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Praxiskurs Umsatzsteuer, Vorsteuer und Mehrwertsteuer

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Stand: 27. Mai 2013

Grundlagen: Begriffe und Verfahren

Wenn die Umsatzsteuer etwas verharmlosend als "durchlaufender Posten" bezeichnet wird, dann ist das lediglich ein Hinweis darauf, dass sie – normalerweise – keine Auswirkung auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen hat. Es handelt sich nämlich im Ergebnis um eine Verbrauchssteuer, die in voller Höhe von den privaten Endkunden aufgebracht werden muss. Sieht man von einigen wenigen steuerbefreiten Waren und Dienstleistungen ab, ist der Endverkaufspreis also immer ein (Brutto-)Betrag, der sich aus dem eigentlichen (Netto-)Umsatz und dem Umsatzsteueranteil zusammensetzt.

Brutto? Netto?

Die Begriffe "Brutto" und "Netto" können im Berufs- und Geschäftsleben ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Auf den folgenden Seiten bedeutet Brutto ganz einfach "inklusive Umsatzsteuer". Wenn Sie sich darüber hinaus mit den Brutto-Netto-Aspekten weiterer Steuerarten und Sozialversicherungsbeiträge informieren möchten, empfehlen wir den Grundlagenbeitrag "Richtig vom Brutto zum Netto und zurück rechnen – bei der Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Sozialversicherung".

Zurück zur Umsatzsteuer: Die an der Wertschöpfungskette beteiligten Produzenten und Dienstleister reichen den Steueranteil an den jeweils nächsten Abnehmer weiter und müssen "nur" die Differenz zwischen selbst bezahlter Umsatzsteuer (das ist die Vorsteuer) und der von den Kunden vereinnahmten Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen.

Daher übrigens auch der gelegentlich für Verwirrung sorgende, inhaltlich aber völlig gleichbedeutende Begriff Mehrwertsteuer. Der rührt daher, dass die Unternehmer nur die Umsatzsteuer auf den in ihrem Betrieb erwirtschafteten "Mehrwert" beim Finanzminister abliefern müssen. Die Betriebe arbeiten sozusagen als unbezahlter "Inkasso-Dienstleister" für den Fiskus.

Beispiel:

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Angenommen, ein Unternehmer hat im April 2013

  • Brutto-Einnahmen in Höhe von insgesamt 3.570 Euro,

  • die sich aus einem Netto-Erlös (Umsatz) von 3.000 Euro

  • plus 19 % Umsatzsteuer = 570 Euro

zusammensetzen. Im gleichen Zeitraum kauft er seinerseits

  • Waren und Dienstleitungen im Brutto-Gesamtwert von 1.071 Euro

  • d. h. einem Netto-Einkaufswert von 900 Euro

  • plus 19 % Umsatzsteuer = 171 Euro

Er hat also 570 Euro Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) von seinen Kunden eingenommen und selbst 171 Euro Umsatzsteuer (= Vorsteuer) an seine Lieferanten gezahlt. Den Vorsteueranteil darf er von seinen Umsatzsteuer-Einnahmen abziehen. Anhand des konstruierten Beispiels erkennen Sie gut, dass die Differenz in Höhe von 399 Euro betragsmäßig identisch ist mit der 19-prozentigen Umsatzsteuer auf den erwirtschafteten Netto-"Mehrwert" von 2.100 Euro (3.000 Euro minus 900 Euro = 2.100 Euro x 19 % = 399 Euro).

Bitte wundern Sie sich nicht, dass diese Rechnung in der Praxis nicht auf den Euro genau aufgeht: Das liegt daran, dass nicht alle Einkäufe dem "allgemeinen Steuersatz" von 19 % unterliegen: Manche Lieferungen und Leistungen sind von der Umsatzsteuer befreit, andere unterliegen dem ermäßigten Steuersatz von zurzeit 7 %. Doch dazu später mehr.

Im laufenden Betrieb sind die Betriebseinnahmen in der Regel höher als die Betriebsausgaben (oder sollten es zumindest sein). Daher liegt auch die vereinnahmte Umsatzsteuer normalerweise über der gezahlten Vorsteuer. Daher ergibt sich meistens eine Umsatzsteuer-Schuld gegenüber dem Finanzamt, die sogenannte Zahllast.

Gerade in der Anlaufphase eines neuen Unternehmens ist es aber oft umgekehrt: Denn bevor die Einnahmen sprudeln, gilt es erst einmal zu investieren und einzukaufen. Die Summe der gezahlten Vorsteuern ist dann höher als die vereinnahmte Umsatzsteuer. In dem Fall entsteht ein sogenannter Vorsteuerüberhang, der normalerweise anstandslos vom Finanzamt erstattet wird.

Ganz gleich, ob Umsatzsteuerzahllast oder Vorsteuerüberhang: Ihre Umsatzsteuereinnahmen und -ausgaben müssen steuerpflichtige Selbstständige und Unternehmer laufend unaufgefordert mit dem Fiskus abrechnen (Stichwort: Umsatzsteuervoranmeldung). Die eigenhändig ermittelte Zahllast ist unaufgefordert ans Finanzamt zu überweisen. Mehr dazu auf den folgenden Seiten.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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