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Praxiskurs Umsatzsteuer, Vorsteuer und Mehrwertsteuer

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Stand: 27. Mai 2013

Steuersätze: 7 oder 19 Prozent?

Im Umsatzsteuergesetz sind zwei verschiedene Steuertarife festgelegt:

  • der allgemeine Steuersatz von 19 % und

  • der ermäßigte Steuersatz von 7 %.

Mit dem (selteneren) ermäßigten Tarif von 7 % sorgt der Gesetzgeber dafür, dass ausgewählte Waren und Leistungen für die Konsumenten billiger werden. Neben den meisten Lebensmitteln gilt das etwa für

  • Kulturangebote (wie Bücher, Zeitschriften und manche Kunstobjekte)

  • die Verwertung von Urheberrechten oder

  • den Personennahverkehr

Eine Übersicht über die immer wieder umstrittenen Umsatzsteuer-Ermäßigungen bietet § 12 UStG. Die (teilweise erheiternde) vollständige "Liste der dem ermäßigten Steuersatz unterliegenden Gegenstände" finden Sie in Anlage 2 zum Umsatzsteuergesetz.

Abgrenzungskriterien bei Dienstleistungen

Gerade die Solo-Selbstständigen aus der Informations- und Kommunikationsbranche sind oft unsicher, ob ihre Leistungen dem ermäßigten Steuersatz unterliegen oder nicht. Das gilt beispielsweise für Webdesigner oder Texter und Redakteure. Unter der Überschrift "Dienstleistungen: 7 % oder 19 % Umsatzsteuer?" beschäftigen wir uns genauer mit der umsatzsteuerlichen Beurteilung von Dienstleistungen.

19 %: Einer für alles?

Selbstständigen, die ihre Waren und Dienstleistungen an vorsteuerabzugsberechtigte Geschäftskunden verkaufen, wird häufig empfohlen, im Zweifelsfall den Regelsteuersatz von 19 % in Rechnung zu stellen. Schließlich falle das bei diesem Kundenkreis kostenmäßig nicht ins Gewicht. Bei genauerer Betrachtung ist das keine gute Idee:

So bequem dieser Weg sein mag: Theoretisch birgt er die Gefahr, dass der Fiskus dem Empfänger bei der Anerkennung der Vorsteuer Probleme macht. Denn der Ansatz des ermäßigten Steuersatzes ist keine Kann-Bestimmung! Wenn Sie zu Unrecht 19 % Umsatzsteuer in Rechnung stellen, müssen Sie die vereinnahmte Umsatzsteuer zwar in voller Höhe ans Finanzamt abführen. Bei Ihrem Kunden werden unter Umständen aber nur 7 % Vorsteuer anerkannt!

Vorsicht Steuerschulden-Falle"

Wird bei einer späteren Betriebsprüfung umgekehrt festgestellt, dass Sie Ihren Kunden zu Unrecht den niedrigeren Tarif berechnet haben, müssen Sie nachträglich die volle Steuerschuld ans Finanzamt überweisen!

Bereits in einem Einpersonenbetrieb kann auf diese Weise im Laufe einiger Jahre leicht eine gefährliche Finanzlücke von mehreren Zehntausend Euro entstehen: Nur in seltenen Fällen dürfte es nämlich gelingen, von Geschäftspartnern im Nachhinein noch die höhere Umsatzsteuer einzufordern.

Finanzamt fragen

Wenn Sie sich nicht ganz sicher über den in Ihrem Fall passenden Steuersatz sind, setzen Sie sich am besten direkt mit Ihrem Finanzamt in Verbindung.

Und gleich noch ein Tipp hinterher: Verlassen Sie sich im Zweifel lieber nicht kritiklos auf Ihren Steuerberater. Schätzt der die Lage nämlich falsch ein, hilft Ihnen das nur bedingt weiter: An drohenden Nachzahlungen kommen Sie mit dem Verweis auf einen Beratungsfehler nicht vorbei. Den entstandenen Schaden können Sie sich bestenfalls von Ihrem Berater ersetzen lassen. Immerhin: Für genau solche Fälle sind Steuerberater gesetzlich verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Bei der Umsatzsteuer kennt das Finanzamt kein Pardon: Unvollständige Rechnungsangaben und andere Verstöße gegen die Formvorschriften gefährden den Vorsteuerabzug. Auf welche Inhaltsvorschriften Sie bei ein- und ausgehenden Rechnungen achten sollten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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