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Publizieren und Veröffentlichen mit LaTeX

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Stand: 1. Dezember 2009

Grundlegendes über LaTeX

Eigene Publikationen selbst zu veröffentlichen ist heutzutage kein Problem mehr, ob als PDF-Datei im Internet oder als gedrucktes Buch. Leider fehlen Autoren häufig die typografischen Fachkenntnisse. Das Textsatzsystem LaTeX schafft hier Abhilfe. Mit LaTeX können Sie sich auf den Inhalt Ihrer Publikation konzentrieren. Sie geben LaTeX die logische Struktur Ihrer Publikation an und LaTeX erzeugt daraus das fertige Dokument in professionellem Layout und in Buchdruckqualität. Von Folien über Briefe, Essays, Zeitschriftenartikel und wissenschaftliche Arbeiten bis hin zu Büchern können Sie mit LaTeX eine Vielzahl von Dokumenten setzen.

TeX und LaTeX

Donald Ervin Knuth (*1938) war mit der Druckqualität seiner Bücher unzufrieden. So machte sich der US-amerikanische Informatikprofessor 1977 daran, ein Programm zu entwickeln, mit dem er Dokumente in Buchdruckqualität setzen konnte. So entstand das Textsatzsystem TeX (sprich: tesch), in dem LaTeX (sprich: latesch) seinen Ursprung hat. Allerdings war TeX recht schwierig zu bedienen und blieb daher zunächst nur auf den akademischen Bereich beschränkt.

Das änderte sich, als der US-amerikanische Informatiker Leslie Lamport (*1941) 1984 ein Makropaket entwarf, das die Bedienung von TeX vereinfachte. Er nannte es Lamport's TeX, kurz: LaTeX.

Im Laufe der Zeit entwickelten weitere Anwender eine Vielzahl von Zusatzpaketen für die verschiedensten Aufgaben. Leider entstanden dadurch auch verschiedene "Dialekte" von LaTeX und es kam nicht selten vor, das diese untereinander nicht kompatibel waren. Um diese Entwicklung zu stoppen, wurde 1993 mit LaTeX 2 (Epsilon) ein einheitlicher Standard geschaffen. Auf diese LaTeX-Version bezieht sich auch diese Einführung.

Das Grundprinzip

Für eine Veröffentlichung reicht der Autor beim Verlag ein Manuskript ein. Der Autor konzentriert sich dabei auf den Inhalt des Textes. Der Layouter des Verlages bestimmt das Layout und gibt das Manuskript mit entsprechenden Vermerken versehen an den Setzer weiter, der daraus die Publikation erstellt.

Ähnlich funktioniert auch LaTeX. Sie als Autor konzentrieren sich im Wesentlichen auf den Inhalt. Anders als in einem Textverarbeitungsprogramm nehmen Sie das Layout nicht direkt vor, sondern geben LaTeX bei Formatierungen über entsprechende Befehle an, um welche Art von Text es sich handelt, beispielsweise Überschrift oder hervorgehobener Text. Die Formatierung dieser Textstellen (Fettdruck, größere Schrift o. ä.) übernimmt LaTeX.

Mit LaTeX lässt sich auch die alltägliche Geschäftskorrespondenz abwickeln. Wie das geht, erfahren Sie im Beitrag "Geschäftsbriefe und Rechnungen mit LaTeX".

Woher bekomme ich LaTeX?

Zunächst die gute Nachricht: LaTeX ist frei verfügbar, Sie brauchen also keine Lizenzgebühren zu bezahlen, sondern können es frei aus dem Internet beziehen. Als Ergänzung zum LaTeX-Basis-System gibt es, von verschiedenen Anwendern entwickelt, eine Vielzahl von Zusatzpaketen für die verschiedensten Aufgaben.

Das LaTeX-Basissystem mit den gängigsten Paketen können Sie in sogenannten Distributionen beziehen. Die bekanntesten Distributionen sind:

Wie Sie LaTeX installieren, hängt sowohl von der Distribution als auch von Ihrem Betriebssystem ab. Daher kann hier keine ausführliche Installationsanleitung gegeben werden. Bitte lesen Sie dazu die Installationsanleitung der jeweiligen Distribution.

Daneben benötigen Sie noch einen Texteditor bzw. eine LaTeX-Entwicklungsumgebung und einen oder mehrere Dateibetrachter.

Ein Texteditor sollte auf jedem Computer vorhanden sein. Stattdessen können Sie auch eine LaTeX-Entwicklungsumgebung benutzen. Das ist gerade für Einsteiger sehr zu empfehlen. Üblicherweise bieten Entwicklungsumgebungen Hilfen wie farbliche Hervorhebung der Befehle und Einfügen von LaTeX-Befehlen, Erstellen des Dokuments und Aufruf des Dateibetrachters per Knopfdruck. Bekannte LaTeX-Entwicklungsumgebungen sind:

Welchen Dateibetracher Sie brauchen, hängt vom Ausgabeformat ab, das Sie erzeugen möchten. Zwei der bekanntesten Dateibetrachter, die für die gängigsten Betriebssysteme zur Verfügung stehen, sind:

Von der Eingabedatei zum fertigen Dokument

Eine LaTeX-Eingabedatei ist eine einfache Textdatei mit der Endung .tex. Anders als bei einem Textverarbeitungsprogramm sehen Sie bei der Eingabe die fertigen Formatierungen noch nicht am Bildschirm. Sie geben den Inhalt Ihrer Publikation über eine Auszeichnungssprache ein und kennzeichnen dabei besondere Formatierungen mittels entsprechender LaTeX-Befehle.

