Praxiskurs Umsatzsteuer, Vorsteuer und Mehrwertsteuer

Steuergrundlagen schnell gelernt: Von Rechnungen, Steuersätzen, Voranmeldungen und mehr

Von: Robert Chromow
Stand: 27. Mai 2013 (aktualisiert)
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Umsatzsteuer? Wer als Verbraucher daran gewöhnt ist, beim Einkauf die Mehrwertsteuer in der Ladenkasse verschwinden zu sehen, für den gibt es keinen spürbaren Unterschied zwischen dem eigentlichen Nettokaufpreis einer Ware und der darauf anfallenden Umsatzsteuer. Kein Wunder: Denn bezahlt wird diese Verbrauchssteuer letztlich vom Endverbraucher.

Verstehen müssen Sie als (angehende) Unternehmerin oder Unternehmer das System mit der Umsatzsteuer aber trotzdem. Unser Grundlagenkurs zeigt, warum Sie im Geschäftsleben die Umsatzsteuer nicht vernachlässigen dürfen, auch wenn sie oft ein "durchlaufender" Posten ist. Dazu erklären wir ganz praktisch die wichtigsten Fachbegriffe und die alltäglichen Abläufe. Wir sagen Ihnen,

  • was der Unterschied zwischen Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer und Vorsteuer ist,

  • wer Umsatzsteuer abführen muss und worauf,

  • wer sich freiwillig der Umsatzsteuer unterwerfen kann und wann das Sinn ergibt,

  • welche Steuersätze bei welchen Waren und Dienstleistungen anfallen,

  • wie vorsteuerfähige Rechnungen aussehen,

  • was bei Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen zu beachten ist, oder auch

  • was es mit der Umsatzsteueridentnummer auf sich hat.

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Umsatzsteuer oder Kleinunternehmer? Einsteiger braucht Hilfe!

Hallo liebe Akademie-Gemeinde,

Ich bin 31 und komme nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und einem Studium nun zu meiner ersten beruflichen Tätigkeit.

Seit Oktober arbeite ich als freier Mitarbeiter in der Online-Redaktion einer Zeitung. In meinem Arbeitsvertrag musste ich ankreuzen, ob ich Kleinunternehmer bin oder Umsatzsteuer abfuehre. Kollegen rieten mir, mich als umsatzsteuerpflichtig anzugeben. Sie begründeten dies mit meinem Verdienst.

Ich verdiene monatlich 1400 Euro brutto, in einer Teilzeittaetigkeit mit zweieinhalb Arbeitstagen die Woche.
Um das aufzubessern, arbeite ich regelmaessig als freier journalistischer Mitarbeiter bei einer anderen Zeitung, wo ich nach Zeilen und Bildern bezahlt werde und der monatliche Verdienst naturgemaess stark schwankt.

Ein Steuergehilfe hat mir gesagt, es waere besser gewesen, ich haette mich als Kleinunternehmer angegeben. Ich bin verwirrt.

Rechnungen schreibe ich in keinem der beiden Arbeitsverhältnisse. Muss ich jetzt damit anfangen?

Und wird, jetzt, da ich mich als umsatzsteuerpflichtig angegeben habe, mehr als 1400 Euro im Monat an mich gezahlt werden (ein um die USt aufgestockter Betrag also)?

Ich waere fuer eine Hilfestellung sehr, sehr dankbar, da ich das Geld wirklich brauche und mich auf der anderen Seite aber leider überhaupt nicht mit dieser Steuergeschichte auskenne.

Vielen Dank schonmal im Voraus!

BB

Antwort: Umsatzsteuer oder Kleinunternehmer? Einsteiger braucht

Puh, BB,
das sind aber ganz schön viele Fragen auf einmal! :-) Ganz allgemein lässt sich dazu sagen:

1.
Vorab: Der Status Ihrer Tätigkeit(en) scheint mir unklar zu sein: Wenn Sie "freier Mitarbeiter" (= selbstständig) sind, dürften Sie eigentlich keinen "Arbeitsvertrag" haben (= Arbeitnehmer). Und wenn Sie einen Arbeitsvertrag haben, wäre die Frage nach der Umsatzsteuer entbehrlich: Gehälter aus (abhängigen) Beschäftigungen sind nicht umsatzsteuerpflichtig.

