Kleinunternehmer, aber Umsatzgrenze überschritten: Was ist nun mit der Umsatzsteuer?

Mehr als 17.500 Euro Umsatz sind kein Beinbruch. Hier lesen Sie, wie Sie reagieren sollten.

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Stand: 21. März 2014 (aktualisiert)

Wer nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr macht, gilt als Kleinunternehmer und braucht seinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen. Doch was tun, wenn der laufende Umsatz die Kleinunternehmergrenze zu überschreiten "droht"? Keine Sorge: Eine positive Einnahme-Entwicklung ist auch dann Anlass zur Freude - und nicht etwa zur Panik.

Viele Gründerinnen und Gründer starten als "umsatzsteuerliche Kleinunternehmer": Als solche brauchen sie bis zu einem Jahresumsatz (nicht: Gewinn!) bis 17.500 Euro auf ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) auszuweisen bzw. aufzuschlagen. Eine Sonderregelung in § 19 Umsatzsteuergesetz erspart ihnen die monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen und senkt die Preise für Endverbraucher.

Im Gegenzug können sie sich dann allerdings auch nicht die "Vorsteuer" vom Finanzamt zurückholen: Vorsteuer nennt man den Mehrwertsteuer-Anteil, der in den eigenen betrieblichen Ausgaben enthalten ist.

Was gehört zum Jahresumsatz?

Die gute Nachricht: Bei der Jahresumsatz-Grenze von 17.500 Euro werden ausschließlich umsatzsteuerpflichtige Einnahmen berücksichtigt - steuerfreie Erlöse hingegen nicht. Zu den steuerfreien Lieferungen und Leistungen gehören zum Beispiel ...

  • Heilbehandlungen,

  • berufsqualifizierende Lehre an öffentlichen Bildungseinrichtungen oder auch

  • bestimmte Exporte.

Auch der private Nutzungsanteil an den Kosten des Geschäftswagens (und andere private Nutzungsanteile) werden nicht als Umsatz im Sinne des § 19 UStG gewertet - vorausgesetzt, bei der Anschaffung der betreffenden Wirtschaftsgüter wurde keine Umsatzsteuer geltend gemacht.

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Jetzt ist die Verwirrung perfekt... :(

Hallo erstmal,

und Gratulation zu der Mühe mit der Seite und dem Versuch, nicht-steuer-versierten, die Sachverhalte etwas näher zu bringen.

Aber jetzt las ich hier folgendes (Zitat!):
Die gute Nachricht: Zum Jahresumsatz zählen ausschließlich umsatzsteuerpflichtige Einnahmen. Steuerfreie Erlöse werden nicht berücksichtigt.

Ich bin freiberuflich als Dozent tätig für eine gemeinnützige - von der Umsatzsteuer befreite - Organisation.
Mein zu erwartender Jahresumsatz (inkl. der Dozententätigkeit) beträgt ca. 30.000,- Euro.
Mehr als Hälfte davon entfallen alleine auf die Dozententätigkeit.
Heißt das a) ich weiterhin Kleinunternehmer bleibe und unter die Kleinunternehmerregelung falle?
b) dieser Umsatz nicht als solcher beim Finanzamt ausgewiesen werden muss oder gibt es da separat eine Rubrik Umsätze aus Umsatzsteuer befreiten Tätigkeiten???

Sorry, wenn sich das jetzt etwas naiv anhört, aber mit Steuer und Finanzamt habe ich es nicht so.

Danke schon mal für Ihre Mühe zur Beantwortung meiner hoffentlich verständlichen Fragen.

Viele Grüße
Sammy

Antwort: Verwirrung

Hallo Sammy,
es tut mir leid, dass Sie perfekt verwirrt (worden) sind. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Zu Ihren Fragen:

a) Sofern Ihre Dozententätigkeit umsatzsteuerfrei ist (und die dazugehörige Bescheinigung vom Finanzamts des Auftraggebers vorliegt, vgl. http://www.akademie.de/wissen/auftraggeber-umsatzsteuerbefreit), werden die dazugehörigen Einnahmen bei der Kleinunterregelung tatsächlich nicht berücksichtigt. Die 17.500-Euro-Grenze gilt nur für umsatzsteuerpflichtige Einnahmen.

