Nebenberuflich selbstständig: Tipps und Informationen für Nebenerwerbs-Gründer

Von: Robert Chromow
Stand: 9. März 2011
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Überleben im Heim-Büro: Arbeitsorganisation und Arbeitsalltag

Organisation und Technik

Gehören Sie nicht zu den Computer-Profis? Macht nichts! Verwaltung und Buchhaltung von Minibetrieben sind auch heute noch weitgehend auf Papierbasis möglich. Hauptsache, Sie haben die entscheidenden Informationen und Unterlagen schnell zur Hand. In diesem Kapitel finden Sie Tipps für die Organisation Ihres Heimbüros.

Mit fachlicher Kompetenz, beruflicher Erfahrung, geschäftlichen Kontakten, Telefon und Internetanschluss sowie ordentlichen Geschäftspapieren kann ein engagierter Einzelkämpfer heutzutage auch vom Arbeitszimmer (oder gar vom viel zitierten Küchentisch) aus professionelle Geschäfte machen.

Durch eine wachsende Zahl von Kunden und Aufträgen entsteht in jedem noch so kleinen Betrieb ein gewisser Verwaltungs- und Koordinationsbedarf - von der Belegablage und den Buchführungspflichten fürs Finanzamt ganz zu schweigen.

Unverzichtbarer Computer?

"Mit dem Computer geht alles schneller - es dauert nur etwas länger!" weiß der Volksmund - und liegt damit goldrichtig: Computer sind großartige Werkzeuge für Menschen, die gelernt haben, mit ihnen umzugehen. Doch selbst für die sind es vielfach rücksichtslose "Zeitfresser".

Zugegeben: Sie können einem viel Verwaltungsarbeit rund um die nebenberufliche Selbstständigkeit abnehmen. Wenn Sie sich jedoch extra einen PC, Office-, Projekt- und Buchführungssoftware kaufen und deren Bedienung lernen wollen, nur um monatlich Ihre drei oder vier Rechnungen zu schreiben, insgesamt 25 Kundenadressen zu verwalten und Ihre Mini-Buchführung zu machen, dann tun Sie sich damit keinen Gefallen!

Lassen Sie sich von niemandem einreden, ein Betrieb sei heutzutage ohne Computer nicht zu führen: Ein Terminkalender, eine Adresskartei und eine Einnahme-Ausgaben-Kladde reicht für die meisten Kleinunternehmen allemal! Mit handschriftlichen Angeboten und Rechnungen auf ordentlich gedruckten Briefbögen heben Sie sich unter Umständen sogar positiv gegenüber Wettbewerbern ab! Viel wichtiger aber: Sie können sich für Ihre Kunden und Ihre eigentliche Dienstleistung Zeit nehmen. Statt Ihre Zeit mit immer neuen Betriebssystemen, Programmabstürzen, Updates und Datensicherungen zu vertrödeln. So machen es jedenfalls die Profis!

Überleben im Papierkrieg

Neben dem "Zeitfresser Nr. 1" haben die meisten Selbständigen mit der Bewältigung der Papiermassen zu kämpfen. Und zwar ganz unabhängig von ihrer persönlichen Veranlagung zu Ordnung oder Unordnung: Denn entgegen den Versprechungen vom "papierlosen Büro" werden von Jahr zu Jahr wachsende Papierberge aufgeschichtet.

In heimischen Büros treten diese Gebirge vorzugsweise in Form von Stapeln auf. Besonders berüchtigt: Der "Erledigen"- oder "To-Do"-Stapel. Hohe Papierstöße werden nicht nur zu gefährlichen Informationsgräbern, sondern signalisieren vor allem andauernd: "Es gibt noch haufenweise zu tun!" Selbst wenn das gar nicht so ist und die Stapel überwiegend aus Katalogen, "interessanten" Zeitungsartikeln und Unterlagen zur längst erledigten Aufträgen besteht.

Erfolgreiche "Papierkrieger" brauchen daher ...

