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Basiswissen 'Bilder und Web': Grafiken und Fotos fürs Web beschaffen, erstellen, optimieren und einbinden

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Stand: 6. Februar 2012

Bildauswahl: Woher die Bilder nehmen - und welche dürfen Sie überhaupt verwenden?

Fotorechtliche Hinweise für die Bild-Beschaffung - damit Ihnen der Anwalt erspart bleibt

Rechtliche Aspekte der Bildbeschaffung

Egal woher Sie ein Bild bekommen, ob es ein befreundeter Fotograf vielleicht umsonst macht, Sie es selber fotografieren oder es in einer Bildagentur kaufen: Nicht alles, was fotografiert werden darf, dürfen Sie auch veröffentlichen.

Diese rechtlichen Einschränkungen sind wichtig, denn natürlich stellt auch das Freischalten einer Grafik auf einer Website eine Veröffentlichung dar. Eine Veröffentlichung kann aber durch verschiedene Rechtsvorschriften verboten werden. Rechte etwa des Urhebers des Bildes, der darauf abgebildeten Personen oder des Eigentümers der darauf abgebildeten Sachen können eine Veröffentlichung einschränken. Diese Rechte sollten Sie auch wirklich beachten, sonst geraten Sie in Gefahr, Adressat einer Abmahnung zu werden - mit teuren Folgen. In solchen Fällen brauchen Sie also eine nachweisbare Erlaubnis bzw. Lizenz.

Auch Bildagenturen machen Fehler

Kaufen Sie ein Bild von einer Bildagentur, sollten diese Bilder frei von Rechten Dritter sein, wenn dies nicht anders angegeben wird. Sie dürfen sie also frei verwenden, ob für Werbung oder auch zur Illustration redaktioneller Beiträge. Allerdings kommen auch hier natürlich Fehler vor und daher sollten Sie schon vor dem Kauf sehr genau darauf achten, ob es rechtliche Probleme mit dem Bild geben könnte. Oftmals schränken die AGBs der Agenturen Regressansprüche nämlich ein.

Rechte, auf die Sie bei der Nutzung von Bildern achten müssen, sind:

  • Urheberrechte

  • Marken- und andere gewerbliche Schutzrechte

  • Persönlichkeitsrechte

  • Eigentumsrechte

Urheberrecht beachten

An jedem Bild, das einen gewisse "Schöpfungshöhe" hat, dessen Originalität, Eigenständigkeit und Gestaltung also über einen Schnappschuss hinausgeht, hat der Fotograf oder Illustrator ein Urheberrecht: Er kann bestimmen, wie und wo das Bild verwendet bzw. veröffentlicht wird, und dieses Recht auch an Andere verkaufen. Das Urheberrecht erlischt in Deutschland und vielen anderen Ländern erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Nach geltendem Recht hat der Urheber ein Recht, als Urheber genannt zu werden.

Bei Fotos und Bildern, die Sie nicht selbst gemacht haben, müssen Sie also auch auf der Website den Urheber angeben, außer Sie haben dies mit dem Urheber anders vereinbart und dieser verzichtet auf die Namensnennung.

Auch dann, wenn der Urheber auf eine Namensnennung verzichtet, heißt das natürlich nicht, dass Sie vortäuschen oder angeben dürfen, das Bild sei von Ihnen. Wenn Sie explizit oder durch entsprechende Aufmachung und Informationen auf der Website einen Urheber angeben, muss es der richtige sein.

Gewerbliche Schutzrechte beachten

Unter gewerblichen Schutzrechten werden Markenrecht, Gebrauchsmusterrecht, Geschmacksmusterrecht und Patentrecht zusammengefasst. Für die Verwendung von Bildern sind davon nur das Markenrecht und das Geschmacksmusterrecht relevant, denn Gebrauchsmuster- und Patentrechte kann ein Bild normalerweise nicht verletzen. Bei den Marken- und Geschmacksmusterrechten sieht das anders aus.

Mit Marken werden Waren, Firmen und Dienstleistungen gekennzeichnet und von den Verbrauchern einem Unternehmen zugeordnet. Je besser die Marke sich am Markt durchgesetzt hat, desto enger verbindet der Verbraucher das Produkt mit dem Markeninhaber.

Beispiel:

Procter & Gamble ist bspw. der Inhaber der Marke Tempo®. Diese Marke ist so eng mit dem Produkt Papiertaschentuch verbunden, dass viele Menschen "Hast du mal ein Tempo?" fragen, wenn sie ein Papiertaschentuch benötigen. Damit ist die Marke schon zu einem Synonym für ein Produkt geworden, was für die Stärke der Marke spricht.

