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Logo gestalten - Wie Sie schnell und einfach Ihr eigenes Logo entwickeln

Worte in Bilder übersetzen

Im nächsten Schritt geht es darum, die teilweise recht abstrakten Ideen des ersten Brainstormings in darstellbare Bilder zu übersetzen. Die "Massage" wird beispielsweise durch Hände symbolisiert, die "Liege" lässt sich direkt zeichnen, das "mobil" repräsentieren Räder oder Geschwindigkeitsstreifen.

Zusätzlich können Sie noch mit Schriften und Buchstaben herumspielen, ob sich da wichtige und weniger wichtige Bereiche herauskristallisieren. Setzen Sie sich einfach mal vor ein leeres Blatt Papier und kritzeln Sie herum. Eine Stunde später haben Sie vielleicht schon diese Ideen skizziert:

Bild vergrößernIdeenskizzen für das Logo

Das war sozusagen das grafische Brainstorming: es gibt keine Kritik und alles ist erst einmal gut. Selbst das vermurkste und voreilig durchgestrichene Logo 12 ist wertvoll. Nichts ist nämlich so schlecht, als dass es nicht wenigstens als schlechtes Beispiel dienen könnte.

Am besten betrachten wir nun einmal gemeinsam die entstandenen Logos der Reihe nach und untersuchen deren jeweilige Tauglichkeit.

Logo 1

Bild vergrößernLogo 1

Das ist eine typische Anfangsidee zum Warmzeichnen: unverbindlich, belanglos, austauschbar. Solche Logos gibt es wie Sand am Meer bei einschlägigen Anbietern. Da können Sie anschließend von "Mobile Massage" über "Internationale Agentur für Schlafwandler" bis hin zum "Ja zur Atomenergie!-Kongress" alles reinschreiben. Es hat keinen Bezug zu Ihrem Thema, unterscheidet sich zu wenig von vielen anderen ebenso lieblosen Entwürfen und ist deswegen raus aus dem Rennen.

Logo 2

Bild vergrößernLogo 2

Hier ist die Idee die symbolisierte Liege, wodurch gleichzeitig der gemeinsame Teil ("Mobile Massage") und der individuelle (Name der Physiotherapeutin) Teil sehr schön voneinander getrennt werden. Wenn nichts Besseres kommt, hat dieses Logo leidliche Chancen, nochmals überarbeitet zu werden.

Noch spricht aber die allzu große Ähnlichkeit mit einem Shinto-Schrein dagegen sowie die Tatsache, dass der individuelle Name auf der Liege steht. Ebendiese Physiotherapeutin aber befindet sich gerade nicht dort, an der Stelle müsste der Kunde sein.

Logo 3

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Hier folgt die Idee, die Hände im Logo einzuarbeiten. Netter Versuch, aber mehr auch nicht. Wenn das Ganze in Münster stattfände, ließen sich die Hände vielleicht noch optisch an das Stadtlogo angleichen, aber so bringt das nichts, denn das Beispiel soll in Aachen lokalisiert sein.

Die stark vereinfachte Strichdarstellung ist der kleinen Skizze geschuldet, aber das endgültige Aus für diesen Entwurf ist die abwehrende Handhaltung, die nicht "Massiere mich!", sondern "Lass mich in Ruhe!" anzeigt. Einziger Pluspunkt hier ist die runde Ellipse im Gegensatz zu den bisherigen, recht eckigen Entwürfen.

Logo 4

Bild vergrößernLogo 4

Allzu eckige, symmetrische, geschlossene oder massive Strukturen brechen Sie am besten mit einer absichtlichen Störung auf. So wie der Broadway das Straßenraster von Manhattan durchbricht, steht die weiche Trennlinie hier im bewussten Kontrast zur harten Schrift. Von dieser sind jeweils nur drei Viertel zu sehen, die Störung verbindet und trennt gleichermaßen.

Die individuelle Beschriftung steht deutlich im Hintergrund, durch deren linksbündigen Namen und die rechtsbündige Handy-Nummer bleibt auch bei wechselnden Textlängen das einheitliche Erscheinungsbild gewahrt. Zusätzlich sorgen gliedernde Striche für einen geschlossenen Eindruck. Das könnte was werden.