2.
Gehen wir einmal davon aus, dass Sie selbstständig tätig sind: Ob es generell "besser" ist, als Kleinunternehmer aufzutreten oder als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer, kommt auf den Einzelfall an. Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Umsatzsteuer-Grundlagenkurs:
http://www.akademie.de/wissen/lernen-umsatzsteuer-mehrwertsteuer-vorsteu...

3.
Wenn Ihnen ein Steuerexperte gesagt hat, dass Sie die Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung erfüllen und sie in Ihrem Fall günstiger ist, können Sie die Kleinunternehmerregelung immer noch in Anspruch nehmen: Gegenüber dem Finanzamt haben Sie ja nicht auf deren Anwendung verzichtet, oder? Dann genügt es aus meiner Sicht, Ihren Auftraggeber darüber zu informieren, dass Sie umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer sind. Die Einzelheiten besprechen Sie am besten mit besagtem Steuergehilfen.

4.
Rechnungen müssen Sie nicht unbedingt schreiben: Es ist üblich und zulässig, dass Verlage mit "Gutschriften" arbeiten. Dabei handelt es sich um "Rechnungen mit umgekehrter Rollenverteilung", bei denen der Leistungsempfänger über die Leistung abrechnet. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:
http://www.akademie.de/wissen/gutschrift-als-rechnungsdokument

5.
Spätestens wenn bei Gutschriften Umsatzsteuer im Spiel ist, müssten Ihnen diese Abrechnungen in schriftlicher Form vorliegen, richtig? Falls Sie sich nun doch noch für die Kleinunternehmerregelung entscheiden, müssten Ihre Auftraggeber die bisherigen Rechnungen entweder korrigieren - oder aber Sie müssten die zu Unrecht vereinnahmte Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Auch dabei lassen Sie sich am besten von einem Steuerexperten unterstützen.

So viel fürs Erste - weiter viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kleidung geschenkt bekommen wie wird es beim verkauf versteuert

Hallo ich habe eine ganze Warenlieferung an Kleidung umsonst bekommen. ich musste nur die Reinigungskosten tragen.
Wie wird das versteuert wenn ich die Ware in einem Laden offiziell verkaufe?

Antwort: Kleidung geschenkt bekommen wie wird es beim verkauf ve

Guten Tag,
grundsätzlich fallen mindestens zwei Steuerarten an:

1. Umsatzsteuer (Regelsteuersatz 19 %) auf den Nettoverkaufspreis. Wenn Sie nur den Endverkaufspreis / Bruttopreis kennen, teilen Sie den Endverkaufspreis durch 1,19 (dann haben Sie den Nettoverkaufspreis). Darauf 19 % ergibt den Umsatzsteuer-Anteil.

2. Die gesamte Betriebseinnahme unterliegt der Einkommensteuer - im Prinzip auch der Umsatzsteueranteil: Da Sie die Umsatzsteuer aber im Zuge der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung ans Finanzamt abführen, fällt die Einkommensteuer faktisch "nur" auf den Nettoverkaufspreis an - abzüglich der Reinigungskosten. Weil die verkaufte Waren geschenkt war, können Sie Betriebsausgaben in Form von Waren-Einkaufspreisen ja nicht geltend machen.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Einkomenssteuervorrauszahlungen

Hallo,
ich bin gerade dabei mich als Freiberufler selbständig zu machen. Bei der Angabe zur Festsetzung der Vorauszahlungen (Punkt 3) bei der steuerlichen Erfassung bleibe ich immer wieder hängen und frage mich, ob es -abgesehen von Nachzahlungen- Nachteile hat, wenn man für das Jahr der Betriebseröffnung keine Einkünfte angibt, also 0 einsetzt? Im Bereich nichtselbständiger Arbeit steht bei mir und auch meiner Frau keine null, also verhungern wäre in dem Fall für das Finanzamt kein Argument.
Vielen Dank, tolle Seite übrigens,
AR

Antwort: Einkomenssteuervorrauszahlungen

Hallo AR,
vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung. Wenn Sie Ihren voraussichtlichen Gewinn / Einnahmenüberschuss im Jahr der Betriebseröffnung zurückhaltend schätzen, wird Ihnen das Finanzamt daraus keinen Strick drehen.

