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Nebenberuflich selbstständig: Tipps und Informationen für Ihre Gründung im Nebenerwerb

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Stand: 26. April 2013

Die Grundausstattung: Was Sie für den Start brauchen und wie Sie es beschaffen

Visitenkarten

Wer Visitenkarten als simple Adress-Datenträger betrachtet, unterschätzt ihre Image- und Werbewirkung. Schon, weil die kleinformatigen Aushängeschilder als Bindeglied vom persönlichen Gespräch zum Online-Angebot dienen können. Wir nennen wichtige Gestaltungsregeln und pfiffige Kniffe im Umgang mit den unterschätzten Mini-Werbeträgern.

Bei der Suche nach Mitteln und Wegen zu neuen Kunden wird ein sehr effektiver Werbeträger leider oft vernachlässigt: die "Karte". Und das, obwohl Visitenkarten über das persönliche Gespräch hinaus vielfach den ersten materiellen Eindruck von Selbstverständnis und Professionalität eines Unternehmens vermitteln.

Beispiel für eine schlichte Visitenkarte

Der Charakter der rund 45 Quadratzentimeter kleinen "Image-Anzeige in eigener Sache" unterliegt im Onlinezeitalter obendrein einem gravierenden, bislang aber wenig beachteten Funktionswandel: Auf einfache Weise lassen sich zielgerichtet Verknüpfungen aufnehmen, etwa zu

  • laufend aktualisierten Produkt- und Dienstleistungsinformationen,

  • Referenzen oder Arbeitsproben oder sogar

  • für Kontaktpersonen unmittelbar nützlichen, attraktiven Inhalten.

Dafür genügt jedoch nicht die obligatorische Nennung der Unternehmens-Domain: Gerade bei größeren Websites sorgen Sie mit zusätzlichen Direktlinks auf spezielle Unterseiten dafür, dass Ihre Gesprächspartner tatsächlich an der gewünschten Stelle landen.

Brauche ich denn eine eigene Homepage?

Apropos Domain: Falls Sie an dieser Stelle Tipps zur Selbstpräsentation im Internet vermissen: Mit der "Großen weiten WWWelt" beschäftigen wir uns im Marketing-Kapitel dieses Kurses.

Die Gestaltung

Verzichten Sie unbedingt auf billig wirkende Computer-Eigenbauten: Mit Tintenstrahlfarbausdrucken auf vorgefertigten, mikroperforierten Kartonbögen outen Sie sich im Geschäftsleben ungewollt als Grünschnabel. Dabei sind die Eigenbauten gar nicht unbedingt billiger als Profidrucke: Der Digitaldruck ermöglicht mittlerweile auch relativ kleine Druckauflagen in guter Qualität zu günstigen Preisen.

  1. Die "Gratis-Angebote" mit Werbeaufdruck der Druckerei lassen Sie besser links liegen: 250 Visitenkarten sind heutzutage schon für um die 20 Euro zu haben. Kleinere Auflagen gibt es sogar für noch weniger Geld. Anhaltspunkte für die Größenordnung von Druckkosten finden Sie zum Beispiel bei flyeralarm.com, printweb.de, diedruckerei.de printplanet.de oder auch vistaprint.de.

  2. Zügeln Sie Ihre inhaltliche Experimentierfreude (wenn Sie nicht gerade aus der Kreativbranche kommen): Aufgrund des konservativen Lese- und Archivierungsverhaltens der meisten Geschäftsleute empfehlen sich normalerweise die Standardabmessungen (ca. 85 x 55 mm). Falls Sie sich an Privatleute richten, sind Alternativformate (z. B. Klappkarten) schon eher vertretbar.

  3. Auch beim Datenträger liegen Sie mit konservativem Karton (mindestens 180 bis 200, besser 250 Gramm aufwärts) meistens richtig.

  4. Verkneifen Sie sich schreiendes Design in extravaganten Formaten auf exotischen Materialien: Mit eigenwilligen Abmessungen, Formen, Farben, Zeichensätzen, Hintergründen, Materialien etc. sollten Sie nur dann experimentieren, wenn Auffallen um jeden Preis zweifelsfrei zu Ihrer Branche und Ihrer sonstigen Selbstpräsentation passt. Was bei einem Eventmanager unter Umständen gut ankommt, geht bei einem Unternehmensberater oder Beerdigungsredner schnell nach hinten los.

