Motivation durch Sport oder Kultur
Im Freizeitbereich lassen sich ebenfalls immaterielle Leistungsförderungen nutzen, etwa die Einrichtung einer Betriebssportgruppe, eines Schach- oder Sportclubs, einer Volleyballmannschaft oder einer Hobbygruppe. Auch wenn sich die Chefs selbst etwas abseits halten, sollten sie diese Gruppen durch den Einkauf von Sportgeräten oder die Überlassung von Räumlichkeiten fördern, da ihnen die damit verbundene Motivationsförderung nur nützen kann.
Es könnte auch sein, dass sie marketingmäßig hilft, da über diese Betriebsgruppe in der Zeitung berichtet werden könnte und auf diese Weise der Name des Unternehmens kostenlos verbreitet wird. In der Presse würde dies umso leichter abgedruckt werden, je eher die "üblichen" Bahnen verlassen werden. Über den Auftritt eines Kabarets, einer Laienspielgruppe, eines Chores oder einer Musikantengruppe würde vermutlich eher berichtet werden als über eine Betriebssportmannschaft. Im Übrigen würden sich gemeinsame Besuche bei kulturellen Veranstaltungen eher als "Familienveranstaltung mit Angehörigen" eignen, als gemeinsame Besuche bei einer Sportveranstaltung.
Eine besondere Form der Kulturbelohnung könnte noch darin bestehen, Freikarten für das Kino, für Theateraufführungen oder Konzerte als Gutschein zu verteilen, oder auch in Form eines Loses einer Fernsehlotterie, bei deren Einkauf zugleich ein (steuerlich absetzbares) gutes Werk getan wurde.
Von vielen belächelt, aber doch als äußerst motivierend erweist sich die Erwähnung des "Mitarbeiters des Monats" aus dem Gastronomiebereich, was in anderen Unternehmen so ausgestaltet werden könnte, dass betriebliche Jubiläen der Mitarbeiter in der Zeitung veröffentlicht werden und ein Interview mit den Betreffenden erscheint. Als sehr motivierend empfinden es viele Mitarbeiter, wenn sie auf einem Einzel- oder auf einem Gruppenfoto im Hausprospekt abgebildet sind. In der Regel wird dieses Foto allen Freunden und Bekannten vorgeführt, wobei zugleich die Dienstleistung des Unternehmens positiv kommentiert wird.
Besonders interessant könnte es jetzt sein, in einer Informations- beziehungsweise Werbebroschüre auch andere mit dem Unternehmen verbundene Menschen zu zitieren oder zu interviewen, die dann ihrerseits ein Interesse haben könnten, diese Hausmitteilung zu verbreiten. Beispielsweise dürfen kammerangehörige Architekten oder gutachtende Ingenieure kaum direkt für sich Werbung betreiben. Es kann ihnen aber nicht verboten werden, mit einer hausinternen Zeitung ein Interview zu führen, um sich auf diese Weise ins Gespräch zu bringen.
Mit dem Namen eines langjährig leitenden Mitarbeiters könnten im Verkauf auch bestimmte Anfertigungen oder Modelle bezeichnet werden, die dieser Mitarbeiter vielleicht erfunden hat oder lange Zeit verantwortlich gemanagt hat. Auf diese Weise wird dieses Erzeugnis eindeutig benannt und zugleich die damit verbundenen Mitarbeiter geehrt.
Beispiel:
Ein Pflanzkübel "Modell Steffen" beispielsweise wurde nach einem Mitarbeiter so benannt, der diesen Pflanzkübel entworfen hatte. Er zeigte ihn dann im Prospekt voller Stolz seinen Kunden und hat ihn auf diese Weise dutzend Male verkauft!
Nicht zuletzt sollten sich verständige Arbeitgeber auch um das leibliche Wohl der Mitarbeiter Gedanken machen. Eine angenehme Erleichterung für den Arbeitsalltag stellt für viele Mitarbeiter der Service "Essen auf Rädern" dar. Manche Chefs spendieren auch mal ein Frühstück auf der Baustelle oder Kaffee und Kuchen im Büro sowie eine Schale mit frischem Obst im Sozialraum. Zum Frühstück gehört für viele Mitarbeiter eine Tageszeitung.
Damit aber nicht nur die Sensationspresse gelesen wird, sondern auch die lokalen Nachrichten, wäre es sinnvoll, eine oder mehrere regionale Zeitungen zu abonnieren. Die Mitarbeiter werden hierin auf politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Unternehmens hingewiesen.
Diese Art der Mitarbeiterfortbildung kann durch Wirtschaftszeitschriften aus einem Lesezirkel ohne große Kostenbelastung ergänzt werden. Gerade Mitarbeiter, die sich von gewerkschaftlichen Forderungen beeindrucken lassen, können auf diese Weise einmal andere und zusätzliche Informationen aufnehmen, die sie sonst eventuell gar nicht bekommen. Eventuell kann der Inhaber diesen Effekt auch noch zusätzlich unterstützen, indem wichtige Artikel oder Fachinformationen herauskopiert und jedem Mitarbeiter ins Fach gelegt werden - was sehr zu empfehlen wäre.
Die schönste und wichtigste Art der immateriellen Belobigung ist und bleibt aber das ehrliche und offene Lob für eine gute und richtige Verhaltensweise. Es sollte in der Regel im persönlichen Gespräch unter vier Augen ausgesprochen werden.
Die hohe Schule der Motivation besteht darin, sie zu erhalten, wenn einmal keine Führungskräfte im Hause sind! Motivationsschübe für einen überschaubaren, begrenzten Zeitraum bei den Mitarbeitern zu bewirken und damit Sonderaktionen, besondere Festtage oder Tage der Offenen Tür oder Messen durchzuführen, ist nicht so schwierig.
Besonders nötig ist die Motivationsstimmung im Alltag, wenn die Werkstatt unterbesetzt ist, wenn die Kunden besonders schwierig sind oder wenn das schlechte Wetter allen Beteiligten auf der Seele liegt.
Beispiel:
In einem Handwerksbetrieb gelang es dem Inhaber immer wieder, die Mitarbeiter auf die besonderen Vorlieben und Wünsche der jeweiligen Kunden einzustimmen. Bevor sie mit der Arbeit anfingen, versammelte er alle daran Beteiligten und erzählte ihnen ausführlich, mit welchen Worten und möglichst auch mit welcher Absicht sich die Kunden die eine oder andere Besonderheit gewünscht hätten. Auf diese Weise wussten vom Chef bis zum Praktikanten alle genau über den neuen Auftrag Bescheid und konnten die Arbeit gleich von Anfang an richtig einschätzen. Umgekehrt achtete der Inhaber sehr darauf, dass freundliche Bemerkungen von den Kunden nicht überhört, sondern an die beteiligten Mitarbeiter weitergegeben wurden. Dazu gehörte auch die Weitergabe von Geschenken und kleinen Aufmerksamkeiten der Kunden.
Das Beispiel zeigt zugleich, dass der Betrieb Motivation von den Mitarbeitern nur dann erwarten kann, wenn er bereit ist, Informationen zu geben und sich auf Zielvereinbarungen einzulassen. Ein motivierender Führungsstil setzt zunächst ein gewisses Maß an Mehrarbeit für die Führungskräfte voraus. Ist diese Führungsphilosophie aber einmal durchgesetzt und bei allen Mitarbeitern verstanden worden, kann wieder eine Menge Führungsaufwand und damit verbundene Zeit für Gespräche eingespart werden, weil die Mitarbeiter selbst wissen, was für das Unternehmen gut und richtig ist und sich entsprechend verhalten.