Bitte beachten Sie: Dass Ihr Auftraggeber selbst von der Umsatzsteuer befreit ist, bedeutet noch lange nicht, dass Ihre Tätigkeiten umsatzsteuerfrei sind!

b) Umsatzsteuefreie Einkünfte müssen sowohl bei der Einkommensteuer- als auch bei der Umsatzsteuererklärung angegeben werden. Beim Umsatzsteuer-Formular gibt es dafür eine besondere Zeile.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Aufklärung der Unwissenden :)

Lieber Herr Chromow,

Sie haben mir mit Ihrer Antwort sehr geholfen und meine Verwirrung - welche sicher nicht durch das Studieren Ihrer Internetpräsenz entstanden ist sondern vielmehr auf die Tücken der Details in Steuerangelegenheiten - aufgeklärt.

Mein Ziel ist es nämlich, Kleinunternehmer zu bleiben :)

Das Feld in der Anlage EÜR habe ich auch bereits gefunden.
Die Einnahmen aus Dozententätigkeit trage ich in Feld 9 ein, den Rest in Feld 8 und schon hat sich die Sache mit den Betriebseinnahmen erledigt.

Dann noch die Bescheinigung des Auftraggebers bzgl. der Umsatzsteuerbefreiung (ich DARF ausdrücklich keine USt. ausweisen - das wurde mir gesagt, bevor sie erfahren haben, dass ich sowieso nach Kleinunternehmerregelung Rechnung stelle).

Das sämtliche Einkünfte natürlich sowohl bei der Umsatzsteuererklärung (für mich ja nur der Anhang EÜR) und der Einkommensteuererklärung angegeben werden müssen ist selbstredend ;-)

Danke noch mal für Ihre Erläuterung und

viele Grüße
Sammy

Antwort: Aufklärung der Unwissenden :)

Hallo Sammy,
danke für die nette Rückmeldung. Trotzdem - auf die Gefahr hin, neue Verwirrung zu stiften: Die "Anlage EÜR" dient der Gewinnermittlung im Rahmen der Einkommensteuererklärung. Die Umsatzsteuererklärung muss (auch von Kleinunternehmern) zusätzlich zur Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Weitere Informationen bietet der Beitrag "Der erste Jahresabschluss als Selbstständiger? So kommen Sie zur Steuererklärung"
http://www.akademie.de/wissen/selbstaendig-jahresabschluss

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

17 500 Euro, und dann?

Hallo!
Ich habe das Problem, dass ich diese Grenze zwar gern überschreiten würde, aber nicht kann.
Ich bin Fußpflegerin und krebse seit ein paar Jahren beständig vor mich hin, weil ich nicht weiß, wie ich die Hürde von der Umsatzsteuer bis zum nächsthöheren Gewinn überbrücken kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, müsste ich ja ab 17 501 Euro 19% Umsatzsteuer bezahlen, oder möglicherweise etwas weniger. Jedenfalls irgendetwas zwischen 2500 und 3300 Euro. Für mich würde dies bedeuten, dass ich innerhalb eines Jahres ca. 150 bis 200 neue Patient/innen bekommen müsste, um überhaupt meinen derzeitigen Status halten zu können. Mache ich da einen Denkfehler, oder sehe ich das richtig?
Herzlichen Gruß

Antwort: 17.500 Euro und dann?

Guten Abend,
leider bin ich nicht sicher, ob ich Ihr Anliegen verstanden habe: Die Kleinunternehmerregelung dient der Vereinfachung. Sie müssen Sie nicht in Anspruch nehmen. Sie können sich freiwillig für die Regelbesteuerung entscheiden (also Rechnungen inklusive Umsatzsteuer ausstellen), auch wenn Ihr Jahresumsatz unter 17.500 Euro liegt. Daran sind Sie dann aber 5 Jahre lang gebunden.

Viele Grüße
Robert Chromow

17 500 Euro, und dann?

