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Intuition trainieren und entwickeln

Damit Sie den Braten riechen!

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Stand: 23. Februar 2012

Wie treffen Sie die richtigen Entscheidungen? Wann können Sie auch im Geschäftsleben auf Ihren Bauch hören und wann sollten Sie Entscheidungen lieber mit dem Kopf treffen? Nun, das eine geht nicht ohne das andere. Ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Kopf und Bauch ist die entscheidende Grundlage erfolgreicher Entscheidungsprozesse. Wie Sie beides in Einklang bekommen und Ihr intuitives Potential auch im Geschäftsleben optimal ausleben können, erklärt Mareike gr. Darrelmann.

Jeder Mensch besitzt Intuition. Der Unterschied zwischen einem intuitiven und einem nicht intuitiven Menschen ist ganz einfach: Der eine ist sich seiner Intuition bewusst und lebt sie aus, der andere ignoriert die entsprechenden Impulse oder nimmt sie gar nicht erst wahr.

Was ist Intuition? - Unter Intuition versteht man eine unbewusste, alles andere als analytische Form der Urteilsbildung, die man zudem nicht vollständig erklären kann. Dank Intuition lassen sich Vorhersagen über die Zukunft treffen - herangezogen werden hierzu bereits gemachte Erfahrungen aus vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit.

Wie entsteht Intuition?

Intuition: Schnittmenge zwischen Kopf und Bauch

Intuition entsteht durch das perfekte Zusammenspiel von Kopf und Bauch.

Der Kopf steht für die Ratio und die Vernunft. Im Kopf (= Hirn) werden jede Menge Informationen, Daten und Wissen abgespeichert - bewusst und unbewusst. Dieses von Emotionen freie Daten-Reservoir bildet die Grundlage für die Entstehung von Intuition.

Auslöser und Impulsgeber der Intuition wiederum ist das Bauchgefühl. Der Bauch steht für Emotionen und Gefühle. Gemachte Erfahrungen, innere Bedürfnisse und eigene Wertevorstellungen geben im richtigen Moment den Impuls, unbewusst gespeichertes Wissen bzw. Halbwissen abzurufen. Das sind die Momente, in denen man etwas für richtig empfindet, aber nicht genau erklären kann wieso.

Wichtig für eine intuitive Entscheidung ist v.a. der unbewusste Wissensspeicher, der in diesem Moment abgerufen wird. Sind Sie also der Meinung, dass Sie zu wenig Intuition besitzen, sollten Sie genau diesen Wissensspeicher ständig vergrößern (wie das funktionieren kann, dazu weiter unten mehr). Außerdem lohnt es sich, Ihre Wahrnehmung für innere Impulse zu sensibilisieren und zu lernen, diesem Gefühl auch zu vertrauen.

Vertrauen ist dabei ein zentraler Baustein. Sie können zwar Ihren Wissensspeicher permanent erweitern. Gehen Sie allerdings Ihren inneren Impulsen nicht nach, weil Sie Ihnen nicht trauen, werden Sie im entscheidenden Moment nicht auf den unbewussten Wissensspeicher zurückgreifen können. Ihnen steht dann lediglich das bewusste Wissen zur Verfügung (das allerdings einen viel geringeren Umfang hat). Und wer trifft schon gern Entscheidungen, die auf Halbwissen basieren?

Ohne Intuition verzichten Sie also auf einen großen Teil Ihres Potentials!

Was ist der unbewusste Wissensspeicher?

Ich möchte Ihnen kurz erläutern, wie dieser unbewusste Wissensspeicher, auf den die Intuition zurückgreift, entsteht.

  • Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Intuition ist die unbewusste Wahrnehmung.

    Wir nehmen auch unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle Informationen wahr, und zwar wesentlich mehr, als uns bewusst ist. Unser bewusster Verstand hat eine Kapazität von maximal 50 Bits pro Sekunde. Damit fokussiert sich unser Verstand auf das Wesentliche, so wie ein Lichtspot, der alles Drumherum ausblendet. Dadurch gehen allerdings auch viele Informationen verloren. Unsere unbewusste Wahrnehmung bewältigt ein Vielfaches unseres sehr begrenzten bewussten Verstandes und ist eher mit einem schwachen Dämmerlicht zu vergleichen. Man sieht zwar das komplette Umfeld, aber eben leicht verschwommen. Dennoch wird auch das leicht verschwommene Umfeld "eingescannt".

