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Forderungsverkauf und Kreditverkauf - Risiko für "Häusle-Bauer"?

"Kredit-" und Forderungsverkauf, notleidende und gekündigte Kredite - worum geht es überhaupt?

Von "Heuschrecken" ist in der Presse die Rede, die durch die Lande ziehen und "faule bzw. notleidende Kredite" aufkaufen. Bevor wir uns mit der Thematik näher beschäftigen, sollten erst einmal ein paar Begriffe geklärt werden.

Kredite im Bürgerlichen Recht und im Bankrecht

Wenn Sie für den Kauf eines Hauses oder den Bau einer Fabrikanlage einen Kredit benötigen, dann schließen Sie zu diesem Zweck mit der Bank einen Darlehensvertrag. Das ist ein (schuldrechtlicher) Vertrag im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Bank hat durch den Abschluss des Darlehensvertrages jetzt eine Forderung gegen Sie als Kreditnehmer in Höhe des Darlehens zuzüglich der Zinsen und ggf. anfallender Kosten.

Im Bürgerlichen Recht gibt es weder gute noch schlechte Forderungen. Die einzige Frage, die sich dort stellt, ist, ob die Forderung noch valutiert, also noch aufrecht oder beispielsweise durch Zahlung bereits erledigt ist. Die "notleidenden" oder "faulen" Kredite, die auch als "non performing loans" (NPL) bezeichnet werden, gibt es also im Zivilrecht nicht.

Diese Bezeichnungen stammen aus dem Bankenrecht, genau gesagt aus dem Bankenaufsichts- und Bankbilanzrecht. Im Bankenrecht gelten jedoch andere Kriterien für eine Forderung: Hier ist entscheidend, ob eine Forderung noch als werthaltig angesehen werden kann oder nicht. Bei dieser Bewertung kommt es nicht darauf an, ob der Kredit unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten bereits gekündigt ist oder sich der Kreditnehmer lediglich mit einigen Raten im Zahlungsverzug befindet. Allzu gerne trennen sich die Banken auch von solchen Forderungen, die zwar von den Kunden noch bedient werden, aber aus recht unterschiedlichen Gründen als mehr oder weniger stark ausfallgefährdet gelten.

Jetzt wird auch klar, weshalb es zu Überschneidungen zwischen ungekündigten Kreditengagements und NPL kommen kann. Unter bankrechtlichen Gesichtspunkten kann ein Kredit bereits als ausfallgefährdet gelten, wenn Kriterien vorliegen, nach denen zumindest ein Teilausfall zu befürchten ist, ohne dass der Vertrag bereits gekündigt ist.

Warum verkaufen Banken ihre Kredite?

Von Forderungen im Wert von 160 bis 300 Mrd. Euro ist die Rede, die in den vergangenen Jahren von Banken und Sparkassen in Deutschland veräußert worden sind. Fakt ist, dass es einen Markt für den Verkauf von Forderungen gibt. Jede Bank, die einen Kredit vergibt, trägt das Risiko, dass der Kreditnehmer den Betrag nicht oder nur zum Teil zurückzahlt. Um dadurch nicht selbst in "Schieflage" zu geraten, müssen Banken deshalb solche Verlustdrohungen, die ja nicht von der Hand zu weisen sind, mit Eigenmitteln unterlegen.

So hatte es der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht bereits in den Eigenmittelvorschriften ("Basel I") festgelegt. Diese wurden inzwischen überarbeitet und sind nun als "Basel II" vor allem Unternehmern ein Begriff, die einen Kredit benötigen. Während unter Basel I die Eigenkapitalunterlegung für Kredite noch losgelöst von der Bonität des Kunden erfolgte, müssen jetzt die Risiken am Rating des Kunden ausgerichtet werden. Je mehr Kredite die Bank an Kunden mit durchschnittlicher oder gar unterdurchschnittlicher Bonität vergeben hat, umso mehr muss sie Eigenmittel zur Unterlegung dieser Kredite bereithalten. Eigenmittel, die aufgrund eines mittelmäßigen oder unterdurchschnittlichen Ratings blockiert sind, stehen auf der anderen Seite für Finanzierungen nicht zur Verfügung. Gleichzeitig verursacht die Bereithaltung höhere Eigenmittelkosten. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass Banken und Sparkassen ein Interesse daran haben, sich von den "kostenträchtigen" und risikobehafteten Kreditengagements zu befreien, um wieder "Luft" für neue Finanzierungen zu haben.

Für die Banken ist bei der Frage des Verkaufs von Forderungen das Risiko eines Kreditausfalls gemäß Rating-Kriterien entscheidend, nicht die Frage, ob es tatsächlich schon Zahlungsausfälle gab.

Forderungspakete, die von Banken zum Kauf angeboten werden, können deshalb auch laufende Kreditengagements beinhalten, bei denen die Kunden bisher ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind. Das ist ein offenes Geheimnis. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich dabei um gewerbliche oder private Kredite handelt.

Letztendlich profitieren auch die Investoren als Forderungskäufer davon, nicht-leistungsgestörte Kredite anzukaufen. Schließlich zahlen sie in der Regel nur ca. 30 bis 70 % der Gesamtforderungssumme als Kaufpreis für ein Forderungspaket. Durch die Beimengung nicht-leistungsgestörter Kredite wächst nun die Wahrscheinlichkeit, an lukrative Objekte heranzukommen, die sich zu einem guten Preis weiterveräußern lassen. Das verspricht letztendlich eine deutlich höhere Rendite für den Käufer und macht den Kauf damit attraktiver.

Der Markt für offene Forderungen

(Update, Oktober 2008) Internationale Investmentbanken und andere Investoren beherrschten bis vor kurzem einen Käufermarkt. Das hat sich im Zuge der Finanzkrise jedoch geändert. Von den dominierenden Unternehmen wie Lone Star Funds, Goldman Sachs, Merrill Lynch, JP Morgan, GE Capital, Citigroup, Cerberus, Fortress, Credit Suisse, GMAC, Lehman Brothers, Oaktree oder der Shinsei Bank sind einige verschwunden, andere haben momentan ihre Aktivitäten krisenbedingt stark zurückgefahren: Der Handel mit Forderungen ist wie der Briefhandel oder der Interbankenverkehr momentan ein Opfer der Lage an den Finanzmärkten.

Einheimische Unternehmen tummelten sich ohnehin nur selten auf diesem Markt.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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