Die Eingabedatei übergeben Sie LaTeX zur Verarbeitung. Sie können entweder den Befehl latex dateiname in der Eingabeaufforderung Ihres Betriebssystems eingeben oder den LaTeX-Lauf einfach per Knopfdruck aus einer LaTeX-Entwicklungsumgebung heraus starten.

LaTeX erstellt aus Ihrer Eingabedatei das fertige Dokument. Das klassische Ausgabeformat von LaTeX-Dokumenten ist das Device independent file format (DVI), das Sie mit dem Befehl dvips dateiname oder per Knopfdruck aus einer LaTeX-Entwicklungsumgebung heraus in das bekanntere PostScript-Format umwandeln können. Noch weiter verbreitet als das PostScript-Format ist das PDF-Format. Mit dem Befehl pdflatex dateiname oder wiederum per Knopfdruck aus einer LaTeX-Entwicklungsumgebung heraus veranlassen Sie LaTeX, aus Ihrer Eingabedatei ein PDF-Dokument zu erzeugen.

Heutzutage ist das PDF-Format Standard sowohl für Dokumente, die Sie im Internet veröffentlichen als auch für Dateien, die Sie zum Druck an einen Verlag oder eine Druckerei geben. Das PDF-Format sollte daher Ihre erste Wahl sein.

Das fertige Dokument können Sie sich mit einem Dateibetrachter ansehen. Wenn Sie Änderungen vornehmen möchten, bearbeiten Sie die Eingabedatei und erstellen das Dokument neu.

Grundlegendes zu den LaTeX-Befehlen

LaTeX-Befehle beginnen in der Regel mit einem umgekehrten Schrägstrich (\) gefolgt von einem Sonderzeichen oder dem Namen des Befehls. Bei vielen Befehlen müssen Sie noch Parameter angeben, die in eckigen oder geschweiften Klammern nach dem Namen des Befehls angefügt werden. Dabei geben Sie in eckigen Klammern optionale und in geschweiften Klammern obligatorische Parameter an.

LaTeX interpretiert nach einem umgekehrten Schrägstrich alle folgenden Zeichen bis zum ersten folgenden Leerzeichen oder Sonderzeichen als zum Befehlsnamen gehörig. Daher beendet ein Leerzeichen hinter einem Befehl, der nicht mit einem Sonderzeichen (oder einem Parameter in Klammern) endet, den Befehl. LaTeX interpretiert dieses Leerzeichen als Signal, dass hier der Befehlsname endet und nicht als Leerstelle. Soll nach dem Befehl im Text eine Leerstelle folgen, müssen Sie den Befehl mit einem umgekehrten Schrägstrich beenden.

Beispiel:

Mit dem Befehl \today veranlassen Sie LaTeX, im fertigen Dokument das aktuelle Datum auszugeben. Dieser Befehl hat keine Parameter, daher folgen ihm keine Klammern. Wenn Sie in Ihre LaTeX-Eingabedatei Heute ist der \today. eintragen, gibt LaTeX im fertigen Dokument beispielsweise "Heute ist der 11. November 2007." aus. Wenn Sie den Befehl aber innerhalb eines Satzes gebrauchen und an das Datum eine Leerstelle anschließen soll, müssen Sie den Befehl mit einem umgekehrten Schrägstrich beenden: Dieser Text wurde am \today\ erstellt. ergibt im fertigen Dokument beispielsweise: "Dieser Text wurde am 11. November 2007 erstellt."

Eine weitere Art von LaTeX-Befehlen sind sogenannte Umgebungen. Sie beginnen mit dem Befehl \begin{Umgebungsname} und enden mit dem Befehl \end{Umgebungsname}. Text innerhalb dieser Umgebungen wird - je nach Art der Umgebung - speziell formatiert. Umgebungen nutzen Sie beispielsweise für Aufzählungen oder Tabellen.

Bei einigen LaTeX-Befehlen müssen Sie als Parameter Längenangaben eintragen. Wenn diese Längenangaben Dezimalzahlen sind, müssen Sie als Dezimalzeichen einen Punkt (und kein Komma) angeben, wie es im englischsprachigen Raum, in dem LaTeX entstanden ist, üblich ist. Als Einheiten können Sie angeben:

  • mm für Millimeter

  • cm für Zentimeter

  • in für Zoll (= 2,54 cm)

  • pt für Punkt (ca. 0,351 mm)

  • em für die Breite des Buchstabens "M"

  • ex für die Höhe des Buchstabens "x"

Eine Einheit müssen Sie stets angeben, auch wenn die Länge 0 ist.

Aufbau einer LaTeX-Eingabedatei

Jede LaTeX-Eingabedatei ist in zwei Abschnitte gegliedert. In der Präambel legen Sie Einstellungen fest, die für das gesamte Dokument gelten. Sie wählen beispielsweise die Art Ihres Dokuments, das Papierformat und die Schriftgröße aus. Im daran anschließenden Hauptteil, der stets

  • mit dem Befehl \begin{document} beginnt und

  • mit dem Befehl \end{document} endet,

steht der eigentliche Inhalt Ihrer Publikation.

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Über den Autor:

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Daniel Tibi studiert Theologie, Philosophie und klassische Philologie. Zu Beginn seines Studiums wurde er auf das Textsatzsystem LaTeX aufmerksam, mit dem er sich seither intensiv beschäftigt. Heute ...

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