Hallo,
da habe ich mich wohl ungeschickt ausgedrückt :-(
Ich weiß nicht, wie ich den Sprung von ca. 3000 Euro schaffen soll.
Ich lebe derzeit nur von diesen ca. 17 500 Euro. Verdiene ich jetzt beispielsweise 18.500, müsste ich ja darauf die Umsatzsteuer bezahlen und hätte dann nicht mehr genug Geld für meinen Lebensunterhalt. Es ist aber zum Einen unmöglich innerhalb eines Jahres ca. 200 neue Patient/innen zu bekommen und zum Anderen würde ich ja dann tatsächlich diese Behandlungen nur durchführen um die Umsatzsteuer zu bezahlen. Oder sehe ich das falsch?
Herzlichen Gruß
Gast

Antwort: 17.500 Euro und dann?

Hallo Gast,
vielen Dank für Ihre Erläuterungen: Ihre Überlegungen treffen grundsätzlich zu. Bei Geschäften mit Endverbrauchern haben Kleinunternehmer in der Tat einen spürbaren Preisvorteil gegenüber umsatzsteuerpflichtigen Unternehmern. Andererseits dürfen Sie nicht den gesamten Umsatzsteueranteil aus Ihren Einnahmen als zusätzlichen Aufwand betrachten: Sie dürfen im Gegenzug ja den Vorsteueranteil Ihrer eigenen Einkäufe geltend machen.

Übrigens: Als Alternative zu zusätzlichen Umsätzen kommen (schrittweise) Preiserhöhungen in Betracht - auch wenn das erfahrungsgemäß schwierig ist, ich weiß.

Lesetipp: Der Beitrag "Preiskalkulation für umsatzsteuerbefreite "Kleinunternehmer": Den Preisvorteil klug statt kurzsichtig nutzen!"
http://www.akademie.de/wissen/kleinunternehmer-preiskalkulation
beschäftigt sich ausführlicher mit dem von Ihnen angesprochenen Thema.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

DoppelMoppel oder jedes für sich ?

Hallo und guten Tag, ich bin in der glücklichen Lage, sowohl künstlerisch freiberuflich als auch "normal angestellt" arbeiten zu können, stehe jedoch im Bezug auf die Kleinunternehmerregelung nunmehr vor der Frage: Ist es so, dass die 17.500 Euro-Grenze sich rein auf das musikalische Gewerbe bezieht, oder muss ich meinen "normalen" Lohn zum Erreichen der Obergrenze mit einrechnen ?

Also: Reicht es, als Angstellte eine Einkommensteuer abzugeben, und sich als Gewerbetreibende bei Nicht-Erreichen der 17.000 Euro Umsatz darauf zu berufen, dass man als Klein-Unternehmer hierfür quasi nix zahlen müsste ?

Bitte dringend - vielen lieben Dank !!

Antwort: Doppelmoppel ...

Hallo,
Einkünfte aus nicht-selbstständiger Tätigkeit (= Angestellte/r, Beschäftigter) sind nicht umsatzsteuerpflichtig. Sie brauchen nur Ihre Einkünfte aus der freiberuflichen Tätigkeit zu berücksichtigen.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Umsatzsteuerklärung

Hallo,

bin seit 2005 als Kleinunternehmer selbständig.2010 hatte ich die Grenze mit 20000 Umsatz überschritten mußte eine Umsatzsteuererklärung machen.Nun bin ich 2011 und 2012 wieder unter 17500 geblieben,brauche ich dann nur die beiden Jahre in den Feldern 24 und 25 ausfüllen??
Oder alles komplett??

Danke für eine Antwort.

Antwort: Umsatzsteuerklärung

Guten Tag,
ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Sie mit "alles komplett" meinen: Wenn es um die Umsatzsteuererklärung des Jahres 2012 geht, wird in den Zeilen 24 und 25 ausdrücklich nach den Umsätzen der Jahre 2011 und 2012 gefragt.

Da Sie im Jahr 2010 die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze überschritten haben, mussten Sie die Umsätze der Jahre 2010 und 2011 bereits bei Ihrer Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2011 angeben.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Umsatzsteuerklärung

Hallo
Herr Chromow

es geht darum ob ich noch weitere Felder ausfüllen muß?ausser 24 und 25? ob diese Angaben reichen??

LG

Grenze von 50.000€ dauerhaft ab dem 2. Jahr oder nur einmalig?

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich möchte mich kurz halten um nicht zu viel Ihrer Zeit in Anspruch zu nehmen:

Zitat: “Die [...] Umsatzsteuer wird von Unternehmern [...] nicht erhoben, wenn der [...] Umsatz [...] im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.”