  • Eine weitere Quelle zur Entstehung von Intuition ist das implizite Wissen (tacit knowledge).

    Implizites Wissen bedeutet, dass jemand etwas richtig macht, aber nicht erklären kann, wieso er das so und nicht anders tut. Ihm fehlen die Worte, um seine Fähigkeit zu beschreiben oder sie anderen zu erklären.

    Ein klassisches Beispiel ist die Fähigkeit, beim Fahrradfahren das Gleichgewicht zu halten. Mit diesem Können geht das implizite Wissen einher, das die komplexe physikalische Regel, den Neigungswinkel, die aktuelle Geschwindigkeit und den Lenkeinschlag berücksichtigt. Sie wenden dieses Wissen in der Praxis an, können es aber nicht erklären.

    Aufgrund von Erfahrungen und Erlebnissen sammeln wir unbewusst implizites Wissen an. Aufgrund dieser Erfahrungen reagieren wir wesentlich schneller und oft effektiver, als durch eine rationale Analyse. Dieses Entscheidungsverhalten heißt umgangssprachlich: "aus dem Bauch heraus". Dank dieses Erfahrungswissens können wir manche Dinge elegant und mit Leichtigkeit lösen, uns fehlt in diesen Momenten lediglich die rationale Begründung dafür.

Fazit: Ohne Emotionen und Gefühle sind wir machtlos und entscheidungsunfähig. Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn wir ein Gefühl dafür entwickeln können, welche Konsequenzen das Ergebnis mit sich bringt. Das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen ist Elliot.

Elliot wurde wegen eines Tumors im Gehirn ein Teil des Stirnlappens entfernt. Er wurde als völlig gesund entlassen, da er bei allen Tests mit dem gleichen IQ wie vor der Operation abschnitt. Trotzdem war er nicht mehr arbeitsfähig. Er war nicht in der Lage, die noch so kleinsten Entscheidungen zu treffen. Erst grübelte er eine Ewigkeit und dann entschied er sich falsch. Denn für ihn fühlte sich jede Entscheidung gleich an: nämlich nach gar nichts. Forscher fanden heraus, dass Gefühle als Impulsgeber für Entscheidungen fungieren. Sie lassen uns spüren, was in der Konsequenz für uns gut und was für uns schlecht ist. Gefühle sind damit ein integraler Bestandteil des Denkens. Dieser Teil des Gehirns war bei Elliot durch die Operation irreparabel beschädigt worden.

Wann ist intuitives Verhalten gefragt?

Der Erfolg intuitiver Entscheidungen ist abhängig von bestimmten Rahmenbedingungen. Es kommt also auf die Situation an, ob Sie Ihre Entscheidungen eher unter rationalen Gesichtspunkten oder vielmehr aufgrund intuitiver Impulse treffen sollten. Vorteile bietet intuitives Verhalten in folgenden Situationen:

  • Informationsüberflutung
    Der Mensch kann nur sieben Informationseinheiten +/- zwei Einheiten aufnehmen. Sind es mehr, fühlen wir uns überfordert und lassen eine zuverlässige, rationale Entscheidung nicht mehr zu. Bei ausufernden Informationen verarbeitet Intuition die komplexen und rational schwer fassbaren Informationen wesentlich besser.

  • Informationsmangel
    Die benötigten Informationen zur Entscheidungsfindung sind nicht vorhanden. Gründe dafür gibt es viele: wenig Zeit, unzugängliche Informationen, verloren gegangene Informationen etc. Besonders wenn die Datengrundlage zu knapp ist, sind Ihre intuitiven Impulse hilfreich. Denn Intuition greift in diesen Situationen auch auf Ihren unbewussten Wissensspeicher zurück - in diesem Moment ein großes Plus!

  • Entscheidungen in hoch komplexen Situationen
    Intuitive Urteile helfen, im Zeitalter hoher Vernetzung handlungsfähig zu bleiben. Intuition reduziert die Komplexität von Problemen, indem sie die Muster dahinter erkennt und unmittelbar anwendet.

  • Augenblicksentscheidungen
    Bei vielen Entscheidungen ist neben einer genauen Vorbereitung und Prüfung auch ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt wichtig, der sich oft nicht rational kalkulieren, sondern vor allem intuitiv erfassen lässt.

