KSK-versichert, aber "nicht-kreative" Nebeneinkünfte?

Wenn Sie außerhalb von Kunst und Publizistik zu viel verdienen, droht teurer Ärger mit der Künstlersozialkasse!

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Stand: 27. November 2013 (aktualisiert)

Selbstständige Nebeneinkünfte

Wenn Sie über die Künstlersozialversicherung versichert, gleichzeitig aber mit "nicht-künstlerischen" bzw. "nicht-publizistischen" selbstständigen Nebentätigkeiten mehr als 450 € im Monat verdienen, droht Ärger: Dann können Sie Ihren Versicherungsschutz über die KSK verlieren. Wir erklären die Vorschriften und geben Praxistipps. Außerdem erläutern wir, was für KSK-Mitglieder gilt, die nebenher abhängig beschäftigt sind.

In diesem Beitrag beantworten wir die Fragen:

  • Wann werden Nebeneinkünfte für KSK-Mitglieder zum Problem?

  • Wie können Sie Schwierigkeiten mit der Künstlersozialversicherung wegen Ihrer Nebentätigkeiten vorbeugen bzw. darauf reagieren?

  • Wann können Sie Nebentätigkeiten per Übungsleiterpauschale oder Ehrenamtsfreibetrag abrechnen?

  • Wie sieht es aus, wenn Sie neben Ihrer künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit als Angestellte/r jobben?

Eigene, werbefinanzierte Website? Keine Nebeneinkünfte, kein KSK-Problem!

Es bedurfte erst eines Urteils des Bundessozialgerichts, aber mittlerweile ist klar: Wer eigene Texte auf einer eigenen Website veröffentlicht und von den dort erzielten Werbeeinnahmen lebt, erzielt damit zwar gewerbliche Einkünfte, aber keine Nebeneinkommen im Sinne der KSK. Vielmehr sind auch "werbefinanzierte" Blogger und Online-Journalisten sehr wohl Pflichtmitglieder in der Künstlersozialkasse.

Mehr dazu: "Online-Journalisten und Blogger: KSK-Mitglied trotz werbefinanzierter Website".

Nebentätigkeiten und Geringfügigkeitsgrenze

Nebentätigkeiten sind für KSK-Versicherte prinzipiell erlaubt. Auch für KSK-Versicherte ist es grundsätzlich möglich, zwei (oder mehr) selbstständige Tätigkeiten nebeneinander auszuüben.

Sie können neben Ihrer künstlerischen bzw. publizistischen Tätigkeit etwa als Fotografin oder als Journalist gleichzeitig einen Scheinwerferverleih oder eine Imbissbude betreiben, Model oder Inhaber einer Lichttechnikfirma sein; dies sind übrigens alles nicht-künstlerische, gewerbliche Tätigkeiten. Auch als Zahnarzt könnten sie arbeiten, dies ist eine freiberufliche, nicht-gewerbliche Tätigkeit. All das ist prinzipiell kein Problem für die KSK.

Aber: Der Gewinn aus der zweiten Tätigkeit muss unter der Geringfügigkeitsgrenze von 450 €/Monat (= 5.400 €/Jahr) bleiben, damit Sie über die KSK in der Krankenversicherung versichert sein können (Stand 2013, bis einschließlich 2012 lag die Geringfügigkeitsgrenze bei 400 €/Monat.)

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Nebeneinkünfte

Sehr geehrter Herr Kuntz,

gilt die 450 Euro Grenze als Monatsgrenze oder darf die Jahresgrenze von 5.400 Euro nicht überschritten werden? Hatte in 2014 Nebeneinkünfte von 300 Euro im Monat bis einschließlich Juli aus gewerblicher Tätigkeit. Im August hat das Geschäft einmalig richtig gebrummt und ich habe 5.000 Euro verdient. Dann aber kam eine Flaute - sogar mit kleinen Verlusten von etwa 100 Euro im Monat ab September bis Dezember. Insgesamt lag mein Gewinn auf das Jahr hin gesehen bei ca. 6.500 Euro für die gewerbliche Tätigkeit. Persönlich meine ich, dass es sich um eine Monatsgrenze handeln müsste - ist ja auch beim Erziehungsgeld von Selbständigen so. Auch da geht es immer um die monatliche Bemessung und um Leistungsansprüche - oder auch bei der Frage von Kindergeld usw. Haben Sie da vielleicht eine Fundstelle für mich?

