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Gründung einer GbR: Vorteile, Nachteile und Haftungsrisiken im Überblick

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Stand: 14. Mai 2012

Welche Anforderungen stellt die GbR an die Partner?

Da sie nur wenige formelle Voraussetzungen erfordert, ist eine GbR schnell gegründet. Das kann ein Vorteil sein, aber auch Nachteile bergen.

In Schillers Glocke heißt es: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!“ Anders als bei einer Eheschließung schwört bei der Gründung einer GbR wohl niemand ewige Treue. Trotzdem können die Folgen eines Scheiterns ebenso weitreichende Auswirkungen haben – und zwar, bis dass der Tod oder die Privatinsolvenz die Gesellschafter scheidet.

  • Deshalb: Prüfen Sie besonders Ihre künftigen Mitgesellschafter, aber auch sich selbst und Ihre Vorstellungen auf Herz und Nieren! Die Rechtskonstruktion der GbR führt dazu, dass Sie Ihren Partnern Ihr gesamtes pfändbares Privatvermögen anvertrauen. Sie haften für Fehler Ihrer Partner genauso wie für eigene Versäumnisse. Ob Sie dieses Risiko eingehen wollen, können nur Sie selbst beurteilen.

  • Auf jeden Fall setzt eine GbR ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis der Partner untereinander voraus. Vertrauen muss wachsen; es entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Deshalb ist das Risiko immer dann besonders hoch, wenn Sie beabsichtigen, mit (flüchtigen) Bekannten oder sogar Fremden eine GbR zu gründen.

  • Sicher, per Vertrag kann vieles geregelt werden, auch die Haftung der Partner untereinander (im so genannten Innenverhältnis). Nur braucht es auch hier wieder Vertrauen. Denn auch die ausgeklügelsten vertraglichen Regeln helfen nichts, wenn sie sich nicht durchsetzen lassen, etwa, weil bei Ihrem Geschäftspartner plötzlich nichts mehr zu holen ist. Die Eigentumswohnung, das Häuschen oder das Auto könnten dann offiziell dem Ehepartner gehören. Und auch das Bankkonto kann, wenn es darauf ankommt, in wenigen Minuten leer geräumt sein.

  • Probleme treten oft unvorhergesehen auf. Es ist gar nicht nötig, dass jemand bewusst und in negativer Absicht Ihr Vertrauen missbraucht. Gravierende geschäftliche Fehlentscheidungen können, rein wirtschaftlich gesehen, dieselben Probleme verursachen. Neben dem Vertrauen sind also auch die Kompetenzen der Gesellschafter ganz entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer GbR.

  • Es versteht sich von selbst, dass wenigstens einer der Geschäftspartner sein Handwerk verstehen und genug Berufserfahrung mitbringen sollte.

    In der Praxis scheitern viele Jungunternehmer jedoch daran, dass sie ihr Fach eben nicht aus dem Effeff beherrschen. Wer fehler- oder sogar mangelhaft arbeitet, hat auf Dauer keine Chance. Vielen Gründern fehlen auch entsprechende Branchenkenntnisse und damit z. B. günstige Bezugsquellen.

    Wenn weder Sie noch Ihr potenzieller Geschäftspartner ausreichende Fachkenntnisse mitbringen, gehört die Geschäftsidee unbedingt auf den Prüfstand, weil dann das Risiko eines Scheiterns besonders groß ist! Daher: Fehlende fachliche Kompetenz ist meist ein K.O.-Kriterium!

Nun könnten Sie vielleicht einen weiteren Partner, der die entsprechenden Kenntnisse und/oder viele Kontakte mitbringt, ins Boot holen. Bedenken Sie dabei aber immer den oben ausgeführten Grundsatz: keine Gründung mit flüchtigen Bekannten!

  • Noch häufiger fehlt es Existenzgründern aber an den erforderlichen kaufmännischen Kenntnissen. Viele Gründer unterschätzen deren Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg. Die beste Leistung und das beste Produkt bringen keinen Gewinn, wenn die Kalkulation nicht stimmt. Dabei sind sowohl zu hohe als auch zu niedrige Preise ein Problem. Zu hohe Preise vergraulen Kunden, zu niedrige Verkaufspreise (oder zu hohe Einkaufspreise) ruinieren ebenfalls das Geschäft.

