Künstlersozialkasse: Die KSK bietet günstige Sozialversicherung für selbstständige "Kreative"

Wie die Krankenversicherung und Rentenversicherung per KSK funktioniert und welche Freiberufler "reinkommen"

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Stand: 21. Januar 2015 (aktualisiert)

Selbstständige "Kreative" - Journalisten, Musiker, Schauspieler, Maler und manche (Kunst-)Handwerker, aber auch Freelancer aus der Medien-, Werbe- und IT-Branche - können sich in vielen Fällen über die Künstlersozialkasse absichern. Staat und Verwerter übernehmen die Hälfte der Versicherungsbeiträge. Wir erläutern die Voraussetzungen und Konditionen der Pflichtmitgliedschaft.

Wer im weitesten Sinne künstlerisch oder publizistisch tätig ist und eine günstige Möglichkeit der Sozialversicherung sucht, sollte unbedingt die Konditionen der Künstlersozialkasse (KSK) unter die Lupe nehmen.

Die vor gut 30 Jahren ins Leben gerufene KSK selbst ist keine Versicherung, sondern eine eigenständige Abteilung der Bundesverwaltung, die ...

  • das Vorliegen der Versicherungspflicht (!) nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) prüft,

  • die Versicherten bei den zuständigen Kranken- und Pflegekassen sowie Rentenversicherungsträgern anmeldet und

  • die Beiträge von Versicherten, die Künstlersozialabgabe abgabepflichtiger Unternehmen und den Bundeszuschuss einzieht und verteilt.

KSK-Vorteile

Wer zur Gruppe der versicherungspflichtigen Künstler und Publizisten gehört, hat grundsätzlich zwei große Vorteile:

  1. Die Sozialversicherungsbeiträge richten sich - anders als bei vielen freiwillig versicherten Selbstständigen - grundsätzlich nach dem tatsächlichen Einkommen. Die Beiträge werden Jahr für Jahr auf Basis des vom Mitglied selbst geschätzten Einkommens festgesetzt. Die Beitragssätze entsprechen denen von Arbeitnehmern in der gesetzlichen Sozialversicherung.

  2. Wie ihre angestellten Kollegen erhalten die KSK-Mitglieder einen 50-prozentigen "Arbeitgeberanteil": Der wird zu 60 Prozent aus der Künstlersozialabgabe bestritten (die zum Beispiel von Verlagen, Rundfunk- und TV-Sendern und Werbeagenturen gezahlt wird - aber auch von anderen Selbstständigen und Unternehmern, die Aufträge an Kreative vergeben). Der Rest des Zuschusses kommt aus der Bundeskasse.

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Hallo TP,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anftrage: Einzelne nebenberufliche Beschäftigungen "auf Lohnsteuerkarte" widersprechen einer KSK-Pflichtmitgliedschaft grundsätzlich nicht. Entscheidend ist, ob Sie hauptberuflich als selbstständiger Künstler oder Publizist arbeiten. Allgemeine Informationen über die Abgrenzung zwischen Haupt- und Nebenberuf finden Sie in folgendem Beitrag:
http://www.akademie.de/direkt?pid=12325
Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Berufsverband, einem unabhängigen Sozialversicherungsberater oder direkt mit dem Service-Center der Künstlersozialkasse:
http://www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/kontakt/index.php
Alles Gute und weiterhin viel Erfolg
Robert Chromow

Hallo, eine Frage, können auch Schauspieler, die Engagements (z.B. Filmproduktionen für TV) über die Lohnsteuerkarte abwickeln m ü s s e n auch Mitglied in der KSK sein. Und: Wenn nicht, welche Alternatvien gibt es für sie (Abwicklung nur gegen rechnung? Ich bedanke mich schon jetzt für Ihre bemühungen. MFG TP

Hallo,
im Beitrag heißt es jetzt:
"Der nachträgliche Einkommensnachweis muss durch Vorlage der Gewinn- und Verlustrechnungen und / oder die Einkommensteuerbescheide der Vorjahre erbracht werden. Bei Abweichungen von den zuvor gemeldeten Einkünften drohen ab dem Beitragsjahr 2007 Zuschuss-Rückzahlungen. Bei gravierenden Verletzungen der Informations- und Mitwirkungspflichten sind wie bisher Bußgelder und KSK-Ausschlüsse möglich."
Danke für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ja Danke, so liest es sich deutlicher. Der Passus oben in dem Artikel ist eventuell missverständlich, auch für andere Leser. Beste Grüße

