Mitarbeiterführung: Materielle und immaterielle Leistungsanreize

Von: Dr. Joachim von Hein
Stand: 3. Februar 2012
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Motivation durch Rücksichtnahme

Bis zu einer Beschäftigtenzahl von 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es allen Führungskräften zuzumuten, sich die Namen vollständig einzuprägen und sich in diesem Zusammenhang auch private Hintergründe und Details zu merken, auf die Rücksicht zu nehmen ist.

Beispiel:

Ein Personalleiter einer Firma hatte sich darauf eingestellt, persönliche Beeinträchtigungen der Mitarbeiter zu berücksichtigen, zum Beispiel Mitarbeiter nicht gerade zu besonders schwierigen Arbeiten einzuteilen, wenn gerade eine Krankheit überwunden war oder bei Mitarbeitern muslimischen Glaubens, die gerade die Fastenzeit des Ramadan einhielten.

Genauso selbstverständlich war es für ihn, Nichtraucher und Raucher möglichst nicht in eine Gruppe einzuteilen. Die Mitarbeiter dankten es ihm durch besondere Treue und Zuverlässigkeit. Außerdem wurde das Betriebsklima gefördert, weil die überflüssige Streiterei über das Rauchen oder das Essen entfiel.

Nicht wenige Arbeitgeber haben darüber hinaus sehr motivierte und einsatzwillige Mitarbeiter dadurch gewonnen, dass sie eventuelle Behinderungen berücksichtigen oder entsprechende orthopädische Maßnahmen stützen, Sitzmöglichkeiten oder Stehhilfen, teilweise mit Förderung durch entsprechende Sozialeinrichtungen, zum Beispiel die Wiedereingliederungsstelle für Schwerbehinderte, anschaffen und dem Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Sehr bewährt haben sich in diesem Zusammenhang Rückenschule-Seminare mancher Krankenkassen, die innerbetrieblich oder an einem zentralen Ort für mehrere Betriebe gemeinsam durchgeführt werden.

Dazu gehört auch die Rücksichtnahme auf besondere zeitliche Beschränkungen, weil Mitarbeiter gerade an einer Fortbildung teilnehmen oder aus familiären Gründen zu bestimmten Zeiten keinen Dienst machen können. In diesen Fällen sollten allerdings entsprechende Gegenleistungen eingefordert werden, zum Beispiel eine besondere Leistungsbereitschaft zu den übrigen Zeiten. Die Mitarbeiter müssen wissen, dass das betriebliche System des Gebens und Nehmens eben nur dann besondere Vorteile ermöglicht, wenn sie selbst auch bereit sind, besonderen und zusätzlichen Einsatz zu zeigen.

Mit zu den stärksten Motivatoren, die überhaupt betrieblich eingesetzt werden, gehört das Lob, insbesondere das rechtzeitige Lob, das bereits dann erfolgt, wenn bisher kritisierte Mitarbeiter sich verbessert haben. Auch wenn die Mitarbeiter noch nicht die geforderten 100 Prozent Leistung erreicht haben, sie aber bereits merklich weniger Fehler machen und sich schneller und besser einsetzen, ist dies bereits eine positive Erwähnung wert.

Diese muss allerdings unter vier Augen erfolgen, damit nicht andere, die die geforderte Leistung schon seit vielen Jahren erbringen, die Schlussfolgerung ziehen: "Der wird schon gelobt, wenn er es nur einmal richtig macht - und wir bringen die Leistung schon seit Jahren und hören nie ein freundliches Wort!"

Gerade in Klein- und Mittelbetrieben wird meistens zu wenig die gestaltende Kraft des "Lobens" genutzt. "Erwische deine Mitarbeiter, wenn sie etwas gut und richtig machen", heißt es. Dass die Mitarbeiter erwischt werden, wenn sie etwas falsch machen, brauchen Führungskräfte nicht extra zu lernen!

