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Stress beim Girokonto

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Stand: 1. August 2005

Runde 1: Gesprächsführung in der Bankfiliale

In der ersten Runde geht es darum, beim Bankgespräch erfolgreich zu sein, wenn Ihnen entweder Ihr Konto gekündigt wurde oder Sie ein neues Konto eröffnen wollen, aber wahrscheinlich oder sicher durch einen Schufa-Eintrag belastet sind. Zunächst gilt generell: Ein gepflegtes Äußeres bringt in der Finanzbranche immer Pluspunkte. Außerdem sollten Sie klar in der Sache sein, zugleich aber freundlich und verbindlich bleiben. Emotionale Ausbrüche oder Beleidigungen gegenüber Kundenberatern der Bank gelten nur als Beweis, dass der Bank diese Kundenbeziehung nicht zuzumuten ist.

Nicht zwingend erforderlich, aber sinnvoll: Nehmen Sie einen Bekannten als Zeugen ins Gespräch mit. Für den Fall, dass man Ihnen schriftlich nichts bestätigt, haben Sie bei einer späteren Beschwerde oder bei rechtlichen Schritten ohne einen Zeugen später wenig in der Hand. Und ein Auftritt zu zweit gibt Ihrem Anliegen mehr Gewicht.

Fall A: Gesprächsführung in der Filiale bei Kündigung des Girokontos

Vor einem eventuellen Beschwerde-Papierkrieg sollten Sie noch einmal mit der Bank sprechen. Mündlich lassen sich eventuelle Missverständnisse meist leichter aus dem Weg räumen. Bei der Gesprächsführung empfiehlt es sich, folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Erklären Sie dem Bankmitarbeiter, dass es Ihnen doch nur um ein Konto auf Guthabenbasis (Jedermann-Konto) geht und ihr bestehendes Konto ab sofort auf dieser Grundlage geführt werden soll.

Falls Ihr Girokonto überzogen war, die Bank Ihnen den Dispo gekündigt hat und Sie nicht in der Lage sind, das Konto auszugleichen, ist die Bank bei der Kündigung klar im Vorteil. Das wird dann als "unzumutbarer Fall" angesehen. Die Selbstverpflichtung der Banken sieht die Gewährung eines Kontos nur vor, wenn das Konto auch zum normalen Zahlungsverkehr genutzt werden kann. Der ist aber nicht möglich, wenn das Konto nicht ausgeglichen werden kann. In diesem Fall könnten Sie versuchen, mit der Bank eine Ratenzahlung für den Überziehungsbetrag zu vereinbaren, sofern das Konto dann als Guthabenkonto weitergeführt werden kann. Eine Umschuldung in ein Ratenkredit kann dabei zinsgünstiger sein als ein Überziehungskredit. Das Konto sollten sie auf Guthabenbasis (ohne Dispo) umstellen. Falls die Bank ihre Vorschläge ablehnt, suchen Sie sich besser woanders ein neues Konto.

  • Fragen Sie den Kundenberater, warum er Ihnen das Konto verweigert. Lassen Sie sich auf alle Fälle die Ablehnungsgründe gleich schriftlich geben! Legen Sie dem Mitarbeiter dafür das Formular "Ablehnungsgründe" vor, in dem Sie gemeinsam die Gründe eingetragen. Dann unterschreiben Sie und gegebenenfalls Ihr Zeuge. Bitten Sie dann den Mitarbeiter um eine Bestätigung durch seine Unterschrift sowie den Stempel der Bank. So überzeugen Sie den Mitarbeiter, dass Sie es ernst meinen. Das kann ihnen später zugute kommen.

  • Weisen Sie den Mitarbeiter auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Banken hin. Sagen Sie, dass Sie sich bei der Rechtsabteilung in der Bankzentrale und beim Ombudsmann der Schlichtungsstelle beschweren werden. Und dass Ihr Anwalt schon gesagt hat, dass auch bei Gericht die Erfolgschancen auf ein Konto wegen neuerer Urteile sehr gut sind.

  • Weisen Sie bei einer Sparkasse zusätzlich auf die rechtliche Verpflichtung (den Kontrahierungszwang) hin, der die Sparkasse verpflichtet, auch Ihnen ein Konto zu geben. Sagen Sie, dass dieser Tipp von Ihrem Rechtsanwalt kommt und dass sie diesen einschalten werden. Dann entstehen für die Sparkasse wegen eines Rechtsstreit nur unnötige Kosten.

Fall B: Der Neuantrag auf ein Konto auf Guthabenbasis wird abgelehnt

Folgende Gesprächspunkte sollten Sie bei der Antragstellung nicht vergessen:

  • Wenn Ihr Schufa-Eintrag negativ ist, sollten Sie bei der Kontoeröffnung gleich darauf hinweisen. Es würde nur Ihre Zeit kosten, wenn dies erst bei der Schufa-Abfrage herauskommt - und dann womöglich ihr Antrag abgelehnt wird.

  • Wiederholen Sie gegenüber dem Bankmitarbeiter, dass es Ihnen nur um die Eröffnung eines Kontos auf Guthabenbasis (Jedermann-Konto) geht.

Sollte der Mitarbeiter den Antrag auf Neueröffnung des Kontos ablehnen, bringen Sie folgende Punkte ein:

  • Fragen Sie den Kundenberater, warum er Ihnen das Konto verweigert. Lassen Sie sich auf alle Fälle die Ablehnungsgründe gleich schriftlich geben! Legen Sie dem Mitarbeiter dafür dieses Formular "Ablehnungsgründe Neukonto" vor und tragen Sie dort die Ablehnungsgründe gemeinsam ein. Dann unterschreiben Sie und gegebenenfalls Ihr Zeuge. Bitten Sie dann den Kundenberater um eine Bestätigung durch seine Unterschrift sowie den Stempel der Bank. So überzeugen Sie den Mitarbeiter, dass Sie es ernst meinen. Das kann ihnen - wie Sie noch sehen werden - später zugute kommen.

  • Weisen Sie den Mitarbeiter auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Banken hin, die ja auch seine Bank eingegangen ist. Sagen Sie, dass Sie sich beim Ombudsmann der Schlichtungsstelle beschweren werden.

  • Weisen Sie bei einer Sparkasse zusätzlich auf die rechtliche Verpflichtung (den Kontrahierungszwang) hin, der die Sparkasse verpflichtet, auch Ihnen ein Konto zu geben. Sagen Sie, dass dieser Tipp von Ihrem Rechtsanwalt kommt und dass sie diesen einschalten werden. Dadurch entstünden der Sparkasse nur unnötige Kosten für den Rechtsstreit.

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Über den Autor:

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Dr. Dietrich von Hase arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Psychologie zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später dann als freier Fachjournalist, freier Proje ...

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