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Kurzgeschichten schreiben: Formen und Varianten von Kurzgeschichten

Kurzgeschichten bieten immense Gestaltungsspielräume. Nutzen Sie sie!

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Stand: 29. Juni 2012

Wenn Sie Kurzgeschichten schreiben, können Sie mit relativ wenig Aufwand viel Neues erproben. Schreibanfänger, aber auch Profis, nutzen Short Storys, um das Schreiben von Geschichten zu üben und neue Figuren, Plots, Welten (etwa bei Science Fiction oder Fantasy) oder Stilmittel zu testen. Auch was die Länge "nach unten" angeht, sind bei Kurzgeschichten (fast) keine Grenzen gesetzt.

Spielen Sie!

„Man kann größere Risiken eingehen und Neues ausprobieren. Ich habe sogar einmal einen Youdunnit geschrieben, in dem der Leser den Mord beging“, sagte der Krimiautor Peter Lovesey in einem Interview.

Tun Sie es Lovesey gleich, gehen Sie Risiken ein und versuchen Sie etwas – zumindest für Sie – Neues:

  • Wählen Sie eine ungewohnte Perspektive. Erzählen Sie einen Krimi aus der Sicht des Täters oder des (vermeintlichen?) Opfers.

  • Wechseln Sie – ausnahmsweise – die Erzählperspektive mitten in der Geschichte.

  • Enthüllen Sie erst am Schluss, wer da berichtet, also der Ich-Erzähler ist.

  • Testen Sie, wer sich als Serienfigur eignet, über wen Sie gern schreiben beziehungsweise wessen Geschichten Leser besonders lieben.

  • Schreiben Sie eine Geschichte ohne oder mit wenig Dialog oder eine, die (fast) ausschließlich aus wörtlicher Rede besteht.

  • Erzählen Sie Geschichten spannend, gruselig, melodramatisch und/oder mit Humor.

  • Verfassen Sie für Sie ungewohnt kurze oder lange Geschichten oder Texte mit einer vorher festgelegten Zahl von Anschlägen.

  • Schreiben Sie gemeinsam mit anderen AutorInnen eine Geschichte, so wie diese Schriftstellerinnen.

  • Schreiben Sie in einem anderen Genre. Fantasy statt Krimi, Liebesgeschichte statt Science Fiction.

  • Und natürlich ist es nie verkehrt, das Ende möglichst überraschend zu gestalten.

Sicher fällt Ihnen noch mehr ein.

Starthilfen für Geschichten

Was wäre ein Autor ohne Ideen? Vielleicht sammeln Sie bereits Zeitungsartikel über bizarre Geschehnisse oder notieren sich, wenn Ihnen im Alltag etwas Interessantes aufgefallen ist. Doch manchmal fehlt einfach der zündende Funke. Deshalb hier einige Vorschläge:

Beginnen Sie ausnahmsweise mit dem Titel. Der Amerikaner Dean Wesley Smith hat sich die Aufgabe gestellt, 100 Short Storys zu schreiben. Ausgangspunkt ist immer eine zusammengesetzte Überschrift, die jeweils aus der ersten und der zweiten Hälfte der Titel zweier älterer Storys besteht. Diese findet Smith in Verzeichnissen von Science-Fiction- und Krimi-Geschichten. Seine erste Story hieß entsprechend „The Smoke That Doesn’t Bark“, eine andere „She Arrived Without a Song“. Das können Sie auch. Kombinieren Sie einfach Anfänge und Enden von Buchtiteln, die Sie in Verzeichnissen oder auf Websites finden.

Eine Variante der vorherigen Methode: Gehen Sie zur Website des Projekt Gutenberg und suchen Sie sich, vielleicht bei einem Ihnen unbekannten Schriftsteller, einen Titel aus, der Sie inspiriert. Ist die Geschichte fertig, können Sie sie anders nennen, wenn Sie möchten.

Zum Weiterlesen:

Oder lassen Sie sich vom Thema eines Schreibwettbewerbs inspirieren. Wo Sie solche Wettbewerbe finden können, steht im Beitrag "Kurzgeschichten schreiben: Regeln und Veröffentlichungsmöglichkeiten".

