Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Abzugsverbot, unbegrenzter Abzug, Abzugsbeschränkung

Abzugsverbot – oder unbegrenzter Abzug

  • Im Grundsatz gilt ein Abzugsverbot. Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer dürfen demnach nicht als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abgezogen werden.

  • Wenn das Arbeitszimmer allerdings den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt, dann dürfen die Aufwendungen unbegrenzt als Betriebsausgaben abgezogen werden.

Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit

Der Nutzer muss glaubhaft darlegen, dass sein Arbeitszimmer den Mittelpunkt seiner beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet, d.h. er nimmt dort die Handlungen vor, die für den konkret ausgeübten Beruf oder Betrieb wesentlich und prägend sind. Dabei ist der qualitative Schwerpunkt entscheidend, der quantitative (zeitliche) Schwerpunkt ist in diesem Fall nur von indizieller Bedeutung. Das bedeutet, dass es durchaus sein kann, dass das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet, obwohl die außerhäusliche Tätigkeit überwiegt.

Wird die betriebliche Tätigkeit in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl im häuslichen Arbeitszimmer als auch an einem außerhäuslichen Arbeitsplatz ausgeübt, so kommt es auf den quantitativen Schwerpunkt an: Ist der Steuerpflichtige mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit in seinem häuslichen Arbeitszimmer tätig, so liegt der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer (BFH, Urteil v. 23.05.2006, BStBl. 2006 II S. 600).

Beispiel:

Das Arbeitszimmer kann beispielsweise in folgenden Fällen Mittelpunkt sein:

· Ein Verkaufsleiter verrichtet im Arbeitszimmer die für den Beruf wesentlichen Leistungen (Organisation der Betriebsabläufe), auch wenn er zusätzlich im Außendienst tätig ist, um die Mitarbeiter zu überwachen und die Großkunden zu betreuen.

· Ein Ingenieur, dessen Tätigkeit durch die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen im Arbeitszimmer geprägt ist, betreut zusätzlich Kunden im Außendienst.

· Ein Praxis-Consultant, der ärztliche Praxen betreut und unterstützt, verbringt einen nicht unerheblichen Teil seiner Arbeitszeit im Außendienst.

· Ein Außendienstmitarbeiter einer Lebensversicherungsgesellschaft konzipiert als Referatsleiter Altersversorgungsmodelle und arbeitet entsprechende Verträge aus.

· Ein leitender Vertriebsingenieur bereitet den Einbau technischer Spezialanlagen seines Arbeitgebers durch entsprechende, auf die jeweiligen kundenspezifischen Zwecke abgestimmte Konzeptionen vor.

· Eine Key-Account-Managerin erstellt auf der Grundlage eines noch anwenderneutralen Produkts ein an die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden abgestimmtes Software-Konzept.

In diesen Fällen sind die auf das Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen in voller Höhe als Betriebsausgaben abzugsfähig.

Beispiele, in denen das Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt ist:

· Bei freien oder angestellten Handelsvertretern ist die Tätigkeit wesentlich durch die Arbeit im Außendienst geprägt, auch wenn zusätzlich noch zu Hause gearbeitet werden muss.

· Bei einer Ärztin, die Gutachten über die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erstellt und dazu ihre Patienten ausschließlich außerhalb ihres Arbeitszimmers untersucht und dort (vor Ort) auch alle erforderlichen Befunde erhebt.

· Bei einem Architekten, wenn er neben der Planung auch noch die Bauüberwachung übernimmt, da die Tätigkeit keinem Tätigkeitsschwerpunkt zugeordnet werden kann.

· Bei einem Bildjournalisten, der neben einem Arbeitszimmer noch eine Dunkelkammer nutzt.

· Bei einem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, der außer in Praxisräumen und bei Mandanten noch in einem häuslichen Arbeitszimmer tätig ist, findet die Tätigkeit schwerpunktmäßig in den Praxisräumen statt, da dort der Kern der Tätigkeit dieser Berufsgruppe liegt.

In diesen Fällen kommt nur ein auf 1.250 Euro beschränkter Betriebsausgabenabzug infrage, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Im BMF-Schreiben vom 02.03.2011, BStBl. 2011 I S. 195, wird für den Fall, dass nur eine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausgeübt wird, die in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl im häuslichen Arbeitszimmer als auch am außerhäuslichen Arbeitsort erbracht wird, klargestellt, dass der Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung dann im häuslichen Arbeitszimmer liegt, wenn der Steuerpflichtige mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer tätig wird.

Sonderfall: Mehrere Tätigkeiten

Übt ein Steuerpflichtiger mehrere betriebliche oder berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus, so hat sich die Behandlung von Finanzverwaltung und Rechtsprechung mittlerweile geändert.

Es werden folgende Fallgruppen unterschieden:

  1. Jede Tätigkeit hat Schwerpunkt im Arbeitszimmer

    Geht ein Steuerpflichtiger mehreren Einzeltätigkeiten nach und bildet jede dieser Tätigkeiten den qualitativen Schwerpunkt im Arbeitszimmer, so ist das Arbeitszimmer als Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit zu sehen. Die Aufwendungen sind dann in voller Höhe abziehbar.