    Fehler in der Buchführung können noch nach Jahren zu erheblichen Problemen mit dem Finanzamt führen. Tage- oder wochenlange intensive Betriebsprüfungen wegen unzureichender Unterlagen sind kein Zuckerschlecken; Schätzungen durch das Finanzamt oder Steuernachzahlungen noch viel weniger. Ungereimtheiten in der Buchführung können aber schnell dazu führen, dass die Behörden auf der Matte stehen.

Vertrauen Sie nicht darauf, dass Ihnen immer und überall der Steuerberater hilft. Der Steuerberater bucht laufende Geschäftsvorfälle, soweit ihm die Unterlagen vorliegen. Er kümmert sich vielleicht auch um die Steuererklärungen und den Jahresabschluss – je nach Auftrag. Er kümmert sich aber z. B. in der Regel nicht um Ihre Aufbewahrungspflichten für Unterlagen, die keine Buchungsunterlagen sind. Auch Ihre Kassenführung kann er nur mit Hilfe von Belegen im Auge behalten.

Ob der Kassenbestand in den Büchern mit dem Bargeld übereinstimmt, weiß der Steuerberater in der Regel nicht. Eine zu sorglose Kassenführung ist aber ein häufiges Problem, ebenso wie Privatentnahmen. Wer glaubt, sich ohne weiteres an seiner eigenen Ware auch privat bedienen zu können, liegt falsch. Bei Privatentnahmen sind die steuerrechtlichen Regeln, z. B. die Umsatzsteuerpflicht, zu beachten.

  • Darüber hinaus sind Kenntnisse z. B. im Arbeitsrecht, zur Unfallverhütung, zum Umweltschutz, zu Haftungsfragen, im Internetrecht, im Marketing usw. immer hilfreich.

    Wenn Sie sich mit dem Bereich Marketing nicht auskennen, wird es Ihnen schwerfallen, eine geeignete (und bezahlbare) Marketingstrategie auszuarbeiten und die Zielgruppe für Ihr Produkt oder die Dienstleistung zu bestimmten. Wer annimmt, das eigene Produkt oder die eigene Leistung sei etwas für „jedermann“, liegt meist falsch.

  • Aber auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten lauern Stolperfallen. Das kann schon beim Internetauftritt der Fall sein. Im Zweifelsfall haften Sie als Mitgesellschafter dafür, dass Ihr GbR-Kollege aus Zeitnot fremder Leute Texte auf die Firmenwebseite gestellt hat. Schon fehlende Angaben im Impressum einer Homepage können zu einer teuren Abmahnung führen. Fehlerhafte Preisangaben sind ebenfalls ein beliebter Anlass, um Konkurrenten auf den Pelz zu rücken.

Nun ist keiner fehlerfrei und niemand kann von vornherein sämtliche Risiken ausschließen. Aber jeder kann existenziellen Risiken vorbeugen - durch Information, Weiterbildung und Aneignung von Kompetenzen. Das ist gerade bei einer GbR wichtig, bei der jeder Gesellschafter auch für die Fehler der Partner geradestehen muss.

Wenn Ihr fachliches, kaufmännisches und betriebswirtschaftliches Wissen lückenhaft ist, reicht es nicht aus, dass Sie sich einen Partner suchen, der das fehlende Know-how mitbringt. Arbeiten Sie vor allem daran, Ihre eigenen Wissenslücken zu schließen! (Natürlich können und sollen Sie und Ihr GbR-Partner jeweils Kompetenzbereiche abstecken. Aber Sie sollten immer auch nachvollziehen können, was Ihr Mitgesellschafter gerade tut.

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Über die Autorin:

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Sandra Bonnemeier blickt auf 20 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft zurück, davon fünf Jahre in hauptberuflich selbstständiger Tätigkeit, sowie vier abgeschlossene Studiengänge (Betriebswi ...

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