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Schluss mit guten Vorsätzen - und her mit dem Jahresmotto!

Warum Iris Leister eher langfristig als kurzsichtig denkt

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Stand: 19. Dezember 2008

Vorsicht, Veränderungsgefahr! Gute Vorsätze halten nicht lange vor. Aber anstatt zu kapitulieren, sollten Veränderungswillige es mit einem Jahresmotto versuchen. Denn: Wer kein Ziel hat, hat keinen Erfolg.

Mal wieder steht die Jahreswende kurz bevor und gleichzeitig mit ihr, penetrant wie ein sich unendlich wiederholender Murmeltiertag, auch die Zeit der guten Vorsätze. Gute Vorsätze, die mit ebensolcher Murmeltiertagsregelmäßigkeit spätestens, nachdem drei Monate ins Land gegangen sind, wieder fahren gelassen werden. Veränderungen Fehlanzeige. Und dabei ist es gerade der Wunsch nach Veränderung, der dem Alle-Jahre-wieder der guten Vorsätze zugrunde liegt.

Schon deshalb ist von einer Kapitulation dringend abzuraten. Denn alles, was es braucht, um tatsächlich Veränderungen zu erreichen, ist eine neue Strategie. Und an dieser Stelle kommen das Jahr 2006, meine Freundin Susanne und das Motto ins Spiel: "Ich war mit dem Jahr 2006 nicht zufrieden und wollte herausfinden, welche Faktoren dabei eine Rolle spielten. Ich habe das Jahr analysiert und überlegt, wo ich nächstes Jahr sein will, welches konkrete Ziel ich habe. Schließlich habe ich mir ein Motto überlegt, das zu meinem Ziel passt. Unter dieses Motto habe ich das Jahr 2007 gestellt."

Klingt merkwürdig, ist es aber nicht. Bei dem Jahresmotto geht es nicht um Sprichwörter oder Lebensweisheiten, sondern um eine Art Parole. Gefunden von dem- oder derjenigen, die sich verändern will. Im Unterschied zum Kleinklein der nicht lange vorhaltenden guten Vorsätze können das so unterschiedliche Begriffe sein wie "Gesundheit", "Konzentration", "Veränderung" und vieles andere mehr. Egal, wie die Parole lautet, sie wird zum roten Faden, der sich durch das Jahr zieht. Das persönliche Motto als Richtschnur des Handelns. Ein Jahresmotto zu finden und danach zu handeln ist ein ganzheitlicher Ansatz.

"Ursprünglich kommt diese Strategie aus dem Projektmanagement", erklärte mir Susanne, die lange in einer Werbeagentur gearbeitet hat. "Es ist ein Instrument zur Kundenführung. Ich habe dann quasi Kundenführung für mich selbst gemacht."

Jahresmotto finden

Ganz simpel steckt der Gedanke "Wer kein Ziel hat, hat keinen Erfolg" dahinter. Es geht also immer um ein konkretes Ziel.

Um ein passendes Motto für sich zu finden, braucht es einen Nachmittag Zeit. Manchmal dauert es auch etwas länger. Zeit, in der der Mottosucher ein Resümee des vorangegangenen Jahres zieht, indem er oder sie Fragen beantwortet wie:

  • "Wo stehe ich?"

  • "Was ist gut in meinem Leben?"

  • "Womit bin ich unzufrieden?"

  • "Wovon könnte ich mehr in meinem Leben brauchen?"

Dafür nimmt man sich am besten einen großen Bogen Papier und stellt sich bildlich vor, was man hat, was man will und was man sich wünscht. Das schreibt man auf. Wer will, kann es auch aufmalen. Hauptsache, es macht Spaß. Nach und nach wird sich für jeden einzelnen das Motto für das neue Jahr herauskristallisieren. Beispielsweise könnte, wer als Ziel formuliert, mehr Freunde und Bekannte zu haben, das Motto "Beziehungen" wählen, und sein Jahr zum Jahr der Beziehungen ausrufen. Wer sich bisher immer verzettelt hat, könnte ein "Fokusjahr" einläuten. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Jahres- und Etappenziele

Nachdem der Mottosucher sein Jahresmotto gefunden hat, folgt der nächste Schritt. Wieder auf einem großen Blatt Papier wird genau aufgeschrieben oder aufgemalt, was man am Ende des Jahres erreicht haben will. Das ist das persönliche Jahresziel.

