Kreativtechniken für Einzelkämpfer
Mindmapping
Das Mindmapping hilft Ihnen dabei, Ansätze und Problemlösungen zu strukturieren und zu visualisieren. "Landkarte des Gehirns "sagt man wörtlich übersetzt dazu - die Mindmap stellt tatsächlich Ideen in einen räumlichen Zusammenhang und verdeutlicht deren Beziehung.
Wie funktioniert diese Technik?
Legen Sie ein leeres Blatt vor sich hin.
Schreiben Sie nun in die Mitte den Kern Ihrer Aufgabenstellung. Also bezogen auf unser Beispiel: Neue Idee für Tischlerprodukt. Musik?
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Formulieren Sie jetzt spontan alle Assoziationen dazu, die Ihnen einfallen. Ignorieren Sie den Drang zum Nachdenken - schreiben Sie einfach drauflos, gern auch mit unterschiedlichen Farben.
Zum Beispiel: "drehbar", "klappbar" "CD-Aufbewahrungssystem", "HIFI-Schrank", "TV-HIFI-Schrankkombination", "besondere Scharniere", "komplett verschließbar und daher staubsicher", "handwerklich hochwertig", "Holz", "Metall", "Glas", "Materialmix aus Holz, Metall, Glas ...", "ideal für Musiker", "viereckig" etc.
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Schreiben Sie alles auf - auch wenn es auf den ersten Blick völlig verrückt scheinen mag. Durchaus können das Ideen sein wie "im Raum schwebend", "in Form eines Fußballs", "unsichtbar" ...
Nun schauen Sie sich alles an und stellen Sie zwischen Ihren spontan niedergeschriebenen Wörtern Verbindungen her, bündeln Sie die Assoziationen, bilden Sie Gruppen, die zusammenpassen.
Bezogen auf unser Beispiel habe ich das schon gemacht und entsprechende Linien von einem Aspekt zum anderen gezogen, je nachdem, wie gut das Ganze zusammenpasst.
Eine (von mehreren) kreativen Lösungen kann nun wie folgt aussehen: Wir haben
ein viereckiges System aus Holz und Metall
für die CD-Aufbewahrung,
dessen Bestandteile sich mittels besonderer Scharniere nach innen drehen lassen,
so dass die CDs sogar "unsichtbar" werden
und nur glatte Wände gesehen werden können.
Aber auch zahlreiche andere Kombinationen der Assoziationen sind möglich. Beispielsweise die im Raum schwebende, handwerklich hochwertig erstellte TV-HIFI-Schrank-Kombi in Fußballform u.v.m.
Morphologischer Kasten
Die Arbeit mit dem morphologischen Kasten ist praktisch. Sie bringt Sie dazu, Aufgabenstellungen systematisch anzugehen. Am Anfang steht hierbei die Überlegung, was alles zu Ihrem Projekt (bzw. Produkt) gehört. Hierzu zerlegen Sie eine Aufgabe in Teilaufgaben (so genannte Parameter), ordnen denkbare Lösungsmöglichkeiten zu und erstellen den Kasten in Form einer Matrix. Diese bietet Ihnen dann eine Vielzahl von Lösungsansätzen, aus denen Sie auswählen können, was Ihnen am ehesten zusagt.
Wenn Sie sich beispielsweise für die Entwicklung eines CD-Aufbewahrungssystems entschieden haben, so könnten die Einzelaspekte hier wie folgt aussehen:
Weitere Parameter und Ausprägungen sind natürlich möglich.
Folgen Sie der Linie durch das morphologische Schema, so gilt für unser Beispiel, dass Sie sich entscheiden, eine
hochwertige Standardlösung aus Holz
in runder Form,
mit variabler Bedienung
und designorientierter Gestaltung
anzubieten.
Bionik
Im Rahmen der Kreativitätstechnik nimmt sich die "Bionik" die Natur zum Vorbild und schaut sich an, wie diese Probleme löst. Diese Technik ist übrigens nicht neu - schon Leonardo da Vinci hat über Flugapparate nachgedacht, die sich in ihrer Technik an den Flügeln von Insekten und Vögeln orientierten. Aktuell gibt es beispielsweise Entwicklungen von Booten, deren Rumpfoberfläche sich an der Aquadynamik der Haihaut orientiert.
In unserem Tischlereibeispiel könnten wir uns beispielsweise an Tieren orientieren, die sich unterschiedlichen Situationen und Anforderungen perfekt anpassen, indem sie ihre Form verändern.
Wir könnten nun einen Schrank entwickeln, bei dem der Anspruch an eine Situationsanpassung durch eine Variabilität im Nutzen erfolgt. Dazu denken wir über veränderbare Einzelbestandteile nach: Regale, Schubladen, Höhe, Form etc. Unsere Lösung könnte ein Schrank sein, der sich dahingehend variieren lässt, dass sich durch verschiebbare Regale mal CDs, mal Bücher verstauen lassen und der zusätzlich einen Drehmechanismus bietet, der dann eine glatte Holzfläche sehen lässt, wenn CDs oder Bücher nicht sichtbar und vor Staub geschützt sein sollen. Wie ein Chamäleon in der Natur passt sich unser Schrank also anderen Gegebenheiten an, indem er einzelne Bestandteile je nach Situation variiert.
