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Künstlersozialabgabe umgehen? Vorsicht mit Gefälligkeitsrechnungen

Als Dienstleister sollten Sie sich weigern, wenn Ihr Auftraggeber auf Ihr Risiko hin KSK-Abgaben sparen will.

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Stand: 22. Januar 2014 (aktualisiert)

Wer Aufträge an Künstler und Publizisten vergibt, muss auf die gezahlten Honorare eine Sozialabgabe von 5,2 Prozent an die Künstlersozialkasse abführen. Sparsame Auftraggeber verlangen mitunter von ihren Dienstleistern deshalb Rechnungen, die möglichst "unkünstlerisch" klingen. Sogar nachträgliche Rechnungskorrekturen werden mitunter verlangt. Aller Kundenorientierung zum Trotz: Bei solchen Wünschen ist dienstbeflissenes Entgegenkommen fehl am Platz. Wir sagen Ihnen auch, warum.

Obligatorische KSK-Prüfungen

Die Pflicht zur Zahlung der Künstlersozialabgabe besteht für Unternehmen und Institutionen aller Art bereits seit Jahr und Tag. Um mehr Beitragsgerechtigkeit herzustellen, versucht die Künstlersozialkasse seit einiger Zeit, die abgabepflichtigen Auftraggeber möglichst vollständig zu erfassen.

Zu diesem Zweck werden inzwischen bundesweit Erfassungsbögen verschickt: Außerdem haben die Prüfdienste der Deutschen Rentenversicherung (DRV, vormals: BfA) den Auftrag, bei ihren regelmäßigen Betriebsprüfungen auch die Fälligkeit der Künstlersozialabgabe zu kontrollieren und durchzusetzen. Da Arbeitgeber im Schnitt alle vier Jahre mit einer DRV-Prüfung rechnen müssen, gehen den Behörden regelmäßig säumige Beitragszahler ins Netz.

Künstlersozialkasse und KSK-Beitragspflicht: Vielseitige Informationen bei akademie.de


Wer ist Künstler oder Publizist im Sinne der KSK?

Einen ersten Anhaltspunkt, welcher Personenkreis juristisch als Künstler und Publizisten gilt, liefert § 2 Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG):

"Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Publizist im Sinne dieses Gesetzes ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt."

Welche Tätigkeiten im Einzelnen abgabepflichtig sind und welche Bestimmungen für spezielle Branchen gelten (z. B. Werbeagenturen oder Veranstalter), entnehmen Sie im Zweifel den "Informationsschriften für Unternehmen und Verwerter", die auf der KSK-Website zum Download bereitgestellt werden.

Leistungsart 'anpassen'?

Da es sich bei dem 5,2-prozentigen Zuschlag (Stand: 2014) auf die Honorare von Künstlern und Publizisten ja nicht gerade um Peanuts handelt, liegt die Überlegung nahe, von seinen Dienstleistern "unverdächtige" Leistungsbeschreibungen zu verlangen. Der gewerkschaftliche Freien-Informationsdienst "mediafon" berichtete beispielsweise, dass Lektoren aufgefordert wurden, im Rechnungstext statt der abgabepflichtigen Leistung "Lektorat" einfaches "Korrekturlesen" anzugeben.

Bei überwiegend ausführenden, "handwerklichen" Tätigkeiten ohne größeren kreativen Gestaltungsspielraum fällt die Abgabe nämlich nicht an. Das hat das Bundessozialgericht vor Jahren in einem Grundsatzurteil entschieden.

Solange die Bezeichnung der Leistungsart mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt, ist gegen eine Konkretisierung oder gar die nachträgliche Korrektur durch Ausstellen einer neuen Rechnung grundsätzlich nichts einzuwenden. Dem Auftragnehmer entsteht dadurch normalerweise ja auch kein Schaden.

Anders ist es, wenn der Wegfall des künstlerischen oder publizistischen Umsatzanteils die weitere Mitgliedschaft in der KSK gefährdet wird. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn dadurch ...