Sie müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass bei erfolgreichem Geschäftsverlauf im Laufe des zweiten Jahres womöglich eine happige Nachzahlung auf Sie zukommt. Spätestens dann wird das Finanzamt auch Ihre Einkommensteuervorauszahlungen nach oben anpassen. Aber selbst die sind nicht in Stein gemeißelt: Wenn die tatsächlichen Einkünfte in Zukunft wieder deutlich niedriger ausfallen als auf Basis des Vorjahres-Steuerbescheids zu erwarten, können Sie Ihre Vorauszahlungen wieder nach unten anpassen lassen.

Bei (zumal nebenberuflichen) Freiberuflern und Kleingewerbetreibenden lässt sich das sogar auf dem "kleinen Dienstweg" regeln: Ein Anruf beim Sachbearbeiter reicht da oft schon.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Rechnung an Büronachbarin

hallo,
vielen Dank für Ihre hervorragenden Infos und Antworten. Ich habe auch so eine Frage.

Ich teile mir das Büro mit einer Freiberufler-Kollegin, wir sind beide umsatzsteuerpflichtig.
Vor kurzem haben wir renoviert. Farbe etc. habe ich komplett gekauft. Für den hälftigen Anteil wollte ich der "Mitbewohnerin" eine ordentliche Rechnung ausstellen.

Schlage ich darauf 19 % Umsatzsteuer drauf, und führ die dann wieder ab? Oder kann ich das lassen?

Ich bin mir nicht sicher, ob das "Vorschiessen" ihres Anteils eine umsatzsteuerpflichtige Leistung ist oder nicht.

Für das Finanzamt macht's ja keinen Unterschied, das hat seine Umsatzsteuer ja schon vom Bauhaus bekommen - und zahlt die an mich wieder aus bzw. verrechnet die bei mir wieder.

Für eine kurze Einschätzung wäre ich Ihnen sehr verbunden.

schöne Grüße
der DAUSt

Antwort: Rechnung an Büronachbarin

Lieber DAUSt,
ich bin kein Steuerberater: Deshalb würde ich die nicht verbrauchten Farben einfach als Teil des betrieblichen Vorratsvermögens betrachten, meiner Nachbarin den Nettowert (!) ihres Anteils in Rechnung stellen - und darauf natürlich den 19-prozentigen Umsatzsteuersatz anwenden.

Also etwa so, wie Sie den Verkauf eines gebrauchten Büro-PC behandeln würden: Hier stellen Sie dem Käufer ja auch den aktuellen Rest- bzw. Marktwert des Geräts in Rechnung - zuzüglich Umsatzsteuer, versteht sich. Im Zweifel sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater oder fragen Sie direkt beim Finanzamt nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Geschenkte Ware

Hallo, habe bei einem Wettbewerb vom Liefernaten Ware geschenkt bekommen. Muss ich die Ware als Einnahme verbuchen ? Falls ja netto oder Brutto ? Was passiert mit der Umsatzsteuer? Wenn ich die Wasre wieder verkaufe, dann wird mir von der geschenkten Einnahme und von der Verkaufseinnahme Einkommenssteuer abgezogen ???
Danke für die Antwort.
Thomas

