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Wie Sie Ihre Mitarbeiter bei Laune halten (ohne selbst die Laune zu verlieren)

Mitarbeiter motivieren auf die clevere Art

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Stand: 13. April 2012 (aktualisiert)

Wie andere Beziehungen auch benötigt das Verhältnis zu Mitarbeitern vor allem eines: ständige Pflege. Wir geben Tipps für die Beziehungsarbeit.

Vorbilder

Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? An den einen Lehrer, bei dem Lernen einfach Spaß gemacht hat, obwohl Ihnen das Fach eigentlich nicht so gelegen hat? Und an den anderen Lehrer, der seine Unsicherheit oder Ahnungslosigkeit mit übertriebener Strenge und Strafarbeiten überspielt hat? Oder einen weiteren Lehrer, der meistens frisch von der Hochschule kam, jedem das "Du" angeboten hat und überhaupt ein toller Kumpel war? Leider haben Sie bei dem nichts gelernt.

Sie konnten selten so viele unterschiedliche Stile von "Führungskräften" beobachten wie in der Schule. Jeder Lehrer repräsentiert eine eigene Art des Umgangs mit "Untergebenen". Daran können Sie sich durchaus orientieren im Umgang mit Ihren Kollegen. Vor allem können Sie daraus auch ableiten, wann und warum Ihnen die Arbeit Spaß gemacht hat.

Der Chef-Blickwinkel

Betrachten wir das Problem der Motivation zunächst einmal aus dem Blickwinkel des Chefs. Er weiß, was zu tun ist und verteilt die Arbeit auf verschiedene Personen. Da stellen sich direkt mehrere Fragen:

  • Wie teile ich die Arbeit auf?

  • Wer bekommt welche Aufgaben?

  • Wann erwarte ich ein Ergebnis?

Ganz krass könnten Sie Ihrem Lieblingskollegen die "Rosinen" geben, während ein anderer immer die "Kröten schlucken" muss. Das kann auch ganz unauffällig sein, indem der eine die unproblematischen Stammkunden betreut und der andere schwierige Neukunden mit geringer Erfolgsquote.

Warum erhält eigentlich der eine diese Projekte und der andere die übrigen? Manchmal sind es schlichte Zufälle, weil ein Projekt abgeschlossen ist und der Kollege also gerade frei ist. Sie hätten aber auch umschichten können, wenn gerade kein Mitarbeiter mit der benötigten Qualifikation frei wäre. Also ist es doch nicht ganz zufällig.

Insgeheim erwarten Sie natürlich, dass der jeweilige Mitarbeiter das Projekt erfolgreich abschließt. Er braucht also eine irgendwie geartete Qualifikation dafür. Das kann ebenso Fachwissen wie der geschickte soziale Umgang mit einem Kunden sein. Kurz gesagt: Ihr Mitarbeiter macht das weiter, was er sowieso schon kann.

Das führt dazu, dass Sie die guten Kollegen fördern und die anderen den Rest der Arbeit machen müssen. Dieser Ansatz fördert den Machterhalt durch (Mehr-)Wissen. Wer mehr kann, wird noch besser. Und ganz oben stehen Sie als Alles-Könner?

Leider hat das Konzept eine Achilles-Ferse, wenn nämlich jemand mit einer solch exklusiven Qualifikation ausfällt, beispielsweise durch Krankheit oder gar Kündigung. Dann reißt dessen Fehlen ein mehr als riesiges Loch in Ihre Ressourcen. Abgesehen davon werden Sie als Chef erpressbar mit der angedeuteten Drohung, woanders zu arbeiten.

Der Mitarbeiter-Blickwinkel

Sie erhalten von Ihrem Chef ein neues Projekt. Damit einhergehend folgt ein ganzes Bündel von meist unausgesprochenen Fragen:

  • Ist das ein spannendes Projekt oder wollte es sonst keiner machen?

  • Kann ich das überhaupt?

  • Schaffe ich das in der vorgegebenen Zeit?

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten seit Jahren an der riesigen internen Datenbank mit allen Firmendaten. Eigentlich gibt es nur noch leichte Korrekturen und im Grunde sind Sie fertig. Nun möchte der Vorstand allerdings das Auslandsgeschäft noch besser integrieren.

Selbstverständlich sind Sie da erste Wahl, denn Sie sind eingearbeitet und kennen sich bestens mit der Materie aus. Trotzdem kommt keine Begeisterung auf, denn Sie würden gerne mal wieder etwas Neues machen. Wie wäre eine Motivation möglich? Wären Sie überhaupt motivierbar? Und womit?

Damit kommen wir zur Kernfrage der Motivation: Was motiviert Menschen, gut zu arbeiten? Die Antworten sind teilweise völlig überraschend, denn es gibt dazu verschiedene Umfragen und Versuche.

Eine Studie von monster.de unter 28.000 Arbeitnehmern aus Europa und Nordamerika ergab, dass 45 % vor allem durch den eigenen Anspruch an gute Arbeit motiviert werden. 45 %! Das ist fast die Hälfte aller Arbeitnehmer, die sich selbst motivieren!

Danach folgen noch erstaunliche 31 %, deren Motivation aus der Vergütung entsteht, die also für Geld arbeiten (obwohl andere Untersuchungen bereits belegen, dass Geld eine schwache Motivation ist, wie im Beitrag "Mehr Spaß im Beruf - So motivieren Sie Kollegen, Mitarbeiter und sich selbst" nachzulesen ist).