Antwort: Nebeneinkünfte

Guten Tag,
bei nicht-künstlerischen bzw. nicht-publizistischen selbstständigen (Neben-)Einkünften gilt die Geringfügigkeitsgrenze von 5.400 Euro pro Jahr. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im KSK-Info "Versicherung bei der KSK trotz (Neben-)Job"
http://www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/download/daten/Versicherte/V...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Freiberuflich (Ksk) und Gewerbe

Guten Abend,

Ich bin als freiberuflicher Tonmeister mit eigenem Equipment tätig und Ksk Mitglied. Ich schreibe GesamtRechnungen für meine Arbeit und meinen Technikeinsatz. Die Arbeit überwiegt hier natürlich und die ganze Rechnung wird als "freiberuflich" eingestuft.

Wenn ich selbst nicht arbeite, würde ich mein Equipment gern gewerblich an andere Firmen verleihen.

Was muss ich beachten außer, dass ich unter den 450 Euro/Monat Gewinn aus dem reinen Verleih Gewerbe bleibe und, dass meine freiberufliche Tätigkeit insgesamt überwiegt?

Vielen Dank!

Antwort: Freiberuflich (Ksk) und Gewerbe

Guten Tag,
andere als die von Ihnen aufgezählten Bedingungen brauchen Sie m. E. nicht zu beachten. Wenn Sie mit Ihrem Gewerbe aufs Jahr gesehen im Schnitt unter 450 Euro Gewinn pro Monat blieben und damit trotzdem mehr verdienten als mit der hauptberuflichen Freiberufler-Tätigkeit, entfiele die Versicherungspflicht möglicherweise bereits aufgrund von § 3 KSVG
http://www.gesetze-im-internet.de/ksvg/__3.html
Demnach ist versicherungsfrei ...
------------ Zitat ----------------
wer in dem Kalenderjahr aus selbständiger künstlerischer und publizistischer Tätigkeit voraussichtlich ein Arbeitseinkommen erzielt, das 3.900 Euro nicht übersteigt.
----------Zitat-Ende --------------

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

KSK Problematik GBR und UG

Hallo in die Runde

ich bin selbstständiger Grafikdesigner und die Tätigkeiten machen ca. 95% meiner Einnahmen aus. Zusätzlich bin ich zu 10% an einer GBR beteiligt EDV Service für die ich grafische Leistungen durchführe.
Die Gerinfügigkeit in der GBR wird nicht überschritten. Also erstmal überhaupt keine Probleme.

Wie sieht es aus, wenn ich die GBR in eine UG umwandele und dann zu 45% daran beteiligt bin, nicht mehr mitarbeitend. Insgesamt wäre das dann gewerblich. Aber ich arbeite in diesem Fall weder mit, kein Geschäftsführer, kein Gehalt. Ende des Jahres erhalte ich eine Dividente oder Auszahlung. Dies sind in diesem Fall Kapitalerträge. Wie sieht das die KSK?

Antwort: KSK Problematik GBR und UG

Guten Tag,
die Tragfähigkeit der von Ihnen geplanten Umwandlung kann ich nicht beurteilen. Grundsätzlich ist im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG)
http://www.gesetze-im-internet.de/ksvg/
jedoch nur von "Arbeitseinkommen" die Rede: Kapitaleinkünfte sowie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung bleiben demnach außen vor.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Chromow

KSK plus Unternehmensgesellschaft

Hallo. Das bedeutet also: Ich kann eine UG (haftungsbeschränkt) gründen. Kann deren Inhaber sein. Darf mir aber kein Gehalt zahlen. Sondern nur die Gewinne auszahlen lassen, da Kapitaleinkünfte. Sehe ich das so richtig? Oder kann man sich auch als geschäftsführender Inhaber ein Gehalt zahlen und gleichzeitig in der KSK versichert sein? MfG P. Kraus

Umsatzsteuerpflicht

wie sieht es aus mit der umsatzsteuerpflicht, wenn man einerseits künstlerisch tätig ist, andererseits eine wohnung als ferienwohnung vermietet. werden beide gewinne zusammengerechnet, oder getrennt betrachtet, wenn es darum geht, ob man die grenze von 17.500€ erreicht, die für die umsatzsteuerpflicht relevant ist?
vielen dank!