  • das Mindestjahreseinkommen aus künstlerischen oder publizistischen Tätigkeiten von zurzeit 3.900 Euro unterschritten oder

  • die Obergrenze nicht-künstlerischer/nicht-publizistischer Leistungen überschritten wird. Die liegt derzeit bei 5.400 Euro pro Jahr. Mit anderen Worten: Die nicht-künstlerischen/nicht-publizistischen "Nebentätigkeiten" von KSK-Mitgliedern dürfen aufs Jahr gesehen nicht den Umfang einer geringfügigen Beschäftigung überschreiten. (Mehr dazu im Beitrag "Künstlersozialkasse und Geringfügigkeitsgrenze für Nebenjobs".)

Ob Sie KSK-Mitglied sind, ist für die Abgabe unerheblich!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Abgabepflicht des Auftraggebers besteht völlig unabhängig davon, ob der einzelne Auftragnehmer KSK-Mitglied ist oder nicht! Es kommt nur auf die Art der Tätigkeit an und darauf, dass sie von einem Selbstständigen erbracht wird.

Nachträgliche Rechnungskorrektur

Sofern es nur um eine Richtigstellung oder Präzisierung von Art und Eigenschaft des Auftrags geht, die mit der Realität übereinstimmt, ist eine nachträgliche Rechnungskorrektur durchaus zulässig: Je nachdem, welche Auftragsverwaltung Sie verwenden ...

  • ... schicken Sie Ihrem Kunden entweder einfach ein korrigiertes Rechnungsdokument, in dem lediglich die Leistungsart im Rechnungstext geändert ist, oder

  • ... stellen Sie eine Gutschrift über die ursprüngliche Rechnung aus und schicken Ihrem Kunden zusätzlich eine neue Rechnung mit neuer Rechnungsnummer.

Die Gutschrift, das unbekannte Wesen

Was beim Ausstellen von Gutschriften zu beachten ist, entnehmen Sie dem Beitrag "Gutschrift: Vielseitiges Abrechnungs-Instrument".

Manipulationen ablehnen!

Verlangen Auftraggeber jedoch Gefälligkeitsrechnungen, die mit den tatsächlichen Gegebenheiten nicht übereinstimmen, sollten Sie sich dem unbedingt widersetzen: Schließlich machen Sie sich dadurch des (Sozial-)Betrugs mitschuldig. Dessen Entdeckung ist alles andere als unwahrscheinlich: Papier mag ja geduldig sein - eine manipulierte Rechnung ändert jedoch nichts an den zugrunde liegenden Geschäftsvorgängen. Und die können von den DRV-Prüfern im Zweifelsfall jederzeit einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden.

Ob der Auftragnehmer ...

  • den Werbetext nur korrigiert oder in Wirklichkeit eigenhändig geschrieben hat,

  • beim Betriebsfest als Clown oder Kellner aufgetreten ist oder

  • die Unternehmens-Website nicht bloß verwaltet, sondern vielmehr gestaltet hat,

... lässt sich nun einmal auch im Nachhinein relativ leicht feststellen.

Wichtig: "Schummeln" ist in Rechnungsdingen kein Kavaliersdelikt! Im schlimmsten Fall ist nicht nur eine eventuelle KSK-Mitgliedschaft gefährdet. Theoretisch droht sogar eine strafrechtliche Verfolgung als Betrugsdelikt nach § 263 StGB (auch bereits der Betrugsversuch ist strafbar).

Keine Honorarkürzungen hinnehmen!

Sollte Ihr Kunde auf die Idee kommen, die Künstlersozialabgabe einfach von Ihrem Honorar abzuziehen, müssen Sie das keinesfalls hinnehmen: Das Abwälzen der Beiträge auf Künstler oder Publizisten ist laut § 36a KSVG unter Hinweis auf § 32 SGB I verboten.

