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Kurzgeschichten schreiben: Was Sie wissen sollten, ehe Sie eine Kurzgeschichte schreiben

Was gute Kurzgeschichten ausmacht und wie Sie einen Einstieg ins Schreiben finden

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Stand: 25. Juni 2012

Kurzgeschichten erfreuen sich bei vielen Lesern und Schriftstellern großer Beliebtheit. Autoren-Neulingen bieten sie einen guten Einstieg ins Fiction-Schreiben. Hier erfahren Sie, welche Vorteile Kurzgeschichten mit sich bringen und was eine gute Kurzgeschichte ausmacht. Wer will, kann das Gelernte gleich erproben und selbst eine Kurzgeschichte schreiben.

Vielleicht lieben Sie Kurzkrimis oder andere Short Storys und es reizt Sie schon länger, selbst einmal eine Kurzgeschichte zu schreiben? Oder Sie möchten erst ein paar Probeläufe machen, ehe Sie sich an etwas Größeres, wie einen Roman, wagen?

Warum Kurzgeschichten schreiben?

Kurzgeschichten bieten Autoren - ob Anfängern oder alten Hasen - eine Reihe von Vorteilen:

  • Sie sind überschaubar und lassen sich schneller fertigstellen. Damit lassen sie sich auch besser in ein randvolles Berufs- und Familienleben integrieren.

  • Das heißt auch: Man hat schneller ein Erfolgserlebnis.

  • Anfängern bieten sie eine hervorragende Möglichkeit, Stilmittel wie Erzählperspektive (erste oder dritte Person), anschauliches Beschreiben, witzige oder emotionale Dialoge und das Erzeugen einer beschaulichen Atmosphäre oder rasanter Action einzuüben.

  • Sie bieten eine ideale Spielwiese, um verschiedene Charaktere, Erzählformen und Genres auszuprobieren, ohne allzu viel Zeit investieren zu müssen.

  • Entsteht dabei eine interessante Figur, eine faszinierende Fantasy- oder Science-Fiction-Welt oder ein spannender Handlungsstrang, so kann die Geschichte als Keim für einen Roman dienen.

  • Kurzgeschichten eignen sich hervorragend für Lesungen, denn sie haben den Vorteil, dass das Publikum erfährt, wie die Geschichte ausgeht.

  • Sollten Sie daran denken, E-Books selbst zu veröffentlichen, etwa bei Amazon, dann können Kurzgeschichten, ob einzeln oder als Sammlung, einerseits sozusagen als Leseproben dienen und andererseits Ihre Präsenz erhöhen. Denn je mehr Bücher von Ihnen „im Umlauf“ sind, desto leichter können Leser Sie finden.

Aufgabe:

Jetzt sind Sie dran: Probieren Sie es einfach aus, schreiben Sie Ihre Kurzgeschichte ... Spielen Sie mit Szenarien und Figuren und machen Sie sich ein paar Notizen. Vielleicht entwickelt sich aus der einen oder anderen Idee eine Kurzgeschichte.

Was macht eine Kurzgeschichte aus?

Ein Hinweis vorweg: Die typische Kurzgeschichte gibt es ebenso wenig wie allgemeingültige Regeln darüber, wie eine solche Story auszusehen hat. Die folgende Aufzählung bietet lediglich einige Richtlinien zur Orientierung.

Für eine Kurzgeschichte gilt in der Regel:

  • Sie ist einige Seiten lang. In Extremfällen kann eine Kurzgeschichte auch mit einer Seite oder weniger auskommen oder, wie bei manchen von Stephen King, so viele Seiten umfassen, dass sie auf der Grenze zwischen einer langen Kurzgeschichte und einer kurzen Novelle angesiedelt ist. Eine andere Definition lautet: Man kann die Geschichte in einem Rutsch, also an einem Abend oder während einer längeren Straßenbahnfahrt durchlesen. Bei Ausschreibungen für Anthologien und bei Wettbewerben ist gewöhnlich eine bestimmte maximale Länge vorgegeben.

  • Sie kommt mit wenigen Charakteren aus.

  • Gewöhnlich ist sie aus einer Perspektive erzählt. (Anders als ein Roman, bei dem der Leser die Geschichte oft abwechselnd aus der Sicht mehrerer Personen erlebt.)

  • Es gibt nur wenige Schauplätze.

  • Die Handlung findet eher innerhalb von Stunden und Tagen als im Laufe von Jahren und Jahrzehnten statt.