Das darf aber nicht bedeuten, dass nun jede gute und richtige Verhaltensweise mit einem Lob zu kommentieren ist. Vielmehr sollten die Mitarbeiter in dem gleichen Maße, wie sie kritisiert werden, auch freundlich lobende Kommentare zu hören bekommen.

In manchen Unternehmen wäre schon viel erreicht, wenn sich die Chefs überhaupt mit ihren Mitarbeitern, ihren Sorgen und Nöten sowie ihrer Leistungsentwicklung beschäftigten und auch darauf ansprechbar wären. Leider sind aber noch immer Führungsstrukturen zu beobachten, in denen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter nur dann ansprechen, wenn etwas schief gelaufen ist.

Funktionierende Kommunikation (auf Gegenseitigkeit!) bildet die Grundlage für ein gutes und leistungsorientiertes Betriebsklima. Sie hilft, Fehler zu vermeiden und löst Probleme. Sie ist zugleich als ein Instrument der positiven und konstruktiven Mitarbeiterführung einsetzbar. Das heißt zum Beispiel konkret, dass die Chefs jederzeit für alle Mitarbeiter ansprechbar sind, wenn die Tür ihres Arbeitszimmers offen steht!

Beispiel:

In einem Unternehmen hatte es sich der Werkstattleiter zur Angewohnheit gemacht, einen halben Vormittag pro Woche in der Anlage nur herumzugehen und die Mitarbeiter freundlich anzusprechen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er von vielen kleinen Problemen und Unzulänglichkeiten, die er daraufhin abstellen konnte. Dieses "Management by walking around", wie es in der Industrie heißt, hat sich sehr bezahlt gemacht.

Zu den fast selbstverständlichen Grundregeln des betrieblichen Umgangs miteinander gehört auch die Berücksichtigung von Geburtstagen und Betriebsjubiläen. Die Mitarbeiter übersehen solche besonderen Tage kaum und warten darauf, dass die Führungskräfte ihnen zumindest gratulieren und bei runden Geburtstagen oder Jubiläen ein Geschenk überreichen. Da solche Festanlässe gut im Voraus planbar sind, sollte es möglich sein, sich rechtzeitig zu überlegen, welches Geschenk wohl das geeignetste wäre und womit dem Mitarbeiter eine besondere Freude gemacht werden kann.

Je mehr Mühe in solche unerwarteten Aufmerksamkeiten gesteckt wird, desto motivierter werden die Mitarbeiter ihre betrieblichen Aufgaben erledigen, insbesondere dann, wenn ein Wunsch berücksichtigt wurde, der vor längerer Zeit einmal geäußert worden war. Sehr bewährt haben sich als persönliche Geschenke zum Beispiel

  • eine Geburtstagstorte nach Wunsch,

  • ein Essens- oder Einkaufsgutschein,

  • ein passendes Buch, eine CD mit der jeweiligen Lieblingsmusik,

  • ein besonderes Werkzeug,

  • individuell hergestellte Malereien,

  • Glasschleifereien,

  • Gravuren,

  • aufwändig gestaltete Urkunden mit Rahmen zum Aufhängen.

Mit solchem Eingehen auf persönliche Aspekte einzelner Mitarbeiter, regelmäßigen Besprechungen und einer insgesamt offenen Kommunikationsstruktur kann es in fast allen Unternehmen gelingen, das Betriebsklima zu verbessern. Das gefällt nicht nur den Mitarbeitern - die Kunden merken das auch!

Ein gutes Betriebsklima bietet letztlich die beste Garantie für eine gedeihliche, konstruktive und menschlich angenehme Zusammenarbeit. Ein gutes Betriebsklima ist nicht nur leistungsfördernd, sondern oft sogar Leistungsvoraussetzung. Ob sich dabei der Zusammenhalt bis in Richtung Freundschaft und in Richtung einer "Betriebsfamilie" entwickelt, hängt meistens von der Kommunikationsbereitschaft der Inhaber oder Chefs ab.