Antwort: Geschenkte Ware

Hallo Thomas,
bitte beachten Sie, dass eine steuerliche Einzelfallberatung an dieser Stelle weder zulässig noch möglich ist. Daher nur ganz allgemein:
Sobald die Anschaffungskosten eines Geschenks über 10 Euro liegen und der schenkende Unternehmer das Geschenk seinerseits nicht pauschal versteuert hat, handelt es sich aus Sicht des Beschenkten um eine Betriebseinnahme. Deren Wert unterliegt sowohl der Umsatz- als auch der Einkommensteuer. Besteuerungsgrundlage ist dabei der "gemeine Wert" i.S.d. § 6 Abs. 4 EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__6.html
Nach der Schenkung zahlen Sie also erst einmal Umsatzsteuer auf den "gemeinen Wert". Wenn Sie die Ware hinterher verkaufen, zahlen Sie noch einmal den von Ihren Kunden entrichteten Umsatzsteueranteil.
Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Chromow

Hallo Till,
danke für die nette Rückmeldung. Zu Ihrer Frage: Sofern Sie in der Vergangenheit keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt und eingenommen haben, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Nachdem Sie die geforderte Jahres-Umsatzsteuererklärung abgegeben haben, sollte die Sache für Sie erledigt sein.
Weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow,
ein wirklich toller Artikel zur USt!
Ich habe ein Frage: Auf einer Ihrer Seiten las ich: "Genau genommen müssen auch Kleinunternehmer eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Damit bestätigen sie, dass ihre erzielten Umsätze der Kleinunternehmerregelung unterliegen und sie keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt oder eingenommen haben. Viele Finanzämter nehmen es hin, wenn Kleinunternehmer auf diese Nullsummen-Steuererklärung verzichten."

Von meinem bisherigen, Hamburger Finanzamt wurde ich (5. Jahr der Kleinunternehmerregelung, immer unter 17.5 geblieben) nun nie zu einer solchen - ich nehme an, Sie meinenhier JAHRES-Erklärung aufgefordert. Eine Dame in meinem neuen Finanzamt sagte mir jedoch, auch als Kleinunternehmer müsste ich zumindest die Jahres-USt-Meldung abgeben.

Kann ich damit dann nun, um der örtlichen Formzu genügen einfach anfangen, also im 5. Jahr, oder muss ich mir wegen der vergangenen 4 Jahre Sorgen machen? (Es wäre bisher doch quasi immer eine Null-Meldung gewesen!).

Vielen Dank!
Till

Super!

Hallo Kammeti,
da stellen Sie eine interessante Frage. Die einschlägige Bestimmung lautet im O-Ton:
------------ Zitat ----------------
Nimmt der Unternehmer seine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit auf, ist im laufenden und folgenden Kalenderjahr Voranmeldungszeitraum der Kalendermonat.
----------Zitat-Ende --------------
§ 18 Abs. 2 UStG
http://bundesrecht.juris.de/ustg_1980/__18.html
Der Gesetzgeber stellt also ausdrücklich auf die ersten beiden Kalenderjahre ab dem Gründungszeitpunkt ab. Vom dritten Jahr an hängt die Voranmelde-Frequenz von der Höhe der Vorjahres-Zahllast ab: Monatliche Anmeldungen sind dann erst ab einer jährlichen Zahllast von 7.500 Euro aufwärts erforderlich.
Sofern Sie in den ersten beiden Jahren als Kleinunternehmer gelten und erst später umsatzsteuerpflichtig werden, gibt es anschließend aus meiner Sicht keine obligatorische Pflicht zur monatlichen Voranmeldung. Am besten klären Sie diese Frage aber noch einmal mit dem Finanzamt.
Alles gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow,

vielen, vielen Dank für Ihr schnelles Feedback; das war ja beinahe "Echtzeit-Reaktion"!
Eine letzte Frage habe ich noch zu Ihrer Antwort = zum selben Frage-Thema.

Mit Bezug auf Ihr Antwort-Posting: Habe ich das richtig verstanden:

" (...) Sofern Sie in 2011 insgesamt die 17.500-Euro-Marke überschreiten, sind Sie in 2012 kein Kleinunternehmer mehr. "

= Das heißt:

In diesem von Ihnen genannten Bsp. beginnt die für umsatzsteuerpflichtige Gründer vorgesehene, 2-jährige Pflicht zu monatlicher USt-Voranmeldung für mich also am/ab 01.01.2012 und bleibt mir als treuer Freund erhalten bis mind. 31.12.2013?