Fazit

Über Sinn und Unsinn der Künstlersozialversicherung und der dazugehörigen Sozialabgabe kann man durchaus geteilter Meinung sein: Dass der mehr als 5-prozentige Aufschlag auf sämtliche Honorare an Künstler und Publizisten kleine Unternehmen in ernste Bedrängnis bringen kann, ist unbestreitbar. Erst recht dann, wenn die Abgabe aus heiterem Himmel und noch dazu über mehrere Jahre rückwirkend verlangt wird.

Einzelne Auftragnehmer sind dafür jedoch nicht verantwortlich - ganz gleich, ob sie KSK-Mitglied sind oder nicht. Wer seinen Kunden freiwillig oder unter mehr oder weniger "sanftem" Druck Gefälligkeitsrechnungen ausstellt, leistet sich einen Bärendienst und bringt sich schlimmstenfalls sogar mit dem Gesetz in Konflikt.

Am besten bleiben Sie bei der Wahrheit - für andere Steuern und Abgaben müssen Sie als Auftragnehmer Ihren Kunden ja auch nicht Rechenschaft ablegen. Günstiger als die Beschäftigung von Arbeitnehmern ist die Auftragsvergabe an freie Künstler und Publizisten allemal: Immerhin liegt der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen bei abhängig Beschäftigten rund fünfmal so hoch.

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Wie soll man sich als selbstständiger Künstler verhalten, wenn ein
Unternehmen die KSK-Abgabe umgehen möchte und die Tätigkeit als Minijob deklarieren möchte?

Hallo Herr Chromow,
vielen Dank für die Antwort. WErd mich dann mal vor Ort schlau machen.

Mit freundlichem Gruß

G.B.

Hallo,
mit einer individuellen "Versicherung" eines Mitarbeiters hat die KSK-Abgabe nichts zu tun. Sofern die in o.g. Artikel genannten Voraussetzungen erfüllt sind, muss sie gezahlt werden. Wenn Sie der Auftraggeber (=Verwerter) eines Künstlers sind, ist es nicht auszuschließen, dass Sie abgabepflichtig sind. Im Allgemeinen muss jedoch der Veranstalter, der mit Ihnen den Vertrag schließt, die Abgabe für das gesamt Band-Honorar zahlen. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, fragen Sie am besten direkt bei der Künstlersozialversicherung nach:
(0 44 21) 75 43 - 9
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Wenn ich als Band (GbR) tätig bin, ist dann jedes Bandmitglied zu Zahlungen an die KSK verpflichtet oder betrifft das nur den Auftraggeber?
Wenn ich als Band einen Musiker beauftrage der Nicht Mitglied der GbR ist, muss ich diesen dann versichern (Aushilfssänger oder "angestellter" Sänger)?

Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Dass bestimmten Kreativen jahrelang der Zugang zur KSK verweigert worden ist, ändert nichts an der Tatsache, dass die Pflicht zur Zahlung der Sozialabgabe grundsätzlich seit Jahr und Tag besteht. Die Kunst- und Publizistikwelt wird ja nicht nur von Webdesignern bevölkert. :-)
Im Übrigen stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu: Webdesigner jahrelang mit aller Macht aus der KSK fernhalten, dann aber rückwirkend für Webdesign-Honorare die Sozialabgabe verlangen, ist absurd.
Mit freundlichenn Grüßen
Robert Chromow

Das die Pflicht bereits seit "Jahr und Tag" besteht ist nicht ganz korrekt formuliert.
Werbeagenturen und andere Kreative sind erst seit 2005 per Urteil bei der KSK als "Künstler" geführt.
Ich halte es deshalb für rechtlich äußerst zweifelhaft und argumentativ nicht begründbar, dass die KSK die Beiträge von den Kunden z.B. der Werbeagenturen rückwirkend bis in das Jahr 2002 einfordert.

Zur Erinnerung: Die KSK hatte sich bis zum Urteil des Bundessozialgerichtes 2005 vehement geweigert, z.B. Webdesigner als "Künstler" anzuerkennen und aufzunehmen.

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