Intuition im Business
Transfer in den Geschäftsalltag
Intuition ist längst salonfähig und wird vermehrt in Entscheidungsprozessen angewandt. Wie können Sie in Zukunft Ihr neues intuitives Potential gewinnbringend im Geschäftsalltag nutzen? Hier ein paar Beispiele:
Entscheidungen treffen - intuitiv und rational
Haberstroh, Betsch & Betsch haben ein Kombinationsmodell in sechs Schritten entwickelt, bei dem der Entscheider intuitives Handeln und rationales Denken verbinden kann. Daraus lässt sich eine Entscheidungshilfe ableiten, die Ihnen gerade bei Geschäftsangelegenheiten hilft, Kopf und Bauch optimal zu vereinen.
Schritt:
Welche Entscheidung soll getroffen werden? Skizzieren Sie alle Fakten und Informationen (rationaler Prozess) und schreiben Sie die Bedenken auf, die aufgrund Ihres Gefühles gegen die Entscheidung sprechen könnten (intuitiver Prozess).Schritt:
Was fällt Ihnen ganz spontan als Lösung ein? Notieren Sie Ihre erste Idee (intuitiver Prozess).Schritt:
Was wollen Sie mit Ihrer Entscheidung erreichen? Notieren Sie alle Ziele, die Sie mit Ihrer Entscheidung verfolgen (rationaler Prozess).Schritt:
Was gibt es für Lösungen? Skizzieren Sie alle möglichen Alternativen, um die von Ihnen gewünschten Ziele zu erreichen (rationaler Prozess).Schritt:
Wie zielführend sind Ihre Lösungsvorschläge? Spielen Sie einmal durch, welche Konsequenzen die von Ihnen entwickelten Lösungsalternativen jeweils nach sich ziehen (rationaler Prozess). Prüfen Sie auch Ihre spontane Lösung aus Schritt 2. Welche bisherige Lern- und Lebenserfahrung könnte hinter Ihrem ersten Impuls stecken? Erweist sich die Erfahrung als nützlich? (intuitiver Prozess)Schritt:
Welche der Lösungen finden Sie am Besten? Vertrauen Sie hier auf Ihre Intuition (intuitiver Prozess).
Entscheidungen treffen mit der Benjamin-Franklin-Liste
Die Situation ist alltäglich: Sie müssen sich zwischen zwei Alternativen entscheiden: Job A oder Job B, Selbständigkeit oder Angestelltensein, Wohnung X oder Wohnung Y.
Einige greifen zu einer Pro- und Contraliste. Auch der amerikanische Präsident Benjamin Franklin handelte seinerzeit ähnlich. Er listete die Vorteile der Entscheidung A auf, und auf der anderen Seite die Vorteile der Entscheidung B. Am Ende musste er nur noch Punkte verteilen, zusammenzählen und die Entscheidung war klar.
Wirklich?
Nein! Bei Entscheidungen geht nicht um die höchste Punktzahl, sondern darum, dass alle relevanten (!) Punkte bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
Doch wie finden Sie diese heraus? Ganz einfach: Die Liste hilft Ihnen dabei, sich alle entscheidenden Fakten und Informationen bewusst zu machen. Ihre intuitive Reaktion auf das rational erarbeitete Ergebnis gibt Ihnen dann die richtige Antwort. Spüren Sie in sich hinein, wie Sie die Entscheidung der "Auszählung" aufnehmen: Akzeptanz, Freude und Erleichterung? Oder versuchen Sie gerade Gegenargumente zu finden, um das Ergebnis noch umzuinterpretieren?
Die erste Wahl ist meist die richtige
Wer sich nicht entscheiden kann, greift oft auf den ersten Gedanken zurück. Richtig so! Denn Vielentscheider suchen nicht nach der besten, sondern nach der ersten Wahl.
Wenn Sie bereits viele Erfahrungen in einem Bereich gemacht haben, können Sie Ihren intuitiven Impulsen vertrauen. Dies belegt ein Experiment mit Schachspielern der A-Liga und der B-Klasse. Die A-Liga hatten beim Blitz-Schach (6 Sekunden) und bei normaler Bedenkzeit (2 Minuten) etwa gleiche Ergebnisse erreicht. Die B-Klasse hingegen hatte beim Blitz-Schach wesentlich schlechtere Ergebnisse erzielt. Ihnen fehlte ganz einfach die Erfahrung und das Wissen, um intuitiv genauso schnell erfolgreich agieren zu können.
Sind Sie Experte oder Profi in Ihrem Bereich? Dann vertrauen Sie in Zukunft mehr auf Ihre erste Wahl. Probieren Sie es aus.
Zerlegen Sie Situationen in dünne Scheibchen
Malcolm Gladwell beschreibt in "Blink! Die Macht des Moments" die Theorie der dünnen Scheibchen. Diese besagt, dass Sie Situationen in einzelne, dünne Scheibchen zerlegen sollten. Erst dann können Sie das entscheidende und ausschlaggebende Scheibchen für die richtige Entscheidung herauszufiltern.
Beispiel:
Das Cook County Hospital in den USA hatte vor Jahren ein großes Problem: Alle Sozialfälle der Gegend wurden hier eingeliefert - und täglich wurden es mehr. Eine ausreichende Versorgung der Patienten konnte nicht mehr gewährleistet werden.
Die größte Herausforderung stellte die große Anzahl potenzieller Herzinfarktpatienten dar. Bei entsprechenden Beschwerden (= dicke Scheibe) wurden alle Patienten sofort eingewiesen. Die Patienten durchliefen eine Vielzahl an damals notwendigen Checks bei unterschiedlichsten Ärzten. Dies dauerte eine Ewigkeit. Zudem kamen die Fachärzte stets zu den unterschiedlichsten Diagnosen - von kerngesund bis schwer herzkrank.
Der Hospital-Chef Reilly begann zu überlegen, wie Ärzte in Zukunft auf den ersten Blick erkennen könnten, ob es sich um einen akuten Herzinfarktpatienten handelte. Seine Antwort war die damals kühne Entscheidung, den Goldman-Algorithmus einzuführen. Die Trefferquote bei der Diagnose von Herzinfarkten lag nun bei 95 %, statt 75 %-89 % wie bisher. Was war passiert?
Goldman hatte aufgrund seiner Erfahrung und Beobachtung von Patienten und deren Symptomen einen Entscheidungsbaum entwickelt. Er kombinierte die von ihm entdeckten drei entscheidenden Risikofaktoren (= dünne Scheibchen): instabile Angina, Flüssigkeit in der Lunge, systolischer Blutdruck unter 100. Für jede Kombination dieser drei Faktoren empfahl er eine Behandlungsmethode. Es mussten darüber hinaus keine weiteren, umständlichen und zeitaufwendigen Tests mehr durchgeführt werden.
Heute hängt sein Entscheidungsbaum für Herzinfarkte in jedem Krankenhaus.
Was können Sie daraus lernen?
Nun. Versuchen Sie, Herausforderungen Ihres Geschäftsalltags scheibchenweise auseinander zu nehmen, um zu erkennen, welches die kritischen Kriterien (= dünne Scheibchen) sind. Die Lösung liegt nicht im großen Ganzen, sondern im entscheidenden, kleinen Detail.
Je öfter Sie die "Scheibchentechnik" anwenden, desto einfach wird Ihnen in Zukunft die intuitive Fokussierung auf das Wesentliche fallen.
Fazit
In Entscheidungsprozessen gehört der Einsatz von Kopf und Bauch unweigerlich zusammen. Das Ziel intuitiver Abläufe ist immer das perfekte Zusammenspiel beider Komponenten - und lässt sich erlernen.
Die Rahmenbedingungen einer Situation geben vor, in welchem Maße Intuition eingesetzt werden kann. Sie hat ganz klar ihre Vorzüge, aber auch ihre Grenzen. Schaffen Sie sich einen intuitionsfördernden Freiraum, um Ihr intuitives Potential weiter zu entwickeln und in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld ganz entspannt und frei ausleben zu können.
Zum Weiterlesen:
Viele schlaue Tipps wie Kleinunternehmer Trends ermitteln, Ideen entwickeln, Entscheidungen treffen, Nischen finden oder ganz allgemein "kreativ sind", stehen ordentlich sortiert auf unserer Themenseite: Profitable Geschäftsfelder erschließen.
Literaturtipps:
Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition.
Malcolm Gladwell: Blink! Die Macht des Moments.
Bas Kast: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft. Die Kraft der Intuition.
Gerald Traufetter: Intuition. Die Weisheit der Gefühle.
Jürgen Wunderlich: Intuition Die unbewusste Intelligenz. I³-Power oder wenn der Bauch beim Denken hilft.
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