öffentlich
Redaktion Druckversion

Einige Tipps für gute und verständliche Texte

Wie Sie leserfreundliche Texte schreiben

4.72222
(18)
Beitrag bewerten
Ersten Kommentar schreiben
Stand: 12. Juli 2012

Ein Text für die Website oder einen Flyer ist schnell geschrieben. Aber ist er auch verständlich? 10 Tipps, wie Sie Ihre Texte lesefreundlich formulieren.

Tipp 1: Zielgruppe und Umfeld berücksichtigen

Für wen schreiben Sie? Und in welcher Umgebung? Jemand sieht kurz auf Ihren Flyer und nimmt diesen daraufhin mit. Jemand sucht nach einer detaillierten Anleitung für XY und findet diese auf Ihrer Website. Wären Sie erfolgreich, wenn beide Texte ähnlich formuliert wären?

Wenn Ihre Zielgruppe fachlich vorgebildet ist, dürfen Sie auch Fachbegriffe und branchenspezifische Abkürzungen benutzen. Es kann aber nie schaden, diese wenigstens bei deren erster Benutzung kurz zu erläutern.

Fachsprech auf der Website

Wenn Sie auf einer Website einen Begriff erläutern müssen, gibt es eigens eine <acronym>-Methode dafür. Schreiben Sie im HTML-Code beispielsweise:

...muss der <acronym title="Abk&uuml;rzung f&uuml;r 'Auszubildender'">Azubi</acronym> die Halle fegen.

dann zeigt der Browser dem Website-Besucher später beim Überfahren mit der Maus den Text als gelbes QuickInfo an:

Tipp 2: Ziel und Nutzen nennen

Schreiben Sie Gedichte, geht es um die Schönheit Ihres Textes. Ansonsten aber fragt sich der Leser recht bald: Was habe ich davon? Wenn Sie nicht rechtzeitig den Nutzen für den Leser deutlich machen, erlischt sein Interesse.

Dabei dürfen Sie Ziel und Nutzen nicht verwechseln:

  • Das Ziel sieht meinen Blickwinkel als Autor: Wo will ich den Leser hinführen? Hier zum Beispiel möchte ich Ihnen Ideen zum besseren Schreiben anbieten.

  • Der Nutzen hingegen berücksichtigt Ihren Blickwinkel als Leser: Was habe ich davon? In diesem Artikel bestünde Ihr Nutzen darin, dass Sie erfolgreicher sind, wenn Sie lesefreundliche Texte anbieten.

In einer Geschichte konstruieren Sie einen Handlungsbogen, in Gebrauchstexten nicht. Websites, Flyer und Geschäftsbriefe sind keine Lyrik, sondern geschäftliche Kommunikationsinstrumente. Ihr Leser schenkt Ihnen seine Zeit und Aufmerksamkeit, Sie bieten ihm dafür hilfreiche Informationen.

Wenn dann aber nicht bald "Butter bei die Fische" kommt, ist es vorbei mit dem Geschäft. Wer inhaltsarme Texte liest, fühlt sich sogar regelrecht betrogen. Liefern Sie also rechtzeitig Substanz.

Ein Buch fesselt bis zur letzten Seite und darf mit der Enttarnung des Mörders bis zuletzt warten. Ein Text im Internet aber wird nach Untersuchungen zu höchstens einem Fünftel überflogen. Bleibt dabei nichts Nützliches hängen, klickt der Leser woanders hin.

Tipp 3: Querleser bedienen

Was machen Sie mit einem Flyer, den Sie kurz in die Hand nehmen? Sie überfliegen ihn und gucken, ob etwas Spannendes dabei ist. Wie lesen Sie Websites? Sie lesen den Inhalt einmal quer, ob etwas Nützliches dabei ist. Wie schreiben Sie Ihre Texte? Sie erwarten, dass Ihre Leser diese der Reihe nach durchlesen.

Haben Sie bemerkt, wie schlecht das Leseverhalten zu dem Schreibanspruch passt? Viele Alltagstexte werden eher wie Fertigmahlzeiten konsumiert: Verpackung aufreißen, ab in die Mikrowelle, runterschlingen.

Über den Verfall der Lesegewohnheiten können Sie lamentieren, so viel Sie wollen. Wenn Sie in diesem Umfeld schreiben, müssen Sie deren Regeln akzeptieren. Also lockern Sie Ihren Text mit Zwischen-Überschriften auf, schreiben kurze Absätze und heben wichtige Wörter fett hervor. Würzen Sie den Text mit ein paar prominenten Zitaten, hinterlegen Sie wichtige Passagen farbig oder visualisieren Sie schwierige Zusammenhänge.