Heißt das, ich müsste bei einer Gewerbeneuanmeldung im ersten Jahr unter 17500€ liegen und dürfte im zweiten Jahr sogar bis max. 50000€ Umsatz haben?

Falls ja, wie sieht es aber mit dem 3/4/5/etc. Jahr aus? Darf ich dann immer an die Grenze von 50000€ gehen um weiterhin der Kleiunternehmerregelung zu unterliegen?

Vielen Dank und viele Grüße

Marc

Antwort: Grenze von 50.000€ dauerhaft ab dem 2. Jahr oder nur...

Hallo Marc,
danke für Ihre nette Anfrage. Kurz geantwortet: Ihre Grundannahme stimmt - Ihre weiteren Überlegungen jedoch nicht. :-)

Ausschlaggebend ist zunächst einmal der Gesamtumsatz des Vorjahres. Beispiel:

1.
Lag der Gesamtumsatz im Jahr 2012 unter 17.500 Euro, dürfen Sie in 2013 grundsätzlich die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Weitere Voraussetzungen:
* Sie werden in 2013 voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro umsetzen.
* Sie haben in den letzten 5 Jahren nicht freiwillig auf die Anwendung der Kleinunternehmer-Regelung verzichtet.

Soweit klar?

2a.
Liegt der Gesamtumsatz im Jahr 2013 wieder unter 17.500 Euro, dürfen Sie in 2014 die Kleinunternehmer-Regelung weiter in Anspruch nehmen, sofern Sie in 2014 voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro umsetzen.

2b.
Falls Sie in 2013 tatsächlich mehr als 17.500 Euro Umsatz erzielen, gilt die Kleinunternehmer-Regelung ab 1.1.2014 nicht mehr. Die 50.000-Euro-Grenze spielt in 2014 auch keine Rolle. Sie unterliegen automatisch der Regelbesteuerung.

Wird das Grundprinzip dadurch für Sie klarer?

3.
Im Gründungsjahr gilt in Ermangelung eines Vorjahres der geschätzte Jahresumsatz. Der voraussichtliche (!) Jahresumsatz darf in diesem Fall nicht höher als 17.500 Euro sein. Wird die Geschäftstätigkeit nicht im Januar aufgenommen, muss der prognostizierte Gesamtumsatz des "Rumpfjahres" auf das ganze Jahr hochgerechnet werden.

4.
Liegt der tatsächliche (ggf. aufs Jahr hochrechnete) Jahresumsatz im Gründungsjahr unter 17.500 Euro, kann im zweiten Jahr wieder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden (vgl. 2a).

5.
Liegt der tatsächliche (ggf. aufs Jahr hochrechnete) Jahresumsatz im Gründungsjahr über 17.500 Euro, gilt im zweiten Jahr automatisch die Regelbesteuerung (vgl. 2b).

6.
Auch eine Rückkehr zur Kleinunternehmer-Regelung ist möglich - mehr dazu im Beitrag
http://www.akademie.de/wissen/rueckkehr-zur-kleinunternehmer-regelung

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

auch mal 50000€ ausschöpfen, möglich?

Sehr geehrter Herr Chromow,

vielen Dank für die Antwort.

Mir wird aber nicht klar, wann ich denn mal max. 50000€ Umsatz haben darfum weiterhin der Kleinunternehmerregelung zu unterliegen.

Wie ist das in der Praxis möglich, dass ich auch mal 50000€ haben darf(um weiterhin der Kleinunternehmerregelung zu unterliegen)?

Vielen Dank und viele Grüße!

Marc

Antwort: auch mal 50000€ ausschöpfen, möglich?

Hallo Marc,
das ist gar nicht möglich: Die 50.000-Euro-Grenze bezieht sich ausschließlich auf das laufende Jahr. Sobald der Umsatz 17.500 Euro überschreitet, können Sie die Kleinunternehmer-Regelung im Folgejahr nicht mehr in Anspruch nehmen.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Robert, Noch eine Frage

Hallo Robert,

Noch eine Frage zur Kleinunternehmerregelung! Wenn ich das richtig verstanden habe, ist man im laufenden Geschäftsjahr (in dem man die 17.500€) überschritten hat noch nicht Umst pflichtig sondern erst im darauffolgenden Jahr?