Vielen Dank!

Kammeti

Hallo Kammeti,
vielen Dank für die freundliche Rückmeldung. Zu Ihrer Frage:
Bei der Ermittlung des Jahresumsatzes zur Beurteilung des Kleinunternehmerstatus werden Ihre freiberuflichen und gewerblichen Umsätze zusammengerechnet! Sofern Ihre freiberuflichen plus Ihre (aufs ganze Jahr hochgerechneten!) gewerblichen Umsätze im Jahr 2011 insgesamt unter der 50.000 Euro-Marke bleiben, dürfen Sie in diesem Jahr noch Kleinunternehmer bleiben (sofern Sie das wollen). Wenn Sie freiwillig für die Umsatzsteuer optieren, sind Sie in den beiden ersten Jahren zu monatlichen USt-Voranmeldungen verpflichtet.
Sofern Sie in 2011 insgesamt die 17.500-Euro-Marke überschreiten, sind Sie in 2012 kein Kleinunternehmer mehr.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Guten Tag, Herr Chromow,
zunächst möchte ich michganz herzlich für den wirklich gelungenen Artikel bedanken!
Eine Frage habe ich:
Ich bin im 5. Jahr der Kleinunternehmerregelung/17.500-Grenze als Freiberufler und plane, ergänzend in Kürze eine gewerbliche Selbstständigkeit zu beginnen.

Was ich nicht verstanden habe:
Von meinem beschriebenen bisherigen Status her habe ich mit der Umsatzsteuer ja nichts zu tun, gebe also auch keine Voranmeldungen ab.
Im Beitrag lese ich, dass Gründer solche Voranmeldungen jedoch sogar monatlich abzugeben haben.

Meine Frage:
Wennich mein Gewerbe beginne, ist dieses dann bis zum Folgejahr des Jahres, in dem ich 17.5 überschreite UmSt- und somit voranmeldungsbefreit? Oder beginnt da eine "neue Zählung/Zeitrechnung" ab Aufnahme des Gewerbes, mit dann monatlichen Voranmeldungen unabhängig von der Höhe des erreichten Umsatzes?

Vielen Dank!

Viele Grüße
Kammeti

Vielen Dank, Herr Schrader,
für Ihre freundliche Rückmeldung! Da es sich um eine Einführung handelt, werden die Besonderheiten des grenzüberschreitenden Verkehrs im innergemeinschaftlichen Raum in unserem Grundlagenkurs zum Thema Umsatzsteuer nicht behandelt. Ausführliche Informationen zu dem seit Anfang 2010 geltenden VAT-Package i.V.m. der Reverse-Charge-Regelung bei grenzüberschreitenden "sonstigen Lieferungen und Leistungen" innerhalb der EU finden Sie im Infopaket unseres Steuerexperten Martin Winkler:
http://www.akademie.de/direkt?pid=57244
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Eine sehr gut verständliche Zusammenfassung! Der Beitrag scheint wohl jedoch schon etwas älter. Hat sich die Sachlage denn durch die Änderungen zu Jahresbeginn auch nicht geändert? Amazon schreibt beispielsweise http://kurl.de/axenes "Auch wenn der von Ihnen geleistet Service in Ihrem Land nicht der Umsatzsteuer unterliegen, erfordert das europäische Umsatzsteuerrecht, dass Sie eine Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer erstellen, die für andere in der EU ansässige Unternehmen geleistet werden. Sie müssen in dieser Rechnung jedoch keine Umsatzsteuer ausweisen, wenn die Umsatzsteuernummer von Amazon EU Sarl Luxembourg (LU20260743) auf der Rechnung vermerkt ist." Braucht man nunmehr also doch eine Rechnung statt der Gutschrift? Für die Auskunft möchte ich mich schon vorab bedanken!
MfG Schrader