Das sind die Köder, an denen Querleser hängenbleiben. "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler" gilt auch hier.

Tipp 4: Exotische Termini evitieren

Bitte was? Genau, vermeiden Sie Fremdwörter. Versuchen Sie vor allem, überflüssige Fremdwörter zu vermeiden. Oder ersetzen Sie sie durch eine deutsche Entsprechung.

Nutzen Sie dennoch Fachbegriffe, erläutern Sie diese. Wörter wie World Wide Web oder Internet sind inzwischen so sehr in den Sprachgebrauch eingegangen, dass ein weltweites Gespinst oder ein Zwischennetz völliges Erstaunen hervorrufen würden.

Tipp 5: Passiv sollte vermieden werden ...

Passive Formulierungen sind etwas für Weicheier. Wenn Sie "unsere Produkte wurden weiterentwickelt" schreiben, weiß der Leser gar nicht, ob Sie da irgendwie dran beteiligt waren. Setzen Sie besser auf ein selbstbewusstes "wir haben unsere Produkte weiterentwickelt"!

Passivsätze sind nicht nur länger, sondern auch langweiliger. Das Gehirn will etwas zum Vorstellen haben, einen Täter und eine Tat. Aktive Formulierungen lösen aktive Vorstellungen aus und führen damit zu einem lebendigen Bild im Kopf des Lesers.

Das Passiv hieß übrigens früher "Leidensform". Das besagt eigentlich schon alles.

Tipp 6: Kurze Sätze schreiben

Ist die Aufmerksamkeitsspanne kurz? Vermuten Sie ein geringes Bildungsniveau beim Leser? Dann halten Sie Ihre Sätze möglichst einfach!

Die Bild-Zeitung schreibt typischerweise 7 Wörter je Satz. Das ist kein Zufall. Durchschnittliche deutsche Zeitungen hingegen enthalten 16 Wörter je Satz. Das ist kompliziert.

Tipp 7: Keine geschachtelten Sätze, die auch dann, wenn sie mehrmals gelesen werden, unübersichtlich sind, benutzen

Zweifellos ist es praktisch, Nebeninformationen noch schnell im Nebensatz hinzuzufügen. Das führt dann zu Formulierungen wie diesen:

"Die Grundannahme des Physikprofessors, der auch ein Staatsexamen in Philosophie abgelegt und mehrere Semester Archäologie studiert hat, ist, dass die gesamte Pfalzanlage nach einem einheitlichen geometrischen Prinzip errichtet wurde - und demnach auch heute noch als geometrische Konstruktion rekonstruierbar sein muss."

Wohlgemerkt, das ist kein wissenschaftlicher Text, sondern stammt aus einem Artikel einer lokalen Tageszeitung. Dessen Überschrift lautet "Der rätselhafte Dom-Bauplan: einfach oder kompliziert?", dabei wäre "Der rätselhafte Satzbau: einfach oder kompliziert?" viel passender gewesen.

Gönnen Sie Ihren Gedanken jeweils einen ehrlichen geraden Satz. Für einen Nebengedanken schreiben Sie lieber einen eigenen Satz, dann kann Ihr Leser beim Denken eine kurze Pause machen. Sonst muss er sich alle Teilsätze nämlich im Kurzzeitgedächtnis speichern. Das aber ist mühsam und er verliert die Lust am Weiterlesen.

Tipp 8: Verben sind besser als Substantive

"In Erledigung Ihrer Anfrage zur Verbesserung der Formulierung" — viele Substantive führen zu maximaler Schwierigkeit.

Wandeln Sie tote Substantive besser in lebendige Verben um. Verben — "Tu-Wörter" — beschreiben nicht nur das Tun der Akteure, sondern regen auch die Tätigkeit im Gehirn an. Das Gehirn Ihrer Leser braucht Verben, um aktiv mitdenken zu können.

Tipp 9: Kurze statt langer Wörter

Aufmerksamkeitsspanne, Nominalisierung und Kurzzeitgedächtnis sind fünf- und sechssilbige Wörter. Diese blockieren gerade bei solcher Nominalisierung Ihr Kurzzeitgedächtnis für eine lange Aufmerksamkeitsspanne.