Motto

Eigentlich nicht wirklich Teil eines Logos, ist ein kurzes und knackiges Motto durchaus praktisch, um ein Anliegen auf den Punkt zu bringen oder schlicht optische Lücken zu füllen. Dies ist so ein Fall, in dem es ein Gegengewicht zum oben platzierten Namen braucht.

Ein gutes Motto braucht eigentlich einen eigenen Entwicklungsprozess, der hier ausgeklammert wird. Es stehen zwei Versionen einer Idee zur Auswahl: "Unser Druck ist Ihre Entspannung" und "Wir machen Druck. Sie machen Pause."

Logo 5

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Die Erkenntnis, dass mehr Rundung in das Logo hinein muss, führte zu einem Test, ob es sich nicht einfach im Kreis anordnen lässt. Na ja, so jedenfalls nicht. Der Schriftzug "Mobile Massage" ist im Grunde zu kurz für eine kreisförmige Anordnung, die Handhaltung immer noch ablehnend und der Rest wirkt eher wie eine Banderole. Weg damit!

Logo 6

Bild vergrößernLogo 6

Warum müssen Schriften immer einfach zu lesen sein? Durch die deutlich unterschiedlichen Schrifttypen in diesem Entwurf ist klar, dass über Kreuz gelesen werden muss.

Darunter steht als Element ein mittiger senkrechter Strich mit beidseitigem Farbverlauf. Kann man mal probieren, muss man aber nicht. Auch das fällt in die Kategorie "belanglos".

Logo 7

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Die sehr unterschiedlichen Textteile können ja durchaus mit Linien zusammengehalten werden, aber diese müssen keineswegs gerade sein. Vielleicht lässt sich der Druck aus dem Motto ja im Logo visualisieren wie bei diesem Entwurf? Es bleibt jedoch viel zu viel Eindruck von "pressen" übrig und das Logo scheidet damit auch aus.

Logo 8

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Die Massage-Liege ist mobil, also verpassen wir ihr doch einfach Räder! In Wirklichkeit hat sie natürlich keine, aber für eine grafische Zuspitzung ist das durchaus erlaubt. Manchmal ist ja die Karikatur sogar echter als das Original.

Das hat einen gewissen Charme, wirkt in sich stimmig und übertrumpft nebenbei das Logo 2. Hier hätten wir einen Entwurf mit Potenzial, wenn nicht die bekannteste Liege mit Rollen hinten aus einem Ambulanzwagen herausgezogen würde. Diese Assoziation hat nichts mit der geplanten Wellness zu tun und bedeutet das Aus für diese Idee.

Logo 9

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Seien wir ehrlich, das ist kein Entwurf, sondern höchstens eine Lockerungsübung für den Zeichenstift. Kein thematischer Bezug, keine hervorstechende Gestaltung, kurz: keine Chance.

Es ist aber hier bei den Beispielen geblieben, weil immer viel Mist und wenige Perlen zu finden sind. Das ist normal und muss Sie nicht frustrieren. Manchmal stecken sogar gerade in den missratenen Entwürfen die Lösungen, wie Sie nachher sehen werden.

Logo 10

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Ich habe gelegentlich einen Hang zu umrahmenden Rechtecken, da kommt sicherlich der Architekt durch. Das ist aber durchaus vorteilhaft in schwierigen Umgebungen, etwa als Autoaufkleber in unruhigem Umriss. Außerdem entschärft diese Technik das Problem unterschiedlich langer Namen, die dann von Rahmen gefasst werden.

Bei diesem Entwurf steht der Name zwar im Mittelpunkt, die beiden grau hinterlegten Seitenquadrate bilden aber ein angemessenes Gegengewicht. Möglicherweise sind sie sogar schwarz oder dunkelfarbig mit weißer Schrift, denn das ist in so einer Skizze absichtlich nicht genau zu erkennen.

Die Stärke einer Handzeichnung ist gerade ihre Unschärfe, die immer noch Spielraum für Interpretationen oder Ideen lässt.

Insgesamt ist der Eindruck harmonisch, wenn nicht gar allzu harmonisch. Da ist wenig Pepp und gar kein thematischer Bezug drin. Außerdem sind die Texte links und rechts weder optisch noch inhaltlich so gleichgewichtig, wie es für diese Gestaltung à la Triptychon sein sollte.

