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Geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben: 410-Euro-Grenze oder Sammelposten?

Wir lichten den Abschreibungs-Dschungel

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Stand: 11. Mai 2017 (aktualisiert)

Bei der steuerlichen Absetzung kleinerer Anschaffungen haben Sie die Wahl:

  • Wirtschaftsgüter im Nettowert bis 410 Euro dürfen im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgeschrieben werden. Darüber hinaus greift die klassische Abschreibung über die Nutzungsdauer.

  • Wer will, darf aber auch an den im Jahr 2008 eingeführten "Sammelposten" festhalten.

Bitte beachten Sie: Die Anfang 2017 in Aussicht gestellte Erhöhung der GWG-Grenze auf 800 Euro tritt erst im Steuerjahr 2018 in Kraft. Wie es dann mit den Sammelposten weitergehen wird, ist noch offen.

Die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter bis zu 410 Euro

Zurück zur geltenden Rechtslage: Seit 2010 dürfen Selbstständige und Unternehmer anstelle des umstrittenen GWG-Sammelpostens wieder die GWG-Sofortabschreibung bis zu 410 Euro in Anspruch nehmen. Das geht aus § 6 Abs. 2 EStG hervor.

Unverändert gilt dabei, dass GWG "zu einer selbstständigen Nutzung fähig" sein müssen. Wird hingegen ein anderes Wirtschaftsgut lediglich ergänzt oder bloß dessen Funktionsumfang erweitert, stellt eine Anschaffung kein GWG dar.

Typisches Beispiel ist ein Drucker, der nur im Zusammenspiel mit einem PC oder Notebook Sinn ergibt. Wird der Drucker zusammen mit dem PC gekauft, gehört er von vornherein zum Anschaffungspreis der gesamten Computeranlage. Bei einer späteren Anschaffung erhöht der Kaufpreis des Druckers den verbliebenen Restwert des bereits vorhandenen PC und wird mit ihm zusammen abgeschrieben. Anders verhält es sich zum Beispiel bei einem Multifunktionsgerät aus Drucker, Kopierer, Scanner und Fax-Gerät: Da sich manche Funktionen solcher Geräte ohne angeschlossenen Computer nutzen lassen, dürfen sie im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als GWG abgeschrieben werden.

Obligatorisches GWG-Verzeichnis

Für geringwertige Wirtschaftsfüter (GWG) im Wert zwischen 150 Euro und 410 Euro muss ein GWG-Verzeichnis angelegt werden, aus dem folgende Angaben hervorgehena:

  • Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen sowie

  • die Anschaffungs- oder Herstellungskosten.

Das GWG-Verzeichnis braucht nicht geführt zu werden, wenn die Angaben ohne Weiteres aus der Buchführung ersichtlich sind (z. B. in Form eines Kontoblattes).

Bitte beachten Sie: Zusammen mit der in Aussicht gestellten Erhöhung der GWG-Grenze auf 800 Euro wird die Wert-Untergrenze für die Aufnahme von Anschaffungen in das GWG-Verzeichnis von 150 Euro auf 250 Euro angehoben.

Fortbestand der Sammelposten-Grauzone

Bis einschließlich Geschäftsjahr 2017 beginnt die klassische Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer normalerweise bei Anschaffungskosten ab 410 Euro aufwärts. Sie dürfen aber auch die Sammelposten-Regelung in Anspruch nehmen, wie sie in den Jahren 2008 und 2009 vorgeschrieben war. Beim Sammelposten werden alle Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 150 Euro und 1.000 Euro jahresweise zu einem GWG-Pool zusammengefasst und dann pauschal über fünf Jahre abgeschrieben.

Im Einzelfall kann das durchaus vorteilhaft sein: So werden Wirtschaftsgüter, deren betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer länger als fünf Jahre ist, als Teil eines Sammelpostens schneller abgeschrieben als bei der klassischen Abschreibung. Besonders spürbar ist das zum Beispiel bei Büro- und anderen Einrichtungsgegenständen, die standardmäßig erst nach 13 Jahren komplett abgeschrieben sind.

Wenn Sie sich für die Sammelposten-Regelung entscheiden, gelten die folgenden Wertgrenzen:

  • Alle selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter mit einem Nettokaufpreis von bis zu 150 Euro dürfen sofort und in voller Höhe als Betriebsausgabe gebucht werden.

  • Alle Anschaffungen mit einem Nettokaufpreis zwischen 150 Euro und 1.000 Euro müssen jahresweise zu einem einheitlichen Sammelposten zusammengefasst werden. Unabhängig von der Nutzungsdauer der einzelnen Pool-Bestandteile wird der Gesamtwert dieses Sammelpostens dann pauschal über fünf Jahre abgeschrieben - pro Jahr also mit 20 Prozent der Anschaffungskosten.

    Ist ein Wirtschaftsgut erst einmal in den Sammelposten aufgenommen, verliert es in den Augen des Finanzamts seine eigenständige Existenz. Der Sammelposten besteht dadurch in unveränderter Höhe fort - selbst wenn das betreffende Wirtschaftsgut defekt, verkauft worden oder verloren gegangen ist!

  • Wenn Sie sich für die Beibehaltung der Sammelposten-Variante entscheiden, beginnt die klassische Abschreibung über die Nutzungsdauer erst ab einem Nettopreis von über 1.000 Euro.

Bitte beachten Sie: Die Entscheidung für die Abschreibungsart von Wirtschaftsgütern im Bereich bis zu 1.000 Euro gilt einheitlich für alle Anschaffungen eines Jahres. Sie kann aber in jedem Jahr wieder neu getroffen werden. Unabhängig davon werden Vorjahres-Sammelposten bis zum Ende der 5-Jahresfrist nach und nach abgeschrieben.