Schreiben Sie Ihre Kurzgeschichte so, dass man sie gut vorlesen kann. Verwenden Sie also zum Beispiel einfache, relativ kurze Wörter und Sätze. Dann hat es auch der Leser leichter.

Darüber, was eine gute Geschichte ausmacht – egal, ob es sich um eine Kurzgeschichte, einen Roman, Film, Comic oder was auch immer handelt – sind jede Menge Bücher geschrieben worden.

Ein Tipp für Anfänger: Jede Geschichte braucht einen Konflikt. Das bedeutet meistens (mindestens) zwei Handelnde mit unterschiedlichen Interessen. Oder anders gesagt: Die Hauptperson will etwas und muss Widerstände überwinden, um dies zu erreichen. Der Drehbuchautor John Rogers hat dies so formuliert: „Nur drei Dinge sind wichtig. Wer will was? Warum können sie es nicht haben? Warum sollte mich das kümmern?“ Die letzte Frage bezieht sich darauf, dass man den Leser dazu bringen muss, mit den Figuren mitzufühlen und mitzufiebern.

Der Thriller-Autor James Rollins sagte in einem Interview: „Eine Kurzgeschichte erfordert, dass man sehr straff schreibt, sich dabei an eine Figur hält und sich wirklich in ihren Kopf begibt und ihr unter die Haut geht.“

Aufgabe:

Jetzt sind Sie dran: Machen Sie sich (weitere) Notizen für eine eigene Kurzgeschichte. Wer sind die Handelnden? Was soll passieren? Wo und wann soll sie spielen? Berücksichtigen Sie dabei die oben genannten Kriterien (wenige Personen …).

Tipps von berühmten Autorinnen und Autoren

  1. Legen Sie jedes Wort auf die Goldwaage.

    „Bei einer Kurzgeschichte ist es wichtiger, wie Sie erzählen, als, was Sie erzählen; die Form ist sehr wichtig. In einem Roman können Sie Fehler machen und sehr wenige Menschen werden es bemerken.“ Isabel Allende in einem Interview.

  2. Streichen Sie alles Überflüssige.

    „Kurzgeschichten sind wunderbar disziplinierend gegen Ausschmückungen. Man gewöhnt sich so daran, alles zu streichen, was irrelevant ist.“ Nadine Gordimer in The Paris Review: The Art of Fiction No. 77.

    Man lernt, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Das heißt auch, jedem Wort, jedem Satz kommt eine größere Bedeutung zu als in einem Roman.

  3. In Kurzgeschichten dürfen Sie nach Herzenslust spielen und auch Extremes austesten.

    „Man kann größere Risiken eingehen und Neues ausprobieren. Ich habe sogar einmal einen Youdunnit geschrieben, in dem der Leser den Mord beging.“ Krimiautor Peter Lovesey in einem Interview.

    „Kurzgeschichten sind wie die Kugel eines Scharfschützen. Schnell und schockierend. Ich kann gut schlecht machen und schlecht schlechter und was am meisten Spaß macht, das richtig Schlechte gut erscheinen lassen.“ Jeffrey Deaver in seiner Kurzkrimi-Sammlung Twisted.

    Besonders Kurzkrimis laden offenbar dazu ein, der Fantasie freien Lauf zu lassen.

Das letzte Wort gehört keinem Geringeren als Truman Capote. In einem Interview mit der Paris Review sagte er: „Wenn man sich ernsthaft damit beschäftigt, scheint mir die Kurzgeschichte die schwierigste und disziplinierendste Prosaform zu sein, die es gibt. Was auch immer ich an Kontrolle und Technik besitzen mag, verdanke ich voll und ganz meinem Training in diesem Medium.“

Fazit

  • Kurzgeschichten sind gewöhnlich nur so lang, dass man sie in einem Rutsch lesen kann.

  • Sie kommen mit wenigen Figuren und Schauplätzen aus.

  • Konflikte machen eine Geschichte für die Leser packend.

  • Weil man sich auf das Wesentliche beschränken muss, hat jeder Satz und jedes Wort besonderes Gewicht und sollte sorgfältig formuliert und ausgewählt werden.

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Über die Autorin:

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Ingrid Glomp ist seit 1991 als freie Journalistin tätig - aus Überzeugung und mit Begeisterung und für alle Arten von Printmedien sowie das Fernsehen. Heute arbeitet sie als Wissenschaftsjournalistin ...

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