  • regelmäßige und gründliche Flurbereinigungen,

  • Mut zur Ablage "P" (wie Papierkorb),

  • praktische Ordnungsmittel,

  • ein einfaches Ablagesystem und natürlich:

  • etwas Konsequenz bei dessen Einsatz.

Die wirklich wichtigen Unterlagen lassen sich in den meisten heimischen Büros in zwei Ordnern und einer kleinen Hängeregistratur unterbringen:

  • Ordner 1 enthält jeweils zeitlich geordnet alle Buchhaltungsbelege: Bankauszüge mit dazugehörigen bezahlten Rechnungen, davon getrennt die Quittungen von Barzahlungen und schließlich die offenen Eingangs- und Ausgangsrechnungen.

  • Ordner 2 enthält alle Verwaltungsdokumente wie Versicherungs- und Steuerunterlagen, Haus- oder Wohnungsangelegenheiten, Kfz-Papiere usw.

Alles andere kommt in ordentlich beschriftete Hängemappen. Eine solche Hängeregistratur ist zwar eigentlich auch nicht anderes als ein um 90 Grad gedrehter Stapel, sie hat aber zwei entscheidende Vorteile: Sie ist thematisch geordnet und kann leicht nach Wichtigkeit sortiert werden. Hierhin gehören ...

  • Kunden- oder projektbezogene Unterlagen,

  • Lieferantenbezogene Unterlagen, zum Beispiel über Büromaterial, Einrichtungs- und Ausrüstungsgegenstände,

  • sonstige betriebliche Unterlagen wie eigene Werbematerialien oder Preislisten sowie

  • dauernd genutzte Informationen, etwa Post- und Telefongebühren, Adreßlisten oder Fahrpläne.

Wichtig: Legen Sie je Kunde, Auftrag oder Projekt immer eine eigene Mappe an. Und: Damit einzelne Hängemappen nicht zu Ersatzstapeln werden, müssen sie möglichst aussagekräftig beschriftet werden. Also "Telefonaktion" oder "VHS-Kurs" statt "Sonstiges" oder "Erledigen".

Materialien schließlich, deren Umfang die Hängemappen sprengt, gehören in beschriftete Stehsammler. Das gilt zum Beispiel auch für Zeitschriften, die Sie regelmäßig für Ihre Arbeit brauchen. Geizen Sie aber mit der Zahl solcher Sammler. Ob aus Vorsicht ("Wer weiß, wo-für ich das nochmal brauchen kann!?"), Respekt ("Hat immerhin 20 Euro gekostet.") oder Sentimentalität ("Hat mir doch mein Ausbilder besorgt.") - der Drang zum Aufheben ist es ja gerade, der die vermaledeiten Stapel entstehen läßt. Und dann heißt es wieder: "Ein Griff - und die Sucherei geht los..."

Sammelzwang vs. Archiv

Wichtig: Sinnloses, arbeitsintensives Horten unterscheidet sich grundlegend vom systematischen, zielgerichteten Sammeln. Für informationsgestützte Dienstleister wie nebenberufliche Journalisten, Lehrende oder Computerexperten kann es durchaus erforderlich sein, ein durchdachtes Informationsarchiv aufzubauen und regelmäßig zu pflegen.

Für alle anderen gilt: Lesen Sie Ihre Zeitungen, Zeitschriften, Info-Broschüren oder Computerausdrucke, um sich auf dem Laufenden zu halten. Notieren Sie dabei unmittelbar Nützliches. Reißen Sie besonders wichtige Artikel raus (warum kopieren?) und legen Sie sie in der entsprechenden Hängemappe ab. Und dann: den Rest zum Altpapier.

Spezialkurs Büro-Organisation

Sind Ihnen diese elementaren Überlebenstipps zu schlicht? Dann sollten Sie einen Blick auf unseren Leitfaden "Weg mit dem Aktenspeck!" werfen: Darin führt Sie die Rositta Beck-Rappen zum effektiven Büro-Ablagesystem.

Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und Sie sitzen schon im Chaos? Dann lohnt sich die Lektüre des Beitrags "Tabula rasa: So machen Sie reinen (Schreib-)Tisch" werfen: Darin erfahren Sie nicht nur, wie befreiend das Ausmisten sein kann, sondern dass es mit ein wenig Fantasie sogar Spaß macht!

