Publizieren, Broschüren und Bücher erstellen

Von: Robert Chromow
Stand: 21. August 2007
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Mit MS Publisher das Layout von Broschüren gestalten

Büro-Software wird vielfach für die verkehrten Zwecke eingesetzt: Vor allem Microsofts Word muss vielerorts als Multifunktionswaffe herhalten. Die eigentlich passenden Programme fristen hingegen ein Schattendasein. Besonders verkannt ist das auf vielen Festplatten brach liegende Layoutprogramm "MS Publisher". Wir haben es uns für Sie einmal etwas genauer angeschaut.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Weil MS Word oder neuerdings sein OpenOffice-Gegenstück "Writer" nahezu allgegenwärtig sind und viele Anwender mit einem Schreibprogramm ihre ersten Computer-Gehversuche unternommen haben, neigen sie dazu, es auch möglichst oft einzusetzen: Mit der Textverarbeitung werden also nicht nur Briefe und Berichte geschrieben, sondern Präsentationen vorbereitet, Berechnungen angestellt, ja sogar Daten verwaltet und Webseiten gestaltet.

Exkurs: Office-Anwendungen nach Einsatzgebieten statt Word für alles - ein Plädoyer:

Zwar sind die Basisfunktionalitäten für diese Zwecke tatsächlich in modernen Textverarbeitungsprogrammen vorhanden - die Ergebnisse lassen jedoch oft sehr zu wünschen übrig. Außerdem bieten die Exotenfunktionen wenig Bedienerkomfort. Bei regelmäßiger Nutzung lohnt sich also allemal der Einarbeitungsaufwand in "spezielle" Büro-Werkzeuge wie...

Die Einarbeitung ist auch nicht schwerer..."

Die erste Orientierung in den "ungewohnten" Programmen gelingt selbst weniger erfahrenen Computer-Anwendern meist problemlos. Schließlich ist die Benutzerführung weitgehend standardisiert: So ist zum Beispiel die Menüleiste in den unterschiedlichen Office-Modulen von Microsoft ("Datei - Bearbeiten - Ansicht - Einfügen - Format - Extras - Fenster") nahezu identisch. Auch die wichtigsten Menübefehle finden sich an den selben Stellen.

Dadurch ist die Eingewöhnung in "neue" Programme für besondere Einsatzzwecke auch nicht unbedingt aufwendiger, als in den Tiefen der Word-Menüs nach mehr oder weniger geeigneten Funktion zu fahnden. Angenommen, Sie haben bislang noch nicht mit einem Tabellenkalkulations-Programm gearbeitet, brauchen jetzt aber die entsprechenden Funktionen: Dann machen die ersten Schritte mit MS Excel oder mit OpenOffice.org Calc nicht viel mehr Mühe, als sich mit den Rechen- und Tabellenfunktionen von Word oder Writer vertraut zu machen.

Einfachere und genauere Bearbeitungsmöglichkeiten, mehr und bessere Vorlagen sowie komfortable "Assistenten" machen die Arbeit mit Spezialwerkzeugen oft schon nach kurzer Zeit zu einer Wohltat.

Sonderfall Druck-Layout

Während die Zweckentfremdung einer Textverarbeitung zu Kalkulations- und Datenverwaltungszwecken oder zur Internetprogrammierung früher oder später an ihre natürlichen Grenzen stößt, ist das bei der Gestaltung von Druckerzeugnissen offenkundig nicht der Fall: Genügend Geduld und Frustrationstoleranz vorausgesetzt, lassen sich Word, Writer & Co. durchaus als "Layoutprogramme" missbrauchen.

Wer aber je versucht hat, Anzeigen, Faltblätter, Visiten- oder Einladungskarten mit Hilfe von Word-Textfeldern, mit Grafik- und Zeichnungs-Objekten oder gar WordArt-Elementen zu gestalten, weiß, welch undankbares Geschäft das sein kann. Dabei gibt es auch und gerade für die Gestaltung von Druckvorlagen spezielle Anwendungen, die so genannten "DTP"-Programme ("Desktop Publishing").

MS Publisher: Allein unter Platzhirschen

Das MS-Publisher-SymbolKeine Sorge: Es muss ja nicht unbedingt eines der sehr mächtigen, aber auch teuren Profi-Werkzeuge sein wie InDesign oder QuarkXPress. Eine für den privaten und semiprofessionellen Alltagseinsatz durchaus brauchbare DTP-Alternative fristet völlig zu Unrecht ein Schattendasein auf vielen Bürorechnern: Das Layoutprogramm MS Publisher gehört sowohl zur Standardausstattung der aktuellen Office Professional Edition als auch der Small Business Edition des Microsoft-Büropakets.

