Zehn Regeln für eine zugängliche, barrierearme Website

ob für Sehbehinderte, iPad-Nutzer oder Suchmaschinen-Bots!

Von: Martina Rüter
Stand: 29. Juni 2010
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Über die Autorin: Martina Rüter

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Martina Rüter ist ausgebildete Fachjournalistin und HTML/CSS-Coderin. Als Online-Redakteurin arbeitete sie mehrere Jahre in der freien Wirtschaft. Seit 2007 ist sie selbstständig und gestaltet auf freiberuflicher Basis barrierfreie Webseiten und gibt ihr Wissen als Dozentin in EDV-Seminaren rund um das Thema Internet weiter. 2009 hat sie zusätzlich das Zertifikat der FernUniversität Hagen zum eTrainer erworben.

Im Web finden Sie Martina Rüter unter den Adressen www.barrierefreie-webgestaltung.de und www.website-training.de.

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Regeln für Barrierefreiheit

Regel 1: Keine Frames, keine reine Flashseite und wenig Multimedia-Elemente

Schon bei der Planung und Konzeption eines neuen Internetauftritts oder beim Redesign einer bestehenden Website sollten einige technische Aspekte berücksichtigt werden.

Auf den Einsatz von Frames sollten Sie generell verzichten. Frames sind nicht nur suchmaschinenungeeignet. Sie stellen insbesondere für blinde Menschen eine große Hürde dar, vor allem wenn die einzelnen Frames über keine aussagekräftigen Titel verfügen. Auch das Ausdrucken von einzelnen Frame-Seiten gestaltet sich für den Nutzer schwierig. Außerdem kann bei Frames kein Lesezeichen (Favorit/Bookmark) im Browser und kein direkter Link für Unterseiten gesetzt werden, sondern nur für die Startseite.

Wenn Sie nicht gerade ein renommierter Flash-Entwickler sind, der seine Dienste anbietet, dann sollten Sie auch auf einen komplett in Flash umgesetzten Webauftritt verzichten. Flash-Sites benötigen schon allein aus Gründen der Suchmaschinenoptimierung eine alternative HTML-Version - und damit handeln Sie sich doppelten Pflegeaufwand für die Aktualisierung des Webauftritts ein.

Zudem sind Flash-Sites oft nicht einfach zu ändern bzw. mit Inhalten zu füllen. Dazu bedarf es stets eines Flash-Programmierers - selbst wenn sich nur die Telefonnummer geändert hat. Viele Flash-Inhalte sind für die verbreiteten Screenreader (Vorlesesoftware), wie sie von Blinden eingesetzt werden, nicht zugänglich. Bis sich die Technik in diesem Punkt verbessert hat, sollte man zumindest integrierte Flash-Anwendungen, wie animierte Grafiken, mit erklärenden Alternativtexten ausstatten.

Versteht man unter Multimedia vor allem Audio- und Videodateien, so müssten korrekterweise die Audio- und Videoinhalte auch textlich zugänglich oder mit Gebärdensprache unterlegt sein, um auch Hörgeschädigte mit einzubeziehen. Das ist natürlich ein immenser Aufwand. Aus diesem Grund sollten multimediale Elemente stets nur als zusätzliches Angebot eingesetzt werden. Sie sollten grundsätzlich nur ergänzende und keine elementaren Informationen enthalten - die Nutzung der Seite muss auch ohne sie sinnvoll möglich sein.

Merke:

Frames gehören der Vergangenheit an! Keine reinen Flashangebote ohne HTML-Alternative! Multimedia-Elemente nur als Add-on einsetzen!

Auch Tabellenlayouts sind nicht mehr angesagt. Eine strikte Trennung von Inhalt und Layout erreicht man über den Einsatz von HTML und CSS.

Regel 2: Starke Kontraste

Ungefähr fünf Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer leiden unter einer Form der Rot-Grün-Sehschwäche. Die Betroffenen können die Farben Rot und Grün schlechter als Normalsichtige voneinander unterscheiden. Wählen Sie deshalb für Text- und Hintergrund stets Farben, die über einen hohen Kontrast zueinander verfügen. Den besten Kontrast besitzt die Farbkombination aus schwarzem Text auf weißem Grund.