  2. Außerhäusliche Tätigkeiten als Schwerpunkt oder kein Schwerpunkt feststellbar

    Liegt der jeweilige Schwerpunkt auf der außerhäuslichen Tätigkeit, so kann die Summe der Tätigkeiten ihren Mittelpunkt nicht im Arbeitszimmer haben. Das Gleiche gilt, wenn sich die Einzeltätigkeiten keinem Schwerpunkt zuordnen lassen. Die Kosten können auf keinen Fall in voller Höhe abgezogen werden. Es ist weiter zu prüfen, ob für einzelne Tätigkeiten jedoch kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht und somit die Aufwendungen bis zur Höhe von 1.250 Euro abgezogen werden können. Dabei sind die Aufwendungen für das Arbeitszimmer entsprechend dem Nutzungsumfang den darin ausgeübten Tätigkeiten zuzuordnen. Soweit der Kostenabzug für eine oder mehrere Tätigkeiten möglich ist, kann man diese anteilig insgesamt bis zum Höchstbetrag abziehen.

  3. Nur eine Tätigkeit hat Schwerpunkt im Arbeitszimmer

    Hat nur eine Tätigkeit bzw. haben einige Tätigkeiten ihren Mittelpunkt im Arbeitszimmer, muss laut Bundesfinanzhof unter Abwägung der konkreten Umstände entschieden werden, wo sich der berufliche Mittelpunkt befindet. Es ist davon auszugehen, dass das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der Gesamttätigkeit bildet, wenn lediglich eine Einzeltätigkeit ihren qualitativen Schwerpunkt im Arbeitszimmer hat. Der Steuerpflichtige hat jedoch die Möglichkeit, anhand von konkreten Umständen glaubhaft zu machen, dass der qualitative Schwerpunkt der Gesamttätigkeit dennoch im Arbeitszimmer liegt.

Mittlerweile hat der Bundesfinanzhof weiter entschieden: Bei der Beurteilung des qualitativen Schwerpunkts der Gesamttätigkeit kommt der Bestimmung des Mittelpunkts der Haupttätigkeit regelmäßig indizielle Bedeutung zu. Haupttätigkeit soll dabei jede Vollzeitbeschäftigung aufgrund eines privatrechtlichen Arbeitsverhältnisses oder öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses sein. Ist eine solche Vollzeitbeschäftigung nicht gegeben, so ist auf die Wertigkeit der einzelnen Tätigkeiten, die Höhe der jeweils erzielten Einnahmen sowie den auf die jeweilige Tätigkeit entfallenden Zeitaufwand abzustellen, um die Haupttätigkeit zu ermitteln.

Abzugsbeschränkung – Mittelpunkt außerhalb des Arbeitszimmers

Wenn das häusliche Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt, dürfen die Aufwendungen nur bis zu einer Höhe von 1.250 Euro abgezogen werden, wenn für die betriebliche und berufliche Nutzung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht

Dabei stellt die 1.250-Euro-Grenze keinen Pauschbetrag dar. Die Aufwendungen müssen nachgewiesen und glaubhaft gemacht werden. Darüber hinaus handelt es sich um einen Höchstbetrag, der ggf. auf die unterschiedlichen Tätigkeiten aufzuteilen ist.

Bis 2006: Abzugsbeschränkung bei Nutzung zu mehr als 50 %

Dabei wird ermittelt, ob die betriebliche und berufliche Nutzung des Arbeitszimmers mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit beträgt. Ist dies der Fall, konnten die Aufwendungen unter Berücksichtigung der Abzugsbeschränkung bis einschließlich 2006 abgezogen werden. Hier zählt nur der quantitative Nutzungsanteil – also die tatsächliche zeitliche Dauer der Nutzung. Unerheblich ist die qualitative Betrachtung (beispielsweise der Anteil der im Arbeitszimmer erwirtschafteten Einnahmen).

Nicht in die Berechnung einbezogen werden dürfen Zeiten für betriebliche oder berufliche Fahrten, zum Beispiel Fahrten Wohnung – Betrieb.

Beispiel: Nutzungsanteil beträgt mehr als 50 %

Einem angestellten Rechtsanwalt steht ein Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber zur Verfügung. Er arbeitet dennoch überwiegend in seinem häuslichen Arbeitszimmer und fährt zu den Verhandlungen ins Gericht. Seine wöchentliche Arbeitszeit entfällt im Durchschnitt wie folgt auf die verschiedenen Tätigkeiten:

Verhandlungen und Besprechungen im Gericht: 10 Stunden

Besprechungen in der Kanzlei des Arbeitgebers: 10 Stunden

Vorbereitung im häuslichen Arbeitszimmer: 30 Stunden

Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte: 10 Stunden

Die Nutzung des Arbeitszimmers zur Vorbereitung der Gerichtsverhandlungen (30 Stunden) beträgt mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit (50 Stunden). Somit waren bis einschließlich 2006 die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten abziehbar.