Nicht nur die Seitengestaltungsfähigkeiten (etwa die Positionierung von Textfeldern) unterscheiden sich auf angenehme Weise von den begrenzten Möglichkeiten des großen Bruders Word. Ein- und Umsteigern werden die praktischen "Assistenten für schnelle Publikationen", die zahlreichen "Designsets" und vor allem die vielen ordentlichen Layout-Vorlagen zu schätzen wissen.

Vorlagen und Assistenten

Wesentlich besser als mit den entsprechenden Word-Musterdateien lassen sich mit den Publisher-Vorlagen Publikationen aller Art vorbereiten, so zum Beispiel:

  • Handzettel, Faltblätter und (Klein-)Anzeigen,

  • Briefköpfe, Visitenkarten, Formulare, Umschläge und Etiketten

  • Einladungen, Gutscheine, Post-, Gruß- und Speisekarten

  • Broschüren, Magazine, Kataloge und

  • - wenn's denn sein muss - auch HTML-Werbemails.

Bild vergrößernDie Publisher-Vorlagenliste

Sie erstellen damit nicht nur den äußeren Rahmen Ihrer Veröffentlichungen - bei Bedarf können Sie sich dialogorientiert durch die Erfassung der Inhalte führen lassen. Wiederkehrende Stammdaten wie Namen, Adressen und ähnliche Kontaktdaten für verschiedene geschäftliche und private Einsatzgebiete werden gespeichert und lassen sich beim nächsten Mal blitzschnell aufrufen.

Bild vergrößernDer - abschaltbare - Stammdaten-Dialog von MS Publisher

Der seiten- und objektorientierte Publisher hat bei der Produktion von Druckerzeugnissen gegenüber den letztlich immer noch zeilenorientierten Textverarbeitungsprogrammen die Nase vorn - und zwar sowohl hinsichtlich des Bedienungskomforts als auch in Bezug auf die gestalterische Qualität.

Bild vergrößernLayout-Ansicht in MS Publisher

Apropos Gestaltung: Über die Design-Qualität der gelieferten Musterdateien mag man streiten - doch...

  1. sind sie allemal besser als die meisten dilettantischen Eigenbauten und

  2. lässt sich das äußere Erscheinungsbild der Vorlagen bei Bedarf ja modifizieren.

Hauptsache, die grundlegenden Proportionen, Seitenaufteilungen, Abstände etc. stimmen. Gerade das Festlegen des äußeren Rahmens ist für Ungeübte schon bei Alltagsaufgaben alles andere als trivial - denken Sie nur an die passgenaue Aufteilung von Spalten auf der Vorder- und Rückseite eines Faltblattes.

Kein HTML-Editor

Selbst Internetprojekte lassen sich notfalls mit dem Publisher erzeugen - hier stößt das Werkzeug aber seinerseits an seine Grenzen: Für die Website-Programmierung gibt es nun einmal bessere Programme - siehe oben.

Make or buy?

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Gestalten ansprechender Druckerzeugnisse ist zweifellos eine Kunst für sich! Eine brauchbare Software und ein paar ordentliche Vorlagen garantieren noch kein gestalterisches Profiprodukt. Völlig zu Recht lassen Designer sich ihr Know-how, ihre Erfahrung und ihr "Auge" gut bezahlen. Vor allem bei der Entwicklung des betrieblichen Gesamt-Erscheinungsbildes, der berühmten "Corporate Identity", lohnt sich diese Investition unbedingt.

Fazit

Bei privaten oder betrieblichen Schnellschüssen sind Amateur-Designer mit dem Publisher hingegen allemal besser bedient als mit Word & Co. Mit rund 190 Euro ist das Layoutprogramm verglichen mit PageMaker (rund 1.000 Euro) und QuarkXPress (über 1.500 Euro) zwar vergleichsweise günstig - für die nur gelegentliche Nutzung aber immer noch ziemlich teuer.

Aber vielleicht fristet das DTP-Programm ja auch bei Ihnen sein Schattendasein? Ein Blick unter die Office-Haube Ihres Rechners ("Start" - "(Alle) Programme" - "MS Office") lohnt sich allemal:

Bild vergrößernMauerblümchen unter Platzhirschen

Günstige DTP-Alternativen

Das leistungsfähige OpenSource-Projekt Scribus ist mehr als bloß eine Publisher-Alternative zum Nulltarif. Die mächtige DTP-Anwendung läuft inzwischen auch auf Mac- und Windows-Rechnern.

In einer günstigen Basisversion gibt es den DTP-Klassiker Calamus. Die Software läuft ebenfalls auf allen gängigen Betriebssystemen. Die abgespeckte Lite-Version des vor mehr als 20 Jahren für den Atari ST (!) entwickelten Programms ist bereits für 50 Euro zu haben.

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