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Also wer im Jahr 2010 noch empfiehlt, auf den Einsatz von Javascript zu verzichten, hat die letzten zehn Jahre Entwicklung im Web wohl verpennt. Selbstverständlich sind auch Websites, die Javascript einsetzen, problemlos barrierefrei zu gestalten und auch von Suchmaschinen ohne Probleme zu spidern (Dafür gibt es wirklich genug Beispiele -> google). Es gibt wohl kaum noch eine moderne Seite, die komplett auf Javascript verzichtet. Was die Anforderungen an Design und Funktionalität anbetrifft ist das auch kaum noch möglich, meine Kunden wollen sich schließlich im Web modern und nicht altbacken auf dem Stand von vor 10 Jahren präsentieren.

Ein iPad kann (noch) keine Flash Inhalte darstellen, sicher. Aber alles andere geht genauso gut wie auf jedem anderen halbwegs modernen Browser. Der Behauptung, das Flash-Plugin wäre nur auf ca. 55% der Systeme installiert, stehen diverse andere Quellen entgegen, in denen die Verbreitung von ca. 80 - 90% und mehr beobachtet wurde.

Auch die Aussage, dass Inhalte von Flash Websites nicht selber geändert werden können, ist falsch. Unsere Flash Projekte können selbstverständlich mit einem moderen Content Management System selber verwaltet werden. Unsere Flash Websites haben immer ein automatisiertes XHTML-Gerüst im Hintergrund, welches NICHT separat gepflegt werden muss. Die Inhalte können durch dieses System von Google erfasst, von Screenreadern gelesen und von iPad Benutzern angezeigt werden. Flash Websites sind da, wo der Einsatz wirklich Sinn ergibt, also alles andere als problematisch. Selbst wenn man auf den Einsatz von Flash komplett verzichten würde, wären derartige Projekte - wenn auch mit enormen Mehraufwand verbunden - nur mit Einsatz von Javascript möglich.

Für den Beitrag kann ich nur einen Stern vergeben, sorry...

S.Sievert
Mouseevent
www.mouseevent.com

Hallo Herr Sievert,

das war ein Missverständnis: Ich sage nicht, dass man komplett auf Javascript verzichten muss - nur, dass es eine mögliche Hürde darstellt, wenn man sich nicht an die BITV-Kriterien hält, Zitat: "Nach Abschalten von Skripten sollen die Seite weiterhin funktionsfähig sein. Die wesentlichen Inhalte sollen weiterhin vorhanden sein, Navigations- und Formularelemente sollen funktionieren. Von Skripten erzeugte Inhalte müssen durch ein gleichwertiges alternatives Angebot zugänglich gemacht werden."

Es geht durchaus nicht darum, altbackene Standards festzuschreiben, sondern zu garantieren, dass die Site auch ohne CSS und mit ausgeschaltetem Javascript und ohne entsprechende Player funktioniert bzw. funktionierende Alternativen bereithält.

Dass die Adobe-Angaben zur Flash-Verbreitung höher ausfallen, ist keine echte Überraschung. :-) Jedenfalls: Die Angaben schwanken, und dürfte je nach Zielgruppe ganz unterschiedlich ausfallen.

Ich bin keine Flash-Entwicklerin - und Ihr Konzept der Flash-Umsetzung ist mir neu. Das ist sehr begrüßenswert. Nur machen es ja längst nicht alle so! Ich hatte schon mehrere Kunden, die mit ihren Flash-Sites unzufrieden waren, weil sie keine Änderungen vornehmen konnten und die Inhalte nicht von Google indiziert wurden. Es geht mir auch bei Flash nicht darum, irgendetwas zu verbieten, sondern auf das Risiko hinzuweisen, damit Nutzergruppen auszuschließen.

mit freundlichen Grüßen
Martina Rüter