  5. Bei allem Mitteilungsbedürfnis: Achten Sie auf gute Lesbarkeit und Klarheit der Inhalte. Vermeiden Sie Überfrachtung. Setzen Sie Prioritäten, lassen Sie alles, was entbehrlich ist, weg. Und: Nutzen Sie die meist sträflich vernachlässigte Rückseite. Die Mehrkosten des beidseitigen Drucks sind erschwinglich.

Die Inhalte

  1. Prüfen Sie gründlich, welche der zahlreichen Standard-Kontaktdaten wirklich unverzichtbar sind: Nicht immer sind sämtliche Berufs- und Funktionsbezeichnungen, Verbandszugehörigkeiten etc. erforderlich – von der privaten Postanschrift ganz zu schweigen. Auch bei den Telekommunikationsangaben ist weniger oft mehr: Konzentrieren Sie sich auf je eine Fest- und Mobilfunknummer, unter der Sie am besten erreichbar sind.

  2. Platz für Wichtigeres schaffen Sie, indem Sie die Komplettübersicht über Ihre Kontaktkanäle ins Internet verlagern und auf Ihrer Visitenkarte darauf verweisen. Wie das geht, zeigt unser Beitrag "vCards: Virtuelle Visitenkarten".

    Bild vergrößernQR-Code: vielseitig verwendbare Klötzchen-GrafikPraktischer Nebeneffekt: Erstens erleichtern Sie Ihren Geschäftspartnern dadurch die erwünschte Übernahme Ihrer Daten in deren Adress- und Kontaktverwaltung. Und zweitens ersparen Sie sich bei Änderungen nachrangiger Informationen teure Neudrucke. Als Ergänzung oder Alternative zum Link auf eine vCard bietet sich der Abdruck eines QR-Codes an: Die mittlerweile auch hierzulande aus der Werbung bekannten Klötzchengrafiken können wahlweise gleich die Kontaktdaten im Volltext oder auch den Link auf eine Kontaktseite enthalten. Für die Übernahme braucht Ihr Gegenüber nur ein Handy oder Smartphone mit eingebauter Kamera und einer (kostenlosen) QR-App.

  3. Nehmen Sie statt vollständiger und änderungsanfälliger Komplettangaben lieber Direktlinks zu aussagekräftigen und verkaufsfördernden Referenzen, Arbeitsproben, Sonderangeboten oder vielleicht sogar Weblogs, RSS-Newsfeeds und Newsletter-Aboseiten auf.

  4. Überlegen Sie, welche anderen attraktiven oder gar nützlichen Elemente Sie aufnehmen können: Gute Erfahrung haben Profis zum Beispiel mit Hinweisen auf kostenlose Downloads gemacht, z. B. von Freeware oder E-Books. Besonderen Eindruck macht dabei die Einrichtung eines Passwortschutzes: Dadurch haben Sie beim Überreichen Ihrer Visitenkarte die Möglichkeit, Ihr Gegenüber durch Weitergabe eines Insider-Passworts zu "adeln".

  5. Machen Sie es Ihren Geschäftskontakten leicht, sich an Sie zu erinnern: Überlegen Sie, ob der Einsatz eines Fotos möglich und sinnvoll ist. Bei Beratern, Coaches und anderen sehr persönlichen Dienstleistern kann ein vertrauenerweckendes Bild weitaus wirksamer sein als ein eigens entwickeltes Logo.

  6. Setzen Sie Ihren Slogan an prominenter Stelle ein. Falls Sie noch keinen haben, überlegen Sie, ob Sie eigens für Ihre Visitenkarte einen entwickeln. Erste Hilfe bei der Formulierung einer prägnanten Selbstverständnis-Schlagzeile leistet unser Beitrag "So bereiten Sie wirkungsvolle Selbst-Präsentationen vor".

  7. Bieten Sie verschiedene Produkte oder Dienstleistungen an? Richten Sie sich an unterschiedliche Zielgruppen? Niemand hindert Sie daran, mehrere Kartenvarianten bereitzuhalten.

