Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Nutzung mehrerer Räume

Nutzung mehrerer Räume im häuslichen Bereich zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken

Werden mehrere Räume im häuslichen Bereich betrieblich oder beruflich genutzt, muss für jeden Raum gesondert geprüft werden, ob ein häusliches Arbeitszimmer vorliegt. Nur wenn die Räume eine funktionale Einheit bilden, kommt eine gemeinsame Qualifizierung in Betracht. Eine funktionale Einheit ist allerdings nur dann gegeben, wenn mehrere Räume identisch genutzt werden.

Liegt keine funktionale Einheit vor und ist eine Zuordnung der betrieblich und beruflich genutzten Räume als häusliches Arbeitszimmer nicht möglich, so sind die durch die betriebliche oder berufliche Nutzung verursachten Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt abzugsfähig.

Nutzung durch mehrere Steuerpflichtige

Die Finanzverwaltung sah die Abzugsbeschränkung noch im Schreiben vom 07.01.2004 (BStBl. 2004 I S. 143) als personenbezogen an, das heißt, jeder Nutzende konnte bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen Aufwendungen in voller Höhe, bis zur Höhe von 1.250 Euro oder gar nicht geltend machen.

Ab 2007 darf jeder Nutzende die Aufwendungen abziehen, die er getragen hat, wenn diese Voraussetzungen bei ihm vorliegen.

Beispiel:

  1. A und B nutzen gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer jeweils zu 50 Prozent. Die Gesamtaufwendungen betragen 4.000 Euro. Weder A noch B steht für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Sie können daher jeweils 625 Euro (50 % des begrenzten Abzugs) als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen.

  2. A und B nutzen gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer jeweils zu 50 Prozent (zeitlicher Nutzungsanteil). Die Gesamtaufwendungen betragen 4.000 Euro. Für A bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung; A kann 2.000 Euro als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen. B steht für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung; er kann daher 625 Euro (50 % des begrenzten Abzugs) als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen.

Nutzung zur Erzielung unterschiedlicher Einkunftsarten

Übt ein Steuerpflichtiger mehrere betriebliche und berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus und bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, so sind die Aufwendungen für das Arbeitszimmer entsprechend dem Nutzungsumfang den darin ausgeübten Tätigkeiten zuzuordnen. Liegt dabei der Mittelpunkt einzelner Tätigkeiten außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers, ist der Abzug der anteiligen Aufwendungen auch für diese Tätigkeiten möglich.

Liegt der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung nicht im häuslichen Arbeitszimmer, steht für einzelne Tätigkeiten jedoch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können die Aufwendungen bis zur Höhe von 1.250 Euro abgezogen werden. Dabei sind die Aufwendungen für das Arbeitszimmer entsprechend dem Nutzungsumfang den darin ausgeübten Tätigkeiten zuzuordnen. Soweit der Kostenabzug für eine oder mehrere Tätigkeiten möglich ist, kann der Steuerpflichtige diese anteilig insgesamt bis zum Höchstbetrag abziehen. Eine Vervielfachung des Höchstbetrags ist ausgeschlossen (objektbezogener Höchstbetrag).

Beispiel:

Ein Angestellter nutzt sein Arbeitszimmer zu 40 % für seine nichtselbstständige Tätigkeit und zu 60 % für eine unternehmerische Nebentätigkeit. Nur für die Nebentätigkeit steht ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. An Aufwendungen sind für das Arbeitszimmer insgesamt 2.500 Euro entstanden. Diese sind nach dem Nutzungsverhältnis aufzuteilen. Auf die nichtselbstständige Tätigkeit entfallen 40 % von 2.500 Euro = 1.000 Euro, die nicht abgezogen werden können. Auf die Nebentätigkeit entfallen 60 % von 2.500 Euro = 1.500 Euro, die bis zu 1.250 Euro als Betriebsausgaben abgezogen werden können.

Geänderter Nutzungsanteil des häuslichen Arbeitszimmers, Wechsel des häuslichen Arbeitszimmers

Ändern sich die Nutzungsverhältnisse innerhalb eines Wirtschafts- oder Kalenderjahres, können nur die auf den Zeitraum, in dem das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, entfallenden Aufwendungen in voller Höhe abgezogen werden. Für den übrigen Zeitraum kommt ein beschränkter Abzug nur in Betracht, wenn für die betriebliche oder berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Höchstbetrag von 1.250 Euro ist auch bei nicht ganzjähriger Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers in voller Höhe zum Abzug zuzulassen (BMF, Schreiben v. 02.03.2011, BStBl. 2011 I S. 195).

Nutzung zu Ausbildungszwecken

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, das für die Berufsausbildung bzw. die Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf genutzt wird, sind als Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG bis zu einer Höhe von maximal 4.000 Euro abziehbar. Wird das häusliche Arbeitszimmer außer zu Ausbildungszwecken noch zur Einkunftserzielung genutzt, so sind die Kosten aufzuteilen.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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