Osborn-Checkliste
Wenn Sie bereits eine Idee zu einem Produkt haben (in unserem Beispiel könnte das eine CD-Aufbewahrungsmöglichkeit aus Holz sein), dann können Sie mit der Osborn-Checkliste daran arbeiten, alles Konventionelle dieser Idee hinter sich zu lassen und möglichst viele interessante Alternativen zu entwickeln.
Mit Hilfe einer Checkliste können Sie an der Optimierung arbeiten. Voraussetzung: Sie nehmen sich Zeit und entwickeln für jeden Punkt mindestens eine Idee (vergleiche Nöllke, M.: Kreativitätstechniken, Planegg 2002, S. 93f).
So sieht die Liste aus, die Sie für ganz unterschiedliche Aufgaben und Produkte verwenden können:
Anders verwenden - können Sie das Produkt auch woanders einsetzen?
Anpassen - Können Sie Ihre Idee an etwas anpassen, das es schon gibt und das sehr gut funktioniert?
Ändern - Was können Sie in Bedeutung, Farbe, Größe, Form, Zweck etc. ändern?
Vergrößern - können Sie etwas hinzufügen? Stärke, Höhe, Länge etc. variieren? Lässt es sich eventuell vervielfältigen?
Verkleinern - können Sie etwas wegnehmen? Kürzer, dünner, feiner? Leichter? Lässt es sich aufspalten?
Umstellen - Können Sie Teile oder einzelne Aspekte austauschen? Lässt sich eine Reihenfolge ändern oder lassen sich Ursache und Wirkung umdrehen?
Umkehren - Können Sie das Gegenteil zu der Idee machen? Wie sieht das Produkt spiegelverkehrt aus? Lassen sich Rollen tauschen?
Kombinieren - Können Sie die Idee mit anderen verbinden? Lässt sie sich in etwas anderes integrieren? Können wir es in Bausteine zerlegen?
Transformieren - Können Sie es in der Form verändern? Härten, weicher machen, es ausdehnen?
Ersetzen - was können Sie austauschen? Gibt es andere Positionen? Können Sie etwas aus einem anderen Produkt einfügen?
Zugegeben - manche Punkte erscheinen zunächst etwas eigenartig. Aber gehen wir die Punkte in Bezug auf unser Beispiel (CD-Aufbewahrungsmöglichkeit aus Holz) durch. Sie werden sehen: Es haut hin!
Anders verwenden - auch als Buchaufbewahrung
Anpassen - Schubladen wie bei Küchenschränken, die mittels einer Mechanik bereits nach leichtem Druck ausfahren und keine Griffe benötigen
Ändern - weiteren Nutzen bieten - zum Beispiel als Buchregal, Wandverkleidung oder als Vitrine
Vergrößern - Größere Fächer, Schubladen, System als deckenhoher Schrank
Verkleinern - einzelne Kleinelemente, die entweder zusammen aufgestellt einen Schrank ergeben oder als Minielemente einzelne Aufbewahrungsmöglichkeiten an verschiedenen Stellen im Haus bieten
Umstellen - statt nur CD-Regale zusätzlich Schubfächer
Umkehren - einzelne Elemente umdrehen, sodass man nur die Verkleidung sieht. CDs, Vasen, Bücher etc. sind so staubgeschützt, dazu ergeben sich unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten
Kombinieren - mit anderen Möbelelementen zu einem Musik-Buch-Regalsystem kombinieren
Transformieren - statt einfacher viereckiger Form eine Mischung aus eckig und oval
Ersetzen - beispielsweise Glasabdeckungen statt Holzdeckel
Wenn Sie diese Aspekte betrachten und einige sinnvolle Ideen miteinander kombinieren, so können Sie zum Beispiel die folgenden Produktideen erhalten:
Statt einer einfachen "CD-Aufbewahrung aus Holz" erhalten wir ein wesentlich spannenderes Produkt:
Kombination aus Buch- und CD-Wandschrank und Vitrine
Variabel, mit auf Druck herausfahrbaren Schubfach-Elementen, denen Bücher und CDs leicht zu entnehmen sind
Kombinierbar - bis hin zum deckenhohen Schranksystem
Auseinandernehmbar, sodass Einzelelemente an unterschiedlichen Punkten im Haus eingesetzt werden können
Mit drehbaren Bestandteilen (Gestaltungsaspekt, Staubschutz)
Kombinierbar mit anderen Möbelelementen aus Ihrer Produktion
In einer Kombination aus eckig und oval
Mit einigen Glasabdeckungen, die das Ganze interessanter gestalten
Das ist doch was, oder? Sie erkennen: Vieles ist möglich, wenn man richtig daran geht.

