öffentlich
Redaktion Druckversion

Praxisleitfaden: Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

4.384615
(13)
Beitrag bewerten
Kommentar schreiben
Stand: 14. März 2014

In wenigen Worten: Das Wichtigste zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

Seit einigen Jahren bieten die Arbeitsagenturen Selbstständigen die Möglichkeit einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Rechtsgrundlage ist der § 28a SGB III: Dort ist das "Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag" geregelt.

Bis Ende 2010 war die Arbeitslosenversicherung für die Mehrheit der Selbstständigen uneingeschränkt empfehlenswert. Aufgrund der schrittweisen Vervierfachung (!) der Beiträge sowie der erschwerten Rückkehr in die Versicherung bei wiederholter Arbeitslosigkeit sollten Sie mittlerweile jedoch sehr gründlich prüfen, ob sich die Versicherung für Sie persönlich lohnt.

Die monatliche Belastung liegt in den alten Bundesländern zurzeit bei 82,95 Euro, in den neuen Ländern bei 70,35 Euro (Stand: 2014). Die Versicherungsleistungen sind unverändert geblieben: Je nach Qualifikation und Familienstand erwerben Gründer mit einem Jahresbeitrag von rund 425 bis 500 Euro (in den beiden ersten Geschäftsjahren) bzw. 850 bis 1.000 Euro (ab dem dritten Geschäftsjahr) einen Arbeitslosengeld-Anspruch von rund 500 Euro bis über 1.500 Euro pro Monat.

Im Fall anschließender Langzeitarbeitslosigkeit sind auf diese Weise Versicherungsleistungen in einer Gesamthöhe von bis zu 18.000 Euro denkbar - bei älteren Arbeitslosen sogar noch deutlich mehr. Selbst die Bewilligung eines erneuten Gründungszuschusses ist unter Umständen möglich.

Der Beitritt zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung ist nur unter folgenden Bedingungen möglich:

  • Antragsteller müssen in den 24 Monaten vor der Selbstständigkeit entweder wenigstens 12 Monate lang als pflichtversicherte Arbeitnehmer Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt oder mindestens einen Tag Arbeitslosengeld I bezogen haben.

  • Die Selbstständigkeit wird direkt im Anschluss an die Pflichtversicherung oder den ALG-I-Bezug gestartet. Achtung: Der Bezug von Arbeitslosengeld II zählt hier nicht.

  • Der Umfang der selbstständigen Tätigkeit beträgt mindestens 15 Stunden wöchentlich.

  • Der Versicherungsantrag wird innerhalb der ersten drei Monate nach Gründung gestellt.

Der Antrag bei der örtlichen Arbeitsagentur ist schnell erledigt. Sobald der Antrag bewilligt ist und Sie die erforderliche "Anwartschaftszeit" erfüllen (insgesamt 360 Kalendertage Beitragszahlung in den beiden letzten Jahren), haben Sie bei Geschäftsaufgabe oder im Falle einer vorübergehenden Auftragsflaute Anspruch auf das Arbeitslosengeld I.

Und nicht nur das: Zusätzlich können Sie gegebenenfalls bei einem zweiten Start in die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus auch den Gründungszuschuss als steuerfreie Gründungsförderung in Anspruch nehmen. Dessen Höhe berechnet sich nach dem zuletzt bezogenen Arbeitslosengeld.

Auf den nächsten Seiten stellen wir die Zugangsvoraussetzungen und Versicherungskonditionen etwas genauer vor. Außerdem bieten wir Ihnen Entscheidungshilfen, unter welchen Voraussetzungen sich die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige noch lohnt und wann nicht.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Inhalt

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild134003

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

Newsletter abonnieren