Antwort: Umsatzsteuerpflicht

Guten Tag,
die Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro gilt für alle steuerpflichtigen Umsatzerlöse zusammengenommen.
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Einkünfte aus Mieteinnahmen

hallo,
wie sieht es aus mit Nebeneinkünften aus Mieteinnahmen aus einer als Ferienwohnung vermieteten Eigentumswohnung? Dürfen diese Einnahmen auch die 410€/Monat nicht überschreiten, oder betrifft das die KSK nicht?
Und wie wäre es, wenn diese Einnahmen nicht aus Ferienvermietung, sondern aus normaler Vermietung kämen?
Vielen Dank und herzliche Grüße,
Max

Antwort: Einkünfte aus Mieteinnahmen

Guten Tag,
(Neben-)Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder auch Kapitaleinkünfte spielen in Bezug auf die Versicherungspflicht oder die Beitragshöhe im Rahmen der Künstlersozialversicherung m. W. keine Rolle. Am besten fragen Sie bei der KSK-Hotline einmal nach: Die
Rufnummer lautet: 0 44 21 / 97 34 05 15 00 (Montag bis Freitag von 9:00 bis 16:00 Uhr).

Ach so: Die Obergrenze für geringfügige Nebenbeschäftigungen oder geringfügige nicht-künstlerische / nicht-publizistische Nebentätigkeiten liegt seit diesem Jahr bei (insgesamt) 450 Euro / Monat.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

antwort

vielen dank für ihre antwort!
beste grüße!

Nebeneinkünfte

Ich weiss garnicht wie man von so wenig Nebeneinkünften leben soll wenn man zum, Beispiel wie ich momentan ca 10.000 EUR im Jahr mit künstlerischer Tätigkeit verdient. Gerade am Anfang ist es doch schwierig, aber dann kommt man in die Lage doch mehr nebenher verdienen zu müssen ... und schon kann man auch noch Krankenkasse selber zahlen und ist vollends ruiniert.

Ich muss jetzt für 2012 und wahrscheiinlich auch für 2011 angeben dass ich nebenher zuviel habe und darf mich rückwirkend krankenversichern, selbst 2011 bin ich knapp über dem Betrag von 450 EUR / monatlich.

Was würdet Ihr empfehlen ?

Antwort: Nebeneinkünfte

Hallo,
vorweg: Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich - daher nur ganz allgemein:
1. Für die Jahre 2011 und 2012 lag die Geringfügigkeitsgrenze nicht bei 450 Euro pro Monat, sondern nur bei 400 Euro pro Monat.
2. Bei einer geringfügigen nebenberuflich selbstständigen Tätigkeit dürfen Sie von den Einnahmen aber noch die Betriebsausgaben abziehen!
3. Zumindest auf den Gewinn des Jahres 2012 haben Sie ja noch Einfluss, wenn Sie die Steuererlärung noch nicht abgegeben haben.
4. Falls Sie die Einkommensgrenze trotzdem überschreiten, droht kein rückwirkender Ausschluss aus der KSK: Überschreitungen haben m.W. nur Auswirkungen auf die Zukunft. In der einschlägigen KSK-Broschüre zum Thema Nebeneinkünfte ...
http://www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/download/daten/Versicherte/V...
... heißt es dazu:
"[...] bei Ausübung einer nicht künstlerischen / nicht publizistischen selbständigen Nebentätigkeit, die mehr als geringfügig ist (die also zur Überschreitung einer bestimmten Einkommensgrenze1) führt), zu einschneidenden Konsequenzen in der sozialen Absicherung. In diesem Fall ist nämlich eine _weitere_ [!] Durchführung der Kranken- und Pflegeversicherung über die KSK nicht möglich."
An Ihrer Stelle würde ich in Zukunft genauer auf die Einhaltung der Geringfügigkeitsgrenzen achten. Falls Sie die KSK von sich aus über die geringen Überschreitungen der Geringfügigkeitsgrenzen informieren wollen, sollten Sie sich zuvor auf jeden Fall sachkundigen Rat holen. Eine bewährte Anlaufstelle ist z.B. die gewerkschaftliche "Freien"-Beratung mediafon:
http://www.mediafon.net/
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kommt für mich zu später trotzdem Danke!

Hallo Herr Kuntz, danke für den Artikel :-) Kommt für mich zwar 3 Jahre zu spät aber finde ich wichtig, dass da mal jeder drüber aufklärt. Bei ist mir ist das mit der KV nur an 20 EUR im Monat gescheitet, ich hatte nämlich 420 EUR im Schnitt und fand die REaktion der KSK ziemlich übel.

Mfg Helma Spona

Aktualität des Beitrages

Sehr geehrter Herrn Kuntz,der o.a. Beitrag muss dringend aktualisiert werden, wg. neuer Beitragsbemessungsgrenzen in 2013 und Tippfehlern im alten Beitrag (33.00 Euro ...)

Sie hatten völlig recht - jetzt sind die Zahlen aber aktuell

hallo,

Sie haben völlig recht, die Zahlen waren noch nicht angepasst, und dazu die fehlende Null - Entschuldigung.

Jetzt müsste es aber wieder stimmen.

beste Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion

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