Ob sich ein einzelner Mitarbeiter Geld abzweigt, ob ein Mitarbeiter mit einem Geschäftspartner "zusammenarbeitet" oder ob gar ein Mitgeschäftsführer sich "bedient": Betrug, Unterschlagung und Untreue werden häufig nur durch Zufall oder gar nicht entdeckt. Dabei gibt es durchaus einige Gefahrensignale, für die wir Sie in diesem Beitrag sensibilisieren wollen. Denn die Chancen, dass Ihr Unternehmen nicht von Wirtschaftskriminalität betroffen ist, stehen nur etwa 50 : 50 (*) ...
Erfahrungwerte: Bewahren Sie sich ihr gesundes Misstrauen!
Wenn in einem Unternehmen krumme Geschäfte gemacht werden, weisen meistens bereits zahlreiche Warnsignale auf die Straftat hin. Allerdings werden diese Signale häufig schlicht nicht wahrgenommen. Wird eine Führungskraft doch misstrauisch, erlahmt der Aufklärungseifer angesichts wortgewaltiger, entrüsteter Verteidigungsreden oft schnell wieder. Wer will sich schon hinterher für haltlose Anschuldigungen entschuldigen müssen?
Deshalb lautet der erste und wichtigste Ratschlag: Bewahren Sie sich Ihr gesundes Misstrauen! Selbst wenn Ihnen handfeste Beweise zunächst fehlen, sollten Sie Ihrem "Bauchgefühl" Vertrauen schenken und die Sache im Auge behalten. Studien belegen, dass rund die Hälfte aller Unternehmen von Wirtschaftskriminalität betroffen sind!
Noch eine aus Erfahrung gewonnene Erkenntnis: Erfolgreiche Aufklärung ist fast immer mit viel Arbeit verbunden. In Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen oder Quartalsberichten werden Sie keine Anhaltspunkte für Betrügereien im Unternehmen finden. Um Betrug oder Unterschlagungen aufzudecken, müssen Sie im Detail recherchieren. Buchung für Buchung muss im Verdachtsfall aufgerollt, Belege müssen verglichen oder mit dem Terminkalender abgestimmt werden. Das ist mühsam und kostet sehr viel Zeit.
Manchmal fügen sich die Mosaiksteinchen erst langsam zu einem Bild zusammen, das es erlaubt, gegen den oder die Täter vorzugehen.
Natürlich gibt es nicht nur in der Buchhaltung und auf Management-Ebene Durchstechereien aller Art. Den "kleinen" Diebereien durch "einfache" Angestellte widmet sich der Beitrag "Wenn Angestellte stehlen: So reagieren Sie angemessen auf Diebstahl, Unterschlagung und Untreue im Unternehmen".
Straftaten im Unternehmen: Warnsignale und Szenarien
Allgemeingültige Regeln, mit denen man Betrüger gerade in der Buchhaltung leicht überführen könnte, gibt es kaum. Die Methoden zur Aufklärung müssen so kreativ sein wie die "Maschen" der Täter. In jedem Fall erforderlich sind Wachsamkeit und detaillierte Beobachtung. Ich möchte Ihnen trotzdem aus der praktischen Erfahrung einige typische Beispielszenarien und Warnsignale nennen, die Sie misstrauisch machen sollten.