Generelle Netto-Wertgrenzen

Wichtig: Bei den genannten Wertgrenzen (150 Euro / 410 Euro / 1.000 Euro) handelt es sich grundsätzlich um Nettobeträge. Das gilt für alle Abschreibungsarten. Die Nettowerte sind ausnahmsweise auch für "Kleinunternehmer" im Sinne des Umsatzsteuergesetzes und andere nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte Selbstständige bindend.

Angenommen, ein Kleinunternehmer hat sich für die GWG-Grenze von 410 Euro entschieden und kauft sich einen neuen Schreibtisch für 475 Euro (netto 399,16 Euro + 75,84 Euro Mehrwertsteuer): Dann gehört das Möbelstück zu den GWG und darf im Jahr der Anschaffung komplett abgeschrieben werden - obwohl es in der Einnahmenüberschussrechnung als Betriebsausgabe in Höhe von 475 Euro auftaucht!

Anschaffungen im Wert von unter 150 Euro gleich als Aufwand buchen

Da Sie über GWG im Wert bis zu 150 Euro keinen Nachweis in Form eines GWG-Verzeichnisses erbringen müssen, können Sie in beiden GWG-Varianten sämtliche Anschaffungen bis zu 150 Euro gleich als betrieblichen Aufwand buchen (z. B. Büromaterial, Werkzeuge oder sonstige Betriebsausgaben). Der buchhalterische Umweg über die Buchung auf ein Aktivkonto / Vermögenskonto (zum Zeitpunkt der Anschaffung) und einer separaten Abschreibungsbuchung (am Jahresende) ist nicht erforderlich.

Fazit

Die Beibehaltung der Sammelposten-Regelung hat die Abschreibungsregelungen noch unübersichtlicher gemacht. Andererseits kann die Entscheidung für den GWG-Pool bei Anschaffungen bis 1.000 Euro und langen Abschreibungsfristen unter Umständen vorteilhaft sein. Erfreulich ist auch, dass die Wahl der GWG-Abschreibungsart freigestellt ist. Viel wichtiger: Die längst überfällige und nun für 2018 endlich in Aussicht gestellte Anhebung der GWG-Wertgrenze auf 800 Euro wird das kleinkarierte Abschreibungs-Hickhack hoffentlich endgültig beenden.

Crash-Kurs zu den verschiedenen Abschreibungsarten

Ausführliche Informationen zum Thema GWG und Sammelposten finden Sie in unserem Grundlagenkurs "Steuer-Abschreibungen sinnvoll nutzen: Was Sie von GWG, AfA und Sonderabschreibung wissen sollten".

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hallo,

muss man dann bei Ausgaben über 178,50 Euro (inkl. 19 % MwSt.) bereits bei der ARGE nachfragen, ob man die Investition machen darf oder kann das ein Unternehmer noch selbst entscheiden?

und was passiert, wenn man was für 200 Euro abgeschafft und per EÜR abgesetzt hat, aber die Ausgabe fürs Finanzamt wiederum über 5 Jahre abschreiben muss und entsprechend nur 40 Euro davon auf dem Steuerbescheid als Ausgaben angerechnet werden?

dann muss sich doch die ARGE wiederum am Steuerbescheid orientieren, und muss man dann 160 Euro wieder zurückzahlen?

ähnliche Frage bezogen auf jetzt:
was ist mit Ausgaben von bspw. 500 Euro? kann ich die bei der ARGE (EÜR) voll geltend machen?
was ist im kommenden Jahr, wenn ich eine andere EÜR fürs Finanzamt machen muss und dafür nur 1/3 pro Jahr anerkannt werden (Bsp. Computer), also 166,67 Euro. muss ich dann - wenn die ARGE meinen Steuerbescheid später hat - 333,33 Euro an die ARGE zurückzahlen, auch wenn es vorher anders dort anerkannt wurde, nur weil die sich nach dem Steuerbescheid richten müssen?

ich wage gar nicht, Ausgaben über 487,50 Euro zu machen, weil ich nicht weiß, was dann auf mich zukommt.
ich benötige einen neueren Computer (habe nur einen sehr alten und auch nur privat), und da bleiben mir nicht viele Modelle unter 487,50 Euro. die sind dann gebraucht und nicht so leistungsfähig.
näXtes Jahr wäre das dann mit der neuen Grenze gar nicht mehr möglich.

wie muss also die ARGE tatsächlich den Steuerbescheid berücksichtigen?
vielen Dank im Voraus für die Antwort. das versuche ich schon sehr lange herauszubekommen.

Guddi!

Erst bietet man kleinen Leute die Chance sich eine Existens aufzubauen, und dann machen sie sie wieder kaputt. Tolles timiing. Prima kein wunder das jeder 2te abhaut aus einem Saat der sein Volk nicht achtet und nur auf Zahlen schaut.
Schaut eigentlich irgendjemand auch mal genauer hin wie's den Leuten in dieser ganzen Scheisse wirklich geht.

Scheisse

Sag mal, kauf Dich Deutschbuch, hat mich auch gehelft, dann kommst Du raus aus dieser Scheisse und wirst auch etwas ernster genommen :)

Der Beitrag ist sehr verständlich geschrieben.

Klasse, alles verstanden. Weiter so.

Toller Beitrag, da ist alles eindeutig beschrieben.

Toll, Toll, supertoll!!!

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