Der übergeordnete Blickwinkel

Aus diesen bisherigen Erkenntnissen folgt übrigens eine weitere: Sie können eine Win-Win-Situation schaffen, bei der also Chef und Mitarbeiter zufriedener sind. Am besten fangen Sie zuerst einmal damit an, herauszufinden, wo der Schuh drückt.

Möglicherweise werden Sie dabei überrascht feststellen, dass die Probleme, die Sie als Chef lösen wollen, gar nicht diejenigen sind, die Ihre Mitarbeiter gelöst haben wollen. Ein einfacher Fragebogen reicht dazu schon:

  • Ich arbeite gerne in dieser Firma, weil ...

  • Ich bin nicht so zufrieden mit ...

  • Ich würde gerne verbessern, dass ...

Wenn Sie eine ganz kleine Firma leiten, fragen Sie doch einfach mal in der Mittagspause herum, was es denn so an Alltagsproblemen gibt, von denen Sie noch nichts gehört haben. Vielleicht stellt sich dabei beispielsweise heraus, dass für Ihre Mitarbeiter die häufigsten Ärgernisse im täglichen Betrieb vor allem darin bestehen, dass:

  • ... die Telefonhörer von der Reinigungskolonne nicht ordentlich abgewischt und entsprechend eklig sind oder

  • ... immer nur der billigste, aber schlecht schmeckende Kaffee aus der Bürokasse gekauft wird oder

  • ... kein ausreichender Regalplatz für Bücher vorhanden ist.

So klein diese Anlässe sind, so dauerhaft und durchdringend ist doch der Ärger darüber. Da können Sie noch so viele Gehaltserhöhungen, Motivationswochenenden oder Prämien verteilen, der tägliche Frust bliebe. Mit unglaublich geringem Aufwand erzielen Sie so aber einen Mehrwert, der die Arbeitsatmosphäre direkt verbessert:

  • Sie beauftragen die Reinigungsfirma mit einer Extra-Säuberung der Telefone und sorgen für regelmäßige Nachpflege. Und wenn Sie gerade schon dabei sind, fügen Sie die Tastaturen und Mäuse hinzu.

Arbeitsgeräte müssen schließlich in jedem Beruf immer tiptop in Ordnung sein. So wie ein Busfahrer erwarten kann, dass sein Bus ordentlich betankt, geölt und geschmiert ist, so muss ein Büroarbeiter das von seinem Arbeitsmittel auch verlangen dürfen.

Putzen oder putzen lassen?

Das Argument, dass derjenige seine Geräte putzen soll, der sie immerhin benutzt und verdreckt hat, kann für den normalen Gebrauch schwerlich gelten. Wollen Sie wirklich teure Arbeitszeit mit solchen Tätigkeiten verplempern?

Zudem fehlen außer Zeit und Lust oft auch noch die benötigten Hilfsmittel. Eine verklebte Tastatur schnell mit dem Spüllappen zu reinigen, ist bestenfalls wirkungslos. Sie können aber sicher sein, dass dabei früher oder später Wasser hineinläuft und einen Kurzschluss auslöst (glauben Sie wirklich, dass währenddessen der Rechner ausgeschaltet wird?).

Der gleiche nasse Lappen beim Reinigen des Monitors führt nicht nur zu teureren Schäden, sondern im Falle von Röhrenmonitoren sogar zu potentiell tödlichen Unfällen. Das Zerkratzen des Bildschirms ist dann noch das geringste Problem.

  • Sie spendieren vernünftigen Kaffee (und Tee) nicht bloß für Besucher, sondern selbstverständlich auch für Ihre Mitarbeiter. Und wenn Sie gerade schon mal dabei sind, wäre ein gelegentlicher Obstvorrat sicherlich auch besser als uralte, muffige Kekse.

Die Kaffeekasse und deren Verrechnung sorgt nicht nur für unnötigen Streit unter den Mitarbeitern, sondern wird oft auch noch sehr unterschiedlich bezahlt. Dann müssen einige pflichtbewusste Kollegen entweder den Fehlbetrag dazulegen oder ewig den säumigen Zahlern nachlaufen. Billiger als mit regelmäßigen Getränken können Sie die Büroatmosphäre kaum verbessern.

  • Sie lassen ein paar Regale besorgen. Und wenn Sie gerade schon mal dabei sind, lassen Sie auch die defekten Lampen und den nur manchmal funktionierenden Wasserkocher austauschen.

Das Signal hinter diesen Aktionen heißt: Ich schätze Eure Arbeit und unterstütze Euch dabei. Wenn die Energie Ihrer Mitarbeiter vor allem in den Ärger über diese Kleinigkeiten oder in den Zeitaufwand zu deren Behebung geht, ist niemandem gedient.

Fazit

Geld, mehr Geld, noch mehr Geld. Diese "Ideen" zur Mitarbeitermotivierung verpuffen schneller, als Ihnen lieb sein kann. Dabei gibt es viele andere Möglichkeiten, sich und Ihren Mitarbeitern Spaß an der Arbeit zu vermitteln. Das kostet weniger Geld und nur ein kleines bisschen mehr Nachdenken.

Zum Weiterlesen:

Weitere Beziehungstipps finden Sie in den folgenden Beiträgen:

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