Corporate Identity und Firmenkultur
Sehr bewährt hat sich in diesem Zusammenhang in vielen Firmen, eine gemeinsame Unternehmensphilosophie zu entwickeln, eine Corporate Identity. In einer gemeinsamen Sitzung könnte beispielsweise einmal darüber gesprochen werden, welche Firmengrundsätze sich alle selbst geben wollen, die dann natürlich auch in stressigen und schwierigen Situationen eingehalten werden müssen. Insbesondere die Chefs müssen sich immer selbst daran halten!
Je mehr die Mitarbeiter bei der Entwicklung solcher Unternehmensgrundsätze an eigenen Ideen einbringen können, je mehr sie das Gefühl bekommen, Platz zu haben für die eigene Selbstverwirklichung ohne Rücksichtslosigkeit und Egoismen, desto höher ist die Identifikation mit dem Unternehmen und seiner Führung.
Dabei darf der hohe motivierende oder auch demotivierende Einfluss aus dem familiären Umfeld beziehungsweise aus dem Freundeskreis der Mitarbeiter nicht übersehen werden. Soweit besondere Familienfeste, Silberhochzeiten, Jubiläen, Geburten von Kindern oder Enkeln und andere Familienfeste bei den Mitarbeitern anstehen, sollten sie berücksichtigt werden und die Arbeitgeber sich mit einer passenden Aufmerksamkeit daran beteiligen.
Beispiel:
Sehr bewährt haben sich hierbei kunstvoll ausgestattete Bildbände, die entweder eine persönliche Liebhaberei des Beschenkten zum Thema haben oder einen Bezug herstellen zur Einrichtung, zur Umgebung oder zur Region. Auf den ersten Seiten dieses Buches gratulieren die Vorgesetzten noch einmal schriftlich und bringen sich auf diese Weise noch einmal positiv in Erinnerung.
Sehr freundlich wird es auch von vielen Familien registriert, wenn sie zu Betriebsausflügen, Messen oder Besichtigungen von Herstellerfirmen mit eingeladen werden. Sie bekommen dann häufig ein ganz anderes Bild über die hohe Arbeitsqualität und die damit verbundene Verantwortung der eigenen Familienangehörigen. Der Stolz, mit dem diese Dienstleistung vorgeführt wird, macht es oftmals viel besser begreiflich, weshalb der Ehepartner zu Überstunden bereit ist und mit positiver Motivation zur Arbeit geht.
Beispiel:
Ein Mitarbeiter hatte seine Familie zum Besuch einer Lieferantenmesse mitgenommen. Die Ehefrau und insbesondere die beiden Kinder waren begeistert über die vielen interessanten Anregungen beim Messerundgang. Seitdem gab es bei diesem Mitarbeiter keine Probleme mehr, wenn er einmal Überstunden machen musste.
Bei betrieblichen Festen kann den Chefs nur dringend geraten werden, sich im Laufe des Abends "zu verdrücken", damit die Mitarbeiter einmal ohne Chef feiern können und dabei ruhig über ihn lästern sollen, um Dampf abzulassen. Auch wenn die meisten Chefs der Meinung sind, dass es über sie nichts zu lästern gäbe und dass die Mitarbeiter alle ein sehr positives Verhältnis zu ihnen hätten - bleibt es doch ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, das in erster Linie auf einem Vertrag mit regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen beruht und nicht auf Freundschaft!
Ein weiteres interessantes Instrument, Auseinandersetzungen zu vermeiden, ist die Einrichtung einer betrieblichen Schiedsstelle in der Person einer erfahrenen Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters, die sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite jederzeit angerufen werden können, um Missverständnisse, noch bevor sie einen größeren Umfang annehmen, rechtzeitig auszuräumen. Diese Schiedsstelle ist sowohl Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter, wenn sie eine Forderung haben, als auch für die Chefs, wenn diese etwas innerbetrieblich durchsetzen wollen. Sie nimmt auf diese Weise eine ausgleichende Stellung ein und hat sich vielfach als Ersatz für einen offiziellen und umständlichen Betriebsrat bewährt.
Dieses Modell ähnelt dem so genannten Ombudsman in Schweden oder den in allen deutschen Parlamenten eingerichteten Petitionsausschüssen, die allgemeine Beschwerden und Klagen von Bürgern entgegennehmen und teilweise bei der Lösung der Fragen direkt helfen. Auf diese Weise können zum Teil originelle und vor allen Dingen billige und unkomplizierte Lösungswege gefunden und beschritten werden.
In Betrieben mit vielen Beschäftigten, die sich untereinander zum größten Teil nicht kennen, macht es auch Sinn, einen "Kummerkasten" in der Nähe des schwarzen Brettes aufzuhängen, wo die Mitarbeiter eine persönliche oder anonyme Beschwerde einwerfen können, durch die der Arbeitgeber rechtzeitig auf eine bestehende Problemlage aufmerksam gemacht wird. Dies können Fragen sein, die eine ganze Gruppe betreffen oder nur einzelne Mitarbeiter, die sich eventuell an die Firmenleitung wenden, weil sie in eine persönliche Notlage geraten sind und auf diesem Wege beispielsweise ein Betriebsdarlehen erbitten oder eine sonstige Unterstützung - und sei es nur mit einem Beratungsgespräch oder der Vermittlung weiterer Unterstützungen.
Sehr nützlich sowohl für die Unternehmung als auch die Mitarbeiter wäre eine Anzeige in der Heimatzeitung, in der für Mitarbeiter eine Wohnung gesucht wird, die dadurch eine kürzere Anreise zur Arbeitsstelle hätten. Danach sind sie dann kurzfristiger einsetzbar und könnten Notdienste übernehmen. Solch ein Einsatz der Arbeitgeber für private Belange der Mitarbeiter wird im privaten Umfeld sehr positiv kommentiert. Das schafft einen positiven Leumund als Grundlage für die Anwerbung von künftigen neuen Mitarbeitern oder Auszubildenden und erhöht nicht zuletzt auch die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Betrieb.