Der Einsatz

  1. Bringen Sie Ihre Visitenkarten großzügig unter die Leute! In Ihrer Schreibtischschublade oder Brieftasche entfalten sie keine Werbewirkung. Sorgen Sie dafür, dass Sie immer genügend Nachschub dabei haben. Benutzen Sie ein Kartenetui oder einen ähnlichen Schutz, damit Sie jederzeit fabrikneue Exemplare verteilen können. Entsorgen Sie ramponierte Einzelstücke – die machen den erhofften guten Eindruck nämlich schnell zunichte.

  2. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Karte auch zur Kenntnis genommen wird! Machen Sie Ihr Gegenüber beim Überreichen auf die nützlichen Inhalte Ihrer Visitenkarte aufmerksam (z. B. Arbeitsproben, kostenlose Downloads etc.).

  3. Personalisieren Sie Ihre "Handouts": Haben Sie keine Scheu vor handschriftlichen Ergänzungen. Im Gegenteil: Sie steigern den Erinnerungswert damit beträchtlich. "Gesichtslose" Visitenkarten verschwinden erfahrungsgemäß unbeachtet und damit wirkungslos in Ablagen oder gar Papierkörben.

  4. Nutzen Sie Ihre Visitenkarte als Notizzettel: Halten Sie vor der Übergabe zwei, drei Stichworte eines Gesprächs als Erinnerungsstütze darauf fest. Konnten Sie z. B. einem Gesprächspartner weiterhelfen, etwa einen Literatur- oder Onlinetipp geben? "Verewigen" Sie ihn auf Ihrer Karte! Nutzen Sie dafür am besten die Rückseite. Sorgen Sie in dem Fall aber durch einen Hinweispfeil auf der Vorderseite dafür, dass die "Fortsetzung" auf der Rückseite nicht in Vergessenheit gerät.

  5. Unterstreichen Sie die gewünschte Reaktion: Sie wollen, dass Ihr Gesprächspartner Sie am nächsten Tag anruft? Notieren Sie das Datum und die passende Uhrzeit und unterstreichen Sie die Rufnummer. Sie legen Wert darauf, dass Ihr Gegenüber Ihre Website besucht? Heben Sie die Internetadresse hervor.

  6. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Karten weitergegeben werden: Statten Sie zufriedene oder gar begeisterte Kunden mit einer Handvoll Karten-Exemplaren aus, damit sie ihre Mundpropaganda unterfüttern können.

  7. Verteilen Sie Karten an strategisch wirkungsvollen Orten. Das können nicht nur Eingangsbereiche von befreundeten Geschäftspartnern, von Messen, Ausstellungen, Behörden, Organisationen etc. sein: Überlegen Sie, wo sich die Angehörigen Ihrer Zielgruppe geschäftlich und privat aufhalten. Unter Umständen sind Auslagen in Supermärkten oder Fitnesszentren genau richtig.

  8. Ziehen Sie auch "versteckte" Visitenkartenwerbung in Betracht: Warum nicht einmal inhaltlich passende Bestände öffentlicher Bibliotheken eigenhändig mit "kostenlosen Lesezeichen" bestücken? Leser von Windsurfing-Büchern machen Sie so beispielsweise auf Ihre Baggersee-Kurse aufmerksam, Gründungsliteratur ließe sich mit Hinweisen auf Beratungs- und Informationsangebote "aufwerten". Lassen Sie bei solchen "Partisanen"-Techniken allerdings die Kirche im Dorf: Der Pfad zwischen pfiffiger Öffentlichkeitsarbeit und Belästigung ist schmal.

So schaffen Sie Einsatzmöglichkeiten

Noch viel mehr ausgefallene, aber auch traditionelle Wege, um auf sich aufmerksam zu machen, sind im Beitrag "Auftrags-Akquisition: Wie gewinne ich Kunden?" ausführlich beschrieben.

Zusammenfassung

Medien entwickeln sich weiter – das gilt auch für die gute, alte Visitenkarte. Mit den genannten Tipps und Tricks sowie ein wenig Fantasie erweitern Sie die Einsatzmöglichkeiten und die Wirkung Ihrer persönlichen Mini-Aushängeschilder spürbar – und das mit wenig Aufwand.

Vom Ausflug in die Marketing-Gefilde zurück auf den Boden der Basisausstattung: Viele Einsteiger in die nebenberufliche Selbstständigkeit fragen sich, ob sie eine separate Bankverbindung benötigen – womöglich gar ein spezielles Geschäftsgirokonto!? Das nächste Kapitel gibt Aufschluss.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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