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Keine Krankenversicherung? Bis Jahresende 2013 ohne Beitragsnachzahlung zurückkehren

Wer nicht krankenversichert ist, muss jetzt einen Antrag stellen – bis Ende 2013 werden Beitrags- und Strafzahlungen erlassen.

Für Gründer und Solo-Selbstständige stellen die laufenden Sozialversicherungsbeiträge oft die größte finanzielle Belastung dar. Aus Angst vor Beitragsnachzahlungen und Strafzahlungen verzichten viele Selbstständige sogar ganz auf Krankenversicherungsschutz. Andere ächzen unter Beitragsschulden und maßlosen Säumniszuschlägen. Die gute Nachricht: Seit August 2013 ist ein Entlastungspaket in Kraft getreten. Die schlechte: Am 31. Dezember 2013 laufen einige Erleichterungen schon wieder aus. Höchste Zeit also für Betroffene, aktiv zu werden.

Statt einer langen Vorrede

  • Sind Sie noch ohne Krankenversicherungsschutz, weil Sie hohe Beitragsnachzahlungen oder Strafen fürchten?

  • Zahlen Sie immer noch hohe Säumniszuschläge von bis zu 60 Prozent pro Jahr?

  • Haben Sie Beitragsschulden oder andere Probleme mit der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung?

Dann sollten Sie sich beraten lassen oder gleich an Ihre Krankenkasse oder private Krankenversicherung wenden – und zwar unbedingt noch vor dem 31. Dezember 2013!

Allgemeine Informationen zu Beitrags- und Strafzahlungserlassen, Deckelung von Säumnisgebühren und Notfalltarifen finden Sie weiter unten. Fragen zu Ihrem Einzelfall beantworten die folgenden Stellen:

Entlastung für Versicherte

Hintergrund: In den letzten Jahren sind allein in der gesetzlichen Krankenversicherung 4,5 Milliarden Euro Beitragsschulden aufgelaufen. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die zahlenmäßig vergleichsweise kleine Gruppe der freiwillig oder pflichtversicherten Selbstständigen und Gewerbetreibenden ("Selbstzahler").

Hinzu kommen die nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts 137.000 Menschen, die trotz Versicherungspflicht noch immer keine Krankenversicherung haben.

Mehr Planungssicherheit für Versicherungen

Um die Versicherten zu entlasten und das Beitragsaufkommen der Kassen auf eine realistischere Basis zu stellen, ist am 1. August 2013 das "Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung" in Kraft getreten. Für die gesetzlichen Krankenkassen gelten darüber hinaus die "Einheitlichen Grundsätze zur Beseitigung finanzieller Überforderung bei Beitragsschulden" (PDF, 23 KB)

Voraussetzungen

Anspruch auf einen vollständigen rückwirkenden Beitragserlass haben nur die Betroffenen, die sich ungeachtet der spätestens seit 2009 bestehenden Krankenversicherungspflicht bisher noch nicht versichert haben und auch keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Ihnen werden die im "Nacherhebungszeitraum" rechnerisch aufgelaufenen Beitragsschulden komplett erlassen.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen rückwirkend deutlich geringere Säumnisgebühren: Statt 5% Säumnisgebühren pro Monat (= 60% Zinsen p.a.) dürfen die Kassen "nur" noch 1% Säumnisgebühren pro Monat (= 12% Zinsen p.a.) verlangen. Bereits gezahlte Säumnisgebühren werden nachträglich jedoch nicht korrigiert.

Anspruch auf Erlass der Beitragsschulden haben bereits Versicherte nicht – Sie können von der Versicherung jedoch eine Einzelfallprüfung verlangen mit dem Ziel, Beitragsschulden ganz oder teilweise erlassen oder zumindest gestundet zu bekommen.

Freiwillig gesetzlich Versicherte sollten zudem die Berechnungsgrundlage ihrer Beitragszahlungen möglichst zeitnah an ihre tatsächlichen Einkünfte anpassen.

Wer noch nicht krankenversichert ist und sich bis zum 31.12.2013 bei einer Krankenkasse meldet, braucht für die Vergangenheit keine Beiträge zu entrichten! Säumnisgebühren, Geldbußen oder andere Strafen sind auch nicht zu befürchten.

Noch nicht Versicherte, die sich erst nach dem 31.12.2013 bei einer Krankenkasse melden, können statt eines Beitragserlasses für den Nacherhebungszeitraum nur eine Beitragsermäßigung beantragen.

Private Krankenversicherung (PKV)

Wer zuletzt privat krankenversichert war, seit Beginn der Versicherungspflicht im Jahr 2009 aber keine Beiträge (mehr) gezahlt hat, muss bei Wiedereintritt in die PKV normalerweise mit Strafzahlungen von bis zu einer Jahresprämie rechnen. Diese Strafzahlungen werden erlassen, wenn sich der Versicherte bis 31.12.2013 bei seiner Krankenversicherung meldet.

Einführung eines Notfalltarifs: Versicherte, die mit ihren laufenden Prämienzahlungen überfordert oder in Rückstand sind, können (bzw. müssen) in einen PKV-Tarif mit vergleichsweise niedrigen Monatsprämien wechseln (ca. 100 Euro bis 125 Euro). Sie haben dann aber auch nur Anspruch auf medizinische Versorgung bei akuten Erkrankungen und Schmerzen. Sind die Beitragsschulden abgetragen, können die Versicherten wieder in ihren vorherigen Tarif wechseln.

Fazit

Menschen mit Beitragsschulden oder gar ganz ohne Versicherungsschutz sollten sich in den nächsten Tagen unbedingt erkundigen, wie sie am besten vom befristeten Entlastungspaket profitieren können: Der Schulden- und Gebührenerlass zur "Beseitigung sozialer Überforderung" kann leicht mehrere Tausend Euro betragen. Beitragserlässe und gesunkene Säumniszuschläge ändern zwar nichts an der künftigen Beitragspflicht: Immerhin lässt sich so aber ein Strich unter eine riskante und im Ergebnis teure versicherungsfreie Vergangenheit ziehen.

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Vielen Dank

vielen Dank für die Super Aufklärung. Leider kennen diese Prozedure nicht alle Lohnbüros und Bearbeiter der Krankenkassen.

Viele Grüsse
tina http://www.yoolando.com

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