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Forderungseinzug durch Profis: Inkasso-Unternehmen oder Anwaltsinkasso?

Welche Tätigkeiten können Sie von einem seriösen Inkassounternehmen erwarten?

Die Inkassotätigkeit ist nicht schrankenlos. Auch seit dem Inkrafttreten des Rechtsdienstleistungsgesetzes istdie Tätigkeit eines Inkassounternehmen weiterhin auf die außergerichtliche Einziehung von Forderungen beschränkt. Im Umkehrschluss heißt das, dass nur solche Forderungen in die Bearbeitung übernommen werden dürfen, die unstreitig sind. Das hat gleichzeitig Auswirkungen auf die Tätigkeiten, die im Rahmen einer Inkassobeauftragung zulässigerweise durchgeführt werden dürfen.

Was gehört zur "außergerichtlichen" Tätigkeit eines Inkassounternehmens?

Ein Inkassounternehmen darf aufgrund der rechtlichen Einschränkung seiner Tätigkeit

  • den Schuldner schriftlich und telefonisch zur Zahlung auffordern.

  • eine neue Schuldneranschrift ermitteln.

  • Raten- und Teilzahlungsvereinbarungen mit dem Schuldner oder Dritten schließen und den Zahlungseingang überwachen.

  • Außendienstmitarbeiter mit der Forderungsbeitreibung beauftragen. Diese Mitarbeiter haben nichts mit den schwarz gekleideten Personen der selbst ernannten "Nicht-Inkassounternehmen" zu tun. Außendienstmitarbeiter seriös arbeitender Inkassodienstleister treten auch im persönlichen Gespräch mit dem Schuldner stets korrekt und in einem rechtlich einwandfreien Rahmen auf.

  • Waren sicherstellen und verwerten.

Im Umkehrschluss heißt das, dass Forderungen, die von vornherein streitig sind, vom Inkassounternehmen nicht in die Bearbeitung übernommen werden dürfen.

Wenn Sie also bereits aus Schuldnertelefonaten oder aus der Korrespondenz entnehmen können, dass Ihr Kunde Einwände gegen die von Ihnen erbrachte Leistung erhebt, dann können Sie diese Forderung nicht zum Inkasso "abschieben". Die weitere Bearbeitung gehört in diesem Fall direkt in die Hände eines Rechtsanwaltes.

Stellt sich freilich erst im Laufe der Inkassobearbeitung heraus, dass die Forderung streitig ist, dann muss das Inkassounternehmen die weitere Beitreibung einstellen und den Vorgang nach Rücksprache mit Ihnen entweder an einen Rechtsanwalt zur gerichtlichen Geltendmachung abgeben oder an Sie zurückreichen. Daran hat das Rechtsdienstleistungsgesetz nichts geändert.

Ausreden, warum ein Schuldner gerade jetzt nicht zahlen kann, haben Sie sicher schon genug gehört. Die Liste der Schuldner-Tricks ist lang und der Kreativität der Schuldner beim Erfinden von Gründen, weshalb sich der Zahlungseingang verzögert, sind keine Grenzen gesetzt. Aber selbst gegen die beliebtesten Schuldner-Tricks gibt es Strategien: "Schuldner-Tricks - Wenn der Schuldner nicht zahlen will".

Seit Inkrafttreten der Insolvenzordnung (InsO) hat sich das Aufgabenspektrum der Inkassounternehmen noch um einen Punkt erweitert. Seither ist ihnen nämlich auch die geschäftsmäßige Anmeldung von Forderungen im Insolvenzverfahren erlaubt, weil die Insolvenzanmeldung beim Insolvenzverwalter erfolgt und nicht wie früher im Rahmen der Konkursordnung beim Konkursgericht. Doch nicht alle Unternehmen bieten die Forderungsanmeldung und die sich oft über Jahre hinweg erstreckende Begleitung eines insoventen Schuldners einschließlich dem Kassieren meist geringer Beträge als Service an. Hier lohnt sich ein Vergleich der Inkassoanbieter, vor allen Dingen im Hinblick auf die Kosten dieses Service.

Zur außergerichtliche Beitreibung gehört übrigens auch die Beitreibung einer Forderung im nachgerichtlichen Bereich, also wenn die Forderung bereits tituliert ist und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchgeführt worden sind. Hier beschränkt sich die Inkassotätigkeit auf das schriftliche und telefonische Mahnen. Die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen bleibt dem Dienstleister jedoch nach wie vor verwehrt und gehört in die Hand eines in der Zwangsvollstreckung erfahrenen Rechtsanwaltes.

Änderungen durch das Rechtsdienstleistungsgesetz

Durch das Rechtsdienstleistungsgesetz hat der Gesetzgeber den Inkassounternehmen erlaubt, einen Mahn- und Vollstreckungsbescheid zu beantragen (§ 79 Abs. 2 Nr. 4 ZPO. Deshalb entstehen Ihnen als Auftraggeber keine Rechtsanwaltskosten mehr für die Durchführung des gerichtlichen Mahnverfahrens. Die Inkassodienstleister lassen sich diesen Service jedoch mit einer Pauschale abgelten. Für einen Mahnbescheid darf der Inkassodienstleister dem Schuldner allerdings maximal 25 Euro in Rechnung stellen. Da die Rechtsanwaltskosten für den Mahn- und Vollstreckungsbescheid an die Forderungshöhe geknüpft ist, fallen die Anwaltskosten im Vergleich in der Regel höher aus. (Weshalb nicht nur der Schuldner von den geringeren Kosten profitiert, erfahren Sie weiter unten.)

Jedoch spätestens dann, wenn der Schuldner Widerspruch oder Einspruch gegen den Mahn- oder Vollstreckungsbescheid einlegt, ist es mit der Inkassotätigkeit vorbei. Jetzt ist wieder der Einsatz des Rechtsanwaltes gefragt, denn auch die Neuregelung erlaubt es Inkassounternehmen nicht, ihre Auftraggeber im streitigen Verfahren zu vertreten.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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