Ab welchem Zeitpunkt ist die Mwst Pflicht? Nehmen wir an ich werde die 17500€ im Mai dieses Jahres überschreiten, müsste ich dann rückwirkend für die Vormonate die Mwst berechnen?

Vielen Dank schonmal :-)

LG Kai

Antwort: Noch eine Frage

Hallo Kai,
laut § 19 UStG
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
darfst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, wenn dein steuerpflichtiger Jahresumsatz ...
------------ Zitat ----------------
im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.
----------Zitat-Ende --------------
Sofern du nicht absehen kannst (um nicht zu sagen "befürchtest" :-)), dass du in 2014 die 50.000-Euro-Grenze knackst, bleibt es für 2014 bei der Kleinunternehmerregelung. Im Zweifel sprich mit einem Steuerberater oder frag' direkt beim Finanzamt nach.

Ach so: Ab 1.1.2015 unterliegst du dann aber auf jeden Fall der Regelbesteuerung.

Weiter viel Erfolg und herzliche Grüße
Robert Chromow

wow

Dankeschön für die schnelle Antwort Robert!!! :-)

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

LG Kai

Zeitliche und sachliche Abgrenzung unternehmerischer Tätigkeit

Hallo Herr Chromow,

zunächst möchte ich einen Fall schildern, aus dem sich einige grundsätzliche Fragen ergeben:

Eine Professorin (100%-Stelle seit vielen Jahren), bisher nur kleinere Nebeneinkünfte in Form von Honoraren für Vorträge, Seminare und Veröffentlichungen, insgesamt jeweils deutlich unter der 17.500 Euro-Grenze, schließt im April 2013 einen Beratungsvertrag mit einem Unternehmen. Nach Abschluss zahlt das Unternehmen im Oktober 2013 die Vergütung von 7.000 Euro aus. Außerdem erstellt die Professorin für eine Behörde von Juli 2013 bis September 2013 ein Gutachten und kassiert dafür 6.000 Euro. Weiterhin führt sie im März 2013 und im November 2013 für eine andere Behörde eine Schulungsmaßnahme durch und bekommt dafür jeweils 1.500 Euro, also insgesamt 3.000 Euro. Verlage zahlen ihr für Veröffentlichungen im Jahr 2013 insgesamt 1.000 Euro. Die Gesamteinkünfte aus Nebentätigkeiten liegen im Jahr 2013 also bei 17.000 Euro und damit unter der 17.500 Euro-Grenze.

Im Dezember 2013 heirat die Professorin einen Professor, der im Jahr 2013 ebenfalls Nebeneinkünfte hat und zwar 5.000 Euro für Unternehmensberatung.

Daraus ergeben sich nun folgende grundsätzliche Fragen:

1. In Ihrem Artikel wurde beschrieben, dass bei einem Unternehmen, das erst im Laufe des Jahres eröffnet wird, die 17.5000 Euro-Grenze nur entsprechend der Restzeit bis zum Ende des Jahres anteilig angesetzt werden darf. Was wird hier vom Finanzamt als Zeitpunkt des Entstehens des Unternehmens angenommen? Der Tag der Eröffnung, wenn es sich um ein Ladengeschäft handelt? Ansonsten der Tag der Gewerbeanmeldung? Und wie ist das Fällen wie dem oben beschriebenen? Die Professorin betreibt weder ein Ladengeschäft, noch meldet sie ein Gewerbe an, sondern übernimmt solche Aufträge als Gelegenheitsaufträge, weil sie darum gebeten wird, ohne selbst Werbung für sich zu machen. Sie hat auch keine Geschäftsräume, sondern erldigt das zu Hause an ihrem Schreibtisch, den sie ohnehin hat. Wann hat sie ihr Unternehmen eröffnet?

