Finanzierungsalternativen zum Kredit: Es gibt auch andere Finanzierungsmöglichkeiten !
Unternehmer, die Kapital für eine Investition benötigen, wenden sich i. d. R. zwecks Darlehen an eine Bank. Was oft nicht bedacht wird: Es gibt neben der Kreditvariante zahlreiche Finanzierungsalternativen, die wir Ihnen nachfolgend kurz vorstellen möchten:
Leasing
Miete
Factoring
Forfaitierung
ABS (Asset Backed Securities)
Mezzanine Finanzierungsformen
Eigenkapital/Beteiligungskapital/Private Equity
Commercial Paper Program
Medium Term Note Program
Als Alternativen zu einem Bankkredit kommen für kleinere und mittelständische Unternehmen davon in erster Linie Leasing, Miete und Factoring in Frage.
Leasing
Leasing schont Liquidität und Kreditlinie gleichermaßen. Das liegt daran, dass Leasing nicht den Baseler Vorschriften unterliegt und damit Ihr Rating nicht belastet.
Leasing basiert auf dem Grundgedanken, dass Erträge nicht aus dem Eigentum selbst, sondern aus dessen Benutzung entstehen. Bei der Finanzierung durch Leasing werden langfristige Nutzungsrechte an Wirtschaftsgütern durch Mietverträge erworben. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der Miete, bei der der Eigenkapitaleinsatz häufig entfällt. Unter Umständen fällt eine Mietsonderzahlung an.
Leasing ist einer objektbezogenen Fremdfinanzierung gleichzusetzen. Die bei der herkömmlichen Fremdfinanzierung zu beachtende Beleihungsgrenze entfällt jedoch.
Im Unterschied zur Miete liegt die Gefahr beim Leasingnehmer, also beim Unternehmen. Das bedeutet, das Unternehmen muss auch im Falle eines Schadens am Leasingobjekt zahlen.
Miete
Während von der Möglichkeit, Lager- und Büroflächen zu mieten, sehr häufig Gebrauch gemacht wird, führt das Mieten von Maschinen in Deutschland immer noch ein Schattendasein. Allenfalls im Zusammenhang mit Mietwagen kommt dieser Finanzierungsform im Zusammenhang mit beweglichen Gütern noch eine größere Bedeutung zu.
Mieten kann man jedoch nahezu jede Maschine bei entsprechenden Anbietern, zum Beispiel Arbeitsbühnen, Baumaschinen, Baugeräte etc. Insbesondere dann, wenn Sie Maschinen nur sporadisch benötigen, sollten Sie sich größere Investitionen gut überlegen. Prüfen Sie, ob es in der näheren Umgebung Mietservices gibt.
Vielleicht haben Sie auch die Möglichkeit, Maschinen von befreundeten Unternehmen stundenweise gegen eine Gebühr zu leihen? Das schont Ihre Liquiditätsreserven unter Umständen erheblich! Klären Sie dann aber sorgfältig alle potentiellen Gefahren und damit verbundene Haftungsfolgen ab und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest.
Factoring, Forfaitierung und Asset Backed Securities
Ihrem Charakter nach sind sich Factoring, Forfaitierung und ABS ähnlich.
Unter Factoring versteht man den Verkauf von Geldforderungen aus Dienstleistungen und Warenlieferungen. Dabei bietet das Unternehmen als so genannter Zedent dem Factor (Zessionar) seine Forderungen zum Kauf an. Nimmt der Factor das Angebot an, wird der vereinbarte Preis gegen eine Forderungsabtretung gezahlt.
Die Auszahlungsquoten liegen oft schon bei über 80 Prozent. Das Ausfallrisiko wird in der Regel vom Faktor übernommen. Für die Übernahme des vollen Ausfallrisikos und für das Debitorenmanagement berechnen die Factoringinstitute Gebühren, die zwischen 0,8 und 2,5 Prozent der Rechnungsbeträge liegen. Für die Finanzierung der Außenstände fallen Zinsen in Höhe der banküblichen Kontokorrentzinsen an.
Im Rahmen der Forfaitierung übernimmt der Forfaitist wie beim Factoring das Forderungs-Ausfallrisiko und die Finanzierungsfunktion. Dies bezieht sich allerdings nur auf einzelne Forderungen. Ein weiterer Unterschied zum Factoring besteht darin, dass diese Finanzierungsart mittel- bis langfristiger Natur sein kann.
ABS ist die Kurzform für "Asset Backed Securities". Das bedeutet in der Übersetzung "mit Vermögensgegenständen unterlegte Wertpapiere". Dabei werden Forderungen (assets) an Zweckgesellschaften verkauft. Diese vergibt Wertpapiere (backed securities) zur Refinanzierung.
Weitere Finanzierungsinstrumente
Neben den bislang vorgestellten Finanzierungsformen sind noch Mezzanine-Finanzierungen, Beteiligungen sowie das Commercial Paper und Medium Term Note Program von Bedeutung.
Mezzanine-Finanzierungen gibt es in der Form von Nachrangdarlehen, stillen Beteiligungen, Genussscheinen und Wandel-/Optionsanleihen. Der Begriff "Mezzanine" kommt aus der Achitektur und hat etwa die Bedeutung von "Zwischengeschoss". Wenn man diesen Begriff auf das Kapital überträgt, umfasst Mezzanines-Kapital Fremd- und Eigenkapital. Mezannines Kapital wird in der Regel über private Eigenkapitalgeber (Private-Equity-Gesellschaften) oder Banken zur Verfügung gestellt. Die Mindestbeträge liegen häufig zwischen 2,5 und 5 Mio EUR.
Im Rahmen von Beteiligungskapital oder Private Equity investieren institutionelle und/oder private Investoren mit Beteiligungskapital in aussichtsreiche Unternehmen. Die Finanzmittel stehen dem Unternehmen in der Regel mittel- bis langfristig zur Verfügung.
Weitere Finanzierungsformen sind das Commercial Paper Program sowie das Medium Term Note Progam. Beide Varianten sind nur für Unternehmen interessant, die den Kapitalmarkt häufig nutzen. Beim Commercial Paper Program handelt es sich um ein zeitlich unbegrenztes Rahmen-Programm für die laufende Ausgabe von Inhaber-Schuldverschreibungen. Auch das Medium Term Note Program arbeitet mit Inhaber-Schuldverschreibungen. Das Rahmen-Programm bedarf einer Genehmigung durch die Börse.
Zum Weiterlesen
"Was Sie über Kreditsicherheiten wissen sollten" - mit Checkliste
"Risiken für Kreditnehmer" - Was Sie vor Abschluss eines Kredits bedenken sollten
"Online-Kredite und ihre Tücken" - Was Sie vor Abschluss eines Kredits bedenken sollten
"Leitfaden Forderungsverkauf und Kreditverkauf" - Wenn das Immobiliendarlehen in fremde Hände gerät