  • Kreativität
    Intuitive Impulse und Ideen fördern die Kreativität. Unkonventionelle Lösungswege finden Sie am ehesten, indem Sie sich ihnen intuitiv nähern.

  • Menschenkenntnis und Beziehungsgestaltung
    Viele Informationen werden nonverbal ausgetauscht, geschehen unterschwellig. Die intuitive Wahrnehmung dieser Beziehungsinformationen und nonverbalen Signale helfen Ihnen beim konstruktiven Umgang mit anderen.

Grenzen der Intuition

Um intuitiven Impulsen vertrauen zu können, ist es dringend erforderlich, dass man sich auch derer Grenze bewusst wird.

Erfahrungen und Wissen sind bei intuitiven Entscheidungen grundsätzlich hilfreich. Aber: Genau diese Erfahrungswerte können auch die Urteilskraft der Intuition verfälschen.

  • Gefühle und persönliche Erfahrung
    Stimmung und Einstellung bestimmten Personen gegenüber lassen sich leicht durch Erfahrungen manipulieren. Tauchen solche Gefühle unbewusst auf, trügt das die Intuition. Beispiel: Im Vorstellungsgespräch hat der Personalleiter ein ungutes Gefühl bei einer Bewerberin, obwohl deren bisheriger Werdegang nur für sie spricht. Am Abend wird ihm bewusst, dass ihn die Kandidatin unbewusst an seine Ex-Frau erinnerte. Ein typischer Fallstrick der Intuition.

  • Erinnerungen und Gewohnheiten
    In bestimmten Bereichen gelten Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Diese müssen aber nicht zwangsläufig auch in anderen Bereichen gelten. Übertragen Sie aber - bewusst oder unbewusst - die Gesetzmäßigkeiten aus einem Bereich automatisch in den anderen, ergeben sich womöglich Probleme. Ein einfaches Beispiel ist der Wasserhahn, der im Gegenuhrzeigersinn aufgeschraubt wird - der Gasgrill funktioniert aber genau andersherum.

  • Vorurteile und Vorannahmen
    Kleider machen Leute: Machen Sie einen seriösen Eindruck und sind Sie entsprechend gekleidet, werden Sie überall bedient. Kleiden Sie sich in Lumpen und möchten ins "Ritz", werden Sie nicht weit kommen. In beiden Fällen geschieht das unabhängig davon, ob Sie reich sind oder gebildet, weil vom Äußeren auf das Innere geschlossen wird. Vorannahmen leiten manchmal intuitiv auf die falsche Fährte. (Jürgen Wunderlich, "Intuition - die unbewusste Intelligenz")

Intuitionstraining im Alltag

Intuition benötigt ein ganz bestimmtes Umfeld, um sich frei entfalten zu können. Schaffen Sie die richtigen Rahmenbedingungen in Ihrem Alltag, um Ihr intuitives Potential zu entdecken und weiter ausbauen zu können.

  • Spielen Sie mit dem Fokus Ihrer Wahrnehmung
    Alles was sie beachten, verstärkt sich! Zwei einfache Beispiele: Sie sind schwanger und sehen auf einmal nur noch Schwangere, Babyläden, Spielplätze etc. Sie wollen sich einen Audi in schwarz kaufen und nehmen auf einmal nur noch schwarze Audis in Ihrem Umfeld war.

    Fokussieren Sie Ihre Aufmerksamkeit richtig, erleben Sie Ihre Umwelt mit einer veränderten Wahrnehmung, auch wenn diese sich nicht verändert hat. Stellen Sie sich jetzt vor, welche zusätzlichen Informationen und Gelegenheiten Sie auf einmal bewusst wahrnehmen, wenn Ihr Fokus richtig eingestellt ist.

  • Erweitern Sie Ihr Halbwissen
    Jegliche Art von Information ist herzlich willkommen. Nutzen Sie Ihre freie Zeit zum Lesen, Durchblättern von Zeitschriften, Surfen im Netz, Überfliegen von Zeitungstitelseiten etc. Halbwissen reicht als Grundlage für intuitive Entscheidungen oft aus. Das Wissen ist dann nämlich erst einmal unbewusst gespeichert und anwendbar, wenn auch nicht immer unbedingt bewusst reproduzierbar.

  • Lernen Sie, auf Ihr inneres Gefühl zu hören
    Für intuitive Entscheidungen ist es von besonderer Bedeutung, was wir in uns selbst wahrnehmen: innere Bilder, innere Stimmen und Körpersignale.
    Diese Wahrnehmungen können Hinweise auf mögliche Unstimmigkeiten, Ängste, Warnungen, Startsignale, etc sein.

    Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Vorstellungsgespräch und haben trotz der guten Jobaussicht ein mulmiges Gefühl. Es wäre unangemessen, dieses Signal einfach zu übergehen. Es heißt nicht, dass Sie das Jobangebot wegen dieses Gefühls absagen. Vielmehr sollten Sie versuchen, die Ursache dieses Gefühles herauszufinden. Ist es vielleicht Ihre feinfühlige, unbewusste Wahrnehmung, dass das Team zerstritten, der Chef ein Tyrann und das Betriebsklima frostig ist? Dann sollten Sie das Ganze noch einmal überdenken. Oder ist es vielleicht nur die wohl bekannte, anfängliche Angst vor neuen Herausforderungen, die Sie da ergriffen hat? Dann Augen zu und durch.

    Lernen Sie in Zukunft vermehrt auf Ihre inneren Signale zu achten und deren Ursachen zu erforschen, bevor Sie Entscheidungen treffen.

  • Absorptionsphasen nutzen
    Absorbieren Sie! Verhalten Sie sich wie ein trockener Schwamm, der nichts erwartet, offen für alles ist und alles, was kommt, aufsaugt. Ein Ziel ist, neue Informationen bewusst und unbewusst aufzunehmen und damit den Wissensspeicher zu füllen. Absorptionsphasen bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, viele Eindrücke zu sammeln. Mein Tipp: Haben Sie immer Zettel und Stift dabei und notieren sich alles, was Ihnen in diesen Phasen an Input begegnet und nützlich erscheint. Je mehr Sie Ihren Impulsen folgen und bei gedanklichen "Streifzügen" offen für Neues sind, desto mehr Gelegenheiten bieten sich Ihnen.

  • Zeit für Geistesblitze schaffen
    Es gibt das Sprichwort: "Wenn du nicht dran denkst, kommt die Antwort ganz von selbst." Das Phänomen, das dahinter steckt, nennt sich Inkubation. Inkubation ist die Zeit, in der man das Problem nicht bewusst bearbeitet, aber dennoch einer Lösung näher kommt. Unbewusst werden veraltete, eingefahrene Denkgewohnheiten aufgelöst und stattdessen neue gebildet, die zu anderen Lösungen führen können.

    Die Inkubationszeit tritt meist nach einer Phase intensiver geistiger Anstrengung ein. Ihr folgt optimalerweise der intuitive Geistesblitz. Die Ursache liegt darin, dass während der Inkubationszeit Stress reduziert wird und es zu einer Entspannung kommt. Ein entspannter Geist wiederum ist empfänglicher für intuitive Impulse.

    Gönnen Sie sich also öfter eine entspannte Auszeit. Insbesondere in Situationen, in denen Sie nicht weiterkommen, innerlich blockiert sind oder das Gefühl haben, gedanklich in einer Sackgasse zu stecken. Der nächste Tipp gibt Ihnen dazu einige Anregungen.

  • Mehr Auszeiten

    Schaffen Sie sich ein intuitionsförderndes Umfeld:

    Versuchen Sie es mit Entspannungsübungen, wie z. B. Meditation, Yoga, Progressive Muskelentspannung, Meditation etc. Sie bauen nicht nur Spannungen ab, sondern steigern zugleich Ihre Intuitionsfähigkeit.

    Setzen Sie auf Sport und aktive Bewegung, wie z. B. Joggen, Radfahren, Inlineskaten. Nach dem Sport fühlt man sich besser. Ärger, Anspannung und hinderliche Gedanken sind wie weggeblasen und es ist wieder Platz für neue Inspirationen und Ideen.

    Besser Schlafen und Träumen: Eine Sache noch mal zu überschlafen, bringt quasi über Nacht die intuitive Eingebung. Im Schlaf werden mentale Inhalte neu geordnet. Träume beinhalten oft Lösungen für aktuelle Probleme.

    Eine Möglichkeit bietet auch die Alltags-Trance, ein Zustand, in dem man gedanklich ganz leicht wegdämmert und dabei die Erinnerungen und Erlebnisse des Tages oder auch völlig neue Ideen an sich vorüberziehen lässt. Ob beim Autofahren auf langer, gerader Strecke, beim langanhaltenden Blick aus dem Zugfenster auf die vorbeiziehende Landschaft oder in dem Moment kurz vor dem Einschlafen, Sie bekommen so einen leichteren Zugang zu Ihren unbewussten Lösungen.