2. Sind die verschiedenen Tätigkeiten der Professorin (Beratung, Gutachten, Vorträge, Veröffentlichungen) jeweils separate Unternehmen oder werden sie vom Finanzamt zusammen als ein Unternehmen betrachtet? Dieselbe Frage würde sich ergeben, wenn zum Beispiel eine Person in einer Stadt eine Bäckerei betreiben würde und zwei Straßen weiter eine Schlosserei und beide Betriebe jeweils knapp unter 17.500 Euro blieben. Was ist dann? Werden Bäckerei und Schlosserei vom Finanzamt als ein Unternehmen betrachtet oder als zwei Unternehmen, die jeweils für sich die Umsatzsteuerbefreiung in ANspruch nehmen können, wenn sie jeweils unter 17.500 Euro Umsatz bleiben?

3. Welchen Einfluss hat eine Hochzeit? Eheleute werden doch bei der Einkommensteuer zusammen veranlagt. Wie sieht das bei der Umsatzsteuer aus? Rechnet das Finanzamt beide Einkünfte zusammen, kommt dann in dem oben beschriebenen Fall auf 22.000 Euro und erwartet, dass sowohl die Professorin als auch der Professor im nächsten Jahr Umsatzsteuer in Rechnung stellen?

Beste Grüße

Astrid

Antwort: Zeitliche und sachliche Abgrenzung unternehmerischer Tä

Hallo Astrid,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1. Da die Professorin offenbar schon seit Jahren Nebeneinkünfte erzielt, hat sie diese Einkünfte ja bestimmt auch bei ihren Einkommensteuererklärungen der Vorjahre angegeben, richtig?

2. Insofern ist ihre nebenberufliche selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt bekannt. Dort ist sie (möglicherweise stillschweigend?) als umsatzsteuerliche Kleinunternehmerin geführt worden. Vielleicht hat die Professorin (bzw. der Steuerberater, den sie vermutlich hat!?) aber auch regelmäßig jährliche (Nullsummen-) Umsatzsteuererklärungen abgegeben. Dazu sind nämlich grundsätzlich auch KleinunternehmerInnen verpflichtet.

3. Wie auch immer: Die Unterzeichnung des Beratervertrags im April 2013 gilt aus meiner Sicht jedenfalls nicht als Neugründung. Damit erübrigt sich auch die Frage nach dem Rumpfjahres. Um ein "Gewerbe" handelt es sich ebenfalls nicht, weil die genannten und höchstpersönlich erbrachten Leistungen (Vorträge, Seminare, Veröffentlichungen, Beratung, Schulungen) sämtlich nach freiberuflichen / selbstständigen Tätigkeiten klingen.

4. Alle zusammengenommen gelten als selbstständige Tätigkeiten im Sinne des § 18 EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html
sowie um "steuerbare Umsätze" im Sinne des § 1 UStG
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__1.html

5. Die Kleinunternehmerregelung ist an die Person des Steuerpflichtigen gebunden: Die Anzahl der Betriebe, der Familienstand und das Einkommen ihres Ehepartners spielen in Bezug auf ihren _umsatz_steuerlichen Status keine Rolle (bei der Einkommensteuer schon!). Ob die Professorin umsatzsteuerliche Kleinunternehmerin ist, hängt davon ab, dass ihr (eigener) Jahresgesamtumsatz im Vorjahr 17.500 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten wird.

Alle weiteren Details des Einzelfalls bespricht die Professorin am besten mit ihrem Steuerberater: Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel dürfte sie haben. :-)

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Angestellt und Freiberufler

Hallo,
ich bin zu hauptberuflich zu 20h/ Woche im Angestelltenverhältinis und verdiene hier jährlich ca 14700 brutto.
Ausserdem bin ich freiberuflich tätig für ca 5000euro jährlich.
Wie ist hier die Abgaberegelung? Muss ich Rückzahlungen leisten oder ist der Gesamtbetrag unter der Steuergrenze?
Lohnt sich das, oder soll ich mich als 2. Job auf 400Euro anstellen lassen?
Ich bin dankbar über eine Antwort.

Antwort: Angestellt und Freiberufler

Hallo,
keine Sorge: Ihre Arbeitnehmer-Einkünfte haben mit der Umsatzsteuer-Grenze der Kleinunternehmer-Regelung nichts zu tun. Bei einem freiberuflichen Umsatz von 5.000 Euro pro Jahr gelten Sie als Kleinunternehmer im Sinne des § 19 UStG:
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html.
Mehr noch: Die Ausnahmeregelung für Kleinunternehmer ist genau für Steuerpflichtige wie Sie gedacht. Handlungsbedarf besteht aus meiner Sicht nicht.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

17.500 überschritten und was nun?