Was nutzt das aufgeräumteste Home-Office, wenn der Kunde sein Erscheinen ansagt? Können Sie Ihr Arbeitszimmer in der Mietwohnung wirklich als repräsentatives Büro "verkaufen"? Mit dem Problem der Außenwirkung Ihrer heimischen "Niederlassung" befasst sich der Praxisbeitrag "Kundenbesuch im Heimbüro". Darin geben wir nicht nur Gestaltungstipps fürs geschäftliche "Heimspiel", sondern nennen auch bewährte Ausweichquartiere für Heimwerker.

Kontaktmanagement per PC

Haben Sie wirklich immer alles auf dem Zettel? Mit der neuen Nebentätigkeit und der Zahl der übernommenen Aufgaben wächst schnell die "gelbe Zettel-Gefahr": Hier ein paar Erinnerungs-Kleber, dort drei Gesprächsnotizen und da sogar ein ganzer Wald von Terminvereinbarungen: Wer behält da immer den Überblick?

Erste Abhilfe schaffen vorgedruckte Zeitplan-Bücher. Deren Nachteil: Wenn Sie nicht sehr systematisch arbeiten, geht auch hier schnell die Sucherei los: "Wo hab' ich nur die Faxnummer von Firma Harenberg notiert?" oder "Wann wollte ich noch mit Frau Berkhan die Veranstaltung durchsprechen?". Da liegt es nahe, über den Einsatz elektronischer Hilfsmittel nachzudenken, die einem mit ihren vielfältigen Erinnerungs- und Suchfunktionen so manches Blättern in Unterlagen ersparen können.

Wenn Sie ...

  • viele Kontakte, Termine und Aufgaben im Blick behalten müssen,

  • mit dem Computer vertraut sind und

  • dauernd auf einen PC, ein Notebook, einen PDA oder "Smartphone" zugreifen können,

... dann sollten Sie über den Einsatz eines "Personal Information Manager" (PIM) nachdenken.

Programme wie das auf vielen Windows-Rechnern installierte MS Outlook, der Klassiker Lotus Organizer oder Freeware-Alternativen wie EssentialPIM verknüpfen jeweils unter einem Dach zahlreiche nützliche Kommunkations-Werkzeuge, darunter zum Beispiel ...

  • Adressbücher für unterschiedliche Einsatzbereiche (Ansprechpartner, Anschriften, Telefon-, Fax-, E-Mail-Informationen),

  • Termin-Kalender in Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresansicht,

  • Fortschreiben regelmäßig wiederkehrender Termine,

  • einfache Projektverwaltung,

  • Aufgaben- und Aktivitätsplanung,

  • Notizblock oder auch

  • Journal- und Archivfunktionen.

Open-Source-Alternativen

Mit den Mozilla-Projekten Lightning und Sunbird gibt es inzwischen auch Kalender- und Aufgabenerweiterungen für Freunde von Firefox, Thunderbird & Co.

Adressbuch-, Termin- und Aufgabenmodule finden Sie natürlich auch in gedruckten Zeitplan-Systemen - die elektronischen Pendants haben jedoch zwei unschlagbare Vorteile: Sie erinnern automatisch an Termine und Aufgaben und sorgen zuverlässig für die Wiedervorlage von Vorgängen. Außerdem ermöglichen die eingebauten Volltext-Suchfunktionen den Zugriff auf Elemente aller Art. Auch ohne eine systematische Ablage finden Sie auf diese Weise meistens die Stecknadel im Heuhaufen.

Sie haben sich die erforderlichen Genehmigungen und die geschäftliche Grundausstattung besorgt, das Büro eingerichtet, die Ablage organisiert und sich über Ihre Termin- und Kontaktverwaltung Gedanken gemacht? Fürchten aber, dass Sie selbst in dem Wust an neuen Anforderungen auf der Strecke bleiben? Diesen Bedenken sind völlig normal. Das nächste Kapitel bietet Überlebenstipps für Einzelkämpfer.

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