Transfer in den Geschäftsalltag

Intuition ist längst salonfähig und wird vermehrt in Entscheidungsprozessen angewandt. Wie können Sie in Zukunft Ihr neues intuitives Potential gewinnbringend im Geschäftsalltag nutzen? Hier ein paar Beispiele:

Entscheidungen treffen - intuitiv und rational

Haberstroh, Betsch & Betsch haben ein Kombinationsmodell in sechs Schritten entwickelt, bei dem der Entscheider intuitives Handeln und rationales Denken verbinden kann. Daraus lässt sich eine Entscheidungshilfe ableiten, die Ihnen gerade bei Geschäftsangelegenheiten hilft, Kopf und Bauch optimal zu vereinen.

  1. Schritt:
    Welche Entscheidung soll getroffen werden? Skizzieren Sie alle Fakten und Informationen (rationaler Prozess) und schreiben Sie die Bedenken auf, die aufgrund Ihres Gefühles gegen die Entscheidung sprechen könnten (intuitiver Prozess).

  2. Schritt:
    Was fällt Ihnen ganz spontan als Lösung ein? Notieren Sie Ihre erste Idee (intuitiver Prozess).

  3. Schritt:
    Was wollen Sie mit Ihrer Entscheidung erreichen? Notieren Sie alle Ziele, die Sie mit Ihrer Entscheidung verfolgen (rationaler Prozess).

  4. Schritt:
    Was gibt es für Lösungen? Skizzieren Sie alle möglichen Alternativen, um die von Ihnen gewünschten Ziele zu erreichen (rationaler Prozess).

  5. Schritt:
    Wie zielführend sind Ihre Lösungsvorschläge? Spielen Sie einmal durch, welche Konsequenzen die von Ihnen entwickelten Lösungsalternativen jeweils nach sich ziehen (rationaler Prozess). Prüfen Sie auch Ihre spontane Lösung aus Schritt 2. Welche bisherige Lern- und Lebenserfahrung könnte hinter Ihrem ersten Impuls stecken? Erweist sich die Erfahrung als nützlich? (intuitiver Prozess)

  6. Schritt:
    Welche der Lösungen finden Sie am Besten? Vertrauen Sie hier auf Ihre Intuition (intuitiver Prozess).

Entscheidungen treffen mit der Benjamin-Franklin-Liste

Die Situation ist alltäglich: Sie müssen sich zwischen zwei Alternativen entscheiden: Job A oder Job B, Selbständigkeit oder Angestelltensein, Wohnung X oder Wohnung Y.

Einige greifen zu einer Pro- und Contraliste. Auch der amerikanische Präsident Benjamin Franklin handelte seinerzeit ähnlich. Er listete die Vorteile der Entscheidung A auf, und auf der anderen Seite die Vorteile der Entscheidung B. Am Ende musste er nur noch Punkte verteilen, zusammenzählen und die Entscheidung war klar.

Wirklich?
Nein! Bei Entscheidungen geht nicht um die höchste Punktzahl, sondern darum, dass alle relevanten (!) Punkte bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Doch wie finden Sie diese heraus? Ganz einfach: Die Liste hilft Ihnen dabei, sich alle entscheidenden Fakten und Informationen bewusst zu machen. Ihre intuitive Reaktion auf das rational erarbeitete Ergebnis gibt Ihnen dann die richtige Antwort. Spüren Sie in sich hinein, wie Sie die Entscheidung der "Auszählung" aufnehmen: Akzeptanz, Freude und Erleichterung? Oder versuchen Sie gerade Gegenargumente zu finden, um das Ergebnis noch umzuinterpretieren?

Die erste Wahl ist meist die richtige

Wer sich nicht entscheiden kann, greift oft auf den ersten Gedanken zurück. Richtig so! Denn Vielentscheider suchen nicht nach der besten, sondern nach der ersten Wahl.

Wenn Sie bereits viele Erfahrungen in einem Bereich gemacht haben, können Sie Ihren intuitiven Impulsen vertrauen. Dies belegt ein Experiment mit Schachspielern der A-Liga und der B-Klasse. Die A-Liga hatten beim Blitz-Schach (6 Sekunden) und bei normaler Bedenkzeit (2 Minuten) etwa gleiche Ergebnisse erreicht. Die B-Klasse hingegen hatte beim Blitz-Schach wesentlich schlechtere Ergebnisse erzielt. Ihnen fehlte ganz einfach die Erfahrung und das Wissen, um intuitiv genauso schnell erfolgreich agieren zu können.

Sind Sie Experte oder Profi in Ihrem Bereich? Dann vertrauen Sie in Zukunft mehr auf Ihre erste Wahl. Probieren Sie es aus.

Zerlegen Sie Situationen in dünne Scheibchen

Malcolm Gladwell beschreibt in "Blink! Die Macht des Moments" die Theorie der dünnen Scheibchen. Diese besagt, dass Sie Situationen in einzelne, dünne Scheibchen zerlegen sollten. Erst dann können Sie das entscheidende und ausschlaggebende Scheibchen für die richtige Entscheidung herauszufiltern.

Beispiel:

Das Cook County Hospital in den USA hatte vor Jahren ein großes Problem: Alle Sozialfälle der Gegend wurden hier eingeliefert - und täglich wurden es mehr. Eine ausreichende Versorgung der Patienten konnte nicht mehr gewährleistet werden.

Die größte Herausforderung stellte die große Anzahl potenzieller Herzinfarktpatienten dar. Bei entsprechenden Beschwerden (= dicke Scheibe) wurden alle Patienten sofort eingewiesen. Die Patienten durchliefen eine Vielzahl an damals notwendigen Checks bei unterschiedlichsten Ärzten. Dies dauerte eine Ewigkeit. Zudem kamen die Fachärzte stets zu den unterschiedlichsten Diagnosen - von kerngesund bis schwer herzkrank.

Der Hospital-Chef Reilly begann zu überlegen, wie Ärzte in Zukunft auf den ersten Blick erkennen könnten, ob es sich um einen akuten Herzinfarktpatienten handelte. Seine Antwort war die damals kühne Entscheidung, den Goldman-Algorithmus einzuführen. Die Trefferquote bei der Diagnose von Herzinfarkten lag nun bei 95 %, statt 75 %-89 % wie bisher. Was war passiert?

Goldman hatte aufgrund seiner Erfahrung und Beobachtung von Patienten und deren Symptomen einen Entscheidungsbaum entwickelt. Er kombinierte die von ihm entdeckten drei entscheidenden Risikofaktoren (= dünne Scheibchen): instabile Angina, Flüssigkeit in der Lunge, systolischer Blutdruck unter 100. Für jede Kombination dieser drei Faktoren empfahl er eine Behandlungsmethode. Es mussten darüber hinaus keine weiteren, umständlichen und zeitaufwendigen Tests mehr durchgeführt werden.

Heute hängt sein Entscheidungsbaum für Herzinfarkte in jedem Krankenhaus.

Was können Sie daraus lernen?

Nun. Versuchen Sie, Herausforderungen Ihres Geschäftsalltags scheibchenweise auseinander zu nehmen, um zu erkennen, welches die kritischen Kriterien (= dünne Scheibchen) sind. Die Lösung liegt nicht im großen Ganzen, sondern im entscheidenden, kleinen Detail.

Je öfter Sie die "Scheibchentechnik" anwenden, desto einfach wird Ihnen in Zukunft die intuitive Fokussierung auf das Wesentliche fallen.

Fazit

In Entscheidungsprozessen gehört der Einsatz von Kopf und Bauch unweigerlich zusammen. Das Ziel intuitiver Abläufe ist immer das perfekte Zusammenspiel beider Komponenten - und lässt sich erlernen.

Die Rahmenbedingungen einer Situation geben vor, in welchem Maße Intuition eingesetzt werden kann. Sie hat ganz klar ihre Vorzüge, aber auch ihre Grenzen. Schaffen Sie sich einen intuitionsfördernden Freiraum, um Ihr intuitives Potential weiter zu entwickeln und in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld ganz entspannt und frei ausleben zu können.

Zum Weiterlesen:

Viele schlaue Tipps wie Kleinunternehmer Trends ermitteln, Ideen entwickeln, Entscheidungen treffen, Nischen finden oder ganz allgemein "kreativ sind", stehen ordentlich sortiert auf unserer Themenseite: Profitable Geschäftsfelder erschließen.

Literaturtipps:

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