Logo 11

Bild vergrößernLogo 11

Der Versuch, mehr Schwung ("mobil") in das Logo zu bringen, endet hier erst einmal mit Geschwindigkeitsstreifen wie im Comic und einem irgendwie symbolisiertem Autokühler.

Der nochmalige Blick darauf löst aber eher die Assoziation "ICE-Schnauze" aus. Außerdem erscheinen dort unfreiwillig groß die Buchstaben "Cl", auch das müsste noch überarbeitet werden. Würde Siemens ein Logo für die neue Abteilung "Triebfahrzeuge mit Raketenantrieb" suchen, wären wir hier auf dem richtigen Weg.

Aber Massage hat etwas mit Ruhe zu tun, "mobil" muss keineswegs schnell sein, wie hier klar wird.

Logo 12

Bild vergrößernLogo 12

Auch wenn dieses Logo schon direkt durchgestrichen wurde, ist es ein wichtiger Schritt zur Lösung. Es war der Versuch, einzelne Buchstaben zu verändern, in diesem Fall, um mit zwei Rädern den Auto-mobil-Aspekt herauszuarbeiten.

Da bin ich nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein, der das macht. Hier ist es aber doch reichlich gequält, ein "G" lässt sich nicht so einfach in ein Rad umbauen, dass es glaubwürdig wirkt.

Logo 13

Bild vergrößernLogo 13

Hier habe ich mal probiert, das "A" und "O" in eine Figur umzuwandeln, indem ich die Buchstaben auf ihre geometrischen Grundformen (also Kreis und Dreieck bzw. räumlich als Kugel und Kegel) reduziert habe.

Das klappt nur, wenn der Wortrest auch ausreichend Eigenleben besitzt, um den verlorenen Buchstaben auch beim schnellen Hingucken eindeutig zu ersetzen.

Dass die Wortbedeutung hier schnell genug erkannt werden kann, würde ich hier bezweifeln, denn das zweite Wort könnte auch "Message" bedeuten. Im Übrigen verbinden sich die beiden Elemente nicht gewünscht zu einer symbolisierten menschlichen Person, sondern eher zu einer Halma-Spielfigur.

T_nnel?

Eines der bekanntesten Beispiele solcher veränderten Buchstaben ist das folgende, bei dem nicht ein Buchstabe fehlt, sondern umgekehrt ist:

Der Wortinhalt wird zudem noch verstärkt dadurch, dass das Objekt selbst zu sehen ist.

Logo 14

Bild vergrößernLogo 14

Immerhin beginnen und enden die Schlüsselwörter "Mobile" und "Massage" mit den gleichen Buchstaben, vielleicht lässt sich das ja nutzen? Aber leider entpuppen sich die Wörter wieder nicht als stark genug, um ihrer Zerstückelung zu widerstehen "obil" und "assag" löst kein Erkennen der Bedeutung aus. Dafür hat sich ein neues Superwort hineingeschlichen: "ME", was gar nicht gewollt ist.

Logo 15

Bild vergrößernLogo 15

Eine Kombination der Idee 13 und 14 führt plötzlich zu einer Überraschung: wenn das "M" einen symbolischen Kopf erhält, ergibt sich eine Person. Dazu kommt noch ein dicker Balken (welcher zukünftig die unterschiedlichen Namen in weiß enthalten wird) als Andeutung einer Behandlungsliege - et voilá!

Auf einmal sind alle Bedingungen erfüllt:

  • eine große Schrift, die auch im Vorbeifahren die wesentlichen Elemente lesbar macht,

  • ein "Superzeichen", welches auf Anhieb die Tätigkeit beschreibt,

  • eine starke Gestaltung, deren Eindruck nicht von unterschiedlich langen Namen geschwächt würde und

  • eine querformatige Ausrichtung, die an den Auto-Seitentüren ausreichend groß erscheinen kann.

Es ist übrigens reiner Zufall, dass der letzte Entwurf unten rechts auf dem Papier zur Lösung führt. Viel wahrscheinlicher brauchen Sie sowieso mehr als nur ein Blatt und irgendeine Idee mittendrin stellt sich als gut heraus.

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