Beispiel: Nutzungsanteil unter 50 %

Ein Rechtsanwalt, der seine Kanzleiräume an einem anderen Ort hat, bearbeitet am Wochenende an einigen Stunden Akten in seinem häuslichen Arbeitszimmer.

Der Nachweis, dass die 50-Prozent-Grenze überschritten ist, obliegt dem Steuerpflichtigen. Schon das Berufsbild kann für oder gegen das Überschreiten der 50-Prozent-Grenze sprechen.

Das seit 2007 geltende Abzugsverbot bei einer betrieblichen Nutzung des Arbeitszimmers zu über 50 % besteht nach wie vor.

Für die betriebliche oder berufliche Betätigung steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung

Ein anderer Arbeitsplatz ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Weitere Anforderungen an die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes werden nicht gestellt; unbeachtlich sind mithin grundsätzlich die konkreten Arbeitsbedingungen und Umstände wie beispielsweise Lärmbelästigung oder Publikumsverkehr (BFH, Urteil vom 07.08.2003, BStBl. II 2004 S. 83).

Voraussetzung ist auch nicht das Vorhandensein eines eigenen, räumlich abgeschlossenen Arbeitsbereichs oder eines individuell zugeordneten Arbeitsplatzes; auch ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro oder in der Schalterhalle einer Bank gilt als ein anderer Arbeitsplatz i. S. der oben genannten Vorschrift.

Da das Gesetz darauf abstellt, dass Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann nicht abziehbar sind, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kommt es allein auf das Vorhandensein eines anderen Arbeitsplatzes an, nicht auf die Möglichkeit, einen solchen einzurichten.

Ein anderer Arbeitsplatz steht dem Steuerpflichtigen dann zur Verfügung, wenn dieser ihn in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nutzen kann. Die Erforderlichkeit des häuslichen Arbeitszimmers entfällt nicht bereits dann, wenn dem Steuerpflichtigen irgendein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sondern nur dann, wenn dieser Arbeitsplatz grundsätzlich so beschaffen ist, dass der Steuerpflichtige auf das häusliche Arbeitszimmer nicht angewiesen ist.

Übt der Steuerpflichtige mehrere berufliche oder betriebliche Tätigkeiten aus, ist die Beurteilung jeweils tätigkeitsbezogen vorzunehmen. Unerheblich ist dabei, ob ein Arbeitsplatz, der für eine Tätigkeit zur Verfügung steht, auch für eine andere Tätigkeit genutzt werden kann.

Ein anderer Arbeitsplatz steht auch zur Verfügung, wenn dieser nicht immer zugänglich ist, zum Beispiel am Wochenende oder in den Ferien. Falls sich die Nutzungsverhältnisse während des Veranlagungszeitraums ändern, ist auf den Zeitraum der begünstigten Nutzung abzustellen. Werden in einem Arbeitszimmer Tätigkeiten ausgeführt, für die kein anderes Arbeitszimmer zur Verfügung steht, und Tätigkeiten, für die ein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist, so sind nur die Aufwendungen abzugsfähig, für die kein anderer Arbeitsplatz genutzt werden kann. Es muss also für jede Tätigkeit geprüft werden, ob ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Ist ein anderer Arbeitsplatz vorhanden, muss dieser auch für alle Aufgabenbereiche der jeweiligen Tätigkeit genutzt werden können. Muss der Steuerpflichtige dagegen einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen und betrieblichen Tätigkeit in einem häuslichen Arbeitszimmer verrichten, weil der zur Verfügung stehende Arbeitsplatz hierfür ungeeignet ist, ist dieser andere Arbeitsplatz unschädlich. Nicht ausreichend für die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers ist dagegen, wenn der Steuerpflichtige dort Tätigkeiten verrichtet, die er grundsätzlich auch an dem anderen zur Verfügung stehenden Arbeitsplatz verrichten könnte.

Beispiel: Typische Fälle, in denen kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist

· Ein Lehrer hat in der Schule keinen Schreibtisch für seine Unterrichtsvorbereitung. Das Klassenzimmer oder Lehrerzimmer stellt keinen anderen Arbeitsplatz dar.

· Ein angestellter Krankenhausarzt übt eine freiberufliche Gutachtertätigkeit aus, für die ihm im Krankenhaus kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Beispiel: Typische Fälle, in denen ein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist, aber nicht für alle Aufgabenbereiche der Erwerbstätigkeit zur Verfügung steht

· Ein EDV-Berater übernimmt neben seiner regulären Arbeitszeit noch Bereitschaftsdienst vom häuslichen Arbeitszimmer aus. Hierfür kann er den Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber nicht nutzen.

Eine Schulleiterin, die 18 Stunden wöchentlich arbeitet, hat im Schulsekretariat einen Arbeitsplatz nur für Verwaltungsarbeiten; allerdings kann dieser aufgrund seiner Größe, Ausstattung und Nutzung objektiv nicht für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts genutzt werden. Diese Arbeiten erledigt sie deshalb im häuslichen Arbeitszimmer.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild117272

Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

Newsletter abonnieren