Weil Ziele leichter in kleinen Schritten erreicht werden, steckt man Etappenziele, die ebenfalls aufgeschrieben werden. Für jemanden, der ein "Jahr der Beziehungen" für sich ausgerufen hat, könnte z.B. ein erstes Etappenziel sein, am Ende des ersten Quartals des neuen Jahres zwei neue Bekannte zu haben. Das geht natürlich nicht von selbst. Dazu, diese zwei neuen Bekannten zu bekommen, gehört natürlich, dass man ausgeht, etwas unternimmt oder eingeschlafene Kontakte wieder aufweckt.

Auch diese Schritte werden aufgeschrieben, im Lauf des Jahres wird immer wieder überprüft, ob sie geholfen haben, dem Ziel ein Stück näher zu kommen. So gesehen sind die Schritte, die zu den Etappenziele führen, den guten Vorsätzen durchaus ähnlich. Im Gegensatz zu der starren Art, wie gute Vorsätze gewöhnlich verwendet werden, darf man sie jedoch auf ihre Tauglichkeit überprüfen. Wenn sie sich als untauglich erweisen, dann dürfen sie verworfen und einfach neue Schritte und Maßnahmen unternommen werden. So entwickelt man Stück für Stück nicht nur eine Art Vertrag mit sich selbst, sondern eine ganzheitliche Veränderungsstrategie. Genau das ist auch ein Grund dafür, dass diese Strategie weniger schweinehundgefährdet ist als gute Vorsätze.

Eine weitere Hilfe, um den Schweinehund auszutricksen, ist das große Zielpapier, das man sich, sollte es nicht ohnehin schon zur Betrachtung an einem prominenten Ort hängen, immer wieder hervor nehmen, betrachten und in Zielträumen schwelgen kann.

Das entscheidende Motto

Und es gibt einen weiteren Bonus. Die Mottostrategie hilft dabei, Entscheidungen zu fällen. Entscheidungen, die während des Jahres auf einen zukommen, dürfen und sollen sogar mit dem Motto abgeglichen werden. Dabei gilt es herauszufinden, wo der Mottoaspekt in der Entscheidung steckt. Das Kriterium ist, welche Entscheidung dem Motto am meisten dient. Das Motto ist keine Last, sondern eine echte Entscheidungshilfe.

Interessant ist, dass das Motto keineswegs nur beruflich greift, sondern auch privat. Dabei stößt es wesentlich größere Veränderungen an, als es gute Vorsätze können.

Susanne sagte: "Gute Vorsätze decken immer nur Teilaspekte ab. Mit einem Motto hört man auf herumzueiern." Sie ist das beste Beispiel dafür. Seit sie vor drei Jahren angefangen hat, mit dieser Technik zu arbeiten, verwirklicht sie Schritt für Schritt ihre Träume: Mittlerweile ist sie nicht nur eine sehr gute, sondern auch eine sehr gesuchte freie Journalistin.

Also: Schluss mit den Murmeltiertagsvorsätzen. Her mit dem Motto des nächsten Jahres.

Zum Jahreswechsel: Gute Vorsätze in Serie

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Guter Ansatz in Ihrem Artikel.
Warum viele Vorsätze dennoch scheitern, habe ich in einem Artikel auf meinem Blog beschrieben. Vielleicht interessiert es Sie: http://tinyurl.com/7844y8

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Über die Autorin:

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Iris Leister lernte das Handwerk des Drehbuchschreibens unter anderem an der UCLA in Los Angeles. Sie war außerdem jahrelang eine der Stammautorinnen des interaktiven Hörspielkrimis "Der Ohrenzeuge" auf RBB Radio Fritz. Nach diversen Kurzgeschichten hat Iris Leister im Mai 2008 ihren ersten Roman veröffentlicht, zu dem sie den gleichnamigen Blog Novembertod betreibt. Ihr Mystery-Thriller "Die unsterbliche Beute" wurde 2009 zum Drehbuchpreis DER CLOU für das beste Krimi-Konzept nominiert.

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