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Kontopfändung - was tun?

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Stand: 27. Mai 2010

Strategie und Taktik des Schuldners bei drohender Kontopfändung

Der aufmerksame Schuldner weiß, wenn ein Vollstreckungstitel vorliegt, dass jetzt früher oder später eine Kontopfändung eintreten kann. Er kann Maßnahmen treffen, um eine drohende Kontopfändung zu vermeiden oder durch Antrag auf Pfändungsschutz sein pfändungsfreies Einkommen sichern. Viele Schuldner spielen hier jedoch zum eigenen Schaden Vogel Strauß, öffnen Briefe nicht, weisen den Briefzusteller ab und lassen bei der Post hinterlegte Schriftstücke bis zur Rücksendung schmoren. Das kann dazu führen, dass wichtige Fristen versäumt werden!

Wir stellen hier mehrere Optionen vor, wie Schuldner das Risiko von Kontopfändungen eigener Konten in Deutschland abschwächen oder vermeiden können. Bei Überschuldung sollte immer überlegt werden, ein Verbraucherinsolvenzverfahren einzuleiten, mit Hilfe eines Rechtsanwaltes über einen Beratungshilfeschein oder einer Schuldnerberatung. Das Inso-Verfahren unterbindet dann alle weiteren Pfändungsversuche und ermöglicht eine Restschuldbefreiung. Wer seine Gesamtschulden aus seinem Vermögen oder Einkommen gut ausgleichen kann, handelt sich durch ständiges Katz- und Mausspiel mit den Gläubigern nur hohen Mehraufwand ein, während seine Schuldenlast durch weitere anfallende Pfändungsgebühren, Zinsen und Zinsenszinsen immer weiter ansteigt.

  • Option A - eigene Konten rechtzeitig vor Pfändung auflösen und nur noch mit Bargeld operieren: Droht eine Kontopfändung, kann man theoretisch alle eigenen Konten rechtzeitig kündigen und nur noch Bares in der Tasche tragen. So kann grundsätzlich keine Kontopfändung stattfinden. Es ist aber inzwischen recht kompliziert geworden, ein Leben ohne Bankkonto zu führen. Fast alle Dauerzahlungen laufen elektronisch über Konten. Sind die Konten gekündigt, können eigene Einkommen und Einnahmen nur noch in bar oder als Barschecks entgegengenommen werden. Barschecks kann man zwar bei der Bank des Scheckausstellers direkt einlösen. Regelmäßige Zahlungen, z.B. für Miete, Telefon, Strom, Gas usw. müsste man allerdings einzeln am Bankschalter über Bareinzahlungen auf Fremdkonten erledigen. Dieses Verfahren ist umständlich. Mit etwa 6 Euro pro Bareinzahlung auf fremde Konten wird es auch recht teuer. Die reine Option A ist daher keine gute Lösung. Man könnte evt. auf ein Auslandskonto ausweichen.

  • Option B - eigene Konten auflösen und Fremdkonto mitnutzen: Eine häufig genutzte Alternative ist, das Konto eines helfenden Dritten mitzunutzen. Dieses Konto kann vom Gläubiger nicht gepfändet werden, da es sich hier nicht um das Konto des Schuldners handelt. Der Schuldner bittet dafür jemand aus dem engsten Familien- oder Freundeskreis um Hilfe. Mit der Bank wird vereinbart, dass der Schuldner für das Konto des helfenden Partners ebenfalls verfügungsberechtigt ist.

Guthabenkonto vereinbaren

Im Interesse des helfenden Partners kann eine Vereinbarung mit der Bank empfehlenswert sein, dass das Konto auf Guthabenbasis geführt wird. Das bedeutet, dass es nicht überzogen werden darf. Das gibt dem helfenden Partner mehr Sicherheit, denn der Schuldner kann das Konto nicht überziehen.

Nachteil dieser Lösung: Der Schuldner hat immer noch kein Konto mit eigenem Namen. Für Gutschriften und Einzugsermächtigungen muss er ein fremdes Bankkonto mit dem Namen eines anderen Kontoinhabers angeben. Normalerweise führt dies nicht zu Problemen. Eine fremde Kontoverbindung für das eigene Gehalt könnte aber beim Arbeitgeber eventuell nicht so gut ankommen. Außerdem: Arbeitsämter weigern sich meist, die Zahlungen auf Konten Dritter zu leisten - davon sind aber Konten direkter Familienangehöriger ausgenommen. Und bei Bezug von ALG II und Sozialhilfe interpretiert die Stelle es manchmal so, dass der genannte Kontoinhaber der Lebenspartner des bezugsberechtigten Schuldners ist. Dann wird gelegentlich ALG II oder Sozialhilfe gekürzt, auch wenn es sich nur um ein aus eigener Not genutztes Konto handelt. Hier sollte also nachweisbar sein, dass es sich um keine Lebenspartnerschaft handelt.

