Leitfaden für Gründerinnen

Von: Ann Yacobi
Stand: 14. Juli 2011
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Förderprogramme für Gründerinnen

Finanzielle Förderung

Den meisten Gründerinnen genügt ein geringes Startkapital. Viele haben aber nicht die notwendigen finanziellen Mittel - weil ihr Angestelltengehalt zu gering ist, um Ersparnisse auf die Seite zu legen, oder weil sie während jahrelanger Erziehungszeiten kein eigenes Geld verdient haben. Der Kapitalbedarf ist einerseits zu gering, um für eine Bank interessant zu sein, andererseits verfügen Gründerinnen oft nicht über die erforderlichen Sicherheiten, um ein Darlehen zu bekommen. Viele Frauen weichen daher auf Fremdkapital aus dem Freundes- und Familienkreis aus. Als Sicherheitspolster für Ihre Gründung und um leichter an Fremdkapital zu kommen, ist Eigenkapital nötig: Eine Faustregel ist 15 Prozent Eigenmittel, 85 Prozent Fremdfinanzierung. Eigenkapital können Geld (Sparguthaben, Wertpapiere), Sacheinlagen oder immaterielle Güter sein.

Kredite von Freunden

Wenn Sie einen Kredit oder ein Darlehen von Freunden oder Verwandten aufnehmen, sollten Sie dies mit sämtlichen Bedingungen dennoch schriftlich festhalten. Damit beugen Sie Missverständnissen vor, und das Finanzielle belastet die Beziehung nicht. Weitere Tipps und ein "Mini-Vetragsmuster" finden Sie im Beitrag "Darlehen und Gründungskredite von Freunden und Verwandten: Was Sie bei privaten Krediten beachten sollten".

Für klein- und mittelständische Unternehmen gibt es mehrere hundert Förderprogramme von Bund, Ländern und EU. In der Regel handelt es sich um zinsgünstige Kredite oder Darlehen mit Haftungsfreistellungen. Das "Startgeld" der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist speziell auf kleinere Gründungsvorhaben und junge Unternehmen zugeschnitten: Es fördert Gründungen mit Aufwendungen bis zu 100.000 Euro. Sie können das Darlehen innerhalb von drei Jahren nach Aufnahme Ihrer Selbstständigkeit beantragen. Dafür brauchen Sie nur geringe Sicherheiten, weil die KfW mit dem Europäischen Investitionsfonds gegenüber der Bank die Haftung für die Rückzahlung übernimmt. Das KfW-Startgeld dürfen Sie auch zur Finanzierung einer Unternehmensnachfolge oder Teilzeit-Gründung verwenden, wenn sie diese innerhalb von vier Jahren zum Haupterwerb ausbauen. Den Antrag stellen Sie bei Ihrer Hausbank, und zwar bevor Sie investieren.

Infocenter der KfW

Das Infocenter der KfW berät unter der Rufnummer 01801-241124 zu Darlehen und Förderprogrammen. Außerdem gibt es für Gründerinnen, kleine und mittelständische Unternehmen auch kostenlose Beratung an bundesweiten Sprechtagen.

Fast die Hälfte der Vollzeit- und drei Viertel der Teilzeit-Gründerinnen benötigen ein Startkapital von weniger als 5.000 Euro. Diese Summen sind schwierig zu bekommen, da überproportionaler Verwaltungsaufwand sie für Banken unattraktiv macht. Auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene gibt es derzeit rund 20 Programme, die solche Klein- und Kleinstkredite für Gründerinnen vergeben. Beim sogenannten Microlending ist die Persönlichkeit der Gründerin für die Fördervergabe meist wichtiger als formale Kriterien wie Qualifikationen. Eine Besicherung der Kredite ist einfach, da die Microlending-Anbieter auf Sicherheiten setzen, die nicht unbedingt einen hohen finanziellen, dafür aber einen ideellen Wert für die Gründerin besitzen (z. B. Erbstücke). Auch Referenzen und Bürgschaften aus dem privaten oder geschäftlichen Umfeld der Kreditnehmerin werden akzeptiert. Kredite werden nach Bedarf vergeben. Der Zugang zu weiteren Kleinstkrediten bleibt erhalten, wenn vorherige Kredite ordnungsgemäß zurückbezahlt wurden.

Bedingungen für öffentliche Fördervergabe

Die Bedingungen für die öffentliche Fördervergabe sind unterschiedlich und ändern sich regelmäßig. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat eine Finanzierungshotline eingerichtet, die unter Tel. 03018-6158000 Auskunft über Förderprogramme des Bundes und der Länder gibt. Im Internet steht auch eine Förderdatenbank zur Verfügung.

Das Beratungstelefon Arbeitsförderung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beantwortet unter Tel. 01805-676712 Fragen zum Thema Selbstständigkeit und Arbeitslosengeld.

Adressen von privaten, regionalen Microlending-Anbietern gibt es beim Deutschen Mikrofinanz Institut online oder unter Tel. 030-69041070.

Eine Übersicht der Angebote von Bund, Ländern und privaten Trägern finden sich auch im BMWi-Existenzgründungsportal.

Die IHK informieren ebenfalls über regionale und überregionale Fördermöglichkeiten.

Öffentliche Fördermittel müssen Sie vor Beginn der Selbständigkeit beantragen. Bei den meisten Programmen gilt das Hausbankprinzip: Den Antrag stellen Sie über ein Kreditinstitut Ihrer Wahl. Die Zuschüsse aus Förderprogrammen sind in der Regel nicht rückzahlbar, wenn Zuwendungsbedingungen und -zweck erfüllt werden. Es besteht kein Rechtsanspruch auf Förderung.

Wichtig ist, dass Sie prrofessionell arbeiten. Wenn Sie öffentliche Mittel beantragen wollen, sollten Sie Ihren Businessplan sorgfältig ausarbeiten und ihn souverän beim Bankgespräch präsentieren können. Wer kein schlüssiges Unternehmenskonzept vorlegt oder sich auf das Gespräch schlecht vorbereitet, hat keine Chance auf Förderung.

Fördermittel-Ratgeber

Machen Förderprogramme wirklich Sinn für Ihr Gründungsprojekt? Antwort darauf gibt Andrea Claudia Delps "Fördermittel-Check-Up für Gründer und kleine Unternehmen: Chancen auf einen Förderkredit - oder besser anders finanzieren".

Eine ausführliche Darstellung der Förderprogramme bietet "Fördermittel und Kreditprogramme für Gründer und Unternehmer".

Checkliste: Finanzbedarf und Kredite

  • Wie hoch ist Ihr Finanzbedarf (Investitionen, Lebenshaltungskosten, Betriebsmittel)?

  • Wie viel Eigenkapital haben Sie?

  • Welche Sachmittel (Auto, Geräte, Büroausstattung) können Sie einbringen?

  • Wie viel Fremdkapital benötigen Sie?

  • Welche Fördermittel kommen infrage?

  • Haben Sie Ihre Belastung aus Tilgung und Zinsen realistisch berechnet?

  • Sind Sie auf das Bankgespräch gut vorbereitet?

  • Kennen Sie Ihren Businessplan gut genug, um ihn überzeugend zu vertreten?

  • Haben Sie einen Coach, eine Bank- oder Finanzspezialistin, die Sie zum Gespräch begleiten kann?

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