Marken sind für die Werbung ganz wichtig. Die Verletzung von Markenrechten wird daher vor allem von großen Firmen mit starken Marken nicht geduldet. Eine Duldung von missbräuchlicher Verwendung von Marken kann nämlich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch juristisch betrachtet zur Schwächung der Marke bzw. des Markenanspruchs führen.

Markenkennzeichnung

Eingetragene Marken werden in der Regel (nach deutschem Recht aber nicht zwingend) mit dem ® hinter der Marke gekennzeichnet. Das ® steht für "Registered Trademark". Das Zeichen ™ kennzeichnet hingegen nicht eingetragene Marken und steht für "Trademark".

Aber wie kann ein Bild jetzt eine Markenverletzung darstellen? Nun, das Bild selbst verletzt die Markenrechte zunächst nicht. Bilder von Markennamen und Markenzeichen sind grundsätzlich erst einmal zulässig und dürfen auch über Bildagenturen für die werbliche Verwendung verkauft werden. Ob das Bild eine Markenverletzung darstellt, entscheidet sich erst durch die Verwendung. Verwenden Sie ein Bild von einer Tempo-Packung, um in Ihrem Shop für die Produktkategorie "Papiertaschentücher" zu werben, die aber auch Konkurrenzprodukte umfasst, dann ist dies eine Markenverletzung. Zeigen Sie das Bild in Ihrer Fotogalerie, als Referenz für Ihr Können im Bereich Produktfotografie, dann ist das zulässig, denn als Fotograf stehen Sie nicht in Konkurrenz zum Markeninhaber und seinen Produkten und verwenden daher die Marke nicht in markenmäßiger Weise.

In der Regel werden Bilder mit Markenzeichen und Markennamen von den Bildagenturen mit dem Vermerk "keine Werbung" oder "Redaktionell" verkauft. Das bedeutet dann oft einfach nur, dass es keine allgemeine Werbefreigabe für das Foto gibt. Im Einzelfall, eben wenn das Bild nicht in markenmäßiger Weise eingesetzt wird, ist der Einsatz für Werbung aber zulässig.

Eine redaktionelle Verwendung ist bei Bildern mit Markenzeichen immer zulässig. Sie liegt beispielsweise vor, wenn Sie einen Bericht auf Ihrer Webseite veröffentlichen möchten, in dem es um die Marke oder den Markeninhaber geht, aber auch wenn es allgemein um die Branche geht, für die die Marke steht.

Im Gegensatz dazu ist jede Nutzung eines Bildes, die der Werbung dient, eine werbliche oder kommerzielle Nutzung. Sehr häufig ist auch die Verwendung von Bildern auf nicht rein privaten Websites eine kommerzielle Nutzung, z. B. in folgenden Fällen:

  • Bild im Banner oder Hintergrund einer Firmen-Website

  • Bild zu einer Produktankündigung

  • Bild in einer Pressemitteilung

  • Bild in einem Shop

Zulässig ist natürlich die Verwendung beliebiger Marken auf privaten Websites, wenn es um sachlich fundierte redaktionelle Berichterstattung geht. Erstellen Sie ein Blog zu Microsoft Windows, dann ist natürlich auch die Nutzung des Namens Microsoft® und die Nutzung der Windows®-Logos rechtens. In einer Grauzone bewegen Sie sich aber auch auf einer privaten Website, wenn dort etwa Windows und Mac OS X verglichen werden und das eine Produkt und die eine Marke ohne sachliche Begründung oder in unangemessener Form (beleidigende Formulierungen) schlecht gemacht werden.

Was für die Verwendung von Markenzeichen und Markennamen auf Websites gilt, gilt natürlich ebenso auch für die Nutzung von Fotos, auf denen Marken zu sehen sind.

Durch Geschmacksmuster ist das Aussehen von Gebrauchsgegenständen, also das Design, geschützt. Auch hier gibt es eingetragene Geschmacksmuster und nicht eingetragene. Für beide ist Neuheit eine Voraussetzung. Neuheit bedeutet, dass das geschützte Design vorher also in dieser Form nicht für dieses Produkt verwendet worden sein darf. Ein eingetragenes Geschmacksmuster muss alle 5 Jahre kostenpflichtig verlängert werden und erlischt spätestens nach 25 Jahren. Ein nicht eingetragenes EU-Geschmacksmuster ist maximal drei Jahre gültig.

Das Problem bei Geschmacksmustern ist, dass fast alles geschützt werden kann, wenn es nur eigentümlich genug ist. Das reicht vom Design einer Computermaus bis zu einer für den Laien alltäglichen Dekofigur aus Plastik. Lediglich Formen und Designs, die ausschließlich technisch bedingt sind, sind nicht schutzfähig. Wenn also bspw. ein Stecker eckig ist, um in eine genormte Buchse zu passen, ist die eckige Form in Kombination mit dem Stecker nicht schutzwürdig. Da aber die Eintragungserfordernisse, wie Neuheit, nicht bei der Eintragung geprüft werden, kann ein Geschmacksmuster zunächst erst einmal eingetragen werden, dann aber später bei Streitigkeiten angefochten und gelöscht werden.