Ein langes Wort ist sperrig, es will nicht so einfach in Auge und Ohr flutschen. Was sich bei Fachwörtern oft nicht vermeiden lässt, geht beim übrigen Text hoffentlich besser. Versuchen Sie, höchstens dreisilbige Wörter zu nutzen.

Da ist "höchstens" kürzer als "maximal" (und spart ein Fremdwort ein), "doppelt" schneller verstanden als "redundant" und "mühsam" weniger mühsam als "anstrengend".

Sie sollten längere Wörter nicht um jeden Preis vermeiden, aber im Auge behalten. Es ist keine Überraschung, dass die Formeln zur Lesbarkeit eines deutschen Textes ebenfalls darauf achten. Viele Buchstaben und viele Silben in einem Wort gelten dort als nachteilig, wenn ein Text verständlich sein soll.

Tipp 10: Lesbarkeitsindex errechnen (lassen)

Für einen Text lässt sich sogar errechnen, wie gut lesbar und verständlich er ist:

  • Flesch-Reading-Ease: Der gebürtige Österreicher Rudolf Flesch entwickelte für die englische Sprache den Lesbarkeitsindex Flesch-Reading-Ease. Dabei handelt es sich um eine Formel, die aus der durchschnittlichen Satzlänge und Silbenanzahl pro Wort ermittelt, wie komplex der Text ist. Inzwischen gibt es eine Anpassung an die deutsche Sprache.

  • Flesch-Kincaid Grade Level: In Zusammenarbeit mit J. P. Kincaid entwickelte Rudolf Flesch einen zweiten Lesbarkeitsindex. Dessen Ergebnis gibt direkt an, ab dem wievielten (amerikanischen) Schuljahr ein Schüler den jeweiligen Text verstehen kann. Je größer der errechnete Wert ist, desto schwieriger ist dementsprechend der Text. Auch hier werden nur die Eigenheiten der englischen Sprache berücksichtigt.

  • Wiener Sachtextformel: Diese Formel ist für deutsche Texte geeignet und ermittelt, ab welchem Schuljahr der untersuchte Text verständlich ist. Es gibt vier verschiedene Versionen. Bei allen geht der prozentuale Anteil dreisilbiger Wörter, die durchschnittliche Satzlänge, der Anteil mehr als sechsbuchstabiger Wörter und der Anteil von Wörtern mit nur einer Silbe ein.

Nun ist es natürlich ziemlich mühsam, die jeweiligen Werte zu ermitteln, aber es gibt eine Website, die Ihnen das abnimmt. Im Schreiblabor klicken Sie auf Textanalyse und können dort Ihren Text zur Prüfung eingeben. Sie können ihn einfach aus Ihrem Schreibprogramm über die Zwischenablage kopieren (auch sehr lange Texte!) und dann mit der Schaltfläche Text prüfen untersuchen lassen.

Bild vergrößernBild vergrößernDer gelb umrandete Text zeigt die grün umrandeten Analysen

Dieser Beitrag übrigens ist laut Wiener Sachtextformel ab der 8. Klasse verständlich und mit einem deutschen Flesch-Index von 57 als durchschnittlich schwierig einzustufen. Und wenn Sie ihn bis hierher gelesen haben, vermute ich, dass Sie ihn auch verstanden haben.

Fazit

Gute Texte lesen ist nicht schwer, gute Texte schreiben umso mehr. Wenn aber Sie als Autor sich schon keine Mühe geben, so werden Ihre Leser sich bestimmt auch keine Mühe machen. Wer seine Texte nicht mundgerecht und leicht verständlich liefert, bleibt ungelesen.

Übrigens: Fremdwörter sind gar nicht fremd

Viele jammern heutzutage, dass unsere Sprache voller Anglizismen sei, also der englischen Sprache entnommenen Wörtern. Dabei wird gerne übersehen, dass sie bereits voller Lehnwörter mit griechischem (Theater), lateinischem (Meile), französischem (Garage), spanischem (Zigarre), tschechischem (Pistole) und beliebigem anderen Ursprung ist.

Sie hätten also (mittelhochdeutsch!) gar keine Chance (französisch!), wirklich nur rein deutsche Sätze (althochdeutsch!) zu schreiben (lateinisch!). Mal abgesehen davon, dass die Diskussion (lateinisch!) darüber, was überhaupt original (lateinisch!) deutsch (althochdeutsch!) ist, schwierig werden könnte.

Beitrag bewerten

Ihre Wertung:

 

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren