Was ist Intuition?
Wie treffen Sie die richtigen Entscheidungen? Wann können Sie auch im Geschäftsleben auf Ihren Bauch hören und wann sollten Sie Entscheidungen lieber mit dem Kopf treffen? Nun, das eine geht nicht ohne das andere. Ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen Kopf und Bauch ist die entscheidende Grundlage erfolgreicher Entscheidungsprozesse. Wie Sie beides in Einklang bekommen und Ihr intuitives Potential auch im Geschäftsleben optimal ausleben können, erklärt Mareike gr. Darrelmann.
Jeder Mensch besitzt Intuition. Der Unterschied zwischen einem intuitiven und einem nicht intuitiven Menschen ist ganz einfach: Der eine ist sich seiner Intuition bewusst und lebt sie aus, der andere ignoriert die entsprechenden Impulse oder nimmt sie gar nicht erst wahr.
Was ist Intuition? - Unter Intuition versteht man eine unbewusste, alles andere als analytische Form der Urteilsbildung, die man zudem nicht vollständig erklären kann. Dank Intuition lassen sich Vorhersagen über die Zukunft treffen - herangezogen werden hierzu bereits gemachte Erfahrungen aus vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit.
Wie entsteht Intuition?
Intuition: Schnittmenge zwischen Kopf und Bauch
Intuition entsteht durch das perfekte Zusammenspiel von Kopf und Bauch.
Der Kopf steht für die Ratio und die Vernunft. Im Kopf (= Hirn) werden jede Menge Informationen, Daten und Wissen abgespeichert - bewusst und unbewusst. Dieses von Emotionen freie Daten-Reservoir bildet die Grundlage für die Entstehung von Intuition.
Auslöser und Impulsgeber der Intuition wiederum ist das Bauchgefühl. Der Bauch steht für Emotionen und Gefühle. Gemachte Erfahrungen, innere Bedürfnisse und eigene Wertevorstellungen geben im richtigen Moment den Impuls, unbewusst gespeichertes Wissen bzw. Halbwissen abzurufen. Das sind die Momente, in denen man etwas für richtig empfindet, aber nicht genau erklären kann wieso.
Wichtig für eine intuitive Entscheidung ist v.a. der unbewusste Wissensspeicher, der in diesem Moment abgerufen wird. Sind Sie also der Meinung, dass Sie zu wenig Intuition besitzen, sollten Sie genau diesen Wissensspeicher ständig vergrößern (wie das funktionieren kann, dazu weiter unten mehr). Außerdem lohnt es sich, Ihre Wahrnehmung für innere Impulse zu sensibilisieren und zu lernen, diesem Gefühl auch zu vertrauen.
Vertrauen ist dabei ein zentraler Baustein. Sie können zwar Ihren Wissensspeicher permanent erweitern. Gehen Sie allerdings Ihren inneren Impulsen nicht nach, weil Sie Ihnen nicht trauen, werden Sie im entscheidenden Moment nicht auf den unbewussten Wissensspeicher zurückgreifen können. Ihnen steht dann lediglich das bewusste Wissen zur Verfügung (das allerdings einen viel geringeren Umfang hat). Und wer trifft schon gern Entscheidungen, die auf Halbwissen basieren?
Ohne Intuition verzichten Sie also auf einen großen Teil Ihres Potentials!
Was ist der unbewusste Wissensspeicher?
Ich möchte Ihnen kurz erläutern, wie dieser unbewusste Wissensspeicher, auf den die Intuition zurückgreift, entsteht.
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Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Intuition ist die unbewusste Wahrnehmung.
Wir nehmen auch unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle Informationen wahr, und zwar wesentlich mehr, als uns bewusst ist. Unser bewusster Verstand hat eine Kapazität von maximal 50 Bits pro Sekunde. Damit fokussiert sich unser Verstand auf das Wesentliche, so wie ein Lichtspot, der alles Drumherum ausblendet. Dadurch gehen allerdings auch viele Informationen verloren. Unsere unbewusste Wahrnehmung bewältigt ein Vielfaches unseres sehr begrenzten bewussten Verstandes und ist eher mit einem schwachen Dämmerlicht zu vergleichen. Man sieht zwar das komplette Umfeld, aber eben leicht verschwommen. Dennoch wird auch das leicht verschwommene Umfeld "eingescannt".
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Eine weitere Quelle zur Entstehung von Intuition ist das implizite Wissen (tacit knowledge).
Implizites Wissen bedeutet, dass jemand etwas richtig macht, aber nicht erklären kann, wieso er das so und nicht anders tut. Ihm fehlen die Worte, um seine Fähigkeit zu beschreiben oder sie anderen zu erklären.
Ein klassisches Beispiel ist die Fähigkeit, beim Fahrradfahren das Gleichgewicht zu halten. Mit diesem Können geht das implizite Wissen einher, das die komplexe physikalische Regel, den Neigungswinkel, die aktuelle Geschwindigkeit und den Lenkeinschlag berücksichtigt. Sie wenden dieses Wissen in der Praxis an, können es aber nicht erklären.
Aufgrund von Erfahrungen und Erlebnissen sammeln wir unbewusst implizites Wissen an. Aufgrund dieser Erfahrungen reagieren wir wesentlich schneller und oft effektiver, als durch eine rationale Analyse. Dieses Entscheidungsverhalten heißt umgangssprachlich: "aus dem Bauch heraus". Dank dieses Erfahrungswissens können wir manche Dinge elegant und mit Leichtigkeit lösen, uns fehlt in diesen Momenten lediglich die rationale Begründung dafür.
Fazit: Ohne Emotionen und Gefühle sind wir machtlos und entscheidungsunfähig. Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn wir ein Gefühl dafür entwickeln können, welche Konsequenzen das Ergebnis mit sich bringt. Das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen ist Elliot.
Elliot wurde wegen eines Tumors im Gehirn ein Teil des Stirnlappens entfernt. Er wurde als völlig gesund entlassen, da er bei allen Tests mit dem gleichen IQ wie vor der Operation abschnitt. Trotzdem war er nicht mehr arbeitsfähig. Er war nicht in der Lage, die noch so kleinsten Entscheidungen zu treffen. Erst grübelte er eine Ewigkeit und dann entschied er sich falsch. Denn für ihn fühlte sich jede Entscheidung gleich an: nämlich nach gar nichts. Forscher fanden heraus, dass Gefühle als Impulsgeber für Entscheidungen fungieren. Sie lassen uns spüren, was in der Konsequenz für uns gut und was für uns schlecht ist. Gefühle sind damit ein integraler Bestandteil des Denkens. Dieser Teil des Gehirns war bei Elliot durch die Operation irreparabel beschädigt worden.
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