Kostenschätzung für IT-Projekte

realistische Zahlen statt böser Überraschungen

Von: Lorenz Hölscher
Stand: 16. Januar 2012 (aktualisiert)
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Über den Autor: Lorenz Hölscher

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Lorenz Hölscher ist freiberuflicher Dozent, Berater und Programmierer mit Schwerpunkt Anwendungs-Programmierung. Vorrangig widmet er sich Access, Word und Excel sowie begleitenden grafischen Arbeiten. Er legt viel Wert auf benutzerfreundliche Oberflächen und ordentliches Design in Optik und Programmierung. Zu Hilfe kommen ihm da seine langjährigen "branchenfremden" Erfahrungen als Architekt, Layouter und Designer.

Lorenz Hölscher bietet eigene Hilfeseiten an und hat bei Microsoft Press mehrere Bücher veröffentlicht zu Access 2007, Access 2007 VBA, Word 2007 VBA und Access 2010.

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Nicht-Personalkosten, Mondpreise, Nacharbeit

Kostenarten

Was Sie hier errechnen, sind die Personalkosten. Dazu kommen aber noch weitere Kosten, die Sie wenigstens anteilig dem Auftraggeber in Rechnung stellen wollen:

  • Hardware/Software: Servermiete, Computer, Spezialgeräte (Barcode-Scanner, die extra angeschafft werden oder eine angemietete Video-Ausrüstung)

  • Infrastruktur: Netzwerkeinrichtung, Serverinstallation, Schulungsräume, Foto- oder Filmstudio-Einrichtung

  • Material: Foto-Proofs auf besonderem Papier, elektronische Bauteile für Prototypen, Toner und anderes Verbrauchsmaterial von erheblicher Menge

  • Sonstiges: Reisespesen, Telefonkosten oder Domaingebühren

Für eine Website, die Sie vor Ort programmieren, wird vieles davon nicht anfallen. Aber bei einem größeren Projekt mit Besprechungen vor Ort kann das schon einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen.

Beispiel: Große Datenbank schätzen

Die vorherigen Beispiele waren die typischen Ein-Personen-Projekte. Das wird natürlich aufwändiger, wenn Sie mit Personal vor Ort sind.

  • Planung der Datenstruktur (Besprechung mit 2 Personen) = 3 Std.*2 P. = 6 Stunden

  • Einrichtung der Arbeitsplätze/Installation für 2 Personen = 4 Std. * 2 P. = 8 Stunden

  • Einrichtung der Datenbank = 3 Std. * 1 P. = 3 Stunden

  • 150 mittlere Tabellen zu je 1 Stunde = 150 Std. * 1 P. = 150 Stunden

  • 50 komplexe Tabellen zu je 2 Stunden = 100 Std. * 1 P. = 100 Stunden

  • 300 Abfragen/Views zu je 1 Stunde = 300 Std. * 1 P. = 300 Stunden

  • 5 Besprechungen zu je 3 Stunden mit 2 Personen = 15 Std. * 2 P. = 30 Stunden

  • 1 Stunde Anfahrt an 75 Tagen mit 2 Personen = 75 Std. * 2 P. = 150 Stunden

  • Gesamtaufwand = 747 Stunden

Ob Sie den Anfahrtsweg geltend machen können, ist vom Auftraggeber bzw. Ihrem Verhandlungsgeschick abhängig. Wenn Sie Ihr Personal aber immer in Ihrem eigenen Büro arbeiten lassen und dieses plötzlich täglich eine Stunde extra Fahrzeit hat, werden Sie das irgendwie ausgleichen müssen.

Die Anfahrtzeiten berechnen sich aus den 597 Stunden schon ermittelter Arbeits- und Besprechungszeit, die bei einem 8-Stunden-Tag an 74,63 Tagen anfallen. Das macht immerhin 20 Prozent des Gesamtaufwands aus, sollte also nicht als "Kleinkram" unterschlagen werden.

Dumpingpreise und Mondpreise

Jetzt haben Sie eine Größenordnung für Ihren Aufwand, aber das ist nur der halbe Weg zum Angebot. Mal abgesehen von den übrigen Kosten wollen Sie vielleicht auch noch ein wenig verdienen.

Vor allem beginnt jetzt die "politische" Phase der Preisfindung. Sie müssen sich nach der Multiplikation mit einem gewünschten Stundenlohn das Endergebnis in Euro aus Sicht des Kunden betrachten. Greift der sich jetzt ans Herz und sinkt bleich zu Boden oder greift er milde lächelnd in die Portokasse und zahlt sofort, bevor Sie es sich anders überlegen?

Fragen Sie sich nicht nur, ob Ihre Kosten gedeckt sind, sondern auch, ob der versprochene Nutzen für den Kunden diesen Preis rechtfertigt. Vielleicht haben Sie ja Glück und irgendwie Wind davon bekommen, was andere Mitbewerber so an Preisvorstellungen haben.

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