Eine Verletzung eines Geschmacksmusters liegt immer dann vor, wenn dieses abgebildet wird, auch zweidimensional. Das heißt, wenn Sie ein Foto von einer Computer-Maus machen und dieses als Illustration auf Ihre Website stellen, kann dies schon eine Verletzung des Geschmacksmusters sein. Ursprünglich geschaffen wurde das Geschmacksmusterrecht, um den Nachbau von Designerprodukten zu erschweren. Findige Firmen nutzen diese Bestimmungen aber leider auch als Geldquelle, um kostenpflichtige Abmahnungen an Shop-Betreiber und andere Werbetreibende zu schicken, die einfach nur das Produkt zum Verkauf im Online-Shop fotografiert haben.

Online-Recherche nach Geschmacksmustern

In Deutschland und in der EU eingetragene Geschmacksmuster können Sie online ermitteln. Sie müssen dazu aber den Rechteinhaber kennen und der muss nicht immer mit dem Hersteller übereinstimmen, denn der kann auch in Lizenz produzieren. Deutsche Geschmacksmuster können Sie beim deutschen Patent- und Markenamt (dpma) abrufen, die der EU unter RCD-ONLINE.

Zwar gibt es Regelungen, die die Abbildung von als Geschmacksmuster geschützten Produkten dennoch erlauben, bspw. als Nebensache im Bild. Rechtlich fragwürdig ist aber immer, wo eine Nebensache beginnt und wo sie zur Hauptsache wird. Auf der sicheren Seite bei Fotos sind Sie also dann, wenn auf den Fotos keine Produkte und Requisiten abgebildet sind, die mit einem Geschmacksmuster geschützt sind.

Persönlichkeits- und Eigentumsrechte beachten

Der dritte wichtige rechtliche Bereich, den Sie bei der Bilderauswahl beachten müssen, sind Persönlichkeits- und Eigentumsrechte. Die Persönlichkeitsrechte betreffen hier vor allem das Recht am eigenen Bild: Jeder Menschen kann zunächst selbst bestimmen, in welcher Weise und wo Bilder, auf denen er erkennbar ist, verwendet und veröffentlicht werden. Bilder von erkennbaren Personen dürfen Sie also nicht einfach verwenden. Auch im redaktionellen Umfeld ist das unter Umständen problematisch. Praktisch ausgedrückt: Wenn Sie auf der Straße einen Menschen sehen, der eine Jacke trägt, die Ihr Unternehmen produziert, dürfen Sie die Person nicht einfach fotografieren und als Werbung auf der Website verwenden. Sie benötigen auch hier die Einwilligung der Person, möglichst schriftlich in Form eines so genannten Modell-Release-Vertrags (MR).

In Bildagenturen werden Personenbilder entweder nur für redaktionelle Verwendung gekennzeichnet oder es liegt ein MR-Vertrag vor, der dann auch angegeben wird. Bei Bildern mit MR sind Sie also auf der richtigen Seite.

Personenbilder ohne Modellrelease können Sie nur redaktionell einsetzen und auch nur dann, wenn dort eine prominente Person abgebildet ist und das Foto bei öffentlichen Auftritten entstanden ist. Für die normale Privatperson benötigen Sie immer eine Einwilligung, es sei denn, die Bilder sind auf öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der Berichterstattung über die Veranstaltung entstanden.

Eigentumsrechte regeln, welche Fotos Sie überhaupt machen und dann werblich nutzen dürfen. Der Eigentümer einer Sache kann die Verwendung von Fotos verbieten, insbesondere dann, wenn es ihn in der Ausübung eigener Rechte behindert.

Beispiel:

Sie gehen in einen Zoo, weil Sie für Ihre Website ein Bild von einem Affen benötigen und fotografieren diesen. In der Regel ist die Verwendung des Fotos für nicht rein private Zwecke nicht erlaubt, weil der Zoo als Eigentümer die kommerzielle, also werbliche Nutzung des Bildes untersagt. Fragen Sie in solchen Fällen unbedingt beim Zoo um Erlaubnis.

Problematisch sind aus diesem Grund Bilder, die in Gebäuden, eingezäunten und abgesperrten Bereichen, wie Zoos, Freiluftmuseen, Museen etc. gemacht wurden. Dafür benötigen Sie die Erlaubnis des Eigentümers.

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Über die Autorin:

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Helma Spona ist Fachautorin und Expertin im Bereich Digitalfotografie, Bildbearbeitung, (Website-)Programmierung und Webdesign. Seit einigen Jahren fotografiert sie für verschiedene Bildagenturen vor ...

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