Hallo und vielen Dank für das nette Feedback und die vertrauensvolle Anfrage. Der Reihe nach:
1. Wenn Sie "Kleinunternehmer" im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sind (Jahresumsatz bis zu 17.500 Euro), brauchen Sie weder Umsatzsteuervoranmeldungen noch eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Auch nicht in den beiden ersten Jahren. Das Thema Umsatzsteuer können Sie vernachlässigen.
2. Dass Sie keine Voranmeldungen gemacht haben, ist also völlig o.k.
3. Die Bedienung Ihres Buchführungsprogramm kann ich Ihnen leider nicht erklären - zumal ich nicht genau weiß, um welches es sich handelt. (In der WISO-Reihe gibt es eine ganze Reihe von Programmen, die sich für die betriebliche Gewinnermittlung eignen.)
4. Ganz gleich mit welchem Programm Sie arbeiten: Sie haben auf jeden Fall die Möglichkeit, zu Beginn die Option "Kleinunternehmerregelung" zu aktivieren. Dadurch entfällt die automatische Aufteilung in Brutto- und Nettoanteil von Einnahmen und Ausgaben.
5. Falls Sie mit dem WISO Sparbuch 2009 und dessen Modul "Einnahmenüberschussrechnung und Kassenbuch" arbeiten, finden Sie im 4. Schritt des Einreichungsassistenten ("Grundeinstellungen für die Einnahmenüberschussrechnung") die Option "Für 2009 besteht Umsatzsteuerpflicht". Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, entfernen Sie dort das Häkchen - fertig.
Viel Erfolg und schöne Grüße
Robert Chromow

Hallo,
erst einmal "DANKE".. ich ahbe viel Neues erfahren...aber trotzdem eine Frage:
in meinem "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" steht bei Kleinunternehmer-regelung, dass ich bei Inanspruchnahme dieser Regelung keinen Vorsteuerabzug geltend machen muss und es steht weiterhin als "Hinweis", dass Voranmeldungen nicht abzugeben sind.
Nun lese ich hier, dass man bei Existenzgründung monatlich eine Voranmeldung machen muss.
ich habe dies nicht gemacht, da dies so auf dieser Vorerfassung drauf stand... nun bin ich doch verunsichert... was muss ich also machen?
ich sitze nämlich bei meiner 1.Steuererklärung zum Kleinunternehmen (IT-Branche - Dienstleistungen) und verzweifle ein wenig, was ich wo udn wie eingeben muss, welche Kategorie ich bei "Ausgaben" bzw. "Einnahmen" anklicken muss ... denn je nachdem, was ich anklicke/auswähle, erscheint plötzlich bei Auswahl von "Bürobedarf" bei den Ausgaben statt 3,58 € nur noch eine Ausgabe von 3,01€ aber dann wieder einen USt-Anteil von 0,57 € ... wähle ich allerdings "sonstige Ausgaben" an, ist dies nicht so... was ist denn dann für mich besser?... ich blicke da noch nicht ganz durch, welchen Vor- und Nachteil ich nun habe.
über eine Erklärung würde ich mich freuen..
ach ja.. ich arbeite mit dem WISO-Programm und meine Familie hat seit über 10 Jahren im bereich der "normalen Einkommensteuererklärung" damit gute Erfahrungen gemacht, deswegen erhoffte ich mir, dass ich damit meine 1.Gewerbesteuererklärung/Umsatzsteuererklärung machen kann...
oder kann ich dem Finanzamt einfach eine Liste "Einnahmen-Ausgaben" übergeben udn gut ist?
andererseits möchte ich es auch "richtig" machen

