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Forderungseinzug durch Profis: Inkasso-Unternehmen oder Anwaltsinkasso?

Welche Leistungen darf ein Inkassounternehmen erbringen?

Das Einziehen fremder Forderungen ist eine besondere Vertrauenssache, denn schließlich nimmt das Inkassounternehmen mit der Beauftragung letztendlich Ihre Vermögensinteressen wahr. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine höchst sensible Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten.

Unser Rechtsystem kennt grundsätzlich zwei unterschiedliche Formen, um mit potenziell gefährlichen Dingen umzugehen. Zum einen können Handlungen zulässig sein, wenn ganz bestimmte, vom Gesetzgeber vorgegebene Punkte eingehalten werden. Zum anderen können sie aber auch grundsätzlich untersagt sein.

Eine Ausnahme von dieser Regel gibt es nur dann, wenn ein entsprechender Erlaubnistatbestand vorliegt. So verhält es sich auch im Inkassowesen. Die Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten ist grundsätzlich jedem untersagt, außer er verfügt über die notwendige Erlaubnis, in diesem Fall also die Inkassoerlaubnis.

Keine Inkassotätigkeit ohne die entsprechende Erlaubnis

Die Voraussetzungen für die Erteilung der Inkassoerlaubnis sind seit 2008durch das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) geregelt, das das im Jahre 1935 in Kraft getretene Rechtsberatungsgesetz (RBerG) abgelöst hat. Seit dem Inkrafttreten des RDG darf nur noch derjenige eine Inkassotätigkeit ausüben, der im Rechtsdienstleistungsregister registriert ist.

Die Zulassung ist übrigens nicht an das Unternehmen gebunden, sondern an eine ausübungsberechtigte Person, die für das Inkassounternehmen tätig ist. Wenn Sie also auf einem Briefbogen oder der Homepage eines Unternehmens den Hinweis lesen, "zugelassen vom Präsidenten des Amtsgerichts/Landgerichts X", dann bezieht sich diese Zulassung stets auf eine oder mehrere Personen, die für den genannten Dienstleister tätig sind.

Wie lässt sich ein seriöses Unternehmen von den "schwarzen" Schafen unterscheiden?

Nicht jeder, der eine solche Zulassung beantragt, bekommt sie auch erteilt. Daran hat sich auch durch die gesetzliche Neuregelung nichts geändert. Neben der persönlichen Zuverlässigkeit muss der Antragsteller nämlich auch über die notwendige Eignung und die erforderliche Sachkunde verfügen.

Die Sachkunde kann entweder durch eine geeignete Berufsausbildung, ein Studium oder durch Ablegen einer Sachkundeprüfung nachgewiesen werden. Wie in jeder Branche gibt es auch hier - bezeichnen wir sie einmal vorsichtig als - dunkle Schafe. Daher müssen sich immer wieder einmal Gerichte mit dem unrühmlichen Auftreten von Inkassounternehmen auseinandersetzen. Während früher das Auftreten von "Schwarzen Männern" oder "Schuldenhoppeln" für Furore sorgte, sind es heute ganz andere Methoden, die Schlagzeilen machen. Ein Zitat: "Ihr Kunde muss kein Russisch können, um uns zu verstehen".

Keine dieser genannten Tätigkeiten haben etwas mit einer seriösen Forderungsbeitreibung zu tun. Die "Angebote" dieser Firmen mögen zwar verlockend klingen. Diese gewerblichen "Schuldeneintreiber" setzen auf den Frust ihrer Auftraggeber über die noch ausstehende Forderung und die manchmal sehr mühsame und langwierige Forderungsbeitreibung im gerichtlichen Bereich. Trotzdem sollten Sie von einer Beauftragung solcher Unternehmen Abstand nehmen. Denn auch als beauftragender Gläubiger müssen Sie unter Umständen mit zivil- und strafrechtlichen Folgen bis hin zu einer Verurteilung rechnen, wie jüngst ein Urteil des AG Celle, Urteil vom 29.06.2005 - 16 C 1309/05 gezeigt hat.

Doch nicht nur die zuständigen Gerichte halten ein wachsames Auge auf die Tätigkeiten der Inkassounternehmer. Etwa 500 der derzeit ca. 750 in Deutschland tätigen Inkassounternehmen sind im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen e.V. zusammengeschlossen. Dieser Verband wacht neben den Gerichten über die Einhaltung gewisser Standards und ahndet Verfehlungen im Umgang mit Schuldnern, Dritten oder auch den Auftraggebern im schlimmsten Fall mit dem Ausschluss aus dem Verband. Dies bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass diejenigen Unternehmen, die nicht dem Verband angehören, unseriös arbeiten.

