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Google+ für Ihr Unternehmen einsetzen

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Stand: 1. Juni 2016

Was Google+ zu bieten hat

An Social Media führt kein Weg vorbei

An Social Media führt kein Weg vorbei – so lässt sich eine IBM-Social-Media-Studie zusammenfassen (siehe „From Social Media to Social CRM“, auf Englisch). Doch Social Media bietet nicht nur großen Marken und Unternehmen neue Chancen, sondern auch kleinen Firmen und Freiberuflern. Hinweise zur Bedeutung und zur Nutzung von Social Media für Unternehmen bietet der Leitfaden „Social Media für Unternehmen: Einsteigen nach Plan“ .

Ein relativ junger Stern am Social-Media-Himmel ist Google+, das soziale Netzwerk des Suchgiganten Google. Google+ startete Mitte 2011 als Betatest mit einer begrenzten Nutzergruppe und hatte schon nach wenigen Tagen 10 Millionen Teilnehmer erreicht. Seit September 2011 ist Google+ für alle geöffnet (Mindestalter 13 Jahre) und hat inzwischen 540 Millionen monatlich aktive Nutzer (Stand Oktober 2013). Im Vergleich zu Facebook (1,55 Milliarden monatlich aktive Nutzer) ist Google+ immer noch ein kleiner Fisch, doch wird das Google-Netzwerk von manchen Nutzern, beispielsweise aus der IT-Welt, bevorzugt, weil die Vernetzung stärker über fachliche Themen erfolgt. Dank der sehr guten Google+ Suchfunktion findet man auch jeden Beitrag und jede Diskussion auch Jahre später wieder. („Google Plus – soziale Netzwerke im Umbruch?“).

Links: Hier finden Sie Google+:

Google+ – was ist hier anders, was ist neu?

Die Nutzeroberfläche von Google+ wirkt frisch und klar strukturiert und die Nutzung ist weitgehend intuitiv - wenn auch nicht mehr ganz so selbsterklärend wie zu Anfang, als es noch weniger Funktionen gab. Die Vernetzung zwischen Personen funktioniert einfach und spielerisch: Man kann jemandem folgen, ohne dass der andere zurückfolgen muss; natürlich kann man in diesem Fall nur sehen, was öffentlich mitgeteilt wird.

Kontakte werden vom Nutzer selbst definierbaren Kreisen (Circles) hinzugefügt – weswegen das Folgen bei Google+ auch "Einkreisen" heißt. Die eingekreiste Person kann nicht erkennen, wie der Kreis heißt, dem sie zugeordnet wurde. Sie wird nur darüber informiert, dass sie eingekreist wurde und von wem, und wenn sie die Person kennt oder interessant findet, kreist sie oft zurück.

Beiträge (Posts), die man schreibt, können einer Person, einem Kreis oder mehreren Kreisen zugeordnet werden oder man postet sie öffentlich. Auf diese Weise macht Google+ es sowohl Personen als auch Unternehmen/Marken sehr einfach, Inhalte wie Informationen, Bilder und Videos zielgenau mit denen zu teilen, für die sie interessant sind. Umgekehrt kann man seinen eingehenden Beitragsstrom mit einem Klick nach Kreisen filtern – was für den Nutzer wesentlich angenehmer ist als eine undurchschaubare Filterung durch einen vorgegebenen Algorithmus und/oder einen Social Graph. Leider kann man die Kreise seit 2015 nicht mehr mit anderen teilen.

Während die Kreise ein Zuordnen bzw. Filtern nach Personengruppen ermöglicht, kann man mit den 2015 eingeführten Sammlungen thematisch zuordnen bzw. filtern.

Beiträge sind bei Google+ hinsichtlich der Zeichenzahl nicht beschränkt, sodass man seinen ausgehenden Beitragsstrom für kurze Meldungen oder auch wie einen Blog benutzen kann. Beiträge können außerdem (in beschränktem Umfang) gestaltet werden und sie sind nachträglich editierbar, können also nachträglich ergänzt oder korrigiert werden.

Google+ bietet weitere Möglichkeiten der Kommunikation: Vernetzung und Austausch in Interessensgemeinschaften (Communities) sowie per Hangouts (Videokonferenzen) mit bis zu 10 aktiven Personen, mit der Möglichkeit, Videos gemeinsam anzuschauen, gemeinsam Dokumente zu bearbeiten und/oder mit "Zuschauern" zu sprechen. Vor allem Hangouts lassen sich in Unternehmensprozesse einbeziehen, z. B. für Konferenzen, Schulungen, Produktvorstellungen, Beratungsangebote etc.

Meinem Eindruck nach tendiert die Nutzung bei Google+ etwas stärker ins Professionelle und Fachbezogene als bei Facebook und es wird ernsthafter über Fach- und Zeitthemen diskutiert. Dazu passt auch, dass der normale Beitragsstrom nicht durch Meldungen zu Spielen o. Ä. unterbrochen wird – Spiele hatten ihren eigenen Strom und wurden Mitte 2013 ganz aus Google+ herausgenommen. Wer sich vor allem mit Berufskollegen vernetzen und austauschen, Dienstleister suchen, zeitnah über Neues informiert werden oder Kontakte zur Presse aufbauen möchte – oder dessen Kunden und sonstige Zielgruppen das dort tun –, der wird Google+ zu schätzen wissen.