Gruß und danke im Voraus

Danke, Markus,
für das nette Feedback!
"Was alles bei der Vorsteuer angegeben werden kann" hängt davon ab, welche Betriebsausgaben Sie hatten und wie viel Mehrwertsteuer auf den dazugehörigen Rechnungen und Quittungen ausgewiesen war: Sämtliche Mehrwertsteuersteuer-Beträge, die Sie bei Einkäufen für Ihren Betrieb bezahlt haben, können Sie als Vorsteuer von Ihren eigenen Umsatzsteuer-Einnahmen abziehen.
Bitte beachten Sie: Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, dürfen Sie keine Vorsteuer abziehen.
Was die "Steuerverpflichtungen" als Kleinunternehmer betrifft: In dem Fall genügt eine einfache EÜR. Einzelheiten entnehmen Sie unserem Grundlagenkurs
"Praxis der Einnahme-Überschussrechnung"
http://www.akademie.de/direkt?pid=9490
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Fande ich sehr interessant, danke!
Unklar ist für mich allerdings noch was alles bei der Vorsteuer angegeben werden kann, wo finde ich Informationen diesbezüglich? Würde gerne kein Geld verschenken :-)

Was muss ich als Selbstständiger in einem Jahr noch an Steuerverpflichtungen erledigen wenn ich auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet habe und erstmal der Umsatz sehr gering ist keine 10.000 im Jahr. Jahresabschluß? Bilanz? EÜR? oder, usw..

Gruß
Markus

Gemeinnützigkeit,
Körperschaft-/Gewerbesteuer,
Umsatzsteuer,
Spendenrecht,
Änderung Vereinsteuerrecht,

Es reicht nicht, dass gemeinützige Vereine auf ihren Zweck hin überprüft werden.
NEIN - die ständigen Attaken des Finanzamts auf die Vereine, die meiner Ansicht nach nur Beutelschneiderei ist, verhindern immer mehr die Bereitschaft bei der Vorstandstätigkeit.

Alles leer gedroschenes Stroh wenn von den regierenden Parteien behauptet wird, "DAS VEREINSLEBEN ZU FÖRDERN".

Die Regierenden vergessen ganz, dass die ehrenamtlichen Vorstände keine Fachleute oder Unternehmer sind. Vorstände in gemeinnützigen Vereinen opfern erhebliche Freizeit, haften auch noch für ihr Ehrenamt, wenn sie das Amt nicht gründlich genug ausüben.

Dagegen werden mit gut betuchten Steuerflüchtlingen zweifelhafte Abmachungen getroffen bei denen diese ihre Steuerschuld aus der Portokasse bezahlen. Das ganze wird dann noch blauäugig damit begründet, sonst überhaupt keine Steuern zu bekommen.

Weiter so - und es gibt bald keine Menschen mehr, die sich zu einem Ehrenamt in gemeinnützigen Vereinen zur Verfügung stellen.

Hallo,
es tut mir leid, dass unsere Informationen bei Ihnen nicht zu mehr Handlungsfähigkeit geführt haben, sondern zu wachsender Verzweiflung. Bevor Sie sich dadurch von Ihrer eigentlichen Arbeit abhalten lassen, sollten Sie Ihre Steuerangelegenheiten tatsächlich besser einem Experten überlassen. Wenn Ihnen der Steuerberater für die vorbereitenden Buchführungsarbeiten zu teuer ist (fragen Sie ihn doch einfach einmal, was das kostet!), kommt vielleicht ein/e Buchführungshelfer für Sie infrage!?
Andererseits: Sooo kompliziert ist die Sache bei Freiberuflern auch wieder nicht. Ja, das Finanzamt erwartet von Gründern in den beiden ersten Jahren Monat für Monat eine umfassende / vollständige Umsatzsteuervoranmeldung. Wenn Sie im Rahmen Ihrer Einnahmenüberschussrechnung alle Einnahmen und Ausgaben und die dazugehörigen Umsatz- bzw. Vorsteueranteile auflisten, brauchen Sie zu Beginn des Folgemonats nur einen Strich darunter zu ziehen und von der Summe der eingenommenen Umsatzsteuer die selbst bezahlte Umsatzsteuer (=Vorsteuer) abzuziehen. Falls Sie - wie von uns empfohlen - die Dauerfristverlängerung beantragen, haben Sie dafür sogar einen Monat mehr Zeit. Gegen spätere Korrekturen hat das Finanzamt übrigens auch nichts einzuwenden.
Meine Frage: Bereitet Ihnen dieses Grundprinzip Probleme oder liegt es vielmehr an der für die Umsetzung erforderlichen Arbeitsorganisation bzw. den fehlenden Werkzeugen / der passenden Software?
Nicht verzweifeln - alles wird gut! :-)
Herzliche Grüße
Robert Chromow

Sehr geehrter Herr Chromow!