Wenn Sie die Liste der zugelassenen und zugleich dem Verband angehörigen Unternehmen näher betrachten, dann werden Sie feststellen, dass die Inkassolandschaft bunt und uneinheitlich ist. Angefangen bei Großunternehmen, die sowohl im In- als auch Ausland über Beteiligungen und Tochterunternehmen verfügen, werden Sie vor allen Dingen sehr viele mittelständische Unternehmen finden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kleinunternehmen bis hin zum Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Inkassounternehmer, die ihre Nischen gefunden haben.

Welches von diesen ist jetzt gerade das Richtige für Sie? Wenn Sie sich vorab schon einmal Gedanken über diejenigen Forderungen gemacht haben, die Sie zum Inkasso abgeben wollen, dann fällt es Ihnen schon etwas leichter, eine gewisse Vorauswahl zu treffen.

  • Klären Sie daher als erstes ab, ob das Unternehmen in der Branche, in der Sie tätig sind, über Erfahrungen im Forderungseinzug verfügt. Denken Sie daran: Ein Inkassounternehmen, das erfolgreich Bankforderungen beitreibt, ist nicht unbedingt für die Bearbeitung von Mietforderungen geeignet.

  • Wenn Sie sich im Klaren darüber sind, wie viele Forderungen Sie jährlich zum Inkasso abgeben wollen, dann lässt sich jetzt auch leichter die Frage beantworten, ob für Sie eine Jahresmitgliedschaft bei einem der meist in Form eines eingetragenen Vereins geführten Unternehmen in Betracht kommt oder Sie besser von Fall zu Fall entscheiden, ob Sie eine Forderung zum Inkasso übergeben wollen. Wenn Sie nur wenige Forderungen pro Jahr zum Forderungseinzug abgeben, dann macht es auch keinen Sinn, sich bei denjenigen Inkassounternehmen nach deren Leistungen zu erkundigen, die sich auf das Mengeninkasso spezialisiert haben. Deren EDV-Abläufe sind standardisiert und auf die Bearbeitung großer Mengen gleichartiger Forderungen ausgerichtet.

  • Jetzt hat sich die Auswahl schon erheblich eingeschränkt. Falls Sie auf der Homepage der in Frage kommenden Unternehmen keine Hinweise finden, fragen Sie im Zweifel nach, ab welcher Höhe die Forderungen in das Inkasso übernommen werden, wenn Sie Kleinforderungen zum Einzug übergeben wollen.

  • Auch die räumliche Nähe zum beauftragten Unternehmen kann durchaus eine Rolle spielen. Zwar sind Inkassounternehmen in der Regel bundesweit tätig und durch Online-Anbindungen stellt die Übergabe der Forderungen zumindest im vorgerichtlichen Bereich kein großes Problem dar. Dennoch sollten Sie den Vorteil der räumlichen Nähe nicht unterschätzen.

    Wenn Sie eine langfristige Zusammenarbeit anstreben, hat es sich aus meiner Erfahrung immer bewährt, wenn der Kunde "sein" Inkassounternehmen auch einmal von innen gesehen hat. Bei dieser Gelegenheit lernen Sie nicht nur die Inkassosachbearbeiter kennen, die später Ihre Forderungen betreuen werden. Das hat den unschätzbaren Vorteil, dass Sie gleichzeitig den Stil des Hauses im Umgang mit den Schuldnern erleben können. Selbst wenn es einmal Fragen zur Abrechnung geben sollte, kennen Sie bereits Ihren Ansprechpartner vor Ort, sodass sich Unklarheiten meist recht schnell beseitigen lassen.

  • Falls Sie ausnahmsweise Ihre unter Eigentumsvorbehalt gelieferten Waren sicherstellen und ggf. sogar verwerten lassen wollen, klären Sie unbedingt vorab, ob das von Ihnen ausgewählte Unternehmen diesen Service überhaupt anbietet.

  • Falls Sie häufig ins Ausland liefern oder in einem grenznahen Gebiet tätig sind, kann ein Auswahlkriterium darin bestehen, gleich von vornherein ein Unternehmen zu beauftragen, das über einen geeigneten Inkassopartner im Ausland verfügt.

  • Selbst die Größe des Inkassounternehmens kann bei der Auswahl eine Rolle spielen. Als Kleinunternehmer oder Selbstständiger werden Sie sich in der Regel bei einem kleinen oder mittelständischen Inkassopartner besser aufgehoben fühlen als bei einem "Inkasso-Riesen", bei dem Ihre Forderungen zwischen umfangreichen Forderungsbeständen von Großunternehmen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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