Vorsicht Falle: Abzocke und leere Versprechen
Menschen, die ein nebenberufliches Standbein suchen, befinden sich seit eh und je im Visier von Heilsversprechern, Abzockern und kriminellen Betrügern. Wer beim Eintritt in die Geschäftswelt seinen gesunden Menschenverstand nicht an der Garderobe abgibt, erkennt die meisten Fallen jedoch auf Anhieb. Lassen Sie sich mit vagen Erfolgs- und Gewinnversprechen bloß nicht für dumm verkaufen!
Kennen Sie das? "Traumjob: Schnelles Geld bei freier Zeiteinteilung!" oder "Verdienen Sie täglich bis zu 2.000 Euro und mehr durch leichte Computertätigkeit. Kein Verkauf!" Wer solche Versprechen liest, ganz gleich, ob in der Zeitung, im Internet, in Mailings oder auf Aushängen, sollte sie keines zweiten Blickes würdigen. Erstens gibt es überhaupt nur wenige legale Tätigkeiten, auf die solche Beschreibungen zutreffen - und die werden nicht wie Sauerbier öffentlich beworben.
In Wirklichkeit geht es darum, die Gutgläubigkeit, Gier oder Verzweiflung allzu argloser Zeitgenossen auszunutzen. Erstaunlicherweise fallen selbst die haltlosesten und "unglaublichsten" Versprechen noch irgendwo auf fruchtbaren Boden - man muss sie nur oft und "laut" genug verbreiten.
Es gibt aber auch seriös klingende Angebote, bei denen sofort die Alarmglocken schrillen sollten. Immer dann, wenn zum Beispiel von ...
Einstiegs-, Schutz- oder Systemgebühren,
Seminar- und Lehrgangsgebühren,
Vorauskasse (z. B. für "Lager-Erstausstattung") oder
geheimen Insider-Informationen unter 0190-/0900-Telefon- und -Faxnummern
die Rede ist, schalten Sie am besten auf Durchzug. Gewinne werden bei solchen Geschäften bestimmt gemacht - aber immer auf Ihre Kosten.
Und was ist mit dem Network-Marketing?
Das Kind hat viele Namen: Seine Befürworter sprechen von ...
Network-Marketing,
Kooperativem Marketing oder
Multi-Level-Marketing (MLM).
Kritiker bezeichnen die weit verbreitete Sonderform des Direktverkaufs hingegen als Struktur-Vertrieb, als Pyramiden- oder Schneeball-Vertriebssystem. Das dahinter stehende Prinzip ist immer gleich: Im Auftrag eines Herstellers, Händlers oder einer Dienstleistungszentrale versuchen selbstständige Handelsvertreter, in ihrem persönlichen Umfeld Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Versicherungs-Checks o. ä. an den Mann oder die Frau zu bringen.
Im Erfolgsfall erhalten sie eine Verkaufsprovision. Zugleich versuchen sie, ihrerseits Verkaufs-Agenten anzuwerben, an deren späteren Verkaufs-Provisionen sie dann teilhaben. Jede Ebene der so entstehenden "Pyramide" verdient also an den Umsätzen der nachfolgenden Stufen mit.
Dadurch ergeben sich im günstigsten Fall tatsächlich große Verdienstmöglichkeiten - allerdings nur für wenige charismatische Profiteure auf den oberen Etagen. "Durchschnittliche" Vertreter können allenfalls ein - meist vorübergehendes - Nebeneinkommen realisieren: Die Zahl der potenziellen Endabnehmer unter Verwandten, Freunden und Kollegen ist nun einmal beschränkt. Und die - wenn überhaupt - gewonnenen Multiplikatoren stoßen ebenfalls schnell an ihre Grenzen. In den allermeisten Fällen sind MLM-Aktivitäten auf Dauer nicht tragfähig.
Besonders kritisch wird die Sache, wenn Einsteiger obendrein in Vorleistung (s. o.) treten sollen: Spätestens wenn von Ihnen verlangt wird, eine Grundausstattung des Produktlagers auf eigenes Risiko abzunehmen oder Einstiegsgebühren zu zahlen, sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen! In dem Fall ist der "Traum vom schnellen Geld" besonders schnell ausgeträumt. Statt der versprochenen phantastischen und noch dazu mühelosen Einnahmen bleiben dann oft Schulden.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht jedes MLM-System ist unseriös oder gar betrügerisch. Schließlich können MLM-Gründungen sogar öffentliche Fördermittel erhalten. Einen "Unvereinbarkeitsbeschluss" mit der Bewilligung des Gründungszuschusses gibt es jedenfalls nicht. Das Geschäftsmodell Netzwerk-Marketing findet sogar auf Seite 28 der BMWi-Broschüre "Starthilfe: Der erfolgreiche Weg in die Selbständigkeit" (PDF, 2,5 MB) ausdrücklich Erwähnung. Interessenten werden auf den Bundesverband Network Marketing verwiesen, deren Mitglieder sich zur Einhaltung bestimmter Mindeststandards verpflichten müssen.
Linktipp
Bevor Sie ernsthaft erwägen, sich einem Struktur-Vertrieb anzuschließen, sollten Sie aber auch einen Blick auf die ernüchternden Veröffentlichungen des MLM-Beobachters werfen.
Genug der mahnenden Worte - kommen wir zum Schluss ...
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