sog. freiwillige Arbeitslosenversicherung) verfallen nach dem Ende der Versicherung nicht sofort. Zeiten der Antragspflichtversicherung werden außerdem bei der "Anwartschaftszeit" berücksichtigt: Um Anspruch auf Arbeitslosenversicherung zu haben, müssen Sie ...

1. arbeitslos sein
2. arbeitslos gemeldet sein und
3. die Anwartschaftszeit erfüllen, das heißt: während der letzten 24 Monaten mindestens 360 Kalendertage pflichtversichert in der Arbeitslosenversicherung gewesen sein.

Sobald Sie Ihre Beitragszahlungen einstellen und die Antragspflichtversicherung endet, besteht also mindestens noch ein Jahr lang Versicherungsschutz. Falls Sie in der Zeit eine Beschäftigung aufnehmen oder auf andere Weise Ihre Anwartschaftszeit verlängern, bleiben Ihnen die zuvor erworbenen Ansprüche aus Ihren vorherigen Beitragszahlungen auch noch darüber hinaus erhalten.

Weitere Informationen zum Thema Rahmenfrist, Anwartschaftszeit und Ansprüche auf ALG I finden Sie zum Beispiel im "Merkblatt 1" der Bundesagentur für Arbeit:
https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdat...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Herzlichen Dank für die sehr

Herzlichen Dank für die sehr schnelle Antwort. A.

Übergang zur hauptberuflichen Selbständigkeit: 2 Fragen

Lieber Herr Chromow,

Vielen Dank zunächst für den hilfreichen und ausführlichen Beitrag. Ich hätte noch 2 Fragen hierzu:

1. Wie ist die Lage, wenn man von einem versicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis mit nebenberuflicher Selbständigkeit in hauptberufliche Selbständigkeit übergeht - gilt da die 3-Monats-Frist zur Anmeldung der freiwilligen Arbeitslosenversicherung ab Wegfall des Angestelltenverhältnisses (=hauptberufliche Selbständigkeit), oder ist in diesem Fall überhaupt keine freiwillige Arbeitslosenversicherung möglich, auch wenn die Selbständigkeit zuvor weniger als 15h/Woche ausgeübt wurde?

2. Wie berechnet sich ein möglicher ALG-Anspruch innerhalb der ersten Monate nach Übergang vom versicherungspflichtigen zum freiwillig versicherten Verhältnis? Ich habe irgendwo gelesen, dass es eine Frist gibt, innerhalb derer sich die Berechnung von ALG-Bezügen noch nach dem vorherigen Gehalt richtet, nicht nach dem fiktiven (am Ausbildungsstand bemessenen). Ist das richtig? Falls ja, wie sind da die Fristen?

Herzlichen Dank,
M.

Antwort: Übergang zur hauptberuflichen Selbständigkeit: 2 Fragen

Liebe/r Herr / Frau M.,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Einzelfallberatungen sind an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein zu Ihren Fragen:

1.
Die Übergangsvorschriften beim "Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag" gem. § 28a SGB III
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__28a.html
gilt auch dann, wenn Sie aus einer hauptberuflichen Beschäftigung in eine hauptberufliche Selbstständigkeit übergehen, die zuvor nebenberuflich ausgeübt wurde.

2.
Berechnungsgrundlage des ALG I ist grundsätzlich das beitragspflichtige Arbeitsentgelt, das Sie im
letzten Jahr vor der Entstehung Ihres Leistungsanspruches
zuletzt erzielt haben. Die Berechnung aufgrund tatsächlicher Einkünfte aus einer vorangegangenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hat Vorrang vor der Berechnung eines fiktiven Arbeitsentgeltes auf Basis von Qualifikationsgruppen.

3.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im "Merkblatt 1 für Arbeitslose"
https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdat...
(S. 40ff).

4.
Rechtsgrundlagen sind die Paragrafen 149 bis 154 SGB III:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/BJNR059500997.html#BJNR059500997...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Gewerbe abmelden bei Inanspruchnahme FAV?

Sehr geehrter Herr Chromow,
ich habe ein Gewerbe angemeldet und 2 Angestellte und zahle seit vielen Jahren in die FAV ein. Wie verhält sich das nun, wenn ich unter 15 Std. arbeite und die FAV in Anspruch nehmen möchte? Oder muss man erst die Angestellten entlassen, die ja voll arbeiten?

Mit freundlichem Gruß

Elmar

Antwort: Gewerbe abmelden bei Inanspruchnahme FAV?