Achtung, hier droht auch die Pfändung des Auszahlungsanspruches des Schuldners gegenüber dem Kontoeigentümer! Und es gibt keinen Pfändungsschutz für das Geld, falls das Konto gepfändet wird, da es sich nicht um das Einkommen des Kontoeigentümers handelt!

  • Option C - Eigenes Konto behalten und bei Pfändung Pfändungsschutz erwirken - Umwandlung in ein P-Konto beantragen: Es ist möglich, das eigene Girokonto für Arbeits- oder Sozialeinkommen zu behalten. Achten Sie darauf, dass nur ein bescheidenes Guthaben auf dem Konto verbleibt. Wenn die Pfändung erfolgt, werden die oben beschriebenen Regeln für den Pfändungsschutz angewandt. Oder Sie wandeln Ihr Konto in ein P-Konto um, denn:

    Ab 1. Juli 2010 gibt es die Möglichkeit, bestehende Girokonten in Pfändungsschutzkonten (P-Konto) umzuwandeln.

Gemeinsam geführte (Partner-) Konten unbedingt beenden

Viele Verheiratete oder Lebenspartner führen ein gemeinsames Konto. Ist hier jemand von einer Kontopfändung bedroht, wird zunächst das gesamte gemeinsame Guthaben gesperrt. Die Folge ist eine mühsame rechtliche Auseinandersetzung, welcher Betrag auf dem Konto wem gehört und gepfändet werden darf. Konto und Guthaben wären längere Zeit bei unnötig hohem Arbeits- und Kostenaufwand blockiert. Gemeinsam geführte Konten sind also rechtzeitig aufzulösen bzw. nur noch allein durch den Partner weiterzuführen, der von der Kontopfändung nicht betroffen ist. Hinweis: Ein gemeinsames Konto mehrerer Kontoinhaber ist etwas anderes als das Konto eines einzelnen Kontoinhabers, der einem anderen - beispielsweise einem Schuldner - eine Kontovollmacht einräumt. Im letzten Fall ist der andere nur verfügungsberechtigt, aber kein Kontoinhaber. Nur in diesem Fall darf in das Konto nicht hineingepfändet werden.

  • Guthaben auf dem Konto niedrig halten: Der Pfändungsschutz sichert bei Arbeitseinkommen zunächst nur den monatlichen regulären Einkommenseingang in Höhe der Pfändungstabelle. Auf einem pfändungsgefährdeten Girokonto sollte immer nur möglichst wenig Guthaben bleiben. Sonst würde trotz Pfändungsschutz das bei Erstpfändung bestehende Kontoguthaben größtenteils weggepfändet.

  • Schuldner eröffnet neues Konto: Schuldner, die ihr Konto bei einer großen Bank unterhalten, vermeiden das Risiko der oben erwähnten Blindpfändungen der Gläubiger, indem sie rechtzeitig ein neues Konto bei einer kleineren Bank oder bei Nutzung einer größeren Bank entfernt vom Wohnort (Unterscheidungsmerkmal: andere Bankleitzahl als die gleiche Bank am Wohnsitz) eröffnen. Das reduziert die Chance von Zufallstreffern bei Kontopfändungen erheblich. Auch wenn der Gläubiger beispielsweise aus dem früherem Zahlungsverkehr oder einem Briefkopf des Schuldners diese Kontoverbindung kennt, dürfte bei einem Titel die Pfändung dieses Kontos auf dem Fuße folgen. Entsprechend wechseln häufig auch Schuldner direkt nach einer eidesstattlichen Versicherung ihre Bankverbindung.

  • Altes Konto mit Miniguthaben dient als Blindfährte: Der Schuldner kontert die Pfändungsstrategie des Gläubigers, indem er das bisherige Konto weiterlaufen lässt. Auf diesem verbleibt nur ein Guthabenbetrag, der die laufenden Kontoführungsgebühren absichert. Das erhöht die Chance, dass der Gläubiger ein fast leeres Konto pfändet - speziell wenn er das Konto dem Gläubiger beispielsweise über seinen Briefkopf bekannt macht. Hier zielt die Taktik des Schuldners darauf ab, den Gläubiger zu frustrieren, damit dieser später zu einem für den Schuldner günstigeren Vergleich bereit ist. Kennt der Gläubiger hingegen kein Konto, vermutet er eher, dass der Schuldner vor ihm Vermögen versteckt.

Finanzamt und andere Ämter haben den Röntgenblick

Bei Schulden gegenüber dem Finanzamt und anderen Ämtern funktionieren Schuldnerstrategien mit neuen Konten inzwischen nicht mehr. Die Behörden dürfen nämlich die entsprechende Bundeszentraldatei anzapfen und können so erfahren, wo der Schuldner bundesweit Konten unterhält. Diese können dann alle der Kontopfändung unterzogen werden. Nur ausländische Bankkonten sind davon nicht betroffen.

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Über den Autor:

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Dr. Dietrich von Hase arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Psychologie zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später dann als freier Fachjournalist, freier Proje ...

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