Dankeschön für die Nachfrage, die Rechtslage sellt sich aus meiner Sicht so dar:
1. Grundsätzlich sieht das deutsche Sozialversicherungsrecht keine nachträglichen Beitragsanpassungen vor. Daran ändert auch das neue KSVG nichts.
2. Allerdings findet sich dort nun ein §10b, durch den der Beitrags*zuschuss* der KSK "mit Wirkung für die Vergangenheit zu Ungunsten des Zuschussberechtigten zurückgenommen werden kann, wenn die Meldung ... in wesentlicher Beziehung unrichtige Angaben enthält."
3. Für die Jahre bis einschließlich 2006 kann der Beitragszuschuss mangels gesetzlicher Grundlage noch nicht widerrufen werden. Bei gravierenden Verletzungen der Informationspflicht drohen jedoch Bußgelder und KSK-Ausschluss.
4. Für Jahre ab 2007 gibt es dann die Möglichkeit des Zuschuss-Widerrufs. Außerdem sind weiterhin Bußgelder und Ausschlüsse möglich.
5. Die vierjährige Offenlegungspflicht gilt auf jeden Fall.

Beantwortet das Ihre Frage!? Wenn ja werde ich den von Ihnen zitierten Beitragspassus entsprechend formulieren.
Danke für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo, Herr Chromow,

wie lässt sich aber Ihre letzte Antwort in Einklang bringen mit der in dem Text oben zitierten Passage?? Danke für Ihre Antwort im Voraus.

"Achtung verschärfte Prüfpraxis

An dieser Stelle setzt die Mitte Mai endgültig beschlossene Novelle des Künstlersozialversicherungsgesetzes an: Die KSK wird die Auskünfte ihrer Mitglieder über das voraussichtliche Arbeitseinkommen künftig systematisch überprüfen.

Zusätzlich zum jährlich im Herbst verschickten Fragebogen über das im Folgejahr erwartete Einkommen bekommt jeweils ein Teil der Versicherten die Aufforderung, ihr tatsächliches Einkommen der letzten vier Jahre offenzulegen. Die Stichprobe soll nach dem Willen des Gesetzgebers deutlich größer sein als bei den bisherigen KSK-Betriebsprüfungen.

Der nachträgliche Einkommensnachweis muss durch Vorlage der Gewinn- und Verlustrechnungen und / oder die Einkommensteuerbescheide der Vorjahre erbracht werden. Bei Abweichungen von den zuvor gemeldeten Einkünften sind rückwirkende Beitragsanpassungen und damit hohe Nachzahlungen möglich. Bei gravierenden Verletzungen der Informations- und Mitwirkungspflichten droht sogar der Ausschluss aus der KSK."

Danke, so ist alles klar. Ab jetzt nehme ich einfach mindestens den Umsatz vom letzten Jahr. Und werde Ihnen berichten, falls ich etwas relevantes in der Hinsicht erleben sollte, es belief sich ja bei mir alles eher in sehr bescheidenem Rahmen.

Hallo,
die jetzt beschlossene Gesetzesänderung gilt ab dem Jahr 2007 und auch nur für Jahre ab 2007. Beitragsnachzahlungen und Zuschussrückforderungen für Jahre vor 2007 sind daraufhin m. E. nicht zu befürchten. Welche Sanktionen drohen, lässt sich aber nur in Kenntnis des Einzelfalls beurteilen.
Im Übrigen bitte ich Sie, einfach meinen vorherigen Kommentar noch einmal zu lesen.
Danke und freundliche Grüße
Robert Chromow

Lieber Herr Chromow,

besten Dank für Ihre Mitteilung.

Tatsächlich erhielt ich genau diese Ratschläge von meiner hier ansässigen „Künstler- und Medienberatung der KSK“, die mich hier vor Ort seit Eintritt in die KSK "betreut". Der bisherige Berater hat das Unternehmen inzwischen verlassen, wie ich heute bei meinem Anruf erfahren habe, aber auch die Chefin hatte dies immer so bestätigt hat(schriftlich habe ich es nicht).

Insbesondere im Zusammenhang mit den entgangenen Beitrgaszuschüssen war dieser Rat ja ein echter "Bärendienst". Dumm, dass ich mich vorher nicht genauer damit befasste.

Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Aussagen richtig verstanden habe, bitte kommentieren sie entsprechend:

Für Jahre mit zu gering geschätzter Einkommenserwartung muss der Versicherte gegebenenfalls rückwirkend die Beiträge auf das tatsächliche Einkommen bezahlen.

Den Beitrgaszuschuss der KSKt es auf diese Nachzahlungen gibt es nachträglich nicht.

Der bisher von der KSK bereits entrichtete Beitragszuschuss auf Jahre mit zu gering geschätztem Einkommen kann auch nachträglich gestrichen werden, dh muss zurückerstattet werden???

Mit freundlichen Grüßen

Hallo,
die Ihnen von der KSK (?) erteilten Ratschläge sind in der Tag bemerkenswert: Immerhin war "Beitragsehrlichkeit" der Versicherten auch bisher schon wichtig für das Überleben der KSK...

Zu Ihren Fragen: Grundsätzlich stimmt die Aussage, derzufolge rückwirkende Beitragskorrekturen in der Sozialversicherung nicht vorgesehen sind. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts.
Allerdings enthält das neue KSVG einen §10b, durch den der Beitrags*zuschuss* "mit Wirkung für die Vergangenheit zu Ungunsten des Zuschussberechtigten zurückgenommen werden kann, wenn die Meldung ... in wesentlicher Beziehung unrichtige Angaben enthält."
Sofern die Beitragsmeldungen in den Jahren bis 2006 nicht allzu gravierend von der Realität abgewichen sind (was in besonders schweren Fällen immer schon zu Bußgeldern führen konnte), müssen Sie sich also vermutlich keinen grauen Haare wachsen lassen. Für die Zukunft ist aber deutlich mehr Realitätsbezug bei der Beitragsmeldung gefordert...
Die (Nach)Zahlungen der Versicherten und Abgaben der Verwerter fließen in die Kassen der Sozialversicherungen. Sollte sich das Beitrags- und Abgabenaufkommen aufgrund der geänderten Rechtslage gravierend ändern, wäre eine Senkung der Verwerterabgabe und / oder des Bundeszuschusses denkbar. Aber das ist reine Spekulation.
Zu Ihrer letzten Frage: Durch die nachträgliche Streichung des Zuschussanteils bei unzutreffenden Angaben in der Vergangenheit, erübrigt sich die Hoffnung auf das "Glück im Unglück"... :-)
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Lieber Herr Chromrow,

Im Zusammenhang mit den angekündigten verschärften Kontrollen der KSK lässt sich kritisieren, dass die KSK sowohl die Verwerter als auch ihre Versicherten bisher äußerst dürftig informierte, und so nun berechtigt wird, „voll zuzuschlagen“, indem rückwirkend auf 4 bzw. 5 Jahre „abgerechnet“ werden kann.

Insbesondere die praktizierte Beitragsbemessung der Versicherten aufgrund einer freiwilligen Einkommensschätzung ist im Nachhinein geradezu irreführend gehandhabt worden. Hier riet mir meine „Künstler- und Medienberatung der KSK“ regelmäßig, lieber einen niedrigen Satz anzugeben, denn „rückwirkende Änderungen sein ja nicht möglich“. Man gab mir ausdrücklich die Empfehlung „versichert sind Sie dann ja sowieso, und die paar Euro Rentenversicherung legen Sie besser in eine private Versicherung“.

In Anbetracht dieser Handhabung stellt sich die Fragen:

• Auf welcher Rechtsgrundlage können die Beiträge nun auf einmal sogar auf 4 Jahre rückwirkend „angepasst“ sprich nachträglich erhöht/eingefordert werden

• Wohin fließen die Gelder, die jetzt durch die massive Kontrollen/Nachzahlungen der Versicherten und Verwerter eingetrieben werden?

• Werden die nachträglich eingetriebenen Beiträge der Versicherten an die RV und KV weitergeleitet?

• Und damit die wirklich spannende Frage: Muss die KSK dann auch anteilig den selben Betrag zusätzlich „nachträglich“ an die PV und KV abführen?

Wenn letzteres nicht der Fall ist, würde sich die vorher geschilderte „Beratung“ der KSK-Servicebüros ja als äußerst vorteilhaft für die KSK erklären.

Danke für Aufmerksamkeit und Antwort im Voraus.

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