Guten Tag,

ich habe festgestellt, dass ich dieses Jahr die Kleinunternehmergrenze überschreiten werde.
Letztes Jahr war dies nicht der Fall und ich werde auch lange nicht die 50.000 erreichen.
Sollte ich ab sofort meine Rechnungen mit Mehrwertsteuer schreiben? Oder lasse ich jetzt bis Ende des Jahres alles so, wie es ist, mache dann ganz normal, mit EÜR, meine Steuererklärung und muss dann ab Januar meine Rechnungen mit Mehrwersteuer schreiben und wahrscheinlich eine Umsatzsteuer-vorauszahlung an das Finanzamt entrichten?
Über einen Rat würde ich mich sehr freuen!

LG M.

Antwort: 17.500 überschritten und was nun?

Guten Tag, M.,
Sie brauchen im laufenden Jahr noch keine Rechnungen mit Mehrwertsteuer zu schreiben. Im nächsten Jahr dafür schon: Ab Januar 2014 gilt die Kleinunternehmerregelung für Sie nicht mehr.

Bitte beachten Sie: Die Umstellung tritt automatisch in Kraft. Eine Aufforderung durch das Finanzamt bekommen Sie nicht.

Weiterhin viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

WICHTIG

Guten Tag, ich bin im jahr 2012 am 1.3 angefangen.. habe nun heute also 2013 im august bescheid bekommen, dass ich die steuererklärung abgeben muss.. ich weiß alles sehr spät aber das ist alles mein erstes mal.. nun hab ich alles ausgerechnet und bin bei 15080 vom 1.3 das heißt ja nun, dass ich über der Grenze bin oder? Was kommt auf mich zu.. ich bin total in panik, da ich noch azubi bin und das alles viel zu viel wird...

LG Max

Antwort: Keine Panik [WICHTIG]

Keine Panik, lieber Max,
ich bin zwar kein Steuerberater, aus meiner Sicht hast du aber zumindest für das Jahr 2012 nichts zu befürchten. Mehr Gedanken solltest du dir über das Jahr 2013 machen (siehe unten Nr. 3).

1.
Vorab: du musst eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) sowie eine Einkommensteuer- und eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Ausführliche allgemeine Infos zu den ersten Steuererklärungen als Selbstständiger findest du hier: http://www.akademie.de/wissen/selbstaendig-jahresabschluss

2.
Was die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze angeht, hast du erst einmal recht, dass der Umsatz im "Rumpfjahr" auf 12 Monate hochgerechnet werden muss (die 15.080 Euro waren doch der Umsatz - und nicht etwa der Gewinn, oder?). Du kommst dann auf etwas über 18.000 Euro und liegst damit über der (ersten) Kleinunternehmer-Umsatzgrenze von 17.500 Euro. So weit, so richtig. Dazu heißt es aber weiter oben im Text:
------------ Zitat ----------------
Wer seinen Jahresumsatz seriös schätzt und dabei feststellt, dass der umsatzsteuerpflichtige Gesamtumsatz 17.500 Euro voraussichtlich nicht überschritten wird, ist für das laufende Jahr meistens auf der sicheren Seite. Rückwirkend wird die Umsatzsteuer nur dann erhoben, wenn der Jahresumsatz völlig aus dem Ruder läuft und über 50.000 Euro liegt.
----------Zitat-Ende --------------
Für 2012 bist du damit m. E. aus dem Schneider - sobald du deine Steuererklärungen abgegeben hast, versteht sich.

3.
Was 2013 betrifft: Da du in 2012 rechnerisch die 17.500-Euro-Grenze überschritten hast, bist du seit 1. Januar 2013 grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Das gilt auch dann, wenn du in 2013 deutlich unter 17.500 Euro bleibst! In dem Fall könntest du dann 2014 wieder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.

