Kostenträgerrechnung: So erhält Ihre Kalkulation eine solide Basis

Im dritten Beitrag zur Kostenkalkulation erhalten Sie eine klare Grundlage zur Ermittlung der Selbstkosten und damit für die Preiskalkulation.

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Stand: 9. Dezember 2016

Die genauen Selbstkosten – wie ermittelt man die?

Der Inhaber der Möbelschreinerei erhält eine Anfrage zur Produktion von Schränken und wird gebeten, ein Angebot abzugeben. Da noch mehrere Anbieter an dem Auftrag interessiert sind, benötigt er genaue Zahlen über die Produktionskosten. Wie kann er die Selbstkosten genau ermitteln?

Wie das geht, zeigt dieser Beitrag. Der Schlüssel ist die Kostenträgerrechnung. Sie ist die Fortsetzung der Kostenstellenrechnung und der letzte Baustein der Kostenrechnung.

Kostenrechnung

Die Kostenrechnung hat folgende Systematik:

  1. Kostenartenrechnung: Welche Kosten fallen an?

  2. Kostenstellenrechnung: Wo fallen die Kosten an?

  3. Kostenträgerrechnung: Wofür fallen die Kosten an? (dieser Beitrag)

Definition: Kostenträger und Kostenträgerrechnung

Die Kosten fallen im Prozess der Leistungserstellung an, also beim Herstellen von Produkten oder dem Erbringen von Dienstleistungen. Produkte und Dienstleistungen sind deshalb die Kostenträger.

Die Kostenträgerrechnung befasst sich damit, die angefallenen Kosten für jeden Kostenträger zu ermitteln. Ziel der Kostenträgerrechnung ist es, die Herstell- und Selbstkosten zu ermitteln. Diese Zahlen bilden die Ausgangsbasis für die Preiskalkulation.

Bei der Kostenträgerrechnung unterscheidet man zwei verschiedene Ansätze:

  1. Kostenträgerzeitrechnung

    Sie dient, wie der Name sagt, zur Zeitbetrachtung. Sie hat das Ziel, die Gesamtkosten der Kostenträger innerhalb einer Zeitperiode zu ermitteln. Diese Periodenbetrachtung dient der Ermittlung des Betriebserfolgs sowie der kurzfristigen Erfolgsrechnung. Favorisiert wird hier das Umsatzkostenverfahren. Hierbei werden die Kosten nach den Kostenträgern gegliedert, berücksichtigt wird nur der Umsatz (also verkaufte Güter oder Dienstleistungen).

    Diese Kostenermittlung spielt bei größeren Unternehmen eine wichtige Rolle. Gerade Großunternehmen mit vielen Produkten benötigen detaillierte Aussagen über die Stückkosten und die daraus resultierende Erfolgsrechnung.

  2. Kostenträgerstückrechnung

    Die Kostenträgerstückrechnung ist eine Mengenbetrachtung, im Mittelpunkt steht das einzelne Produkt oder die einzelne Dienstleistung.

    Sie hat die Aufgabe, die angefallenen Herstell- und Selbstkosten auf die Kostenträger zu verteilen.

    Die Ermittlung der Herstellkosten und Selbstkosten der Kostenträger dient

    • als Grundlage für die Kalkulation

    • der Bewertung der Bestände unfertiger und fertiger Erzeugnisse

Für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe ist die Kostenträgerstückrechnung sehr wichtig. Daher beziehen wir uns nur auf diese Methode.

Unser Ausgangsbeispiel

Die Schreinerei Mustermann OHG erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 800.000 Euro. Nach Abzug der angefallenen Kosten verblieb ein Überschuss von 120.000 Euro.

Das Unternehmen beschäftigt neben dem Inhaber vier Mitarbeiter.

Es verfügt über eine eigene Werkstatt mit Maschinen sowie einen Lkw und einen Pkw.

Eine detaillierte Buchführung wurde bisher nicht erstellt, der Gewinn wurde durch eine Einnahmenüberschussrechnung ermittelt. Hergestellt werden nur Schränke, in dem laufenden Geschäftsjahr waren es 1.000 Stück.

Einnahmenüberschussrechnung

Umsatzerlöse

800.000 Euro

Ausgaben
Materialeinkauf

300.000 Euro

Lohnkosten mit
Sozialbeiträgen

240.000 Euro

Abschreibungen

60.000 Euro

80.000 Euro

Überschuss

120.000 Euro

In der Kostenstellenrechnung ergab sich folgende Übersicht:

Kostenstellenplan der Möbelschreinerei Mustermann OHG

Kostenarten

Kostenstellen

Gesamt

Material

Fertigung

Verwaltung

Vertrieb

Einzelkosten (EK)

Material

250.000

250.000

Lohnkosten

140.000

140.000

AG-Sozialvers.

35.000

35.000

Summe EK

425.000

250.000

175.000

Gemeinkosten

Hilfsstoffe

50.000

50.000

Gehälter

50.000

5.000

10.000

30.000

5.000

AG-Sozialvers.

5.000

500

1.000

3.000

500

Zus.
Personalkosten

10.000

2.500

2.500

2.500

2.500

Betriebsmittel
(AfA)

60.000

45.000

10.000

5.000

Energiekosten

40.000

1.000

35.000

3.000

1.000

Betriebl. Kosten

20.000

2.000

14.000

2.000

2.000

Werbekosten

15.000

2.000

13.000

Weitere Kosten

5.000

1.000

2.000

1.000

1.000

Summe GK

255.000

12.000

159.500

53.500

30.000

Basis für
Zuschläge

250.000

175.000

596.500

596.500

Zuschlagsfaktor

4,8 %

91,14 %

8,97 %

5,03 %

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