öffentlich
Redaktion Druckversion

Individuelle und effektive Mahnbriefe schreiben

Zeit ist Geld - Kein Zögern beim Mahnen!

Mit zunehmendem Alter der Forderung sinken die Erfolgsaussichten des Inkassos. Deshalb gilt hier: Zeit ist Geld!

  • Alles möglichst schnell durchziehen (gerade auch bei höheren Forderungen!), da je später mit intensiver Beitreibung begonnen wird, desto größer ist die Gefahr, dass der Schuldner inzwischen zahlungsunfähig geworden ist bzw. andere Gläubiger zuvorgekommen sind.

  • Evtl. ist der Schuldner dann auch weniger zahlungswillig, weil er das Austauschverhältnis als nicht mehr vorteilhaft wahrnimmt. Sie sollten daher pünktlich und regelmäßig mahnen und Richtlinien für Ihre Kunden aufstellen.

  • Ein gut organisiertes, straffes Mahnwesen hilft auch Kosten senken, da dann die Finanzierung der Außenstände über Kontokorrent nicht über so lange Zeiträume erfolgen muss.

  • Schicken Sie nicht zu viele Mahnungen. Auch eine Durchnummerierung der Mahnungen ist nicht immer sinnvoll, da mancher Schuldner erwartet, dass einer ersten Mahnung auch eine zweite und sogar noch eine dritte und letzte folgt, was dazu führen kann, dass die Zahlungsmoral noch weiter sinkt. Andererseits gibt es aber auch Schuldner, die grundsätzlich erst auf eine zweite bzw. dritte Mahnung reagieren.

Natürlich kommt es auch hinsichtlich des günstigsten Mahnungszeitpunkts immer auf den jeweiligen Einzelfall an:

Mahnungs-UnZeiten

Mahnen Sie nie geschäftliche Unternehmungen zu Zeiten der Lohn- bzw. Gehaltszahlung.

Mahnen Sie nie Beamte und Angestellte am Monatsanfang. Grundsätzlich ist am Monatsanfang zwar mehr Geld da, aber das wollen die meisten Menschen nicht gleich wieder verplanen, deshalb haben sich Monatsmitte oder Monatsende als Mahntermin bewährt.

Zwar ist zu diesem Zeitpunkt häufig Ebbe in der Kasse, es besteht jedoch im Hinblick auf die bald fällige Gehaltszahlung eine größere Zahlungsbereitschaft. Der Schuldner ist häufig gerade am Monatsende am entscheidungsfreudigsten.

Im übrigen empfiehlt es sich natürlich, Geschäftsbetriebe zu Zeiten erhöhter Umsätze (z.B. Gastwirte zu Wochenbeginn bzw. nach Feiertagen und Festen, Landwirte nach dem Verkauf der Ernte etc.) zu mahnen.

Beispiel: Senden Sie einen Appell an Vertragstreue, Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn des Schuldners:

"Wir haben uns alle Mühe gegeben, Sie rasch und preiswert zu bedienen, deshalb werden Sie es uns auch nicht verübeln, wenn wir von Ihnen ebenso pünktliche Zahlung erwarten. Bitte denken Sie daran und überweisen Sie noch heute."

Oder:

"Wären Sie nicht auch mit uns unzufrieden, wenn wir die Lieferung um einige Wochen verzögert hätten? Also werden Sie unsere Verstimmung darüber, dass Sie Ihr Geld so lange zurückhalten, gewiß verstehen."

Oder:

"Wären Sie nicht erstaunt, wenn wir Ihren Auftrag 3 Wochen lang unerledigt liegen ließen und auf Ihre Anfrage nicht einmal die Lieferfrist angäben?

Bestimmt wären Sie es. Ebenso erstaunt uns Ihr Verhalten, auf unsere Zahlungsaufforderungen nicht zu reagieren.

Wir haben doch gewiss alles getan, um Sie durch pünktliche und einwandfreie Lieferung zufrieden zu stellen. Verübeln Sie es uns daher nicht, wenn wir Sie heute erneut darum bitten durch Bezahlung des geschuldeten Betrages Ihren Verpflichtungen nachzukommen."

Oder:

"Haben Sie sich seinerzeit nicht gefreut, als wir Ihre Bestellung noch am Tag ihres Eingangs erledigten?

Ebenso würden wir uns freuen, wenn auch Sie jetzt unverzüglich unsere Rechnung umgehend begleichen würden."

Berücksichtigung des mit der Zahlung verbundenen Aufwandes:

Senkung des physischen Aufwandes, z.B. durch bereits vollständig ausgefüllte Überweisungsträger, da viele Leute das Ausfüllen von Formularen scheuen, entweder weil sie zu unbeholfen sind oder weil es ihnen einfach lästig ist.

Es kann schließlich auch etwas bringen, den Chef der Schuldnerfirma bzw. die Geschäftsleitung in einem späteren Stadium noch einmal persönlich anzuschreiben:

Beispiel:

"Lassen Sie sich bitte den Vorgang im Interesse unserer guten (und bisher so unproblematischen) Geschäftsbeziehung unverzüglich zur nochmaligen persönlichen Überprüfung vorlegen."

Tätigen Sie ggf. einen Kontrollanruf: Werden Sie abgewimmelt und wird auch nicht zurückgerufen, so wissen Sie wenigstens ganz sicher, dass der Schuldner in die Kategorie "hartnäckig, böswillig" einzuordnen ist.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Inhalt

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild118058

Dr.Thomas Wedel ist Rechtsanwalt sowie Experte auf den Gebieten Mahnwesen, Forderungsmanagement, Inkasso. Er hat zwei Fachbücher in diesen Gebieten veröffentlicht: Mahnbriefe geschickt formulieren un ...

Newsletter abonnieren