Vielen Dank für Ihre informativen Artikel. Dazu eine Frage: Das Finanzamt verlangt von mir eine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung. Ich bin Freiberufler im IT-Bereich. Nach Recherchen auf den Seiten von Akademie.de und der Authentifizierung für Elster-Online bin ich wohl auch befähigt, meine vereinnahmte Ust zu bestimmen und abzuführen Geht es jedoch um all die verschiedenen vorsteuerabzugsberechtigten Betriebsausgaben (Telefon, Internet, Steuerberatung, Hardwarekäufe, Bus- und Bahntickets etc.) wächst meine Verzweiflung über die Kompliziertheit der Materie mit jeder neuen Info, die ich mir hier oder andreswo suche. Eigentlich müßte ich das wohl dem Steuerberater überlassen. Der ist aber schon für die alljährliche Stuererklärung teuer genug, und ich will ihn jetzt, wo mit der globalen Finanzkrise auch meine persönliche Auftragslage eher unerfreulich ist, nicht auch noch für die monatlichen Erklärungen bezahlen. Könnte ich mich also so aus der Affäre ziehen, daß ich für die monatlichen Erklärungen nur die großen, sicheren Vorsteuern abziehe, und den ganzen komplizierten Kleinkram für die Jahreserklärung und den Steuerberater aufspare? Oder muß auch schon die monatliche Erklärung umfassend / vollständig sein?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Hallo csjc13,
Ihre Rechnung stimmt nicht ganz: Wenn die Rechnungssumme des Hotels 100 Euro beträgt, dann beläuft sich der Vorsteueranteil nicht auf 19 Euro, sondern auf knapp 16 Euro. Rechnen Sie nach: 84,03 Euro plus 19 % = 100 Euro.
Ihre übrigen Überlegungen sind völlig richtig - auch was die 19-%-USt. auf weitergereichts Nahverkehrsleistungen betrifft. Dass das "komisch" aussieht, macht nichts. :-) Hauptsache, der Fiskus bekommt seinen Teil vom Kuchen.
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow,
Ihre Antwort auf die Frage zur Spesenabrechnung ist mir nicht ganz klar. Wenn ich bspw. eine Hotelrechnung über 100 EUR habe und bezahlt habe, dann berechne ich davon 19 EUR als Vorsteuerabzug (Feld 66). Gleichzeitig stelle ich jedoch meinem Auftraggeber die Hotelkosten in Rechnung, d.h. ich schreibe auf meine Rechnung, dass ich 100 EUR verauslagt habe. Wenn ich jetzt darauf nochmals 19 % Ust. in meiner Rechnung erhebe, dann bekomme ich insgesamt 119 EUR von meinem Auftraggeber für die Übernachtung (obwohl sie nur 100 inkl. Ust. gekostet hat??). Davon muss ich dann wiederum 19 EUR an Ust. ans Finanzamt abführen. Ist das korrekt? Sieht ja auf den ersten Blick etwas komisch aus, wenn ich mehr berechne, als ich tatsächlich bezahlt habe. Aber muss wohl so sein, weil ich sonst Verlust mache. Und wie ist das dann bei den Fahrtkosten (Kurzstrecken), bei denen ich nur 7 % Vorsteuerabzug geltend machen kann? Kann ich dann trotzdem 19% Ust. dafür meinem Auftraggeber in Rechnung stellen?? Das ist schon alles ziemlich kompliziert. Schonmal im Voraus besten Dank für Ihre Antwort.
csjc13

Vielen Dank für den Kurs! Hier wird auch für Normalsterbliche ein gut verständlicher Einblick in das Thema "Umsatzsteuer" gegeben.

Sehr geehrter Herr Chromow,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich werde Ihrem Hinweis nachgehen.

Mit besten Grüßen

S. Hanisch

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