Hallo Elmar,
entscheidend für die Feststellung der Arbeitslosigkeit wegen Arbeitsmangels ist grundsätzlich die persönliche Wochenarbeitszeit inklusive aller Vor- und Nacharbeiten.

Liegt die persönliche Arbeitszeit insgesamt unter 15 Wochenstunden, gelten Sie als arbeitslos. Da Arbeitslose auch "nebenberuflich" selbstständig sein dürfen, muss ein bestehendes Gewerbe nicht unbedingt abgemeldet werden. Pauschale Forderung von AA-Mitarbeitern nach einer Gewerbeabmeldung haben keine rechtliche Grundlage.

Das gilt theoretisch selbst dann, wenn ein arbeitsloser Selbstständiger Mitarbeiter beschäftigt. Die Möglichkeit der Arbeitslosigkeit eines freiwillig versicherten Arbeitgebers bei Weiterbeschäftigung seiner Mitarbeiter war früher sogar ausdrücklich in einer Durchführungsanweisung der Bundesagentur vorgesehen. Die Beweislage ist dann jedoch ziemlich schwierig.

Andererseits: Wenn die Mitarbeiter sozialversichert sind, haben Sie eine recht gute Verhandlungsposition: Wenn Sie Ihr Gewerbe abmelden, werden gleich drei Menschen arbeitslos. Vielleicht finden Sie ja eine Möglichkeit, mit der Arbeitsagentur eine Vereinbarung für eine Übergangszeit zu treffen!?

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Letzte Rechnungen und Anspruch auf Arbeitslosengeld im Ausland

Hallo Herr Chromow

Vielen dank für die ganze Infos auf akademie.de.
Ich würde gern ein paar Fragen stellen:
Ich war mehrere Jahren auf die Freiwillige Arbeitslosenversicherung angemeldet und leider werde ich ab Anfang September meine Gewerbe abmelden und mich als Arbeitslos anmelden um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben. Meine letzten Rechnungen werde ich ende August vorliegen, aber bis Mitte September werde ich mit Sicherheit nicht die Beträge erhalten.
Werden dann solche Beträge auf das Arbeitslosengeld angerechnet?
Soll ich warten um mich als Arbeitslos anzumelden bis ich alle die Rechnungen schon erhalten habe?
Wie lange dauert es normalerweise bis man die erste Arbeitslosengeld bekommt?

Ich habe noch eine bitte, ich überlege ob ich mein Glück in Spanien versuche. Kann ich die Arbeitslosengeld (gleich wie beim ALG I) dahin mitbringen?
Danke im Voraus.
Anna

Antwort: Letzte Rechnungen und Anspruch auf Arbeitslosengeld im

Hallo Anna,
vielen Dank für die freundliche Rückmeldung. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Einkünfte aus Ansprüchen, die vor Eintritt der Arbeitslosigkeit entstanden sind, werden normalerweise nicht auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

2.
Die Frage habe ich nicht verstanden:
------------ Zitat ----------------
Ich habe noch eine bitte, ich überlege ob ich mein Glück in Spanien versuche. Kann ich die Arbeitslosengeld (gleich wie beim ALG I) dahin mitbringen?
----------Zitat-Ende --------------
Das Arbeitslosengeld aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige _ist_ ALG I. Darauf haben Sie grundsätzlich nur Anspruch, wenn Sie vermittelbar sind, d.h. dem Arbeitsmarkt in Deutschland zur Verfügung stehen. Unter bestimmten Umständen wird aber auch die Suche nach Beschäftigungen im Ausland unterstützt. Informationen zum Thema "Arbeitslosengeld und Auslandsbeschäftigung" finden Sie im gleichnamigen "Merkblatt 20" der Bundesagentur für Arbeit:
http://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdate...

Alles Gute und viel Glück in Spanien
Robert Chromow

Antrag auf freiwillige Arbeitslosenversicherung mit 57 Jahren?

Guten Tag Herr
bin seit vielen Jahren Freiberuflerin und, seitdem sich die Möglichkeit dafür bot, auch freiwillig arbeitslosversichert. Habe dann in den vergangenen 1,5 Jahren wegen schlechter Auftragslage AlG1 bezogen und bin nun seit kurzem wieder vollständig selbstständig und überlege, ob ich erneut einen Antrag auf Mitgliedschaft in der freiwilligen Arbeitslosenversicherung stellen soll, - ob das rein rechnerisch überhaupt Sinn macht.