Auf einer Schreibwebsite für Kinder findet sich folgender Tipp: Man beginne den ersten Satz mit „als“ und schildere in diesem Nebensatz etwas ganz Normales und im anschließenden Hauptsatz etwas Unerwartetes. Zum Beispiel so: „Als sie über die Brücke ging, erblickte sie im Wasser etwas so Schreckliches, dass sie zurücktaumelte und aufschrie.“ Vielleicht schreiben Sie den ersten Satz später sogar um, wenn er seinen Zweck, eine Geschichte anzustoßen, erfüllt hat.

Weitere Ideen finden Sie zum Beispiel in dem Post „Story-Starters: Ten Ways to Jump-Start Your Plot“ von Anne Marble und in dem Buch Was wäre, wenn... (What if?): Kreative Schreibübungen für Schriftsteller von Anne Bernays und Pamela Painter.

Aufgabe:

Was würden Sie gerne einmal ausprobieren? Tun Sie's.

Kürzestgeschichten: Flash Fiction und Co.

Wenn Sie Extreme lieben, ist vielleicht das Folgende etwas für Sie: kurze und ultrakurze Kurzgeschichten.

Ein Beispiel ist die so genannte Flash Fiction. Was damit gemeint ist, erklärt dieser Wikipedia-Beitrag. Einfach gesagt: Bei Flash Fiction beschränkt der Autor sich gewöhnlich auf eintausend Wörter oder weniger.

Doch es geht noch viel knapper. Sehr kurz müssen Texte (nicht unbedingt Geschichten) sein, damit sie in die Schachteln für die Literaturautomaten passen. (Hier können Sie sich mit eigenen Texten bewerben.)

Bei den so genannten Drabbles sollen es genau 100 Wörter sein.

Ganze 55 Wörter stehen Ärzten bei diesem amerikanischen Projekt zur Verfügung, um Schlüsselerfahrungen zu schildern.

Vielleicht inspiriert Sie dieser Post der Krimiautorin Margot Kinberg: The Pen's in My Hand, Ending Unplanned. Darin geht es um Kurzkrimis sowie um eine interessante Idee: Kürzestkrimis aus 50 Wörtern.

Auch das ist Ihnen noch zu lang? Dann versuchen Sie einmal, ein Geschichte in Tweet-Länge, sprich: 140 Zeichen, oder in sechs Wörtern zu schreiben.

Eine andere Art, den Umfang einer Geschichte zu begrenzen, besteht in der Lesezeit. Die Minutennovellen von István Örkény sollen zum Beispiel – erraten – maximal eine Minute beanspruchen.

Solche strengen Vorgaben eignen sich besonders gut, um die Kreativität anzuregen. Wie sagte schon Goethe (in einem Sonett zum Thema Sonett)? „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“

Aufgabe:

Versuchen Sie sich selbst einmal an einer (ultra)kurzen Kurzgeschichte. Lassen Sie Ihre Kreativität(smuskeln) spielen.

Kostenlose Kurzgeschichten im Internet

Lassen Sie sich von Ihren Lieblingsautoren und -autorinnen inspirieren, von der Vielfalt ihrer Geschichten, der Themen, Charaktere und Erzählweisen. Lernen Sie von ihnen. Lesen Sie möglichst viele Kurzgeschichten und überlegen Sie, was Ihnen gefällt – und was nicht.

Hier einige Hinweise, wo im Internet Sie (kostenlose) Kurzgeschichten lesen können:

  • Beim Projekt Gutenberg finden Sie jede Menge urheberrechtsfreie Texte von Autoren und Übersetzern, die seit mindestens 70 Jahren tot sind, darunter natürlich auch Kurzgeschichten. Schauen Sie zum Beispiel einmal unter Tschechow oder Kafka nach. Für englischsprachige Geschichten gibt es entsprechend das Project Gutenberg.

Einzelne Autoren „spendieren“ ihren Fans ebenfalls Kurzgeschichten:

Aufgabe:

Lesen Sie, was Sie schreiben wollen. Wenn Sie beispielsweise Kurzkrimis schreiben möchten, studieren Sie solche Short Storys. Überlegen Sie, was Ihnen gefällt und was nicht und warum beziehungsweise warum nicht. Schauen Sie sich an, wie der Autor oder die Autorin die Geschichte beginnt und beendet, wie sie Spannung, Mitleid und andere Gefühle im Leser erzeugt und wie sie Dialoge lebendig gestaltet.

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Über die Autorin:

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Ingrid Glomp ist seit 1991 als freie Journalistin tätig - aus Überzeugung und mit Begeisterung und für alle Arten von Printmedien sowie das Fernsehen. Heute arbeitet sie als Wissenschaftsjournalistin ...

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