Einige der Merkmale von Google+ hat Facebook inzwischen übernommen: Zum Beispiel die Möglichkeit des einseitigen Folgens (heißt bei Facebook "Abonnieren") statt des Zwangs zum gegenseitigen Befreunden und die Aufhebung der Zeichenbeschränkung bei Beiträgen. Aber auch Google+ hat sich Merkmale von Facebook abgeschaut: Beispielsweise wurde das Hintergrundbild im Kopfbereich des Profils mit der Zeit immer größer.

Doch ein Merkmal wird kein anderes soziale Netzwerk Google+ streitig machen können: Die Verknüpfung von Google+ mit anderen Google-Diensten/-Angeboten wie beispielsweise YouTube und der mächtigen Google-Suche.

Chancen für Freiberufler und Unternehmen

Auf Google+ können sich Freiberufler und Unternehmen z. B.

  • als kompetente Ansprechpartner für Themen profilieren und positionieren

  • ihr Unternehmen oder ihre Marke präsentieren

  • im Gespräch mit Bestandskunden bleiben (Kundenbindung)

  • neue Kontakte zu potenziellen Kunden, Lieferanten, Experten, Berufskollegen, Medien knüpfen

  • sich fort- und weiterbilden (Medien und Wissensträgern folgen)

  • Informationen und Nachrichten verbreiten

  • Multiplikatoren/Meinungsführer interessieren

  • Service- und Beratungsleistungen anbieten

  • Feedback zum Unternehmen, zu Produkten und Dienstleistungen einholen

  • beeinflussen, was im Internet über ihr Unternehmen geschrieben wird

  • ihre Sichtbarkeit im Internet verbessern (Backlinks, +1-Empfehlungen etc.)

Wann lohnt sich Google+?

Social Media allgemein und Google+ als spezielles Netzwerk können sich lohnen, wenn

  • die Zielgruppen (Kunden, Geschäftspartner, Medien etc.) der jeweiligen Aktivitäten in diesem Netzwerk sind bzw. in Kürze zu erwarten sind. Die Statistiken behaupten, der deutsche Google+ Nutzer sei vorwiegend jung und männlich. Das kann ich nicht bestätigen, wenn ich in meine Kreise schaue. Prüfen Sie am besten selbst, ob Ihre Zielgruppen bereits in Google+ sind;

  • man diesen Zielgruppen jeweils Gründe bieten kann, warum sie sich mit mir als Person (Personenprofil – Freiberufler, Markenbotschafter etc.) oder mit dem Unternehmen/der Marke über eine Google+-Unternehmensseite vernetzen sollten. Kunden beispielsweise machen vor allem Letzteres selten aus reiner Sympathie, sondern weil sie sich davon Vorteile erhoffen (z. B. exklusive Informationen, Angebote oder Dienstleistungen etc.);

  • man Social-Media- und Google+ Aktivitäten als Bestandteil sowohl der (Online-) Marketing- und Kommunikationsstrategie als auch des Kundenbeziehungsmanagements (CRM) sieht, die mit anderen Aktivitäten abgestimmt werden müssen;

  • man Social Media nicht als Kappe begreift, die einem Unternehmen aufgesetzt wird, sondern als einen Kanal zu den Zielgruppen, der tief in den Geschäftsprozessen verwurzelt sein kann. Es hilft beispielsweise nicht, wenn man über Social Media erfährt, dass Kunden mit einem speziellen Service schlechte Erfahrungen gemacht haben, die Service-Abteilung davon aber nichts erfährt. Im Idealfall wird die Service-Abteilung nicht nur informiert, sondern kann über Social Media mehr über die Kundenwünsche erfahren, um dann den Service entsprechend zu verbessern. Solche Situationen bieten Chancen, das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und gleichzeitig das Angebot zu verbessern.

Bei allem, was man als Freiberufler oder Unternehmen in sozialen Netzen aufbauen und anbieten möchte, sollte man sich in die Lage des Kunden bzw. der Zielgruppe versetzen, die – wie wir alle – tagtäglich von Informationen und Angeboten überflutet werden. Eine schöne, aber tote Unternehmensseite hilft wenig, egal, ob bei Facebook oder bei Google+, wenn man nichts "Reelles", einen wirklichen Nutzen für den Kunden (oder andere Zielgruppe), zu bieten hat.

Google+ entwickelt sich permanent weiter und manches, was an Funktionen angeboten wird, ist unter Umständen noch nicht völlig ausgereift und für den professionellen Einsatz durchgetestet. Bevor Sie einzelne Funktionen als Säulen in Ihre Geschäftsprozesse integrieren, sollten Sie sie gründlich testen, um sicher zu sein, dass sie auch wie gewünscht und zuverlässig funktionieren.

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Über die Autorin:

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Eva Schumann ist Journalistin, Bloggerin, technische Redakteurin und erfahrene Fachfrau für Social Media. Mit ihrer Firma Eva Schumann Text & Kommunikation berät und unterstützt sie Firmen bei deren M ...

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