Nicht-Personalkosten, Mondpreise, Nacharbeit
Kostenarten
Was Sie hier errechnen, sind die Personalkosten. Dazu kommen aber noch weitere Kosten, die Sie wenigstens anteilig dem Auftraggeber in Rechnung stellen wollen:
Hardware/Software: Servermiete, Computer, Spezialgeräte (Barcode-Scanner, die extra angeschafft werden oder eine angemietete Video-Ausrüstung)
Infrastruktur: Netzwerkeinrichtung, Serverinstallation, Schulungsräume, Foto- oder Filmstudio-Einrichtung
Material: Foto-Proofs auf besonderem Papier, elektronische Bauteile für Prototypen, Toner und anderes Verbrauchsmaterial von erheblicher Menge
Sonstiges: Reisespesen, Telefonkosten oder Domaingebühren
Für eine Website, die Sie vor Ort programmieren, wird vieles davon nicht anfallen. Aber bei einem größeren Projekt mit Besprechungen vor Ort kann das schon einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen.
Beispiel: Große Datenbank schätzen
Die vorherigen Beispiele waren die typischen Ein-Personen-Projekte. Das wird natürlich aufwändiger, wenn Sie mit Personal vor Ort sind.
Planung der Datenstruktur (Besprechung mit 2 Personen) = 3 Std.*2 P. = 6 Stunden
Einrichtung der Arbeitsplätze/Installation für 2 Personen = 4 Std. * 2 P. = 8 Stunden
Einrichtung der Datenbank = 3 Std. * 1 P. = 3 Stunden
150 mittlere Tabellen zu je 1 Stunde = 150 Std. * 1 P. = 150 Stunden
50 komplexe Tabellen zu je 2 Stunden = 100 Std. * 1 P. = 100 Stunden
300 Abfragen/Views zu je 1 Stunde = 300 Std. * 1 P. = 300 Stunden
5 Besprechungen zu je 3 Stunden mit 2 Personen = 15 Std. * 2 P. = 30 Stunden
1 Stunde Anfahrt an 75 Tagen mit 2 Personen = 75 Std. * 2 P. = 150 Stunden
Gesamtaufwand = 747 Stunden
Ob Sie den Anfahrtsweg geltend machen können, ist vom Auftraggeber bzw. Ihrem Verhandlungsgeschick abhängig. Wenn Sie Ihr Personal aber immer in Ihrem eigenen Büro arbeiten lassen und dieses plötzlich täglich eine Stunde extra Fahrzeit hat, werden Sie das irgendwie ausgleichen müssen.
Die Anfahrtzeiten berechnen sich aus den 597 Stunden schon ermittelter Arbeits- und Besprechungszeit, die bei einem 8-Stunden-Tag an 74,63 Tagen anfallen. Das macht immerhin 20 Prozent des Gesamtaufwands aus, sollte also nicht als "Kleinkram" unterschlagen werden.
Dumpingpreise und Mondpreise
Jetzt haben Sie eine Größenordnung für Ihren Aufwand, aber das ist nur der halbe Weg zum Angebot. Mal abgesehen von den übrigen Kosten wollen Sie vielleicht auch noch ein wenig verdienen.
Vor allem beginnt jetzt die "politische" Phase der Preisfindung. Sie müssen sich nach der Multiplikation mit einem gewünschten Stundenlohn das Endergebnis in Euro aus Sicht des Kunden betrachten. Greift der sich jetzt ans Herz und sinkt bleich zu Boden oder greift er milde lächelnd in die Portokasse und zahlt sofort, bevor Sie es sich anders überlegen?
Fragen Sie sich nicht nur, ob Ihre Kosten gedeckt sind, sondern auch, ob der versprochene Nutzen für den Kunden diesen Preis rechtfertigt. Vielleicht haben Sie ja Glück und irgendwie Wind davon bekommen, was andere Mitbewerber so an Preisvorstellungen haben.
