Vermögens- und Schuldenentwicklung
Mini-Bilanz und wichtige Kennzahlen
Bilanzen sind nicht nur etwas für Konzerne. Jeder Kleingewerbetreibende, Freiberufler und andere Selbstständige kann mit geringem Aufwand für eigene Zwecke eine Mini-Bilanz erstellen und auswerten.
Webdesigner Max Mustermann kam auf Basis ...
seines Anlagenverzeichnisses,
der Liste seiner Forderungen (gegenüber Kunden) und Verbindlichkeiten (gegenüber Lieferungen und Dienstleistern) zum Jahresende 2010 sowie
der Kontoauszüge zum 31.12.2010
... im Handumdrehen zu folgendem Ergebnis:
Mustermanns Musterbilanz zum Jahresende 2010.
Bei der Berechnung des Eigenkapitals machte sich Kollege Mustermann die Tatsache zunutze, dass die beiden Seiten der Bilanz immer in der Waage sein müssen. Den Wert des Gesamtvermögens (linke Seite) konnte er aus seinen Unterlagen ermitteln. Von der Bilanzsumme musste er nun nur noch den Jahresendstand des Bankdarlehens und den seiner offenen Lieferantenrechnungen abziehen und erhielt so das Eigenkapital "per" 31.12.2010.
Die wichtigsten Kennzahlen
Genereller Vorteil von Kennzahlen gegenüber absoluten Werten: In ihnen kommen Entwicklungen und Verhältnisse viel besser zum Ausdruck als beim Vergleich absoluter Werte. Beispiel: Ein gestiegener Schuldenstand muss kein Warnsignal sein, wenn das Eigenkapital im gleichen Zeitraum ebenfalls - eventuell sogar stärker - gewachsen ist. Ähnliches gilt für die Höhe der Forderungen im Verhältnis zum Gesamtvermögen.
Über die anzustrebende Höhe der einzelnen Kennzahlen lassen sich nicht immer verallgemeinernde Aussagen treffen. Sie sind vielfach branchenabhängig. Wichtig für Sie ist zunächst einmal die Entwicklungsrichtung:
Steigt der Verschuldungsgrad?
Ist die langfristige Finanzierung meiner Maschinen und Anlagen gesichert?
Wie entwickelt sich der Anteil meiner Forderungen am Gesamtvermögen?
Wie verzinst sich das eingesetzte Eigenkapital?
Und so berechnen Sie die wichtigsten (Bilanz)-Kennziffern:
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Eigenkapitalquote (Auswertung der rechten Bilanzseite):
Formel für die Eigenkapitalquote.
An dem resultierenden Prozentwert lesen Sie ab, wie sich der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital entwickelt hat. Wenn Sie es am Beispiel nachvollziehen wollen: Mustermanns EK-Quote beträgt 39,7 %. Im Schnitt lag die branchen- und konjunkturabhängige Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand in den letzten Jahren übrigens zwischen rund 10 % und 30 %. Tendenz nach Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder steigend.
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Das Verhältnis von Fremdkapital zum eingesetzten Eigenkapital lässt sich auch im Verschuldungsgrad ausdrücken:
Formel für den Verschuldungsgrad.
Im Grunde wird hier der gleiche Sachverhalt beleuchtet. Dabei ist allerdings nicht das Gesamtkapital die Bezugsgrundlage, sondern das eingesetzte Eigenkapital. (Max Mustermanns Verschuldungsgrad betrug Ende 2010 151 %).
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Keine eigentliche Bilanzkennziffer, aber an dieser Stelle passend ist die Eigenkapitalrentabilität:
Formel für die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität.
Das Verhältnis von (versteuertem und um den Unternehmerlohn gemindertem) Gewinn und eingesetztem Eigenkapital drückt nichts anderes aus als die "Verzinsung" des Eigenkapitals. Eine nicht ganz uninteressante Größe: Schließlich würden die Eigenmittel bei alternativer Verwendung an anderer Stelle ja Zinsen oder eventuell höhere Gewinne bringen.
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Auf der linken Bilanzseite ist die Entwicklung der Anlagequote besonders interessant.
Formel für die Anlagequote.
In ihr zeigt sich, wie sich die Zusammensetzung des Betriebsvermögens entwickelt. (Ende 2010 betrug Mustermanns Anlagequote rund 80 %). Wenn der Wert von dauerhaft genutzten Maschinen und Anlagen im Verhältnis zum Gesamtvermögen (unter ansonsten gleichen Bedingungen) ständig sinkt, ist das ein Anzeichen für das Vorliegen eines Investitionsstaus: Das Unternehmen arbeitet wahrscheinlich mit veralteten, längst abgeschriebenen Anlagen.
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Aufschlussreich ist auch die sogenannte Forderungsintensität:
Die Formel für die Forderungsintensität.
In ihr kommt das Verhältnis von Außenständen und betrieblichem Gesamtvermögen zum Ausdruck. (Mustermann 2010: ca. 8 %). Das zeigt häufig sehr viel besser als die Änderung absoluter Zahlen, wie sich das Zahlungsverhalten Ihrer Kunden verändert hat und welche Bedeutung offene Posten für Ihre Zahlungsfähigkeit haben.
Mindestens ebenso aussagekräftig wie die Untersuchung des Vermögens und dessen Finanzierung ist der Vergleich zwischen diesen beiden Bilanzseiten:
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Anlagendeckungsgrad I
Formel für die Anlagendeckungsgrad I.
Die in der Praxis weitgehend ignorierte "goldene Bilanzregel" besagt, dass das gesamte Anlagevermögen nach Möglichkeit durch Eigenkapital gedeckt sein soll. In dem Fall müsste der Anlagendeckungsgrad I größer als 100 % sein. (Mustermanns Anlagendeckungsgrad I betrug Ende 2010 knapp 50 %).
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Anlagendeckungsgrad II
Formel für den Anlagendeckungsgrad II.
Um nicht in kurzfristige Bedrängnis zu kommen, sollte das Anlagevermögen aber zumindest durch Eigenkapital plus langfristigem Fremdkapital (also z. B. Bankkredite) gedeckt sein (Mustermann 2010: knapp 108 % - plus dem im Beispiel nicht beanspruchten, vermutlich aber eingeräumten Kontokorrentkredit. Angenommen, der liegt bei 5.000 Euro. Dann ergäbe sich bereits ein Anlagendeckungsgrad II von 127 %).
Konkret bedeutet das vor allem: Investitionen (in Anlagen) sollten nicht über den Kontokorrentkredit (= "Dispo" für Geschäftsleute) finanziert werden. Diese Finanzierungsreserve ist wirklich nur für kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten und Dienstleistern gedacht. Anderenfalls laufen Sie Gefahr, dass Sie auf eine kurzfristige Verschlechterung der Geschäftslage nicht flexibel reagieren können. Sofern der Anlagendeckungsgrad II über 100 % liegt, ist diese Bedingung normalerweise erfüllt.
