Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Häusliches Arbeitszimmer: Anforderungen an bauliche Gegebenheiten, Ausstattung und Nutzung

Voraussetzungen für die Anerkennung

Entscheidend dafür, ob ein Arbeitszimmer steuerlich überhaupt anzuerkennen ist, sind

· die Erforderlichkeit

· die Lage

· die Einrichtung und

· die tatsächliche Nutzung.

Es kommt nicht darauf an, innerhalb welcher Einkunftsart das Arbeitszimmer genutzt wird. Dabei muss das Arbeitszimmer seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden sein, das heißt, das Zimmer gehört zur privaten Wohnung bzw. dem privaten Wohnhaus des Steuerpflichtigen.

Allerdings muss das Arbeitszimmer von den anderen Räumen abgetrennt sein und/oder eine abgeschlossene Einheit bilden.

Eine räumliche Abtrennung bzw. eine geschlossene Einheit liegt auch vor, wenn das Arbeitszimmer zwar Durchgangszimmer ist, die private Mitbenutzung aber von untergeordneter Bedeutung ist, weil das als Arbeitszimmer genutzte Durchgangszimmer nur als Durchgang zum Schlafzimmer genutzt wird.

Beispiel: Eine räumliche Abtrennung bzw. eine geschlossene Einheit liegt in folgenden Fällen nicht vor:

· Arbeitszimmer in einem Zimmer, das den alleinigen Zugang zu den anderen Zimmern der Wohnung darstellt (sog. Durchgangszimmer, BFH, Urteil v. 18.10.1983, BStBl. 1984 II S. 110)

· Arbeitszimmer in einer zum Wohnzimmer hin offenen Galerie (BFH, Urteil v. 06.12.1991, BStBl. 1992 II S. 304)

· Arbeitszimmer auf einer Empore (BFH, Urteil v. 06.02.1992, BStBl. 1992 II S. 528)

Ein Arbeitszimmer dient vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten und wird (fast) nur zu beruflichen und betrieblichen Zwecken genutzt. Danach kann auch ein Archivraum als häusliches Arbeitszimmer angesehen werden, wenn in ihm Bücher, Unterlagen und Akten aufbewahrt werden, die der vorbereitenden und unterstützenden Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dienen.

Davon zu unterscheiden sind Räume, die als alleinige Betriebsstätte des Steuerpflichtigen dienen. Die Kosten für diese sind voll abzugsfähig. Die Räume zeichnen sich dadurch aus, dass sie für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr zugänglich sind.

Beispiele für das Vorhandensein eines häuslichen Arbeitszimmers

· häusliches Büro eines selbstständigen Handelsvertreters, selbstständigen Übersetzers, selbstständigen Journalisten;

· häusliches Musikzimmer einer freiberuflich tätigen Konzertpianistin, das ausschließlich beruflich genutzt wird und in dem sie Musikunterricht erteilt;

· Anmietung einer unmittelbar angrenzenden oder unmittelbar gegenüberliegenden Zweitwohnung in einem Mehrfamilienhaus.

· Das Arbeitszimmer befindet sich in einem Anbau zum Wohnhaus und ist über einen separaten Eingang erreichbar. Dieser kann jedoch nur über den Garten des Wohnhauses betreten werden, der wiederum nur von der Küche oder dem Esszimmer aus oder über die Garage betreten werden kann.

· Raum in der eigenen Wohnung, der in einer für Arbeitszimmer typischen Weise möbliert und ausgestattet ist und den ein Schauspieler für berufliche Zwecke nutzt, die keine spezielle andere Ausstattung erfordern (zum Beispiel Texte lernen, Stimmübungen).

· Übungszimmer einer Musikerin, das für das Erarbeiten, Einstudieren und Proben von Musikstücken genutzt wird und in dem Noten, Partituren, CDs und musikwissenschaftliche Literatur gelagert werden. Nach Ansicht des BFH unterscheidet sich diese Nutzung nicht von der Nutzung durch Angehörige anderer Berufe, bei denen die häusliche Vorbereitung im Arbeitszimmer geschieht. Das häusliche Arbeitszimmer muss nicht zwingend mit bürotypischen Einrichtungsgegenständen ausgestattet sein und auch für Bürotätigkeiten genutzt werden.

· Ein häusliches Arbeitszimmer liegt auch dann vor, wenn sich die zu Wohnzwecken und die betrieblich genutzten Räume in einem ausschließlich vom Steuerpflichtigen genutzten Zweifamilienhaus befinden und auf dem Weg dazwischen keine der Allgemeinheit zugängliche oder von fremden Dritten benutzte Verkehrsfläche betreten werden muss.

Beispiele für das Vorhandensein einer häuslichen Betriebsstätte

· Arzt-, Steuerberater- oder Anwaltspraxis grenzt an das Einfamilienhaus an oder befindet sich im selben Gebäude wie die Privatwohnung, wenn diese Räumlichkeiten für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet und bei häuslichen Arztpraxen für Patientenbesuche und -untersuchungen eingerichtet sind, zum Beispiel Notfallpraxis eines Arztes.

· Gesondert zu betretender Anbau mit dem Büroschild "Steuerberater", in dem mehrere Mitarbeiter beschäftigt sind, Publikumsverkehr stattfindet und in dem es einen gesonderten Wartebereich, Toiletten und eine Garderobe gibt.

· Tonstudio eines Musikers, Komponisten etc.

· In einem Geschäftshaus befinden sich neben der Wohnung des Bäckermeisters die Backstube, der Verkaufsraum, ein Aufenthaltsraum für das Verkaufspersonal und das Büro, in dem die Buchhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Das Büro ist in diesem Fall aufgrund der Nähe zu den übrigen Betriebsräumen nicht als häusliches Arbeitszimmer geeignet.

Lagerräume

Ein betrieblich genutzter Raum erfüllt keine (Teil-)Funktionen eines typischen häuslichen Arbeitszimmers, wenn er ausschließlich als Warenlager genutzt wird. Wird der Raum dagegen sowohl als Warenlager als auch als Büroarbeitsplatz genutzt, so ist im Wege der Gesamtwürdigung aller Umstände abzuwägen, ob die Funktion als Lager oder als Büro überwiegt. Überwiegt die Nutzung als Lager, sind die auf das Lager entfallenden Kosten unbeschränkt abziehbar, da es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Überwiegt die Nutzung als Büro, handelt es sich um ein häusliches Arbeitszimmer.

Folgende Grafik gibt einen Überblick über die Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer und bildet den derzeitigen Rechtsstand ab:

Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer im ÜberblickBild vergrößernAbziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer: Überblick über die derzeitige Rechtslage

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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