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Kunde insolvent - was nun?

Wie Sie als Gläubiger rechtzeitig von der Zahlungsunfähigkeit erfahren

Wer glaubt, im Falle einer Insolvenz eines Kunden nichts unternehmen zu müssen oder zu können, vergibt seine Chancen und verschenkt möglicherweise Geld.

Wenn sich die Anzeichen mehren, dass Ihr Kunde sich in ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten befindet, dann hat das Wettrennen der Gläubiger um die Geltendmachung ihrer Forderungen schon begonnen. Jetzt gilt das Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Wer als Erster einen vollstreckbaren Titel in der Hand hält und daraus die Zwangsvollstreckung betreibt, der hat (noch) Chancen, sein Geld zu bekommen.

Doch im Normalfall gehen die Gläubiger leer aus, weil nichts mehr zu holen ist - der Kunde ist "pleite".

Insolvenzverfahren als Gläubiger-Chance - den Antrag können Sie auch selbst stellen

Vielen Gläubigern ist gar nicht bekannt, dass sie, wenn die Voraussetzungen vorliegen, selbst Insolvenzantrag stellen können und nicht warten müssen, bis der Schuldner das tut.

Damit lässt sich verhindern, dass Ihnen andere, konkurrierende Gläubiger zuvorkommen, indem sie ihre Forderungen per Einzelvollstreckung in das verbliebene Schuldnervermögen befriedigen. Sinn und Zweck des Insolvenzverfahrens ist es nämlich, das vorhandene Schuldnervermögen gleichmäßig unter den Gläubigern aufzuteilen.

Außerdem erhöht ein rechtzeitig eingeleitetes Insolvenzverfahren die Chancen, das insolvente Unternehmen doch noch zu sanieren, womit auch Ihre Chancen als Gläubiger steigen, wenigstens einen Teil Ihres Geldes zu bekommen.

Welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um das Insolvenzverfahren zu beantragen, das steht im Beitrag "Überschuldung, Insolvenzreife und Geschäftsführerhaftung".

Eile tut not: Wer als Gläubiger seine Forderung zu spät geltend macht, geht leer aus!

Alarmzeichen gibt es meist genug: Zahlungsverzögerungen und Stundungsersuchen gehen einer Insolvenz lange voraus. Doch wie erfahre ich, dass mein Kunde tatsächlich Insolvenz angemeldet hat?

Liegt einer der Insolvenzgründe vor - eine Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO), eine drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) oder - bei juristischen Personen - auch "nur" eine Überschuldung (§ 19 InsO) - erfolgt die Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch Beschluss des Insolvenzgerichts. Der Antrag kann, wie erwähnt, vom Schuldner selbst oder einem Gläubiger gestellt werden.

Der Eröffnungsbeschluss wird öffentlich bekannt gemacht. Außerdem wird er auch jenen Gläubigern zugestellt, von denen das Gericht Kenntnis hat.

Die öffentliche Bekanntmachung der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, die heute im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de erfolgt, gilt als Zustellung an alle in Betracht kommenden Gläubiger (gemäß § 9 Abs. 3 InsO).

Deshalb gilt es Augen und Ohren aufzusperren, sobald sich beim Kunden die ersten Zahlungsschwierigkeiten andeuten. Dann sollten Sie die oben genannte Website regelmäßig besuchen, um rechtzeitig informiert zu sein, falls das Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Freilich führt nicht jede vorübergehende Zahlungsstockung gleich in die Insolvenz. Aber ein regelmäßiger Blick in die Insolvenzbekanntmachungen, der übrigens völlig kostenfrei ist, kann vor erheblichen finanziellen Einbußen schützen, wie wir gleich noch sehen werden.

Mit dem Eröffnungsbeschluss wird das Insolvenzgericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter einsetzen und ggf. Sicherungsmaßnahmen ergreifen. Eine der Aufgaben des Insolvenzverwalters besteht darin, sich einen Überblick über die Außenstände zu verschaffen.

Zusätzlich kann das Insolvenzgericht mit dem Eröffnungsbeschluss eine Postsperre veranlassen, was zur Folge hat, dass der Insolvenzverwalter jedes für den Schuldner (genauer: für dessen Geschäftsbetrieb) bestimmte Schreiben erhält.

Doch verlassen sollten Sie sich darauf besser nicht - es bedeutet nicht, dass Ihre unbezahlten Rechnungen quasi automatisch vom Insolvenzverwalter erfasst werden. Nicht selten gestaltet sich die Bestandsaufnahme der offenen Forderungen ausgesprochen schwierig, weil die Unterlagen des Schuldners unvollständig sind oder ganz fehlen. Selbst wenn Sie regelmäßig gemahnt haben, ist nicht gewährleistet, dass der Insolvenzverwalter Kenntnis von Ihrer offenen Forderung erlangt.

Im schlechtesten Fall kann es passieren, dass Sie leer ausgehen: Nach dem Schlusstermin können Sie Ihre Forderung nicht mehr beim Insolvenzverwalter anmelden.

Dieses Versäumnis hat beträchtliche Konsequenzen. Handelt es sich bei dem insolventen Schuldner beispielsweise um eine GmbH, dann wird diese gemäß § 60 Abs. 1 GmbHG mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bzw. mit Abweisung des Verfahrens mangels Masse aufgelöst. Sie haben dann also keine Gelegenheit mehr, Ihre Forderung überhaupt noch geltend zu machen (abgesehen von einer Durchgriffshaftung bei Geschäftsführern oder Gesellschaftern, die aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gegeben ist).

Eine Forderungsanmeldung nach dem Schlusstermin scheidet selbst dann aus, wenn Sie als Gläubiger von dem Insolvenzverfahren keine Kenntnis hatten, weil der Schuldner Sie nicht als Gläubiger benannt hat. Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass Sie keine Kenntnis von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hatten, trifft Sie als Gläubiger. Dies stellt auch der BGH in einer Entscheidung (16. Juli 2009, IX ZR 118/08) unmissverständlich klar.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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