Da du über deine selbstständige Tätigkeit in 2013 nichts geschrieben hast, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

a) Wenn du 2013 weiter selbstständig warst und Umsatzsteuer abgeführt hast, ist alles im grünen Bereich.

b) Wenn du 2013 weiter selbstständig warst und keine Umsatzsteuer abgeführt hast, solltest du (am besten mit Unterstützung durch einen Steuerberater) prüfen, ob der 2012er Umsatz unterm Strich nicht vielleicht doch unter 17.500 Euro lag: Vielleicht hast du beim Errechnen der 15.080 Euro ja versehentlich einen steuerfreien Umsatz mit eingerechnet!?

c) Wenn das nicht möglich ist, solltest du (am besten mit Unterstützung durch einen Steuerberater) mit dem Finanzamt sprechen und angesichts der vergleichsweise geringen Überschreitung eine Kulanzlösung beantragen.

d) Sollte auch das nicht klappen, kannst du deinen Kunden für Lieferungen und Leistungen im Jahr 2013 aber auch nachträglich neue Rechnungen inklusive Umsatzsteuer schreiben und sie um Bezahlung der Differenz bitten. Falls du vorsteuerabzugsberechtigte Geschäftskunden hast, machst du deinen Kunden damit zwar Arbeit - ansonsten ist es aber kostenneutral für sie. Deine Privatkunden werden sich wahrscheinlich weigern, die unerwartete nachträgliche Preiserhöhung zu akzeptieren.

e) So oder so: Falls du in 2013 nicht mehr als Kleinunternehmer giltst, musst du Umsatzsteuer abführen - und zwar auch auf die Umsätze von Januar bis August 2013, in denen du womöglich noch keine Umsatzsteuer ausgewiesen ist. Das Finanzamt verlangt den Steueranteil, der rechnerisch in deinen Endpreisen enthalten ist. Um den zu errechnen teilst du deine Umsatzerlöse durch 1,19 (oder 1,07 falls deine Umsätze dem ermäßigten Steuersatz unterliegen) und ziehst den so ermittelten Nettobetrag von deinen Umsatzerlösen ab.

Beispiel:
Gesamtumsatz 12.000 Euro / 1,19 = 10.084,03 Euro.
Gesamtumsatz 12.000 Euro minus 10.084,03 Euro = 1.915,97 Euro (= USt-Anteil)

Hoffentlich hilft dir das ein wenig weiter!? Eine Bitte: Lass uns wissen, was aus der Sache geworden ist? Danke.

Viele Grüße und alles Gute
Robert Chromow

Max

Guten Tag,

danke für die schnelle Antwort echt super!!!

"
2.
Was die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze angeht, hast du erst einmal recht, dass der Umsatz im "Rumpfjahr" auf 12 Monate hochgerechnet werden muss (die 15.080 Euro waren doch der Umsatz - und nicht etwa der Gewinn, oder?). Du kommst dann auf etwas über 18.000 Euro und liegst damit über der (ersten) Kleinunternehmer-Umsatzgrenze von 17.500 Euro. So weit, so richtig. Dazu heißt es aber weiter oben im Text:
------------ Zitat ----------------
Wer seinen Jahresumsatz seriös schätzt und dabei feststellt, dass der umsatzsteuerpflichtige Gesamtumsatz 17.500 Euro voraussichtlich nicht überschritten wird, ist für das laufende Jahr meistens auf der sicheren Seite. Rückwirkend wird die Umsatzsteuer nur dann erhoben, wenn der Jahresumsatz völlig aus dem Ruder läuft und über 50.000 Euro liegt.
----------Zitat-Ende --------------
Für 2012 bist du damit m. E. aus dem Schneider - sobald du deine Steuererklärungen abgegeben hast, versteht sich.
"

Ich bin mir leider nicht mehr sicher was ich geschätzt habe, aber ich bin ca 500euro drüber wenn überhaupt.. meinen Sie da wird es großen Ärger geben?

Antwort an Max

Hallo Max,
danke für die nette Rückmeldung. Zu deiner Nachfrage heißt es im Text:
------------ Zitat ----------------
Rückwirkend wird die Umsatzsteuer nur dann erhoben, wenn der Jahresumsatz völlig aus dem Ruder läuft und über 50.000 Euro liegt.
----------Zitat-Ende --------------
Wie gesagt: Für 2012 sehe ich keine größeren Probleme. Im zweifel sprich mit einem Steuerberater oder direkt mit dem Finanzamt. Und lass uns hinterher wissen, was daraus geworden ist, ok?
Viele Grüße
Robert Chromow

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