Inzwischen bin ich nämlich 57 Jahre (Jahrgang 1957), könnte AlG1 also frühestens, falls das notwendig werden sollte, mit 60 Jahren in Anspruch nehmen. Gibt es eine altsmäßige Deadline bis wann AlG1 gezahlt wird? Oder richtet sich das nach dem offiziell errechneten Eintritt ins Rentenalter?
Ich danke für eine Antwort
Mit herzlichem Gruß M.L.

Antwort: Antrag auf freiwillige Arbeitslosenversicherung mit 57

Guten Tag, Frau M.L.,
Sie vermuten richtig: Mit Erreichen der Regelaltersgrenze endet der Anspruch auf ALG I. Geregelt ist das in § 136 SGB III:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__136.html
Alles gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Zusatzfrage: Offene Ansprüche Voraussetzung für Begründung von f

Lieber Herr Chromow,
eine Zusatzfrage, - weil ich irgendwie Knoten in den Kopf kriege beim Verstehen der eigentlich ja gut formulierten zur Verfügung stehenden Informationen.

Wie oben geschrieben habe ich bis vor Kurzem - zum ersten Mal - AlG 1 aus der Pflichtversicherung auf Antrag bezogen und war weiterhin nebenberuflich selbstständig. Jetzt bin ich wieder vollumfänglich in meine Selbstständigkeit zurückgekehrt.

Nun die Frage:
Muss ich noch Ansprüche auf AlG1 offen haben, damit mein erneuter Antrag auf die Freiwillige Weiterversicherung problemlos durchgeht, oder können alle Ansprüche aufgebraucht sein, was in meinem Fall der Fall ist?

Vielen Dank für die Antwort

M.L.

Antwort: Zusatzfrage: Offene Ansprüche Voraussetzung für ...

Hallo M.L.,
nein, Restansprüche auf ALG I sind _nicht_ Voraussetzung für eine erneute "Pflichtversicherung auf Antrag".
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Danke

Lieber Herr Chromow,
danke für Ihre schnelle Antwort!!
akademie.de ist insgesamt echt eine wertvolle Hilfe für mich!

M.L.

Einkommensanrechnung

Lieber Herr Chromow,
meine Frage geht in dieselbe Richtung wie die von "Gast": Ich überlege, mich vorübergehend arbeitslos zu melden. Kleinere Aufträge laufen weiter, Umfang und Einnahmen sind nicht so hoch. Doch ein Termin drückt mich: ein Seminar ist jetzt auf den Sommer verschoben worden. Ich möchte die Einnahmen dafür nicht gern abgeben, schließlich habe ich das Konzept in der hauptberuflichen Selbstständigkeit entwickelt und viel Arbeit reingesteckt. Sollte ich mich für diese Zeit beim Arbeitsamt abmelden? Und komme ich bei einer kurzzeitigen Abmeldung (auch mehrfach) wieder problemlos in den Status als Selbstständige? Vielen Dank für Ihre Antwort und herzliche Grüße,
AE

Antwort: Einkommensanrechnung

Guten Tag, AE,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Die Unterbrechung der Arbeitslosigkeit zwecks Erledigung eines Auftrags als Selbstständige/r ist rechtlich zulässig und wird häufig praktiziert.

2.
Allgemeine Informationen zur vorübergehenden Abmeldung aus der Arbeitslosigkeit finden Sie in den vorangegangenen Antworten anderer Fragesteller sowie in unserem Gründerleitfaden - dort insbesondere im Kapitel "Arbeitsloser Unternehmer auf Zeit"
http://www.akademie.de/wissen/existenzgruendung-aus-arbeitslosigkeit/arb...

3.
Sofern von vornherein klar ist, dass eine Abmeldung aus der Arbeitslosigkeit nicht länger als sechs Wochen (= 42 Kalendertage) dauert, handelt es sich lediglich um eine Unterbrechung. In dem Fall ermöglicht die Geschäftsanweisung zu § 141 SGB III eine anschließende automatische "Weiterbewilligung von Amtswegen" - vgl. GA 141, Seite 7:
http://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc?IdcService=GET_FILE&dDocName=L6...
Eine erneute persönliche Arbeitslosmeldung ist in dem Fall nicht erforderlich. Nachteile für eine eventuelle freiwillige Arbeitslosenversicherung ("Antragspflichtversicherung") ergeben sich bei solchen kurzzeitigen Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit normalerweise auch nicht.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

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